Wenn’s mal wieder länger dauert… Ursprünglich sollte mein Exemplar der PlayStation Classic, die bislang eher durchschnittliche, bis hin zu schlechten Rezensionen erhalten hat, bereits zum offiziellen Erscheinungsdatum bei mir eintreffen. So hatte es Amazon zumindest in Aussicht gestellt. Auch wenn ich in der Vergangenheit schon ein paar Mal schlechte Erfahrungen mit nicht-eingehaltenen Lieferterminen oder verlorengegangenen Sendungen von Amazon hatte, hatte ich meine Vorbestellung bestehen gelassen und auf das Beste gehofft. Zuerst sah auch alles gut aus, denn der Versandhändler hat das Paket bereits am 30.11 auf die Reise geschickt, damit es auch auf jeden Fall am Erscheinungstag, dem 03.12. bei mir eintrifft. – So zumindest die Theorie, denn auf Grund einer „technischen Störung“ beim Versanddienstleister Hermes lag mein Paket (zusammen mit drei weiteren Paketen für mich) unbearbeitet bei Hermes und wurde einfach ums Verrecken nicht zugestellt. Auch unzählige Beschwerden, sowohl bei Amazon, wie auch bei Hermes lieferten leider keinen Erfolg und so konnte ich leider nur Abwarten. Besonders bei Hermes habe ich immer wieder Probleme, doch nach Rücksprache mit Amazon ist es wohl nicht möglich sich zukünftig nur von DHL beliefern zu lassen, was mich dazu bewegt hat auch meine noch ausstehenden Vorbestellungen zu stornieren und bei alternativen Anbietern neu zu bestellen, die diese Auswahlmöglichkeit geben, bzw. von Haus aus nur mit DHL versenden.

 

Es hat ungelogen nach unzähligen (und teilweise nicht kostenfreien) Gesprächen mit Hermes und Amazon und unter einem auf-der-Strecke-bleiben von unzähligen Nerven bis zum 11.12. gedauert, bis ich mein Paket (und die weiteren) endlich in den Händen halten konnte, was mich nun endlich in die Lage versetzt, nachdem ich mich intensiv mit der Mini-Konsole beschäftigt habe, mein umfassendes Review zu schreiben und die Frage zu klären, ob die Veröffentlichung wirklich die negativen Stimmen verdient.

 

Ich muss zugeben, obwohl ich im Vorfeld wirklich überlegt hatte meine Vorbestellung zu stornieren, hatte ich dennoch beim Öffnen der Umverpackung von Amazon und dem Anblick des Konsolenkartons ein wohliges Gefühl und kein Ersteindruck à la „was ist das denn“. – Die Verpackung ist zwar schlicht, aber wie ich finde sehr schick und Kombiniert das Design der ursprünglichen Verpackung von Sony’s erster Konsole mit den modernen Touches, die Sony heute für ihre Verpackungen verwendet, wie zum Beispiel das aufgedruckte PlayStation-Logo auf der Innenverpackung.  Auf der Front befindet sich ein Bild der Konsole und auf der Rückseite ist von jedem der enthaltenen Spiele ein Screenshot abgedruckt. Entfernt man den Umkarton kommt eine schlichte weiße Verpackung mit aufgedrucktem PlayStation-Logo zum Vorschein. Im Inneren findet man dann neben der kleinen Konsole, die knapp 45% der Originalabmessungen einnimmt, zwei kabelgebundene Controller, ein HDMI-Kabel, ein USB-Stromkabel und eine Kurzanleitung. Einen Netzadapter vermisst man allerdings, ebenso wie beim NES– und SNES-Mini und ist daher gezwungen, sofern man keinen aktiven USB-Anschluss am TV oder einen passenden Adapter für die Steckdose mehr zu Hause hat, einen dazu zu kaufen. Es wird dafür ein handelsüblicher USB-Netzadapter mit 5V benötigt.

 

Die Konsole sieht wirklich total schick aus und ist, zumindest rein optisch, ein wahres Highlight für Sammler und Freunde von Mini-Konsolen Sie ist sehr detailreich verarbeitet und hochwertig. An der Front befinden sich zwei Anschlüsse für die Controller und an der Rückseite werden die Kabel für den TV- und Stromanschluss eingesteckt. Die Lade ist natürlich nur noch eine Attrappe ohne Funktion, anders sieht es allerdings an den Bedienknöpfen auf der Kopfseite der Konsole aus, denn hier haben nicht nur der Power- und Reset-Knopf ihre respektiven Funktionen, sondern auch der Knopf zum Öffnen der Lade, denn damit wird bei Spielen, die ursprünglich auf mehreren Disks ausgeliefert wurden (zum Beispiel „Final Fantasy VII“) an den notwendigen Stellen für den Diskwechsel per Knopfdruck das Signal zum Zugriff auf die nächste Disk ausgelöst: Das Spiel denkt dadurch, dass nun eine andere Disk eingelegt wurde. Zwar beschweren sich einige Benutzer darüber, dass man dann aufstehen und den Knopf drücken muss, aber ich finde das eine wirklich nette Idee und insgesamt schöner gelöst als über einige Emulatoren, wo man manuell das Image wechseln muss und so die Immersion total zerstört. Entgegen der ursprünglichen PlayStation, die nur mit RCA-Anschlüssen daherkam verfügt die Neuauflage zeitgemäß über einen HDMI-Anschluss zum hochauflösenden und leichten Anschluss an moderne TV-Geräte. Das Bild wird dabei in 720p hochskaliert und ausgegeben, was für ein solides Bild sorgt. Die zwei kabelgebundenen Controller sind die ursprüngliche Controller-Variante der PlayStation, sprich der Pre-DualShock-Controller ohne Analogsticks. Hingegen steuert man über das heute eher vernachlässigte Steuerkreuz, was im ersten Moment zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig und teilweise wirklich ungelenk ist, aber da die Spiel größtenteils sogar darauf ausgelegt sind, geht es nach einer kleinen Eingewöhnungszeit wieder ganz gut von der Hand. Die Kabel sind übrigens 1,5 Meter lang und somit mehr als doppelt so lang, wie die Kabel des NES-Mini… Die Controller, die heutzutage mit einem USB-Anschluss an die Konsole angeschlossen werden, wirklich schick aus und fühlen sich auch sehr wertig an und sind nicht mit irgendwelchen Controllern von Drittherstellern zu vergleichen, wenn es auch schade ist, dass man keine DualShock-Controller mit Analogsticks oder Rumble beigelegt hat. So macht der Kampf in „Metal Gear Solid“ gegen Psychomantis nämlich weniger Spaß, da er den Controller nicht über Rumble bewegen kann. Leider unterstützt die Konsole keine anderen Controller, obwohl das Grund des USB-Anschlusses eigentlich möglich sein sollte. Aber andere Controller können zwar angeschlossen werden, werden aber nicht vom System erkannt, was überaus schade ist.

 

Aber wie sieht es genau im Betrieb aus, was liefert die Mini-Variante der PlayStation? – Nach dem Start haben wir die Wahl aus unzähligen unterschiedlichen Sprachen zu wählen, bevor wir ins Menü der Konsole entlassen werden. Natürlich steht hier auch „Deutsch“ zur Verfügung, aber nicht alle Elemente sind korrekt übersetzt, wie man zum Beispiel sieht, wenn man in das Menü einer Memory Card geht, wo statt „Löschen“ die Option als „Löscen“ beschrieben wird. Sonst ist mir allerdings nichts in der Art aufgefallen. Aber zurück zur eigentlichen Beschreibung des Menüs: Das Menü der Spiele ist in einem Kreismenü angeordnet und wir können so durch die 20 Spiele, die auf der Konsole vorinstalliert sind, durchschalten. Diese präsentieren sich jeweils mit ihrem Cover-Artwork. Eine weitere Beschreibung oder Screenshots findet man allerdings leider nicht. Pro Spiel lässt sich ein Untermenü öffnen. So steht uns jeweils eine virtuelle Memory Card zum Speichern im Spiel, wie auch ein Save-State zur Verfügung, der unabhängig der Speicherpunkte im Spiel angelegt werden kann. So wird dieser zum Beispiel auch automatisch angelegt, wenn wir ein Spiel über die Reset-Taste verlassen, damit wir beim nächsten Starten genau an dieser Stelle weiterspielen können.

 

Aber kommen wir mal zu den Spielen. Das ist wahrscheinlich einer der größten Kritikpunkte an der kleinen Konsole und auch ich muss zugeben, dass ich mit der Auswahl der Spiele nicht wirklich zufrieden bin, denn zu viele Highlights fehlen mir persönlich dabei. Diese Spiele sind auf der Konsole vorhanden:

  • Battle Arena Toshinden
  • Cool Boarders 2
  • Destruction Derby
  • Final Fantasy VII
  • Grand Theft Auto
  • Intelligent Qube
  • Jumpin Flash!
  • Metal Gear Solid
  • Mr. Driller
  • Oddworld: Abe’s Oddysee
  • Rayman
  • Resident Evil 1 – Director’s Cut
  • Revelations: Persona
  • Ridge Racer Type 4
  • Super Puzzle Fighter II Turbo
  • Syphon Filter 1
  • Tekken 3
  • Tom Clancy’s Rainbow Six
  • Twisted Metal
  • Wild Arms

Merkwürdig ist dabei, dass die Konsole eine Freigabe ab 16 Jahren bekommen hat, obwohl auch Spiele ab 18 enthalten sind. Mir ist zumindest keine Herabstufung von  „Resident Evil“ und „Syphon Filter“ bekannt, auch wenn die Freigabe ab 16 nach meinem Empfinden heutzutage mehr als Durchgeht. Aber dann kommen wir zu den Spielen, die eindeutig fehlen. – Wo sind die weiteren Systemseller der PlayStation? Wo sind „Tomb Raider“, „Wipeout“ oder „Castlevania: Symphony of the Night“? – Natürlich kann es sein, dass man letzteres wegen dem gerade erschienenen Re-Release auf der PS4 weggelassen hat, aber wie verhält es sich mit den (inoffiziellen) Maskottchen der PlayStation?  Wo sind also „Crash Bandicoot“, „PaRappa the Rapper“  oder wo ist „Spyro the Dragon“? – Vielleicht hat man diese weggelassen, da es für Spyro und Crash Remakes gibt, aber verbindet man diese nicht eindeutig mit der ersten PlayStation? Das sind nur die offentsichtlichen, die mir spontan einfallen. Zusätzlich hätte man auch noch einige Kultklassiker und seltene Spiele, wie „Parasite Eve“, „Dino Crisis“ oder auch „Chrono Cross“  auf die Konsole bannen können, was aber leider nicht der Fall ist. Hingegen bekommen wir neben vielen guten Spielen auch einen höchstens mittelmäßigen Prügler, wie „Battle Arena Toshinden“, einen sehr veralteten Taktik-Shooter mit „Tom Clancy’s Rainbow Six“, ein leider nur mittelmäßiger Puzzler mit „Super Puzzle Fighter II Turbo“ und Spiele wie „Mr. Driller“ und „Intelligent Qube“ von denen ich persönlich noch nie was gehört habe. Aber das müssen wir anscheinend hinnehmen, denn auch wenn einige Tüftler bereits etliche andere Games im Source Code der Konsole ausfindig gemacht haben, so ist bisher noch nicht sicher, ob diese auch enthalten, oder viel wichtiger, überhaupt auf der Konsole lauffähig sind.

 

Was man, abseits der Spieleauswahl wirklich auf der Konsole vermisst ist jegliches Bonusmaterial eine Anleitung pro Spiel und tiefergehende Einstellmöglichkeiten. Denn, obwohl der verwendete und für die Konsole extra lizensierte Open Source Emulator PCSX von Haus aus einiges auf dem Kasten hat, so beschneidet die Implementierung viele der Möglichkeiten und wir können keinerlei Filter (Scanlines, CRT, etc.) zuschalten, haben keine Optionen zum Strecken des Bildes oder Rahmen, wenn man von einem stilvollen schwarz absieht. Sogar der Emulator auf der PS3 bietet da neben einer Kurzanleitung auch rudimentäre Bildanpassungsoptionen. Hier ein paar Vergleichsbilder von der PS3 zu „Resident Evil“ und den Optionen:

 

Zusätzlich ist die recht willkürliche Beschränkung auf einen Save-State pro Spiel auch etwas merkwürdig, denn auch hier beherrscht der Emulator mehr Möglichkeiten. Im Grunde können wir von Haus aus nichts einstellen außer der Sprache, einem Bildschirmschoner. Ebenso wenig können wir die Spielgeschwindigkeit beeinflussen, denn knapp die Hälfte der Spiele liegt nur in ihrer PAL-Version auf der Konsole vor und läuft somit langsamer, als normal. Denn in USA wurden die Spiele in NTSC mit 60Hz und nicht in PAL mit 50Hz ausgegeben und liefen somit 16,7% schneller. Das kann man zwar umgehen, wenn die Spiele entsprechend an PAL angepasst wurden, was hier aber nicht der Fall ist. Wir in Europa sind das zwar im Grunde noch aus der Vergangenheit gewohnt, aber gerade bei Spielen wie „Tekken 3“ kommt man sich vor, als ob das Spiel in Zeitlupe abläuft oder alle Kämpfe unter Wasser stattfinden.

 

Zwar kann man sich bei diesen Problemen den Sachverhalt zu Nutze machen, dass es kein Sony-eigener Emulator ist, der hier läuft und einfach in über den Anschluss einer USB-Tastatur und Betätigen der „ESC“-Taste in das Menü des Emulator kommen, wo man alle vermisste Einstellungsmöglichkeiten hat. Jedoch sind die Einstellungen hier wirklich mit Vorsicht zu genießen, damit man sich nichts an der Konsole zerschießt… Es gibt jedoch einen Sachverhalt, den auch keine Einstellung korrigieren kann, denn man hat leider die Version von „Resident Evil 1 – Director’s Cut“ auf die Konsole gepackt, die leicht gekürzt ist und den gefilmten Vorspann nur in Schwarz-Weiß und durch einige Einstellungen zensierte Version enthält.

 

Diese Neuauflage klang bei der initialen Ankündigung so toll und dann gibt es so viele negative Punkte, dass es schon nicht mehr feierlich ist. Machen wir uns deshalb nichts vor, die Konsole ist leider wirklich nur etwas für eingefleischte Fans und Nostalgiker. Und selbst für die fehlen wahrscheinlich zu viele Highlights, um einen Kauf für knapp 100€ zu rechtfertigen, denn bereits für die Hälfte des Preises bekommt man ein NES Mini und für Dreiviertel ein SNES Mini, die im Gegensatz fast nur mit Highlights vollgepackt sind und viel mehr Einstellmöglichkeiten haben, als die „PlayStation Classic“-Konsole. Zusätzlich sind die Spiele der 8- und 16-Bit Ära im Direktvergleich um eines besser gealtert, was natürlich dadurch begründet ist, dass es sich dabei um fast ausnahmslos 2D-Titel handelt, die generell besser altern. So kommt es auch, dass das Spiel, was auf der Sony-Konsole mit am besten aussieht und mir im Anspielen am meisten Spaß gemacht hat, Rayman war, wovon ich vorher nicht unbedingt ausgegangen bin. Die meisten anderen Spielen kann man nicht mehr wirklich gut spielen und selbst wenn kann man sie auch für ein paar Euro im PSN digital (und meistens in der NTSC-Version mit der korrekten Geschwindigkeit) kaufen, um sie auf der PS Vita, PS3 oder auch sogar der PSP zu spielen und sich so seine eigene Bestenliste aufbauen. Natürlich entgeht einem dann die echt toll aussehende Mini-Variante der Konsole, aber wenn das schon fast der einzige Vorzug zu sein scheint ist der Preis eindeutig zu hoch. Wer also auf das Stück für die Vitrine verzichten kann, bzw. keine 100€ dafür ausgeben will, kann getrost einen Bogen um die Veröffentlichung machen, zumal ich davon ausgehe, dass der Preis für das Ding in kürzester Zeit rapide fallen wird, denn die Verbindung zwischen Angebot und Nachfrage ist hier eindeutig nicht im Gleichgewicht und wenn Sony, bzw. die Händler nicht auf ihrem Angebot sitzen bleiben wollen, muss zwangsläufig die Nachfrage durch Stimuli, wie zum Beispiel eine Reduktion des Preises, gesteigert werden.

NB@14.12.2018

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