Nach Crash Bandicoot und Spyro the Dragon schickt Sony den nächsten alten Recken aus längst vergessenen (Videospiel)-Zeiten erst in eine Frischzellenkur und dann wieder in die Spielregale, um gleichermaßen alte, wie auch neue Fans zu begeistern. Ob die Rechnung beim aktuellsten Versuch mit „MediEvil“, einem von Hack ’n Slay als krude Mischung von „Ghouls ’n Ghosts“ und dem Tim Burton-Klassiker „A Nightmare before Christmas“, aufgeht sagt euch mein ausführlicher Test der Neuauflage, die mir freundlicherweise kostenfrei zu Rezensionszwecken von ToLL Relations GmbH & Co. KG, der PR-Agentur, die im Auftrag von Sony PlayStation arbeitet, zur Verfügung gestellt wurde. Einen Einfluss hat dieser Umstand natürlich nicht auf mein Review. Dabei kann ich bereits auf eine Historie mit dem Spiel zurückblicken. Ich hatte seinerzeit mit dem 1998er Original eine Menge Spaß, doch war gelinde gesagt etwas schockiert, wie schlecht das Spiel gealtert war, als ich es vor einiger Zeit nochmal eingelegt habe. Damit fristet das Spiel das gleiche Schicksal, wie viele der frühen 3D-Spiele, die dem bis dahin vorherrschenden Pixelart den Rücken kehrten und stattdessen auf grob-texturierte und blockige Polygone in einer 3D-Umgebung setzten. Bei „MediEvil“ heißt das konkret: Die Steuerung ist bei weitem nicht mehr zeitgemäß und die Kamera ist förmlich aus der Hölle, was das Spiel zu einer sehr frustrierenden und fast unspielbaren Angelegenheit gemacht hat. Umso interessierter war ich an dem Remake von Other Ocean Emeryville, die das Spiel von der Pike auf mit moderner Technik nachgebaut haben und mit Sony Interactive Entertainment als Publisher pünktlich zu Halloween exklusiv für die PS4 veröffentlicht haben. Und bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass sich am Spiel einiges geändert hat, denn die Neuauflage sieht einfach richtig toll aus.

Die Geschichte bedient sich dabei zwar jeder Menge an Horror und Phantasie-Klischees, drückt ihr aber zusammen mit jeder Menge schwarzem Humor und ein paar etwas eigensinnigen Justierungen eine eigene Identität auf, denn auch wenn es um die ewige Schlacht zwischen Gut und Böse geht, so verkörpern wir keinen Helden im klassischen Sinne, was man zweifelsfrei etwas genauer erklären muss, denn hier gibt es innerhalb des Spieles unterschiedliche Versionen der Prämisse. Denn im Jahr 1286 hat der böse Zauberer Zarok das friedliche Königreich Gallowmere angegriffen und nach einer Sage war es der heroische Krieger Sir Daniel Fortesque, der eigenhändig die Feinde in die Flucht geschlagen hat und sein Leben dafür gab. So wird er auch 100 Jahre später noch als Held gefeiert, auch wenn niemand weiß, dass der Sieg über Zarok auf pures Glück zurückgeht und Sir Daniel nichts davon erlebte, da er bereits mit dem ersten Angriff, durch einen Pfeil ins Auge starb. Doch nun ist Zarok zurück und das Schicksal beschließt, dass Sir Daniel, dem auf Grund seines unrühmlichen Todes der Weg in den Heldensaal verwehrt blieb, eine zweite Chance bekommen sollte seinem Ruf endlich auch Taten folgen zu lassen und Zarok für immer zu besiegen…

Das ist allerdings leichter gesagt, als getan, denn nicht nur hat Sir Daniel so gut wie keine Kampferfahrung, sondern er startet auch nur mit seinem eigenen Arm als Schlagwaffe ausgestattet gegen Horden von Untoten, die Zarok als seine Unterstützer beschworen hat. Im Spielverlauf kommen dazu allerdings jede Menge echter Waffen ins Repertoire dazu, die man jederzeit über ein Menü wechseln kann. Das klingt nach heutigen Standards etwas Old-School und das ist es auch. Denn auch wenn das Spiel heute in zeitgemäßem 4K bei flüssigen 60fps läuft und sowohl die detaillierten Charakter-, wie auch Levelanimationen wirklich schick aussehen, so gibt es dennoch markante Stellen, wo man merkt, dass es sich im Herzen immer noch um ein Spiel von 1998 handelt und die Verwendung eines klassischen Inventars ist da nur ein Punkt. Besonders merkt man diese „Altlasten“ in Sachen Gameplay, Steuerung und Ansicht. So haben die Entwickler zwar die Steuerung modernisiert und an der Kamera, die im Original ziemlich grauenhaft war, gearbeitet, doch perfekt ist gerade diese immer noch nicht. Es kommt leider oft vor, dass man auf Grund von merkwürdiger Positionierung angegriffen wird und einfach nicht sieht woher der Angriff kommt. Ähnliches kann man auch von der allgemeinen Kampfmechanik sagen, denn auch wenn diese nun wirklich schön animiert ist, so täuscht das nicht darüber hinweg, dass Sir Daniel im Grunde mit seiner Waffe nur von links nach rechts fuchtelt. Taktik ist hier ebenso fehl am Platz, wie ein gutes Trefferfeedback und auch wenn man sich mit einer kompletten Überarbeitung des Kampfsystems zu weit vom Original entfernt hätte, so hätte ich mir zumindest ein besseres Trefferfeedback gewünscht, was man ja auch unauffällig durch Einsatz des Rumble oder ähnliches hätte nutzen können. Aber das sind wahrlich kleinere Kritikpunkte, die sich gegenüber fast alle bereits verbessert haben und vielleicht für einige Fans auch dazu gehören. Denn sonst gibt es im Grunde nichts zu meckern, denn auch der Artstyle kann nun endlich mit den Ambitionen der Entwickler mithalten. Klare Inspirationen sind dabei „A Nightmare before Christmas“, besonders was die Charaktere und die teilweise verzerrten Formen angeht. Weitere Inspirationen sind „Ghouls ’n Ghosts“ oder in Ansätzen auch Devil May Cry oder Dark Souls, was die Implementierung von viktorianischen Bauwerken angeht, wobei diese im Vergleich natürlich weniger realistisch, sondern mehr Comichaft animiert sind.

Eine weitere Parallele zu „Ghouls’n Ghosts“ oder im erweiterten Sinn sogar den Souls-Spielen ist der Schwierigkeitsgrad. und die „Strafe“, wenn man stirbt. Denn durch das ungenaue Trefferfeedback und die in manchen Fällen recht zickige Kamera ist es fast unmöglich sich durch die Gegnerhorden zu metzeln, ohne selbst dabei Schaden zu nehmen. Weiter gibt es Plattformer-Passagen, bei denen ein Fehltritt auch zu sofortigen Ableben führen kann, wenn man nicht ein paar Phiolen im Gepäck hat. Bis zu drei kann Sir Daniel maximal gleichzeitig mit sich führen und diese fungieren als Extraleben und füllen unsere Energie wieder auf, wenn der Balken komplett entleert ist. Allerdings kann das gerade in Leveln mit jeder Menge stärkerer Gegner, wie den Vogelscheuchen oder besetzten Dorfbewohnern, die gefühlte 100 Schläge aushalten, verdammt schnell passieren, dass wir den Game Over-Screen sehen. Und egal an welcher Stelle im Level das passiert, die Konsequenz ist immer die gleiche: Wir müssen das komplette Level von vorne beginnen und unser kompletter Fortschritt, eingesammelte Gegenstände, sowie besiegte Gegner werden zurückgesetzt. Mit etwas Übung sollte das aber kein Problem sein, zumal die Levels alle nicht länger als 30 Minuten gehen und nur teilweise mit einem Bosskampf enden. Die einzelnen Levels sind dabei mit dem Aufdecken der Oberweltkarte nach den ersten Levels in beliebiger Reihenfolge spielbar und so kann man, wenn man in einem Level festhängt auch erst mal ein anderes spielen und findet dabei vielleicht sogar eine bessere Waffe, die die kommenden Levels dann leichter gestaltet. Inhaltlich sind die Levels ziemlich linear. Es gibt bis auf wenige Ausnahmen nur einen Weg durch das Level, wir kämpfen uns durch die Gegner, die sich uns entgegenstellen und Rätzel beschränken sich meist auf das Finden eines Schlüssels oder einer Rune, um den Zugang zu einem neuen Levelbereich zu öffnen. In den Levels können wir neben neuen Waffen, Phiolen und Geld auch einen besonderen Kelch pro Level finden, den wir allerdings nur Einsammeln können, wenn wir die Bedingungen dafür erfüllt haben. Dazu müssen wir eine pro Level festgelegte Anzahl von Gegnern ins Jenseits befördern und ihre Energie aufsammeln und wenn die Anzeige, die beim Aufsammeln in der oberen rechten Bildschirmecke 100% anzeigt, können wir den Kelch einsammeln, wenn wir ihn finden. Mit diesem können wir im Heldensaal in den wir zwischen den Levels immer wieder zurückkehren besondere Waffen bekommen, die in der Vergangenheit den Helden des Landes gehört haben. Diese Waffen sind im Vergleich zu den Waffen, die man in den Levels findet stärker und können auch nicht kaputtgehen, was bei anderen Waffen durchaus der Fall sein kann.

Ja, es gibt einige Punkte im Spiel, die zeigen, dass es sich im Herzen eben um ein Spiel von 1998 handelt, mit allen Stärken und Schwächen, die das mit sich bringt. Doch die Entwickler haben wirklich einige tolle Optimierungen vorgenommen, die das Spiel auch heute, mehr als 20 Jahre nach dem Release der Originalversion wieder relevant machen. Neben der schicken Grafik passt auch das Gesamtpaket mit Musik und Sound, wobei die Musik auch ohne weiteres aus einem Tim Burton-Film entnommen sein könnte. Der Sound an sich kann sich auch wirklich sehen lassen und die Dialoge stehen hochwertig produziert in mehreren Sprachen zur Verfügung. Ich persönlich spiele generell lieber im Original, habe mir aber zum Vergleich auch Passagen mal auf Deutsch angesehen und die Vertonung ist, ebenso wie die Gesamtpräsentation auf dem hohen Niveau von Kinofilmen anzusiedeln und wartet mit jeder Menge Charme und Witz auf, wie es im ursprünglichen Spiel zwar in Ansätzen auch der Fall war, was aber auf Grund von technischer Limitierung in einigen Fällen nicht so gut herüber kam.

Das Remake macht da einiges besser. Insgesamt hatte ich mit dem Spiel wirklich viel Spaß, auch wenn auf Grund der Steuerung und der Kamera an manchen Stellen etwas Frust aufkam. Dennoch stellt das Spiel im Vergleich zum Original einen Quantensprung dar und macht ein damals schönes Spiel, das heute leider auf Grund von mehreren Faktoren fast unspielbar ist, wieder Salonfähig und setzt in Sachen Technik sogar noch ein paar Stufen obendrauf, damit das Spiel nicht nur Fans von Damals, sondern auch Neulinge anspricht, die bisher noch keine Berührungspunkte mit Sir Daniel hatten. Und wer dennoch mal einen Blick auf das Original werfen möchte kann das sogar tun, da man dieses im Remake freischalten kann, wenn man das Sidequest abschließt, in dem man 19 verlorene Seelen finden muss. Doch seid gewarnt, denn gerade wenn man das Remake gespielt hat ist ein Blick auf die Originalversion mehr als gruselig…

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NB@01.11.2019

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