PS4 Review: "Dawn of Fear" #DawnOfFear #SurvivalHorror

Ich bin ein großer Fan der klassischen Survival-Horror-Spiele „Resident Evil“ und „Silent Hill“, die damals beide auf der PS1 erschienen sind. Selten gab es Spiele, die mit einer so tollen Grafik, filmischen Inszenierung und vor allem einer tollen Geschichte aufwarteten. In den Jahren wurden beide Reihen unzählige Male fortgesetzt, oftmals mehr schlecht als recht kopiert, haben den Sprung ins Kino geschafft und sogar Remakes der ursprünglichen Spiele erfahren. Beide Reihen haben sich teilweise drastisch von ihren Ursprüngen entfernt, was nicht jedem Fan gefallen hat. So bin ich wahrscheinlich der einzige Mensch, der mit „Reisdent Evil 7“ nicht richtig warmgeworden ist und der immer noch davon überzeugt ist, dass das Spiel als Spin-Off oder als komplett neue Marke besser funktioniert hätte… – Dabei wird besonders der erste Teil, egal wie schlecht die Grafiken auch teilweise gealtert sind, immer einen besonderen Platz für mich behalten. Ich habe das Spiel bereits unzählige Male durchgespielt. Ähnlich geht es anscheinend auch den Entwicklern des kleinen spanischen Studios Brok3nsite, da im Rahmen der PlayStation Talents nun mit „Dawn of Fear“ eine Hommage an das 25-Jahre alte Spiel, sowie eine Liebeserklärung an das gesamte Genre veröffentlicht hat, das Sie mir dankenswerterweise zum Review überlassen haben. Einen Einfluss hat dieser Umstand allerdings nicht auf mein Fazit.

Zwar hat man, wahrscheinlich aus Budgetgründen, auf die Inszenierung eines aufwendigen Intros, wie es beim Original eindrucksvoll vorhanden ist, und bekommt stattdessen nur ein paar Sceens mit scrollendem Text präsentiert, der auch leider nicht vertont wurde, aber dennoch schaffen schon das Titelbild mit flackernden Kerzen, die kurze Einführung und eine an Silent Hill angelehnte Musik eine dichte Stimmung zu erzeugen, die uns als Spieler auch so schnell nicht loslassen wird… Wir begleiten den jungen Mann Alex, der in sein Elternhaus zurückkehrt, das zweifelsfrei der Cousin des Spencer Mansion aus „Resident Evil“ sein könnte. Alex‘ Vergangenheit ist von Schmerz und Verlust durchzogen, denn seine Mutter stirbt bereits bei seiner Geburt. Doch das bleibt nicht der letzte Schicksalsschlag, denn einige Jahre später sterben sowohl sein Vater, wie auch sein Stiefbruder bei einem Autounfall, was seine Stiefmutter ihren Verstand verlieren lässt. Sie wird darauf in eine Irrenanstalt eingeliefert und Alex und sie verlieren sich aus den Augen, bis drei Jahre später ein mysteriöser Brief auftaucht, der Alex letztendlich dazu bewegt sich auf Spurensuche im alten Anwesen der Familie zu machen. Doch das verlassene Haus ist gar nicht so verlassen und wird von allerlei Monstern gewohnt, die Alex schon bald um sein Leben kämpfen lassen…

Zwar wäre es schöner gewesen, wenn wir neben Texttafel etwas mehr als Intro bekommen hätten, aber hier kommt das Budget zum Vorschein. Gleiches trifft im Übrigen auf alle Texte im Spiel, denn auch eine Sprachausgabe ist leider nicht vorhanden. Aber dabei muss man eben berücksichtigen, dass bei diesem Spiel ist eben kein Big Player wie Capcom am Drücker war, sondern lediglich ein kleines Indie Entwicklerstudio aus Spanien. Dabei hatte man bereits im Juli 2018 versucht das Spiel über Kickstarter zu finanzieren, was noch während der laufenden Kampagne aus unbekannten Gründen gestoppt wurde. Es liegt allerdings nahe, dass die anvisierte Summe nicht zu erreichen war und man sich deswegen für einen Abbruch entschloss. Lange sah es so aus, als ob das Spiel seitdem dauerhaft sein Dasein in der Entwicklungshölle fristen würde, bis die Entwickler im April letzten Jahres verkündeten, dass sie immer noch an der Entwicklung des Spiels wären und es immense Fortschritte macht, bis es letztendlich vor gerade 2 Wochen über die offiziellen Kanäle von PlayStation angekündigt wurde und nun bereits als Download im PSN erhältlich ist.  

Bereits die ersten Spielminuten machen deutlich, dass es sich um eine Hommage in vielen Belangen handelt, denn nicht nur verwenden die Entwickler ebenfalls größtenteils vorgerenderte Hintergründe mit festen Kameraperspektiven, sondern haben auch die sperrigen Tank-Controls, immense Ressourcenknappheit, knackige Rätsel und limitierte Speicherpunkte in das Spiel einfließen lassen. Dabei muss man sich an einige Punkte erst einmal wieder gewöhnen, denn nicht nur steuert es sich mit der Steuerungsart etwas unsicher, was uns am Anfang bei jedem Kamerawechsel erst einmal unkontrolliert wie ein betrunkener Seemann herumstolpern lässt, doch auch an das Speichersystem muss man sich erst einmal gewöhnen. Heute sind Auto-Saves fast zum Standard geworden und so habe ich zugegebenermaßen nicht schlecht geschaut, als ich nach meinem Ableben ohne gespeichert zu haben wieder zum Anfang des Spieles zurückgesetzt wurde. Dabei funktioniert das Speichersystem ähnlich, wie bei „Resident Evil“: Zwar müssen wir keine Farbbänder mit uns herumtragen, doch an den Speicherorten können wir nur speichern, indem wir eine Kerze anzünden. Sind alle Kerzen an diesem Punkt angezündet, können wir nicht mehr speichern und müssen uns einen anderen Ort suchen. Das kann besonders an manchen Stellen etwas für Frust sorgen, wenn man beispielsweise bei einem Boss stirbt und der letzte Speicherpunkt dann eine gefühlte Ewigkeit entfernt ist, denn einen Speicherpunkt direkt vor dem Bossraum sucht man leider vergebens. Gerade gepaart mit der immensen Munitionsarmut und dem recht gesalzenen Schwierigkeitsgrad dürfte das einige Spieler abschrecken. Ist man in „Resident Evil“ irgendwann an eine Stelle gekommen, wo man im Grunde immer mehrere Waffen mit genug Munition im Gepäck hatte, so kommt man bei „Dawn of Fear“ nie wirklich an dieser Stelle an. In diesem Bezug ist das Spiel eher wie „Silent Hill“, wo man immer besser beraten war die Gegner zum Umgehen, anstatt sie versuchen zu bekämpfen.

Und bekämpfen ist dabei ein gutes Stichwort, denn wir als Spieler kämpfen nicht nur mit einer Vielzahl von Monstern, sondern auch mit der Steuerung und der Technik. Gerade wenn man vom Spiel durch die immense Munitionsknappheit ermutigt wird den Monstern eher auszuweichen, macht uns die Steuerung dabei gerne einen Strich durch die Rechnung. So torkelt man leider in vielen Instanzen mehr schlecht als recht von Kameraperspektive zu Kameraperspektive und versucht immer wieder sein Glück. Das bessert sich zwar mit der Zeit, wenn man mit der Steuerung und den Räumen besser vertraut ist, braucht aber eine gewissen Hingabe. Und wo wir schon bei den Kameraperspektiven sind, denn die habe ich persönlich stellenweise verflucht. So sind diese teilweise so unglücklich gewählt, dass man in einem Raum oder Gang einfach nicht sieht, dass es noch eine weitere Tür oder eine Abzweigung gibt, was dann zu Instanzen geführt hat, wo ich alle Bereiche nochmals abgegangen bin, um herauszufinden, wo es weitergeht. Zwar muss man wirklich hervorheben, dass die Spielwelt an allen Enden und Ecken mit liebevollen Details und Throwbacks an die Spiele, die als Inspiration dienten, aufwartet, doch etwas mehr Budget oder zumindest Zeit hätte dem Spiel durchaus gut getan, um diesen Ambitionen auch in richtigem Glanz erscheinen zu lassen. Denn bei Veröffentlichung wartet es leider mit recht vielen Bugs auf und auch das Balancing hätte durchaus noch ein paar Iterationen vertragen können. So findet man online bereits unzählige Berichte über nicht-spawnende Bosse, oder fehlende Items, die ein Weiterspielen unmöglich machen und jede Menge kleinerer Fehler, die das Spiel plagen. Zwar ist davon auszugehen, dass die Entwickler die groben Schnitzer mit Patches beheben, dennoch hätte so etwas durchaus innerhalb der Qualitätssicherung auffallen sollen, wenn nicht gar müssen. Dennoch verteufeln möchte ich das Spiel von seinem technischen Standpunkt auch nicht, denn die Grafik, obgleich natürlich kein AAA, ist abwechslungsreich, wartet mit vielen Details auf und bietet in einigen ausgewählten Szenen sogar recht schöne Kamerafahrten. Die Charakteranimationen und die Gegnervarianz gehen durchaus in Ordnung und gerade die Bossgegner sind teilweise überraschend eklig geworden. Auch hat man sich einiger Unzulänglichkeiten der Vorlage entledigt und bietet ein übersichtliches in unterschiedliche Kategorien aufgeteiltes Inventar ohne Begrenzungen. Wir haben also immer alles dabei, was wir gefunden haben. Auch die vielen Rätsel sind ein wirkliches Highlight und erfordern teilweise ein hohes Maß an Kombinationsgabe zur Problemlösung. Besonders gefallen hat mir der Soundtrack, wo man sich eher von der Silent Hill-Reihe hat inspirieren lassen und uns eine Kombination aus sphärischen Klängen und industriellem „Krach“, bietet die das Geschehen auf dem Bildschirm wirklich gut untermalt und durchweg ein Gefühl der Bedrohung erzeugt. 

Insgesamt macht das Spiel zwar Spaß, aber verlangt eine gewisse Hingabe und im momentanen Zustand auch Leidensfähigkeit. Wer 1996 schon mit den Mechaniken in „Resident Evil“ gekämpft hat, wird sich zum einen zwar ganz wie zu Hause fühlen, wird sich aber wahrscheinlich auch die Frage stellen, ob man wirklich auch nervige Punkte, wie die suboptimale Steuerung und das limitierte Speichersystem reproduzieren musste. Seitdem ist einfach zu viel passiert und auch das Survival-Horror-Genre hat sich immens weiterentwickelt, wie die Evolution der Resident Evil-Reihe ja deutlichsten aufzeigt. Das technische unzureichende Grundgerüst mit seinen vielen Bugs tut dann sein Übriges, was überaus schade ist, denn das Spiel hat durchaus einiges an Potential. Zusätzlich merkt an dem Setdesign, den fein-säuberlich gewählten Kameraperspektiven, den ziemlich gelungenen Rätseln und der gruseligen Musik, dass die Entwickler wirklich eine Menge Herzblut in ihr Projekt haben einfließen lassen und wahrscheinlich im Anbetracht des zur Verfügung stehenden Budgets wahrscheinlich versucht haben das Beste rauszuholen. Allerdings drängt sich dabei das Gefühl auf, dass man den Blick für das Gesamte aus den Augen verloren hat. Etwas mehr Budget, etwas mehr Qualitätssicherung und Bugfixing und auf der anderen Seite vielleicht eine Reduzierung der nervigen Elemente und das Spiel hätte ein wahrer Indie-Hit werden können. So wird es aber eher ein Nischenprodukt für eingefleichte Fans des klassischen Survival-Horror bleiben.

Entwickler:      Brok3nsite

Publisher:        Good Game Publishing

Erhältlich auf: PS4

NB@14.02.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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