Hardware Review „Turbografx 16 Mini (PC Engine Mini / Core Grafx Mini)“ #CoreGrafxMini #PCEngineMini #TurboGrafx16Mini

Endlich ist sie da, die neueste Mini-Konsole, die sich in die Riege von der Neuauflagen der klassischen Mini-Konsolen einfügt: Der „Turbografx 16 Mini“, bzw. in anderen Lokalisierungen „PC Engine Core Grafx Mini“ oder „PC Engine Mini“ mit denen uns Traditionspublisher Konami beglückt. Ursprünglich sollte der Release bereits im März sein, der aber auf Grund der Corona-Krise verschoben wurde. Nun ist die Produktion der Konsolen wieder angelaufen und nach und nach erhalten Vorbesteller ihre Bestellungen, wie ich nun auch. Interessant ist dabei, dass Konami aus unerfindlichem Grund auf ein Release in Deutschland verzichtet hat, weswegen deutschen Kunden nur auf einen Import zurückgreifen können. Dabei gibt es insgesamt drei unterschiedliche Länderversionen der Konsole, die sich sowohl optisch, wie auch vom Spielelineup unterscheiden. Konkret gibt es diese Variationen der Konsole:

(c) Konami

Man unterscheidet zwischen der japanischen Version, dem „PC Engine Mini“, der europäischen Version dem „PC Eingine Core Grafx Mini“ und der amerikanischen Version, dem „Turbografx 16 Mini“, wobei ich mich persönlich für die amerikanische Version entschieden habe, die zwar knapp doppelt so groß ist, wie die anderen Minis, aber mir insgesamt besser gefallen hat, da eine andere Gehäuseform verwendet wurde. Denn sowohl die EU-, wie auch die JAP-Version verwenden das gleiche Gehäuse, einmal in Schwarz und einmal in Weiß. Alle Versionen kommen mit einem passenden Controller im Branding der Konsole, wobei bei der japanischen Version auf die Turbo-Buttons verzichtet wurde, die die anderen Versionen haben. Und da viele der enthaltenen Spiele Shooter sind, sind Turboknöpfe auf jeden Fall von Vorteil. Insgesamt gibt es 60 Spiele, die auf die unterschiedlichen Versionen der Konsole verteilt wurden, wobei es gar nicht so einfach ist dabei den Überblick zu behalten, weswegen ich eine Übersicht erstellt habe, die sowohl Aufschluss über die einzelnen Titel und die Länderversionen gibt.

Das Lineup von US- und EU-Version ist dabei identisch, nur das Lineup der JAP-Konsole weicht in ein paar Punkten ab. Dabei enthalten alle Versionen sowohl englischsprachige, wie auch japanische Spiele, was auch zu ein paar Dopplungen der Spiele führt, die von Konami aber einzeln gezählt wurden. Konkret findet man so auf der japanischen Version rein rechnerisch 58 Spiele und hingegen auf den anderen 57 Stück, von denen aber 5 doppelt sind. Zwei Spiele sind exklusiv auf der japanischen Version zu finden und eines hingegen auf den anderen. Eine Sonderrolle nimmt lediglich „Splatterhouse“ ein, das auf der japanischen Version in der unzensierten und auf den anderen Versionen nur in der zensierten Version zu finden ist. Weiter findet man auf den Konsolen noch ein paar Versteckte Variationen von Spielen, wie zum Beispiel eine „near Arcade“-Version von „Gardius“, „Salamander“ und „Fantasy Zone“, die man aufrufen kann, wenn man bei der Auswahl gleichzeitig „Select“ + „Run“ (das Äquivalent zu „Start“ drückt), was ich aber nicht mehr separat in die Liste implementiert habe, um diese nicht zu überfrachten. Doch bevor wir uns die Liste genauer anschauen, werfen wir erst einmal auf die Konsole an sich.

Und mein erster Gedanke, als ich den Karton in den Händen hielt war „Wow! Das Warten hat sich gelohnt!“. Bereits die Verpackung ist an die klassischen Umverpackungen von TurboGrafx 16 angelehnt, wie man ihn versucht hat in USA zu vermerkten, eben als Hippe Alternative zu den etablierten Konsolen, komplett mitsamt Chucks auf dem Cover. Eben für die coolen Kinder… – In der Packung selbst sind neben der Konsole, auf die ich gleich genauer eingehen werde, noch ein USB-Kabel für die Stromversorgung, ein HDMI-Kabel zum Anschluss an den Fernseher, eine Kurzanleitung und ein Controller enthalten, der dem klassischen Controller in Größe und Beschaffenheit nachempfunden ist. Wie man es mittlerweile gewohnt ist findet man keine Netzadapter in den Packungen der Mini-Konsolen, doch das sollte für die meisten kein Problem sein, da man entweder eines vom Handy, aber auch einen freien USB-Anschluss am Fernseher verwenden kann, der zum Betrieb der Konsole vollkommen ausreicht.

Aber schauen wir uns die allgemeine Verarbeitung mal genauer an. Dabei beginnen wir mit dem Stück, das man am häufigsten in den Händen hält, dem Controller. Leider befindet sich im Lieferumfang nur ein Controller, doch weitere, ebenso wie ein Multitap für 4-Spieler-Co-Op gibt es für jede Version der Konsole separat zu kaufen. Die Verarbeitung der Controller ist wirklich gelungen und sowohl die verwendeten Materialien, wie auch die Druckpunkte der Buttons und des Steuerkreuzes sind wahnsinnig nah am Original. Interessant ist dabei, dass man sich für die Controller Unterstützung bei Hori, einen namhaften Hersteller, der lizensierte 3rd-Party-Controller für aktuelle Konsolen herstellt, gesucht hat, der sich mit Controllern auskennt. Auch die Kabellänge kann, entgegen der Kabel beim NES-Mini, mit knapp 2 Meter überzeugen und lässt auch bei größerem Abstand zum TV ein angenehmes Spielen zu. Ähnlich hochwertig ist die Konsole an sich verarbeitet, die knapp 30% kleiner, als das Original ist, wo hingegen die EU- und JAP-Version auf 50% der Größe kommen. Auf der Front der Konsole findet man 2 USB-Slots, die für die Controller verwendet werden, sowie einen Schieberegler, der zum Ein- und Ausschalten der Konsole dient. Der Slot für die HU-Cards ist zwar vorhanden, funktioniert aber logischerweise auf Grund der kleineren Größe und den fehlenden Kontakten nicht. Auf der Rückseite findet man eine abnehmbare Abdeckung, die Zugang auf die Anschlüsse offenlegt. Das ist ein recht schickes Detail, zumal man die Kabel gut verstecken kann. Angeschlossen wird die Konsole selbstverständlich über einen zeitgemäßen HDMI-Anschluss.

Die Software, die auf der Konsole läuft ist zwar auf den ersten Blick eher funktional und orientiert sich sehr eng an den Wegen, die Nintendo und Sega mit ihren Mini-Konsolen vorgegeben haben, besticht allerdings durch einige nette Details. So können wir das Menü zwischen den englischsprachigen und den japanischen Spielen hin- und herschalten, was jeweils das Farbschema und die Hintergründe ändert. Weiter bekommen wir bei der Spielauswahl eine nette kleine Startanimation, je nachdem, ob es sich um ein Spiel auf CD oder Karte handelte, wie das Spiel ursprünglich geladen wurde. Ebenso wie Sega mit ihrem „Sega Mega Drive Mini“ hat man sich die Spezialisten von M2 für die Portierung und Emulation der klassischen Spiele herangezogen. Neben dem Sega’s Minikonsole haben diese bereits in der Vergangenheit für die Sega Ages– und Sega Vintage Collection-Reihe auf diversen Plattformen gearbeitet und wissen worauf man dabei achten sollte und in Sachen Performance konnte ich keine Ausfälle oder sonstige Probleme feststellen. Nicht nur laufen exakt so, wie sie auch auf der Originalhardware gelaufen sind, was sowohl Geschwindigkeit und auch Farbgebung betrifft, sondern auch Ton-technisch stimmt alles: Keine falschen Tonhöhen oder Verzerrungen, die oft bei schlecht gemachter Emulation auftreten.

Wie man es mittlerweile von den Konsolen kennt, gibt es selbstverständlich auch zu jedem Game mehrere Save-Slots und diverse Einstellungsoptionen, mit denen man das Bild der Spiele auf einen modernen Fernseher strecken kann oder alternativ in der Original Aspect-Ratio in 4:3, wahlweise mit oder ohne Hintergrundmotiv anzeigen lassen kann, oder es mit einem Filter ausstattet, von dem ich aber kein Freund bin. Allerdings steht und fällt eine Konsole auf jeden Fall mit ihrem Lineup an spielen, da man das ja in der Regel nicht erweitern kann, wenn man mal von Lösungen, wie den True Blue-Sticks absieht, wo auch für die neue Konsole in naher Zukunft ein Add-On in Aussicht gestellt wurde. Wenn das so weit ist werde ich selbstverständlich darüber berichten. Aber hier sind nun die Spiele ab Werk:

Das Lineup der Originalkonsole richtete sich schon damals an eine spezielle Zielgruppe. So findet man im Katalog vermehrt Shooter und Arcade-Games, die damals ähnlich wie das Neo Geo versuchten das Gefühl aus der Spielhalle nach Hause zu bringen. Und wenn man das bedenkt, macht die Konsole auch alles richtig. Denn im Grunde findet man auf der Konsole alles, was Rang und Namen hat, auch wenn dem ein oder anderen Spieler die Spieleauswahl etwas zu eintönig sein könnte, denn Shooter dominieren das Lineup ungemein, auch wenn diese inhaltlich sehr unterschiedlich sind. Besonders bei „Gradius“, „Salamander“, „Galaga `88“, oder einem meiner persönlichen Highlights „Dragon Spirit“ kommen Shooter-Freunde mehr als auf ihre Kosten. Doch auch abseits der Shooter findet man einige wirkliche Highlighs der Konsole. Neben Klassikern wie „Splatterhouse“, „Ghouls `n Ghosts“ und „New Adventure Island“ findet man selbstverständlich auch mehrere Spiele mit dem Maskottchen der Konsole unter anderem in „Bonk’s Adventure“ oder „Bonk’s Revenge“, aber auch ein paar überraschend gute Bomberman-Teile mit „Bomberman `93“, „Bomberman `94“ und „Bomberman: Panic Bomber“. Und selbstverständlich darf auch eines der gefragtesten Spiele der Konsole „Castlevania: Rondo of Blood“, das exklusiv in Japan erschienen ist, nicht fehlen, das sogar mit der unangepassten Tonspur daherkommt, wo Neuauflagen über eine Neusynchro verfügten.

Für jeden Geschmack ist etwas dabei und auch wenn ich nicht jede Inkludierung 100% nachvollziehen kann, muss man zugeben, dass es sich bei den meisten Games wirklich um Charakteristika der Konsole handelt. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann ist, dass man auch für den weltweiten Markt besonders Text-lastige Spiele auf die Konsole gepackt hat, die ausschließlich in japanischer Sprache spielbar sind, was sie leider größtenteils nutzlos machen, wenn man der japanischen Sprache nicht mächtig ist. Das Paradebeispiel dafür ist zweifelsohne „Snatcher“, das herausragende Frühwerk von Hideo Kojima, das Inspiration von „Blade Runner“ zog außerhalb von Japan nur in lokalisierter Form auf dem Sega Mega CD erhältlich war und leider immer noch ist. Ich hatte wirklich gehofft, dass Konami eine englische Sprachfassung auf die Konsole packt, was aber leider nicht der Fall ist. Wir müssen also leider weiter auf eine neue Veröffentlichung des Meisterwerks warten…

Insgesamt hat Konami mit dem „TurboGrafx 16 Mini“ eine schöne Retrokonsole abgeliefert. Sowohl die Detail-verliebte Verarbeitung, wie auch die Spieleauswahl kann sich sehen lassen, auch wenn es dabei wie eben erwähnt dennoch ein paar fragwürdige Entscheidungen gibt. Viele Highlights der Ära sind enthalten und auch wenn ich persönlich auf ein paar Titel hätte verzichten können, so denke ich dennoch, dass das Lineup einen recht guten Überblick über die Bibliothek der Konsole verschafft. Technisch geht die Konsole vollkommen in Ordnung, auch wenn ein paar mehr Einstellungsmöglichkeiten und eine Rückspulfunktion schmerzlich vermisst werden, die es aber bisher bei keiner der Mini-Konsolen gab, handelt es sich bei vielen der Spiele um die beste Art sie heute zu spielen, zumal viele der enthaltenen Spiele im Original teurer sind, als die komplette Konsole. Ich bin froh, dass es nun auch Veröffentlichungen der obskureren Konsolen in der Mini-Variante gibt und habe den Kauf in keiner Weise bereut…

Entwickler: Konami

Publisher: Konami

NB@09.06.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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