Xbox Review: „Assassin’s Creed: Valhalla“ #AssassinsCreed #AssassinsCreedValhalla

Eine meiner liebsten Spielereihen war seit jeher die Assassin’s Creed-Reihe. Auch wenn der erste Teil noch nicht das Gelbe vom Ei war, so hat die Reihe bereits kurz danach, mit dem grandiosen „Assassin’s Creed II“ ihre eigene Position gefunden, sodass die zu Grunde legende Formel in allen folgenden Teilen nur in Details angepasst wurde. Doch mit auch wenn ich persönlich selbst noch mit den schlechteren Teilen der Reihe noch viel Freude hatte, so gingen die Spielerzahlen stetig zurück, bis die Reihe sich mit „Assassin’s Creed: Origins“, durch den Einzug von mehr RPG-Elementen, neu erfandt und diese Ausrichtung vor zwei Jahren mit „Assassin’s Creed: Odyssey“ verfeinerte. Nun erscheint mit „Assassin’s Creed: Valhalla“ der mittlerweile zwanzigste Teil der Reihe, wenn man alle Spiele, unabhängig der Plattformen mitzählt, den ich mir dankenswerter Weise bereits vor der Veröffentlichung in einer finalen Version auf der Xbox One (sowie Xbox Series S/X) ansehen durfte. Einen Einfluss hat dieser Umstand aber selbstverständlich nicht auf meine Bewertung.

Auch wenn ich mit Origins und Odyssey ebenso viel Spaß hatte, wie mit den eher klassischen Teilen der Reihe, muss ich aber zugeben, dass die Rollenspielelemente mir teilweise etwas zu tief gingen. Wenn man vor jeder Hauptmission erst einmal Stundenlang grinden muss, um das erforderte Charaterlevel zu erreichen, die versteckte Klinge kein One-Hit-Kill mehr ist und dadurch Stealth immer mehr in den Hintergrund rückt und selbst der Assassinen-Orden, oder der Konflikt mit den Templern im Grunde wenn überhaupt nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt, musste man sich wirklich fragen, ob das eigentlich noch Assassin’s Creed war. – Dem entsprechend erwartete ich von Valhalla auch nur ein neues Setting mit bekannten Mechaniken, doch ich wurde immens überrascht. Denn frei nach dem Motto zwei Schritte vor und ein Schritt zurück fährt der neue Teil die Rollenspieleinflüsse etwas zurück und versucht damit sowohl Fans des klassischen Assassin’s Creed, wie auch der moderneren Ausrichtung zu vereinen, die Frage ist nur, ob dieser Plan dabei auch aufgeht…

Das Spiel ist dabei im 9. Jahrhundert angesiedelt und beginnt in Norwegen. Wir verkörpern den Wikinger Eivor, der je nach Präferenz des Spielers entweder männlich oder weiblich sein kann, und müssen gleich in den ersten Spielminuten mit ansehen, wie Eivor’s Eltern brutal ermordet werden, was in bester Serientradition natürlich immer ein gern-gesehener Motivator ist. Doch wer glaubt, dass die Haupthandlung des Spiels sich dann mit Eivor’s Rachefeldzug beschäftigt, ist weit gefehlt, denn nicht nur ist die Handlung sehr viel differenzierter, sondern die eigentliche Rache  ist lediglich die Handlung des ersten Akts, der sich noch in Norwegen abspielt. Ohne dabei zu viel von der weiteren Handlung preiszugeben, zieht sein Stamm danach nach England, um dort ein neues Leben zu beginnen, was aber durchaus in neuen Konflikten mündet und auch einige Überraschungen bereit hält, wo auch wieder Assassinen und Templer eine größere Rolle einnehmen.   

Die unterschiedlichen Gebiete, vom eisigen Norden, bis zum ländlichen Nordengland und London, wo sich nebst ein paar anderen Schauplätzen, die ich nicht spoilern möchte, der Großteil der Geschichte abspielt, sind nicht nur malerisch, sondern bieten auch jede Menge Abwechslung und Dinge zu entdecken. Denn wie man es von Ubisoft kennt gibt es eine schier unendliche Anzahl von Haupt- und Nebenmissionen, die in bester Witcher-Manier an jeder Ecke zu finden sind und überraschend abwechslungsreich ausfallen. So müssen wir uns selbst, nebst unserer Crew, zu Beginn nicht nur aus der Gewalt von Sklavenhändlern befreien, eine Festung belagern, oder auch nur in ein feindliches Lager schleichen, um eine Barriere im Fluss, die die Weiterfahrt unseres Schiffes verhindert, zu öffnen. Selbstverständlich sind dabei nicht alle Missionen von höchster Güte, doch die Mischung sorgt dafür, dass es nicht langweilig wird. Einzig die Schiffsfahren nehmen, bedingt durch die Handlungsorte, eine kleinere Rolle ein, was aber schon fast Jammern auf hohem Niveau ist, denn abseits davon macht das Spiel sowohl in Sachen Story, wie auch Pacing insgesamt fast alles richtig.

In England angekommen können wir auch wieder analog zu „Assassin’s Creed III“ und „Assassin’s Creed IV: Black Flag“, wo wir jeweils eine Basis hatten, die wir aufleveln und verbessern konnten, auch wieder eine eigene Basis errichten und einzelne Häuser bauen, die uns von dort an entweder mit Aufträgen, Ressourcen, oder Kauf-, sowie Upgrade-Möglichkeiten versorgen. Das ist zwar keinesfalls neu und erfordert von uns auch keinerlei Aktion außer ein paar Knöpfendrücken und Bereitstellen von Ressourcen, motiviert aber dennoch, da man ebenso wie der Charakter eine Beziehung zu Land und Leuten aufbauen kann, was in den letzten Spielen auf Grund der insgesamt „rastloseren“ Natur des Spiels und der Charaktere schwerer gefallen ist.

Aber kommen wir mal zu den größeren Veränderungen: Wem der Vorgänger, zumindest in Teilen, zu schwer war, dem stehen nur gleich drei unterschiedliche Stellschrauben zur Verfügung, denn Erkundung, Kämpfe und Stealth lassen sich individuell einstellen und man kann damit die Schwierigkeit der persönlichen Präferenz anpassen, was sich auch jederzeit anpassen lässt. So helfen uns auf den leichteren Schwierigkeitsgraden bei der Erkundung zum Beispiel mehr Missionsmarker, beim Kampf sind die Gegner schwächer und beim Stealth drücken sie auch mal das ein oder andere virtuelle Auge zu, wenn wir uns nicht ganz so perfekt anstellen. Und man merkt die Unterschiede sogar im Spiel, auch wenn man dennoch erwähnen muss, dass besonders die Gegner-KI nicht die beste ist.

Entgegen der überladenen RPG-Elemente und zig unterschiedlichem Loot, bei dem man ständig dabei war unterschiedliche Stats zu vergleichen, da es selten einen Blick möglich war zu sehen, was die momentan beste Ausrüstung ist, gibt es in Valhalla ein klareres System mit weniger, aber dafür sinnvollerem Loot. So erinnert das Ausrüstungssystem eher an das Ausrüstungssystem von „God of War“ und überfordert den Spieler nicht, so fällt es insgesamt leichter zu differenzieren, als in den Vorgängern. Gleiches gilt für das Charakterlevel, denn das ist an ein sehr klares Skill-System gebunden, das sich rein auf Charaktereigenschaften, wie zum Beispiel Stärke, Ausdauer und Geschwindigkeit beschränkt und die Skills somit vergleichbarer macht. Dadurch hat zwar rein faktisch unser Charakter, wie auch jeder Gegner ein Charakterlevel, doch die Unterschiede sind weniger gravierend. Hatte man in Odyssey in „stärkeren“ Gebieten mit stärkeren Gegnern im Grunde keinerlei Chance, auch wenn man nur ein wenig unterlevelt war, so hat man in Valhalla immer noch eine Chance, wenn entweder gut kämpft, ohne Treffer einzustecken, oder schleichend vorgeht.

Denn damit kommen wir zu für mich persönlich zur besten Veränderung, denn die versteckte Klinge und im Zuge dessen das komplette Schleichsystem funktioniert endlich wieder! – Die Klinge ist selbst ohne Upgrade bei normalen Gegnern tödlich und so hat das Schleichen auch wieder einen Sinn, was in Odyssey auf Grund der Charakterlevel oft sinnlos war, wenn jeder verstecke Angriff zum offenen Konflikt führte. Gleichermaßen verlangt uns das Schleichen mehr Beobachtung ab, denn zwar hat auch Eivor mit einem Raben das Äquivalent zu Senu aus Origins dabei, doch mit ihm kann man nur beobachten und keine Gegner mehr markieren. Das geschieht über die Eagle Vision, die damit auch wieder mehr Relevanz bekommt.

Kommt es dennoch zum Kampf, so überzeugt der Titel mit einem ausgefeimteren Kampfsystem, das inhaltlich an die Souls-Games erinnert. Wir haben über die Schultertasten einen schwachen und einen starken Schlag, können Kontern und wahlweise mit der anderen Schultertaste entweder ein Schild, oder eine zweite Waffe führen. Weiter verfügen wir über einen Ausweichmove und bewegen uns zwar agil, aber mit einer gewissen Wucht, was sich aber auch in den teils brachialen Angriffen und Finishern äußert, die stellenweise ziemlich eklig geworden sind. Zartbesaitete können aber selbst den Blutgehalt über das Hauptmenü fast gegen Null herunterfahren, auch wenn in den Kämpfen dann etwas Authentizität abhandenkommt. Mit dem Bogen gibt es natürlich auch wieder eine Fernwaffe, die aber weniger verwendet habe, da der Nahkampf um mehr Spaß macht.

Beibehalten wurden auch die unterschiedlichen Dialog- und Entscheidungsoptionen, mit denen wir kleinere Einflüsse auf den Verlauf nehmen können, was immer unterhaltsamer ist, als minutenlange Cutscenes anzusehen, da es immerhin die Illusion von Einflussnahme bietet. Die Spielwelt ist im Vergleich zu Odyssey kleiner ausgefallen, kommt aber dafür auch mit weniger Füller aus. So müssen wir nicht Minutenlang per Boot und Pferd zu einem Punkt auf der Karte pilgern, um danach direkt in die entgegengesetzte Richtung geschickt zu werden. Unterschiedliche Areale warten dabei auch mit unterschiedlichen Gefahren auf, weswegen man zum Beispiel in Norwegen nicht zu viel Zeit im Wasser verbringen sollte, damit die Kälte nicht unsere Energie raubt.

Technisch macht das Spiel selbst auf der Xbox One schon eine echt schicke Figur, doch lässt besonders auf der Nextgen seine Muskeln spielen, was sich in höherer Framerate, verbesserten Texturen und stark verkürzten Ladezeiten äußert, auch wenn man diese selbst auf der bisherigen Konsolengeneration oftmals in Zwischensequenzen versteckt sind und nur wirklich beim Spielstart und der Schnellreise wirklich auffallen. Allerdings sind mir vor dem Release, und damit auch vor dem Day-One-Patch, noch einige nervige Bugs aufgefallen, in denen wir oder NPCs plötzlich an Punkten in der Spielwelt hängengeblieben sind, oder das Parcours-System nicht so reagierte, wie es sollte und man entweder wie angewurzelt an einem Vorsprung hockte, oder ziellos in den Tod sprang. Das gröbste sollte aber mit dem Patch ausgebügelt sein, der ebenfalls die deutsche Synchronisation nachliefert, die vorab noch nicht zur Verfügung stand.  

Insgesamt ist „Assassin’s Creed: Valhalla“ ein verdammt starker Teil Reihe, der es durchaus schafft an die Hochzeiten anzuknüpfen. Die Spielmechanik ist zwar reduzierter, aber dennoch aus ausgefeilter, als bei den direkten Vorgängern und schafft es damit länger zu motivieren. Gleiches gilt für die Geschichte, die mit besserem Pacing und einigen wirklich überraschenden Wendungen aufwartet. Besonders toll fand ich, dass die versteckte Klinge und das Schleichen wieder so funktionieren, wie es für die Reihe charakteristisch war und sogar der „Social-Stealth“, wenn wir uns zum Beispiel in einer Gruppe Mönche verstecken, ein Comeback feiert. Zum Testzeitpunkt waren zwar noch ein paar Bugs vorhanden, die aber mit Sicherheit bald ausgemerzt sein sollten, denn Ubisoft liefert auch nach dem Release ständig Updates und weitere Inhalte nach. Alte und neue Spieler sollten sich das Spiel auf jeden Fall merken, das auf Xbox One und PS4 jeweils mit einem kostenlosen Upgrade auf die Nextgen-Versionen kommt.

Entwickler: Ubisoft Montreal

Publisher: Ubisoft

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series S/X

NB@11.11.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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2 Gedanken zu “Xbox Review: „Assassin’s Creed: Valhalla“ #AssassinsCreed #AssassinsCreedValhalla

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