Xbox One Review: „Twin Mirror“ #TwinMirror

Das französische Entwicklerstudio dontnod, bekannt unter anderem für die Life ist Strange-Reihe, oder auch das grandiose „Remember Me“ gibt 2020 trotz Pandemie ganz schön Gas. Nicht nur, dass sie die fünfte Episode von „Life is Strange 2“ erst kurz vor dem Jahreswechsel veröffentlicht wurde, sondern Mitte des Jahres bekamen wir auch das drei Episoden lange „Tell Me Why“ und jetzt ist mit „Twin Mirror“ eine weitere neue IP erschienen, bei dem man sich von der Episodenstruktur verabschiedet und es gleich als komplettes Spiel veröffentlicht. Auch wenn ich persönlich mit „Life is Strange 2“ so meine Probleme hatte, so hat mich „Twin Mirror“ im Gegensatz aber wieder so in seinen Bann gezogen, dass ich es kaum erwarten konnte mir ein Bild von „Twin Mirror“ zu machen. Dafür wurde mir dankenswerterweise eine kostenfreie Testversion vom Publisher zur Verfügung gestellt, was aber selbstverständlich keinen Einfluss meine Bewertung hat.

Da es sich um eine komplett neue IP handelt, gibt es keine Berührungspunkte zu vorherigen Spielen und es werden auch keinerlei Vorkenntnisse vorausgesetzt. Einzig die Technik, das Spielprinzip und das Storytelling orientieren sich an den vorherigen Spielen, ohne dabei aber zu einer simplen Kopie zu verkommen. Gerade die Geschichte ist nämlich im Direktvergleich erwachsener und wirft sogar einige existenzielle Fragen zum Thema „Liebe“, „Freundschaft“, „Schuld“, „Sühne“ und „eigene Überzeugung“ auf. Etwas konkreter formuliert: Der etwas abgehalfterte Enthüllungsjournalist Sam Hicks kehrt nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimatstadt zurück, obwohl er der Stadt aus mehreren Gründen vermeintlich für immer den Rücken zu gekehrt hatte. Zum einen weil die Stadt, die vom Bergbau gelebt hatte durch seinen Artikel ihren Hauptarbeitnehmer verloren hatte, weswegen er von allen gehasst wurde, seine Kollegin und Freundin seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte und letztendlich eben jene Freundin danach mit seinem besten Freund zusammengekommen war.

Doch es gibt Momente, in denen man sich wider der eigenen Überzeugung den Dämonen der Vergangenheit stellen muss, als sein ehemals bester Freund Nick bei einem mysteriösen Unfall ums Leben kommt. Sam tritt trotz des verletzen Stolzes die schwere Reise an, um ihm die letzte Ehre zu erweisen und findet sich wenige Zeit später in einer Ermittlung, was die Umstände von Nick’s Tod angeht, seinen letzten Ermittlungen, die mit seinem Ableben in Verbindung stehen könnten und einem Mord, in dem er plötzlich der Hauptverdächtige ist, wieder. Seine einzige Chance ist es den wahren Mörder zu finden..

Immerhin ist Sam dabei nicht allein, im Grunde ist Sam nie komplett allein, da in seinem inneren zwei Persönlichkeiten beheimatet sind, was den inneren Konflikt von Sam noch deutlicher heraus arbeitet und zusätzlich eine interessante Gameplay-Mechanik darstellt. Denn das rationale Ich, nur als „er“ bezeichnet, befindet sich im ständigen Austausch mit dem emotionalen ich, das Sam selbst verkörpert. So werden Situation mittendrin gestoppt, analysiert, bewertet und wir haben die Wahl, wie sich Sam weiter verhalten soll. Zusätzlich gibt es noch (teilweise optionale) Erinnerungen, die wie in Sam’s Kopf nachspielen und interaktive Ermittlungen anhand von Schlüsselszenen, in denen wir in Batman-Manier nach Hinweisen suchen, um zu rekonstruieren, was passiert sein kann.

In Sachen Gameplay bieten diese Mechaniken sowohl bekannte, wie auch neue Elemente. Wir steuern Sam gewohnt aus der Verfolgeransicht durch dreidimensionale Areale, die wir je nach Szene frei erkunden können, teilweise ausufernde und rein optionale Gespräche mit NPCs führen können, die in der Regel für weitere Hintergründe, oder Charakterzeichnung relevant sind und haben dazu immer ein oder mehrere konkrete Ziele. Um diese zu erreichen müssen wir meist kleine Rätsel lösen, um beispielsweise eine verschlossene Tür zu öffnen, oder einen Computer zu hacken und haben wir das Ziel erreicht geht die Geschichte weiter. Wir können innerhalb der Gespräche aus verschiedenen Antwort-, oder Verhaltensmöglichkeiten auswählen und an vordefinierten Stellen in der Geschichte auch größere Entscheidungen treffen, die den danach folgenden Spielfluss bestimmen. – Und im Rahmen der Geschichte machen durch die gespaltene Persönlichkeit sogar unterschiedliche Entscheidungen einen Sinn, was dann auch den weiteren Verlauf bestimmt. Rufen wir nach dem Fund der Leiche die Polizei, oder flüchten wir? Fangen wir mit einem Betrunkenen Streit an, als er uns beginnt anzugehen, oder schlucken wir es einfach runter? Nichts davon verändert zwar den  grundlegenden Weg zum Ende, aber mitunter bekommen wir andere Szenen zu sehen, oder es eröffnen sich andere Lösungswege, je nachdem wie wir uns mit den Leuten gestellt haben. – Wer schon einmal ein Spiel nach der Telltale-Formel gespielt hat, weiß Bescheid.

Neu sind hingegen die Ermittlungsszenen, in denen wir eine bestimmte Situation, wie zum Beispiel Nick’s Unfall als Simulation sehen, nach Hinweisen suchen und den Ablauf anhand der gefundenen Hinweise ablaufen und abändern können. Das funktioniert ähnlich wie die Ermittlungen in den Batman-Spielen und passt durchaus zum analytischen Denken eines Journalisten. Einzig muss man durchaus erwähnen, dass das Pacing in diesen Abschnitten durchaus leiden kann, wenn man zwar eine Vorstellung hat, wie etwas abgelaufen sein muss, aber man noch nicht die richtigen Hinweise gefunden hat, um die Theorie zu untermauern. Ähnlich sieht es auch mit ein paar der Rätsel aus, die nicht ganz stringent implementiert wurden, da Sam in einem Fall, sofern wir die richtigen Hinweise gefunden haben, selbstständig einen Code eingibt und in einem anderen Fall müssen wir alles von Hand eingeben. Doch das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau, denn die Rätsel halten an sich eine gutes Niveau, sind weder zu leicht, noch zu schwer und sind alle plausibel und vor allem nachvollziehbar, was gerade bei einigen Genrekollegen nicht immer der Fall ist.

Insgesamt hatte ich mit „Twin Mirror“ eine Menge Spaß und gerade der Weggang von der Episodenstruktur hat dem Spiel wirklich gut getan, da man sonst Gefahr läuft sich entweder in Belanglosigkeit zu verkaufen, oder zu viele Wendungen einbaut. Bei „Twin Mirror“ ist das aus diesem Grund nahezu kein Thema und auch wenn die Story für meinen Geschmack mit knapp 7-8 Stunden etwas länger ausfallen könnte, so bietet das Spiel durch unterschiedliche Entscheidungen, unterschiedliche Enden und diverse Sammelobjekte, die Hintergrundinformationen freischalten einiges an Wiederspielwert. Zusätzlich gibt es einige interessante Wendungen, die man auf keinen Fall vorher kommen sehen kann.

Entwickler: dontnod

Publisher: Bandai Namco / dontnod

Erhältlich auf: PC, PS4, Xbox One

NB@21.12.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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