PS4 Review: „Leisure Suit Larry: Wet Dreams dry twice“ #LSL #LeisureSuitLarry

Larry Laffer, der Held der berüchtigten Leisure Suit Larry-Reihe ist zurück! – Und das schon wieder! – Denn nachdem Entwickler CrazyBunch und Publisher Assemble Entertainment Larry vor drei Jahren von den Toten zurückgeholt haben, schicken sie den Urvater der schlüpfrigen Witze, die er selbst allerdings absolut ernst meint, nach „Wet Dreams don’t dry“ mit „Wet dreams dry twice“ in ein neues Abenteuer. Das aktuelle Spiel wurde mir dafür dankenswerterweise vom Publisher zur Verfügung gestellt, was aber selbstverständlich keinen Einfluss auf meine Bewertung hat.

Für alle, die Larry Laffer , den Helden der Adventure-Reihe Leisure Suit Larry nicht kennen, er ist der Prototyp des notgeilen Verlierers und sein einziges Ziel war und ist Frauen ins Bett zu bekommen, was für ihn meist mit brüllend-komischen Situationen endet, in denen er sich wiederfindet. Ob er plötzlich in Unterwäsche gefesselt an einem Bett endet und ausgeraubt wird oder als Schiffsbrüchiger auf einer unbewohnten Insel strandet, selten bis gar nicht laufen die Situationen so ab, wie es sich Larry ausgemalt hat. Und trotz seiner zotigen Sprüche und seines Humors auf Vorschulniveau ist er dennoch irgendwie liebenswert genug, dass wir im gerne die „Stange halten“ (Lol).

Der neue Teil macht dabei etwas grundlegend anders, als alle anderen Teile der Reihe. Denn waren bisher alle Teile komplett losgelöst von einander, bekommen wir es dieses Mal mit einer direkten Fortsetzung zu tun, weswegen es für das Ende des Vorgängers auch leichte Spoiler gibt: Nach den Ereignissen des direkten Vorgängers befindet sich Larry immer noch in Cancum gestrandet und trauert seiner großen Liebe Faith hinterher, die im Finale des Vorgängers ums Leben gekommen ist. – Oder zumindest wirkte es so, denn über eine Remoteverbindung zu Faith’s Smartphone gelangt er an ein Foto von ihr, das einen Tag nach ihrem vermeintlichen Tod aufgenommen wurde. So macht sich Larry auf die Suche nach ihr und muss schnell erkennen, dass er dabei nicht der Einzige ist und schnell mehr auf dem Spiel steht, als seine Chance auf eine Schäferstündchen. Dabei ist es zwar nicht zwingend notwendig den direkten Vorgänger gespielt zu haben, zumal es am Anfang eine kurze Zusammenfassung gibt, doch entgehen einem dabei nicht nur viele Anspielungen auf den Vorgänger, sondern auch wiederkehrende Charaktere.

Ließ sich der Vorgänger noch massiv vom allerersten Teil der Reihe und aktuellen Trends, wie Tinder, Influencern, Hipstertum und der Macht von Großkonzernen, wie Apple inspirieren, so fährt der neue Teil die Vielzahl an Versatzstücken etwas zurück und besinnt sich mehr auf die Wurzeln des Genres. So hat sich der neue Teil inhaltlich stark vom dritten Teil der Reihe, der auch mein persönlicher Favorit ist, sowie anderen klassischen Adventures, wie der Monkey Island-Reihe, inspizieren lassen und scheint sich damit etwas sicherer in seiner Haut zu fühlen. Ich hatte zwar mit dem Vorgänger auch jede Menge Spaß, immerhin hatten es CrazyBunch geschafft die Reihe aus der uninspirerten Minispiel-Hölle von „Magnu cum Laude“ und „Box Office Bust“ wieder zum Adventure zu machen, aber dennoch kann man dem Vorgänger nicht abstreiten, dass die Geschichte stellenweise wie eine Aneinanderreihung unterschiedlicher Themen und weniger aus einem Guss wirkte. – Bei „Wet Dreams dry twice“ ist das anders, die Anspielungen an den Vorgänger, klassische Adventures und aktuelle Themen der Popkultur sind harmonisch miteinander verwoben, sind  besser pointiert und arbeiten weniger mit Klischees und Stereotypen. – Also, um eine Analogie zur Comedy heranzuziehen, mehr Monty Python und weniger Mario Barth

Spielerisch und technisch setzt das Spiel dem mehr als soliden Vorgänger auf, beide Spiele verwenden den gleichen Artstyle, die gleichen Sprecher und setzten auf die moderne Unity-Engine. So gibt es neben den handgezeichneten und sehr detaillierten Arealen auch zig Personen mit denen wir interagieren können und jede Menge Rätsel. Die Hintergründe und Charaktere sind dabei in zwar in Comicgrafik gehalten, wie es auch bei den Teilen der Reihe, die noch von Sierra waren der Fall war, wirken aber insgesamt realistischer, was sich schon im Design von Larry zeigt, der nicht mehr eine kleine dicke Karikatur ist, sondern ein normal-proportionierter Durchschnittstyp im Polyesteranzug. Auf ähnlich hohem Niveau spielt auch die Vertonung, die selbstverständlich wahlweise in Deutsch oder Englisch vorliegt, wobei mir persönlich das englische Original etwas besser gefällt, auch wenn man sagen muss, dass auch die deutsche Fassung absolut gelungen ist. Hier haben die Übersetzer und Sprecher also sehr viel Gespür für das Ausgangsmaterial bewiesen, was selbst heutzutage noch nicht immer der Fall ist. Der Vollständigkeit halber sollte man aber erwähnen, das leider auch im neuen Teil das ironische Larry-Theme fehlt, da die Rechte dazu mutmaßlich bei Al Lowe liegen, der nicht am Spiel beteiligt ist.

In Anbetracht dem, was aber sonst geboten wird, lässt sich das aber durchaus verschmerzen, denn nicht punktet das Spiel mit einer runderen Geschichte, sondern ist auch um einiges länger, ein Kritikpunkt, den viele am Vorgänger hatten. Hatte ich beim Vorgänger knapp 10 Stunden gebraucht, um Larry zum Ende zu führen, habe ich für den neuen Teil in etwa die doppelte Zeit benötigt. Nicht nur ist die Story an sich länger, sondern es gibt auch mehr als 50 unterschiedliche Orte zu erkunden und mehr als 40 Charaktere zum Interagieren. Und da die Qualität eines Adventures bekanntlich mit der Qualität seiner Rätsel steht und fällt, hat es mich sehr gefreut, dass die Rätsel die perfekte Balance zwischen Anspruch und Herausforderung geboten haben und sowohl Dialog-, Gegenstand-, aber auch Inventar-Rätsel beinhalten. Und nur in Ausnahmefällen waren die Lösungen zu weit hergeholt, auch wenn die ein oder andere Kopfnuss natürlich nicht ausbleibt.

Insgesamt hatte ich mit Larry’s zweitem (neuen) Abenteuer immens viel Spaß, da das Spiel in nahezu allen Belangen eine sinnvolle Weiterentwicklung des auch schon tollen Vorgängers, darstellt. Allerdings sollte man unbedingt den Vorgänger gespielt haben, damit man die vielen kleinen Anspielungen auch versteht, die sonst stellenweise dazu führen, dass man zwar bei Witzen mitbekommt, dass diese in Verbindung mit dem Vorgänger wahrscheinlich witzig sind, man aber auf Grund fehlender Informationen nicht mit lachen kann. Weiter hilft es auch „historisch“ mit Larry vertraut zu sein, um seine Motivation und seine Denkweise nachvollziehen zu können, was aber weniger essenziell, als im Vorgänger ist, da die Geschichte ausgereifter ist und es zusätzlich eine Checkliste der offenen ToDos in Larry’s Smartphone gibt. So kommen sowohl Adventure-Veteranen, wie auch Neulinge absolut auf ihre Kosten. Einziges Manko ist meiner Meinung nach ein etwas zu „kleinliches“ Dialogsystem, bei dem bereits geführte Dialogoptionen nicht aus der Liste verschwinden, sondern bestehen bleiben und es mir zu oft, als ich eigentlich zugeben möchte, passiert ist, dass ich bei der Auswahl verrutscht bin und Dialoge doppelt oder dreifach abliefen. Doch abseits davon habe ich keine wirkliche Kritik, Larry hat mich auch 2021 wieder so gefesselt, wie bereits in den 80ern und ich hoffe wirklich, dass er  gekommen ist, um zu bleiben!

Entwickler: CrazyBunch

Publisher: Assemble Entertainment

Erhältlich auf: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch

NB@31.05.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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