PS5 Review: „Trigger Witch“ #TriggerWitch

Was soll man von einem Spiel erwarten, dass sich selbst „Trigger Witch“ nennt? – Nun ja, eine Hexe mit einer Waffe selbstverständlich. Was erst mal abstrus klingen mag, oder gar Assoziationen mit Bayonetta hervorruft, entpuppt sich dabei allerdings als interessantes Genre-Mashup aus Twin-Stick-Shooter und klassischem Topdown-Action-Adventure, zwei Genres, die ich persönlich sehr gerne mag. Abgerundet wird alles von einer 16-Bit-Optik, die stark an die 2D-Zelda-Spiele erinnert, also durchaus Grund genug herauszufinden, ob es nur eine krude Aneinanderreihung von unterschiedlichen Versatzstücken handelt…

Das Spiel wurde vom Australischen Entwicklerstudio Rainbite, den Entwicklern des unterhaltsamen „Reverie“, entwickelt und wird von Eastasiasoft zunächst digital und später auch in einer physischen Version vertrieben, wobei die physischen Versionen streng limitiert und exklusiv über Play-Asia erhältlich sind. Wir steuern die jugendliche Hexe Colette, die einer langen Reihe von Trigger Witches, also Hexen, die mit Waffen bewaffnet sind, angehört. Die Bewaffnung ist allerdings keine persönliche Entscheidung, sondern göttliche Vorsehung, die längst die Hexerei komplett ersetzt hat. Im Prolog sind wir hautnah dabei, wie Colette die Abschlussprüfung an der Akademie „Hexerei und Ballerei“ durchläuft und am Ende der Prüfungen ihre erste eigene Waffe bekommt. Die abstruse, aber scheinbar heile Welt gerät allerdings ins Wanken, als ein mysteriöser Fremder in das Reich eintritt und Colette durch Zufall in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt wird, der nur mit jeder Menge Feuerkraft zu gewinnen ist…

Wie man anhand der Beschreibung wahrscheinlich erkennt, nimmt sich das Spiel dabei nicht wirklich ernst, sollte aber keineswegs, trotz der teils recht knuffigen Animationen, als Kinderspiel abgetan werden. Es bietet zwar eine recht bunte Spielwelt mit verniedlichtem Gegnerdesign, doch geizt keineswegs mit rotem Lebenssaft und Fleischfetzen, die besiegte Gegner zurücklassen. Das kann zwar über das Hauptmenü über den sogenannten „Pinata-Mode“, wo Blut und Gore generell gegen buntes Konfetti ausgetauscht werden, aber in der Standardeinstellung wandeln sich die Arenen ins Windeseile in Meere aus Blut, die uns die Farbe des Bodens nicht mehr erkennen lassen.

Optisch wie spielerisch ist das, abgesehen von den Schusswaffen versteht sich, orientiert sich das Spiel stark an „The Legend of Zelda: A Link to the Past“ und weicht lediglich in einigen kurzen Shooter-Abschnitten, die uns auf Colette’s Hexenbesen fliegen lassen, davon ab. Den Großteil der Spielzeit verbringt man allerdings in der typischen Topdown-Ansicht, bewegt sich über eine recht umfangreiche Oberwelt, spricht mit NPCs und betritt dann und wann in sich abgeschlossene Dungeons, die es zu bezwingen gilt. Das steuert sich jedoch sehr viel Actionreicher, da das komplette Kampfsystem als Twin-Stick-Shooter aufgebaut ist und wir Colette’s Laufrichtung unabhängig von ihrer Schussrichtung steuern können. Der Rest ist Genre-typische Standardkost mit einigen Rätseln, unterschiedlichen Tränken und Waffen, die wir im Spielverlauf bekommen und dem ein oder anderen Bosskampf, die aber insgesamt überraschend abwechslungsreich ausgefallen sind. Neben Kampf als Singleplayer erlaubt uns das Spiel sogar jederzeit einen Couch Co-Op Partner mitzunehmen, obwohl das Spiel dadurch etwas zu leicht wird, da die Anzahl der Gegner und die Energie der Bosse nicht skaliert, sondern unverändert bleibt. Aber es ist immerhin schön zu wissen, dass es immer mal wieder Spiele gibt, die im Co-Op spielbar sind.

Technisch wirkt das Spiel wie ein authentisches Retro-Spiel und besticht dabei durch jede Menge Witz und Charme. Das fängt schon an bei der übertriebenen Gewaltdarstellung und der Selbstverständlichkeit, wie mit Waffen umgegangen wird, was eindeutig als Persiflage zu sehen ist. Man muss sich nur mal die Wortschöpfung, die die Kultur im Spiel bezeichnet auf der Zunge zergehen lassen: „Ballisticism“, also die Waffenkultur, was ja schon in sich selbst ein Gegensatz ist. Doch auch die Geschichte und die Dialoge können durchaus überzeugen und bieten cleveres Writing, wie auch die ein oder andere Überraschung. Erfrischend ist auch, dass das Spiel, entgegen der anderen Veröffentlichungen von Eastasiasoft, auch sehr viel umfangreicher geworden ist. Bewegen die die normalen Spielzeiten eher im Rahmen 0,5 bis maximal 2 Stunden, so dauert es bei „Trigger Witch“ locker über 10 Stunden, bis man den Abspann sieht. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Trophäen, denn nicht nur gibt es einige verpassbare Trophäen, sondern sie dauern inhaltlich auch alle etwas länger. Und auch wenn das den ein oder anderen Trophäenjäger abschrecken könnte, weswegen ich auch dieses Mal auf die Klassifizierung als „Leichte Platin“ verzichte, obwohl sie inhaltlich nicht schwer zu bekommen ist.  

(c) Rainbite / Eastasiasoft

Insgesamt hat mich „Trigger Witch“ wirklich positiv überrascht, denn ehrlich gesagt habe ich nicht mehr als die Standardkost der Veröffentlichungen des Publishers erwartet, wobei sich dessen Output bereits schon dann und wann mal verändert hat, was erst kürzlich bei „Empire of Angels IV“ deutlich wurde, was auch positiv herausgestochen ist. Doch so viel Spaß, wie mit diesem Spiel, hatte ich schon lange nicht mehr, da die abstruse Inszenierung sich perfekt mit den witzigen Ideen und der hochwertigen Retrografik paart und ein überaus ansprechendes Gesamtpaket abliefert. Zwar ist das Spiel mit regulären 15 Euro auch etwas teurer, als die anderen Outputs des Publishers, doch die Investition lohnt sich auf jeden Fall, weswegen ich mit zusätzlich sogar noch die physische Limited Edition bei Play-Asia vorbestellt habe…

Entwickler: Rainbite

Publisher: Eastasiasoft

Erhältlich auf: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

NB@25.08.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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