Schon bei Veröffentlichung von „Assassin’s Creed Shadows“ im März diesen Jahres war eins absolut klar: Ubisoft hat sich mit diesem Teil der Reihe in Sachen Ambiente, Dual-Protagonisten, historischen Setting und der weitestgehenden Rückkehr zur klassischen Formel der Reihe, mehr als selbst übertroffen! Shadows war ein actionreiches Adventure-RPG mit starkem Stealth-Anteil, das in das Japan der Sengoku-Zeit entführt – voll von Samurai, Shinobi, inneren Zwängen und politischen Machtspielen. „Die Klauen von Awaji“ ist gerade als erste Story-Erweiterung für Shadows erschienen und bietet eine zusätzliche knapp 10-stündige Handlung, mehr Gameplay-Inhalte und führt lose Enden des Hauptspiels weiter.

(c) Ubisoft

Die Handlung des DLC setzt nach dem Abschluss der Haupthandlung von Shadows an und zielt darauf ab, zwei der zentralen offenen Fragen zu beantworten: Was ist mit Naoes Mutter geschehen, die lange verschollen war, und wie verhält es sich mit dem dritten der sogenannten Regalien oder Boxen, die Naoe und Yasuke zuvor noch nicht gefunden hatten.

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Anders als beim Hauptspiel ist das Ziel nicht, ein völlig anderes Gameplay zu etablieren, sondern bestehende Mechaniken zu ergänzen und lose Enden zu verbinden. Um diesen DLC starten zu können, muss man daher zuerst das Hauptspiel komplett abgeschlossen haben – zumindest die finale Mission oder den Punkt, an dem die Geschichte der Regalien und Naoes Mutter etabliert wurde. Danach wird Awaji als neue Insel freigeschaltet. Es gibt diesmal keinen direkten Einstieg zum Start des DLC, wie es beispielsweise noch bei „Assassin’s Creed Valhalla“ und dem „Dawn of Ragnarok„-DLC der Fall war, was aber in Anbetracht der starken Verzahnung mit der Hauptgeschichte wenig Sinn gemacht hätte. Wer bis zum DLC durchsprinten möchte, muss etwa 7-10 Stunden einplanen, wenn man sich ausschließlich auf die Hauptstory beschränkt und die Spielwelt und Nebenmissionen nahezu komplett ignoriert.

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Die Geschichte führt die beiden Protagonisten – Naoe, eine junge Shinobi, und Yasuke, ein afrikanischer Samurai – gemeinsam auf die Insel Awaji, wo eine machtbewusste Frau namens Kimura Yukari herrscht. Sie unterdrückt die Bevölkerung, sucht selbst nach der Regalia und hält Naoes Mutter gefangen, um deren Wissen über den Verbleib der letzten Box zu erzwingen. Zusätzlich gibt es drei wichtige Handlanger, die jeweils einen Bereich der Insel kontrollieren und als Hauptgegner agieren. Der Konflikt dreht sich also nicht nur um offene Regalien und familiäre Wiedervereinigung, sondern um Macht, Loyalität und Verrat, Erinnerung an vergangene Verluste, und die Wahl, wie weit man für Gerechtigkeit gehen darf. Die Welt fühlt vertraut an, bietet aber dennoch genug Neues, um den Spieler bei Laune zu halten.

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Was das Gameplay angeht, bleibt Die Klauen von Awaji dem bewährten Loop von Shadows überwiegend treu, bringt jedoch einige neue Mechaniken, Verbesserungen und auch einen neuen Skill Tree mit. Man steuert weiterhin wahlweise Naoe oder Yasuke, je nachdem, in welchem Teil der Geschichte man sich befindet – häufig wechselt man zwischen beiden, was den Unterschied ihrer Stile nutzt: Naoe ist flink, spezialisiert auf Tarnung, Agilität, Stealth; Yasuke bietet mehr rohe Kraft, robustere Kämpfe. Die Erweiterung führt als neue Waffe den Bo (Langstab) für Naoe ein, mit drei Haltungen: hoch, mittel, niedrig – jede mit spezifischen Effekten: Kraftschlag, Feindzurückstoßen, Fallen/Trips etc. Zudem gibt es neue Skills für Yasuke, passive Verbesserungen, mehr Ausrüstungsoptionen und Rüstungssets. Die Insel Awaji selbst wirkt in Layout und Design kompakter als die Regionen des Hauptspiels, aber voller dichter Gegnerpatrouillen, versteckter Gefahren und Gegner, die auf bestimmte Taktiken ausgelegt sind. Ich habe mich dabei persönlich an Iki Island aus dem Director’s Cut von „Ghost of Tsushima“ erinnert gefühlt, wo die Entwickler ein ähnliches Konzept verfolgt haben.

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Der Schwierigkeitsgrad wurde etwas angehoben, insbesondere bei den Bosskämpfen und den Missionen gegen die Taisho. Einige Kämpfe sind daher echt fordernd, mit Mechaniken, die erfordern, dass man geschickt zwischen den Waffen und Fähigkeiten wechselt, deckt Stealth- und offene Kämpfe ab. Die Steuerung fühlt sich weitgehend vertraut an, wie im Hauptspiel, aber in Awaji merkt man kleine Ungenauigkeiten, besonders bei Bosskämpfen, wenn die Kamera oder das Timing etwas wackeln – das kann frustrierend sein, wenn man sich auf einen Kampf vorbereitet hat. Das Level-Design ist insgesamt solide: Awaji ist kleiner und dichter, wodurch die Strecken zwischen Missionspunkten kürzer sind, was der Erweiterung zugutekommt, denn es gibt viele Begegnungen und Erkundung innerhalb kurzer Distanzen, so dass weniger Leerlauf aufkommt. Manche Nebenaufgaben und Sammlerstücke wirken allerdings etwas willkürlich, und erinnern dadurch an die oft kritisierten Ubisoft-Checklist-Aufgaben, was nach ein paar Stunden etwas repetitiv wirkt.

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Grafisch und akustisch zeigt der DLC erneut wieder sehr viele schöne Momente, hier haben die Entwickler wieder ganze Arbeit geleistet! Die Atmosphäre auf der Insel ist insgesamt dunkler, teils bedrückend – dichter Wald, Nebel, Wettereffekte, die Lichtverhältnisse im Wald oder die Schatten in Städten sind eindrucksvoll ausgearbeitet. Auf der PS5 zum Beispiel sieht man häufig flüssige Performance, schöne Schattenwürfe, stabile Framerate in sehr vielen Szenarien, allerdings mit gelegentlichen Pop-ins oder Texturdetails, die beim Näherkommen erst aufgelöst werden. Das war allerdings selten und nie wirklich zu störend, auch wenn es selbstverständlich die Immersion etwas bricht. Insgesamt macht der Soundtrack erneut durch seine Mischung aus traditionellen japanischen Instrumenten, Ambient-Elementen und spannungssteigernden Kompositionen Eindruck; auch die Effektgeräusche – von Holzknarren über Blutspuren bis zum Metallic-Klang von Schwertern – sind gut gelungen. Stimmung und Klangkulisse erinnern teils an alte Samurai-Filme oder epische Schlachten wie in „The Last Samurai“ oder „Ran“.

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Entwickler des Hauptspiels war Ubisoft Quebec; für Die Klauen von Awaji war allerdings insbesondere Ubisoft Bordeaux federführend, die allerdings schon an DLCs für Valhalla und dem eigenständigen Mirage gearbeitet haben. Man versteht also das Handwerk und so gibt es auch keine merkbaren Qualitätsunterschiede im Vergleich zum Hauptspiel. Ubisoft fungiert selbstverständlich auch wieder als Publisher, wie bei allen Teilen der hauseigenen Reihe. Diese Erweiterung ist Teil des Post-Launch-Contents für Shadows, das wiederum auf das Erbe älterer Assassin’s Creed-Titel zurückblickt und sich bemüht, erneut Stealth, historische Settings und die typische Mischung aus Spielmechaniken und Erzählung zusammenzubringen. Der Kontext: Shadows hatte bei Veröffentlichung viele Kritiken gelobt für Setting und Atmosphäre, aber auch bemängelt, dass das Ende offen sei, bestimmte Themen nicht abgeschlossen und strukturierte Pacingprobleme bestanden. Awaji versucht, diese Kritikpunkte aufzugreifen und bietet speziell der Community eine Form von Abschluss. Entwickler erklären, dass die Erweiterung „design by constraints“ verfolgt hat – man arbeitet mit begrenztem Budget/Ressourcen, aber großer Aufmerksamkeit auf Detailliebe, Storykohärenz und Qualität statt bloß Quantität.

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Insgesamt ist „Die Klauen von Awaji“ zwar keine Revolution, aber nichtsdestotrotz eine lohnenswerte Ergänzung zu „Assassin’s Creed Shadows“. Sie richtet sich vor allem an diejenigen, die das Hauptspiel bereits beendet bzw. sehr weit gespielt haben und Antworten auf die offenen Fragen wollen – die Reise zu Naoes Mutter, das Finden der Regalien etc. Für Fans der Reihe, die Geschichten und Charaktere schätzen, liefert der DLC absolut zufriedenstellende Storymomente, ansprechenden Nachschub an Gameplay und das Gefühl, am Ende einer Epik angekommen zu sein. Wer allerdings schon im Hauptspiel Ermüdungserscheinungen gegenüber wiederkehrenden Missionstypen, ähnlichen Stealth-Mechaniken und Open-World-Strukturen verspürte, wird auch hier wenig grundlegend Neues erleben, zumal es dann auch fraglich ist, ob man überhaupt so weit im Spiel fortgeschritten ist, um den DLC spielen zu können. Für Vorbesteller des Hauptspiels ist der DLC übrigens komplett kostenlos im Rahmen der Vorbesteller Boni, die man heutzutage sogar immer noch vereinzelt als beiliegende Codes beim Neukauf finden kann. Für alle anderen ist der DLC für knapp 25 Euro erhältlich, was in meinen Augen zwar einen Tick zu hoch angesetzt ist, in Anbetracht des Umfangs von 10-12 Stunden, je nachdem wie weit man in Nebenmissionen und Sammelaufgaben investiert ist, durchaus in Ordnung ist. Wer Shadows mochte, sollte zumindest einen Blick auf Awaji werfen – besonders für jene Storymomente, die im Hauptspiel offenblieben, und für das Gefühl, diese Welt vollständig zu erleben.

Entwickler: Ubisoft Bordeaux

Publisher: Ubisoft

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

Getestet auf: PS5

NB@24.09.2025

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