Jeder, der den Angry Video Game Nerd zumindest in Ansätzen verfolgt, dem sagt der Name LJN wahrscheinlich etwas. Der Publisher war in den 80ern notorisch für seine Vermarktung von günstig produzierten Videospielen, die auf populären Marken aus Film und Fernsehen basierten, bekannt. Allerdings kann man sich durchaus über die vermeintlich mindere Qualität der Spiele streiten, denn ich persönlich liebe Titel wie „A Nightmare on Elm Street“, „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“, „Friday the 13th“ und auch das nun neu aufgelegte „Jaws“.

(c) Atlus, Westone, LJN, Limited Run Games

Und anscheinend bin ich mit meiner Vorliebe nicht komplett alleine, denn Limited Run Games hat das Spiel nicht einfach nur auf moderne Plattformen portiert, sondern komplett überarbeitet und mit einem massiv erweiterten Modus ausgestattet, der mutmaßlich der damaligen Vision der Entwickler näher kommt, wenn man mehr Zeit gehabt hätte.

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Das ursprünglich 1987 für das Nintendo Entertainment System erschienene Spiel wurde damals von Atlus in Zusammenarbeit mit Westone entwickelt und von LJN veröffentlicht. Inhaltlich bewegt sich das Spiel weiterhin im Bereich eines Action-Adventures mit deutlichem Arcade-Einschlag. Im Kern geht es – wie der Titel bereits vermuten lässt – um die Jagd auf einen übermächtigen Gegner in einem begrenzten, aber dynamisch inszenierten Schauplatz. Die zentrale Frage, die sich dabei stellt, ist, ob eine so klar strukturierte, mechanisch reduzierte Spielerfahrung heute noch tragen kann – und ob diese Retro-Neuauflage mehr ist als ein reines Nostalgieprodukt für Fans des Originals?

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Die Handlung greift die bekannte Grundidee rund um den weißen Hai auf und setzt sie in ein stark reduziertes Videospielerlebnis um. Im Mittelpunkt steht Chief Brody, der gemeinsam mit Hooper und Quint versucht, die Küstenregion rund um Amity Island vor den Angriffen eines riesigen Hais zu schützen. Die drei Männer brechen mit dem kleinen Fischerboot Orca auf, um das Tier aufzuspüren und endgültig auszuschalten.

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Der erzählerische Rahmen bleibt dabei bewusst minimalistisch, was in der Tradition vieler Spiele aus der 8-Bit-Ära steht. Statt langer Dialoge oder Zwischensequenzen entsteht die Geschichte eher durch die Spielsituation selbst: durch das ziellose Umherfahren auf dem Meer, die Begegnungen mit gefährlichen Kreaturen und die stetige Vorbereitung auf den finalen Kampf. Diese Herangehensweise passt erstaunlich gut zum maritimen Setting. Man hat das Gefühl, sich auf einer improvisierten Jagd zu befinden, bei der Planung und Ausrüstung genauso wichtig sind wie der eigentliche Showdown.

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Im spielerischen Kern besteht „Jaws“ aus mehreren miteinander verzahnten Elementen. Auf der Oberwelt steuert man das Boot über eine Karte, die die Gewässer rund um Amity Island darstellt. Während dieser Fahrten kommt es immer wieder zu zufälligen Begegnungen mit feindlichen Meeresbewohnern. Wird ein Gegner berührt, wechselt das Spiel in eine seitlich dargestellte Action-Sequenz unter Wasser. Hier steuert man einen Taucher, der mit Harpunen oder anderen Waffen gegen Quallen, Rochen und kleinere Haie kämpft.

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Diese Gefechte erfüllen gleich mehrere Funktionen. Zum einen stellen sie den Großteil des eigentlichen Gameplays dar, zum anderen liefern sie Muscheln als eine Art Währung. Mit diesen Muscheln lassen sich Ausrüstung und Boot verbessern, was wiederum entscheidend ist, um im späteren Verlauf überhaupt eine Chance gegen den titelgebenden Gegner zu haben. Dieser simple Kreislauf aus Erkundung, Kampf und Aufrüstung sorgt dafür, dass selbst die sehr kurzen Spielrunden eine gewisse Dynamik entwickeln.

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Zusätzlich gibt es kleinere Bonusabschnitte, die den ansonsten recht klar strukturierten Ablauf auflockern. Einer dieser Abschnitte lässt den Spieler beispielsweise ein Flugzeug steuern, mit dem Quallen aus der Luft abgeschossen werden müssen – eine kurze, aber charmante Arcade-Einlage, die stark an klassische Highscore-Minispiele erinnert.

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Der eigentliche Höhepunkt ist schließlich der Kampf gegen den Hai selbst. In dieser Phase kehrt das Spiel zur Bootsansicht zurück und verlangt präzises Timing beim Einsatz von Waffen und Manövern. Wer die Mechaniken verstanden hat, kann den gesamten Ablauf theoretisch relativ schnell durchspielen. Gleichzeitig sorgt der durchaus fordernde Schwierigkeitsgrad dafür, dass gerade unerfahrene Spieler deutlich länger brauchen werden, bis der Ablauf wirklich sitzt.

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Die „Retro Edition“ erweitert dieses ursprüngliche Konzept auf zwei unterschiedliche Arten. Einerseits gibt es einen klassischen Retro-Modus, der das ursprüngliche Spiel weitgehend unverändert präsentiert, jedoch um moderne Komfortfunktionen ergänzt wurde. Dazu gehören etwa jederzeitiges Speichern, eine Rückspulfunktion, Achievements sowie eine Galerie und ein Musikplayer. Diese Ergänzungen verändern den Charakter des Originals nicht, machen es aber deutlich zugänglicher für heutige Spieler.

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Daneben existiert ein deutlich umfangreicherer Enhanced-Modus. Dieser baut auf den grundlegenden Mechaniken des NES-Spiels auf, erweitert sie jedoch um zusätzliche Kapitel, neue Aufgaben, weitere Gegnertypen sowie zusätzliche Fähigkeiten und Waffen. Auch die Rollenspielelemente, die im Original nur angedeutet waren, treten hier stärker in den Vordergrund. Laut Beschreibung orientiert sich dieser Modus lose an Motiven aus allen vier „Jaws“-Filmen, auch wenn der genaue Umfang der neuen Inhalte je nach Quelle unterschiedlich beschrieben wird.

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Optisch bleibt das Spiel seiner Herkunft treu. Die pixelige Darstellung orientiert sich stark an der Ästhetik des Originals und setzt auf klare Farben, einfache Animationen und eine sehr reduzierte Darstellung der Unterwasserwelt. Gerade diese visuelle Einfachheit hat jedoch ihren eigenen Charme. Das Meer wirkt ruhig und gleichzeitig bedrohlich, während die Begegnungen mit Gegnern durch die begrenzten, aber prägnanten Animationen eine überraschend hohe Spannung erzeugen.

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Auch der Sound trägt viel zur Atmosphäre bei. Die Musik ist im Kern weiterhin stark von den minimalistischen Kompositionen der 8-Bit-Ära geprägt. Kurze Loops begleiten die Erkundung und die Kämpfe, während bestimmte Signale den Spieler auf gefährliche Situationen aufmerksam machen. Natürlich kann die technische Umsetzung nicht mit modernen Produktionen mithalten, doch genau darin liegt auch ein Teil der Faszination. Die Musik wirkt weniger wie ein orchestraler Filmscore und eher wie ein nostalgisches Echo aus einer Zeit, in der ein paar simple Melodien ausreichten, um eine ganze Spielwelt zu tragen.

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Der Vergleich mit dem Original ist bei dieser Veröffentlichung unvermeidlich. Das NES-Spiel aus dem Jahr 1987 war bereits damals ein eher ungewöhnlicher Titel: eine Mischung aus Action, Exploration und rudimentären Rollenspielelementen, die sich nur schwer in eine klare Genre-Schublade einordnen ließ. Die neue Version bewahrt diesen Kern, erweitert ihn jedoch behutsam. Besonders der Enhanced-Modus versucht, die damals nur angedeuteten Ideen weiter auszubauen und dem Konzept etwas mehr Tiefe zu verleihen.

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Insgesamt ist „Jaws: Retro Edition“ ein Spiel, das stark von seinem historischen Kontext lebt. Wer moderne AAA-Mechaniken oder eine ausufernde Story erwartet, wird hier wahrscheinlich nicht fündig. Wer hingegen ein Faible für klassische 8-Bit-Designphilosophie hat, entdeckt in dieser Neuauflage ein erstaunlich charmantes Stück Videospielgeschichte. Gerade der Wechsel zwischen ruhiger Erkundung, kurzen Arcade-Gefechten und der Vorbereitung auf den finalen Kampf erzeugt eine Spannung, die auch heute noch funktioniert. Der neue Enhanced-Modus erweitert dieses Fundament sinnvoll, ohne die ursprüngliche Struktur völlig zu verändern. Damit richtet sich das Spiel vor allem an Retro-Fans, Filmfreunde und Spieler, die Freude daran haben, ältere Designansätze aus einer modernen Perspektive noch einmal neu zu erleben. Ob man am Ende tatsächlich lange bei der Hai-Jagd bleibt oder eher einen kurzen nostalgischen Ausflug unternimmt, hängt stark vom eigenen Geschmack ab. Fest steht jedoch, dass die Veröffentlichung mehr ist als eine bloße Emulation eines alten NES-Titels. Es ist zugleich Archivstück, Hommage und vorsichtige Neuinterpretation eines Spiels, das trotz seiner Einfachheit bis heute einen eigenwilligen Platz in der Videospielgeschichte einnimmt.

Entwickler: Atlus, Westone, Limited Run Games

Publisher: LJN, Limited Run Games

Erhältlich auf: PC, PS5. Nintendo Switch

Getestet auf: PS5

NB@17.03.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt.

Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!

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