Mit „Halloween: The Game“ wagen sich IllFonic und Gun Interactive an einen der bekanntesten Horrorfilme aller Zeiten. Das Spiel ist zwar vergleichsweise kurz, technisch noch ziemlich unausgereift und stellenweise ausgesprochen fehleranfällig, bietet gleichzeitig aber eine der wohl authentischsten Spielerfahrungen rund um Michael Myers, die man sich als Fan wünschen kann. Und als absoluter Liebhaber der gesamten Filmreihe habe ich mich auf dieses Wiedersehen mit Haddonfield natürlich ganz besonders gefreut. Umso schöner ist es, dass mich das Spiel trotz seiner Schwächen ausgesprochen gut unterhalten hat. Verantwortlich dafür ist vor allem der überraschend umfangreiche Story-Modus, der weit mehr zu bieten hat als eine einfache Nacherzählung des Originals.

Die Geschichte führt uns zurück ins Jahr 1978, in die amerikanische Kleinstadt Haddonfield. Hier beginnt jene Halloween-Nacht, die Filmgeschichte schreiben sollte. Michael Myers, der bereits als Kind seine Schwester ermordete und anschließend jahrelang in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht war, ist zurückgekehrt. Während sich die Bewohner auf einen vermeintlich harmlosen Halloween-Abend vorbereiten, zieht der maskierte Serienmörder durch die Straßen seiner Heimatstadt. Die Ausgangslage dürfte insbesondere Fans des Klassikers von John Carpenter bestens vertraut sein. Allerdings erleben wir die Ereignisse diesmal aus einer völlig anderen Perspektive. Statt vor dem nahezu unaufhaltsamen Killer zu fliehen, schlüpfen wir selbst in seine Rolle und erleben die Geschehnisse rund um seine Rückkehr nach Haddonfield aus seinen Augen.

Gerade dieser Perspektivwechsel gehört zu den größten Stärken des Spiels. Die sechs Kapitel orientieren sich an den Ereignissen des Films, erweitern diese aber um zusätzliche Schauplätze und Situationen. Dabei begegnen wir unter anderem bekannten Figuren wie Laurie Strode und Dr. Samuel Loomis, dessen Erzählungen die Handlung begleiten. Besonders gelungen ist, wie eng sich die Entwickler an der Atmosphäre des Originals orientieren. Die ruhigen Straßen, typisch amerikanischen Wohnhäuser und zahlreichen Details versetzen uns unmittelbar zurück in die späten Siebzigerjahre. Als langjähriger Fan der Reihe ist es ein besonderes Vergnügen, diese vertraute Welt selbst erkunden zu dürfen und dabei immer wieder kleine Anspielungen auf den Film zu entdecken.

Das eigentliche Herzstück ist allerdings, zumindest für mich, der Story-Modus. Wer hier lediglich eine kurze Kampagne erwartet, die als Vorbereitung auf den Multiplayer dient, unterschätzt den Umfang der einzelnen Missionen erheblich. Zwar lässt sich die eigentliche Geschichte vergleichsweise zügig abschließen, doch die sechs Kapitel funktionieren vielmehr als unterschiedlich umfangreiche Sandbox-Umgebungen. Jede davon bietet eigene Missionsziele, Möglichkeiten und Herangehensweisen. Wir beobachten unsere Umgebung, verfolgen potenzielle Opfer, nutzen günstige Gelegenheiten und versuchen, unsere Aufgaben möglichst unbemerkt zu erfüllen. Dabei bleibt es uns innerhalb der vorgegebenen Ziele weitgehend selbst überlassen, wie wir vorgehen. Mal empfiehlt sich ein geduldiges Vorgehen aus dem Schatten heraus, während andere Situationen ein schnelleres Handeln erfordern. Gerade diese spielerische Freiheit sorgt dafür, dass die einzelnen Schauplätze deutlich mehr bieten als einen einmaligen Durchlauf.

Besonders interessant ist dabei die Nähe zu den neueren „Hitman“-Titeln. Natürlich erreicht das Spiel nicht deren enorme Komplexität, doch die grundlegende Idee ist durchaus vergleichbar. Wir bewegen uns durch eine Umgebung, beobachten die Abläufe der Bewohner und suchen nach Möglichkeiten, unsere Ziele möglichst geschickt zu erreichen. Hinzu kommen sechs zusätzliche Herausforderungen pro Kapitel, die dazu motivieren, bereits abgeschlossene Missionen erneut anzugehen und alternative Vorgehensweisen auszuprobieren. Wer alles vollständig meistern möchte, beschäftigt sich dadurch deutlich intensiver mit den einzelnen Umgebungen. Zusätzliche Sammelobjekte und freischaltbare Inhalte verstärken diesen Effekt. Genau hier entfaltet der Story-Modus seine eigentliche Stärke. Ich selbst habe weit über 20 Stunden ausschließlich mit diesem Teil des Spiels verbracht, bevor ich überhaupt zum ersten Mal einen Fuß in den Multiplayer gesetzt habe. Und das nicht etwa, weil ich mich durch die Herausforderungen quälen musste, sondern weil mir das Ganze schlichtweg unglaublich viel Spaß gemacht hat.

Natürlich funktioniert nicht alles gleichermaßen gut. Insbesondere die technische Umsetzung steht dem ansonsten gelungenen Spielgefühl regelmäßig im Weg. Während meiner Zeit auf der PlayStation 5 begegneten mir zahlreiche Bugs, die teilweise für unfreiwillig komische Situationen sorgten und immer wieder aus der sorgfältig aufgebauten Atmosphäre rissen. Gerade bei einem Spiel, das so stark von Spannung, Timing und dem Verhalten seiner Figuren lebt, fallen solche Probleme besonders auf. Auch die Steuerung und einzelne Spielmechaniken hätten stellenweise etwas mehr Feinschliff vertragen können. Dennoch haben mich diese Schwächen erstaunlich wenig davon abgehalten, immer wieder nach Haddonfield zurückzukehren. Dafür funktioniert das grundlegende Spielprinzip einfach zu gut und die Freude daran, selbst in die Rolle des legendären Killers zu schlüpfen, ist zumindest für mich ausgesprochen groß.

Visuell orientiert sich das Spiel erfreulich eng an seiner Vorlage. Die Gestaltung von Haddonfield, die Kleidung der Bewohner und natürlich die unverwechselbare Erscheinung von Michael Myers transportieren den Stil des Films überzeugend in die virtuelle Welt. Dabei ist es weniger die reine technische Qualität der Grafik, die beeindruckt, sondern vielmehr die Liebe zum Detail. Besonders die nächtlichen Straßenzüge, die Beleuchtung der Häuser und die vertraute Halloween-Kulisse sorgen für ein stimmiges Gesamtbild. Auch akustisch gelingt es den Entwicklern, den Geist des Originals einzufangen. Die charakteristische musikalische Identität der Filmreihe und die bewusst eingesetzte Geräuschkulisse tragen wesentlich zur Atmosphäre bei. Technisch ist das alles sicherlich nicht perfekt, doch gerade als Fan fühlt man sich immer wieder unmittelbar in den Film von John Carpenter zurückversetzt.

Interessant ist natürlich auch der Vergleich mit „Friday the 13th: The Game“, an dem ebenfalls IllFonic und Gun Interactive beteiligt waren. Beide Titel teilen die Faszination für einen nahezu unaufhaltsamen Killer, der seine Opfer in einer überschaubaren Umgebung verfolgt. Während das damalige Abenteuer rund um Jason Voorhees allerdings fast ausschließlich von seinen asymmetrischen Multiplayer-Partien lebte, setzt das neue Halloween-Spiel mit seinem eigenständigen Story-Modus einen deutlich anderen Schwerpunkt. Gerade die Sandbox-Missionen und ihre zusätzlichen Herausforderungen verleihen dem Spiel eine eigene Identität, die über das bekannte Konzept der Jagd zwischen Killer und Überlebenden hinausgeht.

Natürlich darf auch der Multiplayer nicht fehlen. Hier treten vier Spieler als Bewohner von Haddonfield gegen einen fünften Spieler an, der die Kontrolle über Michael Myers übernimmt. Während der Killer versucht, möglichst viele Bewohner aufzuspüren und zu ermorden, müssen die Überlebenden zusammenarbeiten, um ihre Mitmenschen zu warnen, die Polizei zu verständigen und Fluchtmöglichkeiten zu schaffen. Dazu lassen sich Gegenstände und Waffen finden, mit denen man sich zumindest vorübergehend gegen den scheinbar unbesiegbaren Verfolger wehren kann. Besonders interessant ist dabei, dass die Karten zusätzlich von computergesteuerten Bewohnern bevölkert werden, die ebenfalls gerettet oder zum Opfer des Killers werden können. Als Michael Myers wiederum gilt es, möglichst unbemerkt vorzugehen, seine besonderen Fähigkeiten geschickt einzusetzen und die Bemühungen der Gegenseite zu sabotieren. Das sorgt durchaus für spannende und unterhaltsame Partien, auch wenn sich das grundlegende Spielprinzip nur bedingt von Genrevertretern wie „Friday the 13th: The Game“ oder „Dead by Daylight“ abhebt. Für mich bleibt der Multiplayer deshalb eine gelungene Ergänzung, während die eigentliche Überraschung eindeutig im Einzelspielerbereich liegt.

Hinter dem Projekt stehen mit IllFonic und Gun Interactive zwei Unternehmen, die bereits umfangreiche Erfahrungen mit asymmetrischen Horrorspielen gesammelt haben. IllFonic war unter anderem an „Friday the 13th: The Game“ beteiligt und entwickelte später „Predator: Hunting Grounds“ sowie „Ghostbusters: Spirits Unleashed“. Gun Interactive wiederum ist besonders durch „Friday the 13th: The Game“ und „The Texas Chain Saw Massacre“ bekannt. Beide wissen also durchaus, wie sich bekannte Horrorfilm-Lizenzen in interaktive Spielerlebnisse übertragen lassen. Umso erfreulicher ist es, dass man sich diesmal nicht ausschließlich auf die bewährte Multiplayer-Formel verlässt, sondern dem Einzelspieler einen deutlich größeren Stellenwert einräumt.

Am Ende ist „Halloween: The Game“ sicherlich kein perfektes Spiel. Die eigentliche Geschichte ist überschaubar und insbesondere die zahlreichen technischen Unsauberkeiten hätten vor der Veröffentlichung deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Dennoch hatte ich mit dem Spiel immens viel Spaß und habe jede Minute meiner ausgiebigen Erkundungstouren durch Haddonfield genossen. Gerade als großer Fan der gesamten Filmreihe ist es für mich etwas Besonderes, die Ereignisse des Originals aus einer völlig neuen Perspektive erleben zu dürfen. Die Sandbox-Struktur und zusätzlichen Herausforderungen sorgen dabei für eine überraschend hohe Wiederspielbarkeit, während der Multiplayer eine unterhaltsame Ergänzung darstellt. Wer eine technisch makellose Horrorproduktion erwartet, dürfte sich an einigen Stellen ärgern. Wer hingegen die Filme liebt und schon immer einmal selbst in die Rolle von Michael Myers schlüpfen wollte, findet hier trotz aller Schwächen eine ausgesprochen reizvolle Umsetzung. Eine bessere, derart eng am Original orientierte Halloween-Erfahrung dürfte derzeit jedenfalls nur schwer zu finden sein.
Entwickler: IllFonic
Publisher: IllFonic, Gun Interactive
Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S
Getestet auf: PS5
NB@05.11.2026
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