Viele Jahre sollte “Friday the 13th” auf dem NES das einzige Spiel über den maskierten Killer bleiben, doch dann kam eine ziemlich erfolgreiche Kickstarter-Kampagne von Gun Media in Zusammenarbeit mit Entwickler Illfonic, die am 14.11.2015 mit einem Ergebnis von 823.704$, anstatt der angepeilten 700.000$, erfolgreich beendet wurde. Das fertige Spiel wurde dann knapp 2 Jahre später als „Friday the 13th – The Game“ für PC, Xbox One und PS4 veröffentlicht und wurde sogar im Oktober komplett  kostenlos in Verbindung mit PS+ angeboten, es ist also ein passender Anlass auch mal über dieses Spiel zu berichten…

Und insgesamt gibt es sogar ein paar Parallelen zum ambitionierten NES-Spiel, denn auch hier ist das Setting, logischerweise das Camp Crystal Lake und es versucht eine Gruppe von Teenagern eine bestimmte Zeit am Leben zu bleiben, während sie sich gegen den übermenschlichen Killer zur Wehr setzen. Da die Technik sich logischerweise in den knapp 28 Jahren, die die Spiele voneinander treffen weiterentwickelt hat läuft das Spiel heute sogar in 1080p bei konstanten 60fps und gibt sich weniger kryptisch, als das 8-Bit-Spiel. Dabei handelt es sich bei „Friday the 13th – The Game“ um ein Multiplayer-Spiel, in dem 7 Spieler einen Counselor spielen und 1 Spieler (zufallsgeneriert) Jason spielen darf. Jede Runde des Spiels dauert 20 Minuten und endet entweder, wenn die Zeit abgelaufen ist, wenn alle Spieler entkommen sind, wenn Jason getötet wurde oder wenn Jason alle Spieler ausgeschaltet hat. Eingeleitet wird das durch eine auf Grund sehr übertriebenen Gesichtsanimationen zum Brüllen komische Cutscene, die uns zeigt wie Jason zurückkehrt, einen Teenager sehr grafisch tötet und die anderen Teens von dort an fliehen. Das Spiel startet direkt im Anschluss und das Ziel als Counselor ist dann die Flucht, bzw. Überleben und für Jason der brutale Mord.

Auch wenn ich an sich kein besonderer Fan von reinen Multiplayer-Spielen bin, so hat mich die Marke Freitag der 13. an sich und speziell diese Kampagne jeher begeistert. Ich gehörte daher zu den Initialen Unterstützern auf Kickstarter, habe es so sogar in die Credits des Spiels geschafft und konnte mir eine Kickstarter-exklusive Version von Jason sichern, den es abseits davon nicht gibt. Leider wurde das Spiel, besonders zum Release von diversen Problemen geplagt. Die Codes für die exklusiven DLCs gingen nicht, es gab massive Serverproblemen und Glitches en Masse. So war das Spielen zum Release im Grunde unmöglich und hat für mehr Frust, als Spaß gesorgt. Die meisten dieser Probleme gehören aber mittlerweile der Vergangenheit an, sodass das Spiel eine wirklich interessante und nervenaufreibende Multiplayererfahrung geworden ist, die man seit kurzem aber sogar auch komplett offline mit/gegen Bots spielen kann. Das man nun auch offline spielen kann merzt auch eins der gravierendsten Probleme aus, denn rein rechnerisch hat jeder Spieler im Online-Spiel nur eine 12,5%-tige Chance als Jason spielen zu dürfen, was allerdings am meisten Spaß macht. Bei mir hat weit mehr als 20 Spiele gedauert, bis ich mal Jason sein durfte und da die Steuerung als maskierter Killer ziemlich anders funktioniert habe ich mich leider nicht so gut geschlagen. Nun kann aber jeder offline nach Lust und Laune als Jason spielen. Dabei kann man sogar einen Schwierigkeitsgrad der Bots vorgeben und so üben, bevor man sich in die Online-Matches wagt, denn sonst hat man als beide Seiten eher schlechte Chancen. Zusätzlich wurde ein weiterer Offline-Modus, der so genannte Challagene-Mode nachgereicht, der kleine abgesteckte Stories in das Spiel implementiert. Einziger wehmutstropfen ist, dass sich offline aus unerfindlichem Grund keine XP verdienen lässt, die man zum Aufstieg des Charakterlevels und zum Kaufen von neuen Fähigkeiten und Moves braucht. Auch sind lassen sich einige Trophäen, wie die gespielten Spiele und Tötungen nur online verdienen, auch wenn man sie, zumindest in der Theorie, auch offline verdienen sollte.

Aber wie läuft das Spiel genau ab? – Grundsätzlich handelt es sich um ein 3rd Person Survival-Horror-Spiel, indem man zwischen zwei unterschiedlichen Modi wählen kann. Hier unterscheidet man zwischen den Teenagern und Jason, deren Spielweise sich grundlegend unterscheide, auch wenn sie sich im gleichen Spiel abspielen:

Jason-Mode:

Jason beginnt das Spiel immer in seiner Hütte, ist initial bewaffnet und hat sofort Zugang zu einer Übersichtskarte und einigen Übermenschlichen Fähigkeiten, die mit fortschreitender Spielzeit noch erweitert werden. Die Waffen und die Grundfähigkeiten variieren, je nachdem welchen Jason wir ausgewählt haben. Jeder Jason hat dabei Vor- und Nachteile, die in der Charakterauswahl gelistet sind. So können manche z.B. Jason-Versionen rennen und andere nicht. So bestimmt die Auswahl des Jason auch maßgeblich das Vorgehen. Zu Gebinn stehen, genau wie bei den Teenagern, nur eine begrenzte Auswahl an Modellen zur Verfügung, die über das Charakterlevel des Spielers (durch XP) nach und nach freigeschaltet werden. Doch die übermenschlichen Fähigkeiten sind für alle Versionen gleich. So kann sich Jason initial bereits über die Karte beamen. Weitere Fähigkeiten sind das superschnelle Fortbewegen, das Sichtbarmachen der Aura von Teenagern (was auch Hütten farblich markiert, wenn sich ein Counselor darin aufhällt) und das Anschleichen, das die Teenager in falscher Sicherheit wägt. Diese Fähigkeiten sind zwar immer zeitlich begrenzt und haben nach der Verwendung einen gewissen Cooldown, aber machen das Spiel insgesamt als Jason viel leichter, denn diese besonderen Fähigkeiten sucht man als Teenager vergebens. Zusätzlich kann Jason noch besondere Kills (wie z.B. der Sleeping-Back-Kill aus Teil 7 der Reihe) durchführen, die im Charaktermenü allerdings erst mit XP gekauft werden müssen, bevor man diese ausrüsten kann.

Counselor-Moder:

Entgegen Jason haben wir es hier sehr viel schwerer, da die Counselor, zwar alle mit verschiedenen Fähigkeiten daherkommen, aber keine davon auch nur annähernd so mächtig, wie die Fähigkeiten von Jason sind. Einige können besser schleichen, andere haben mehr Ausdauer und wieder andere können Sachen reparieren. Unser Ziel ist es Flucht, bzw. Überleben. Wir werden zufällig positioniert auf der Karte in das Spiel entlassen und müssen uns daher erstmal versuchen zu orientieren und eine Waffe zu finden. Dazu stehen uns Hütten zur Verfügung. In diesen Hütten sind allerlei Gegenstände (Waffen, Übersichtskarten, Gegenstände zur Ablenkung und Reparaturitems) versteckt. Haben wir uns bewaffnet können wir unsere Flucht planen. Dazu gibt es auf jeder Karte 2 Fortbewegungsmittel (Autos oder Boote), die allerdings repariert werden müssen, bevor man sie benutzen kann. Dazu muss man erst versteckte Items, wie Benzin oder ähnliches finden. Älternativ kann man auch eine Hütte mit Telefon suchen, das Telefon durch Einsatz einer neuen Sicherung reparieren und die Polizei rufen. Beides ist nicht gerade einfach, wenn ein Serienmörder auf der Suche nach euch ist und erfordert am besten Teamwork.

Wenn man von Jason erwischt wird, bzw. wenn man als Jason einen Teenager erwischt, hat man nur eine kleine Chance am Leben zu bleiben, indem man zuvor ein Taschenmesser eingesammelt hat. Das kann man Jason dann auf Knopfdruck in die Brust rammen, was dafür sorgt, dass er uns fallen lässt und ein paar Sekunden braucht, um sich wieder zu berappen. Haben wir sowas nicht im Gepäck ist nahezu jedes Aufeinandertreffen mit Jason der sichere Tod, sofern wir es nicht schaffen zu entfliehen und uns zu verstecken. Dazu ist von Vorteil, dass Jason nicht durch Fenster klettern kann und etwas braucht, um verriegelte Türen zu zerbrechen. Nutzt man das Geschickt für seinen Vorteil kann man das Ableben vielleicht verzögern oder etwas herauszögern. Aber auch wenn Jason uns erwischt hat bekommen wir unter Umständen noch eine weitere Chance das Spiel zu schaffen: Hat einer der Mitspieler ein Funkgerät gefunden und damit Jason’s Lieblingsgegner Tommy Jarvis verständigt hat ein Mitspieler die Chance nach dem Tod, als Tommy wieder ins Spiel zurückzukehren. Tommy ist der stärkste Charakter im Spiel und hat bereits eine Schrotflinte im Gepäck. Nur mit ihm ist es (theoretisch) möglich Jason zu töten, wobei dieser Prozess sehr kompliziert ist, einige spezifische Schritte und ein eingespieltes Team voraussetzt.

Wie bereits initial erwähnt wurde das Spiel zum Release von Glitches und Serverproblemen gestört. Wie sieht es aber heute aus? – Heute ist das Spiel auf Grund der vielen Updates gut spielbar und da es immer noch rege gespielt wird ist es in der Regel kein Problem in das Spiel zukommen. Auch wenn die Grafik und die Animationen keinesfalls mit einem AAA-Spiel gleichzusetzen können, besticht das Spiel durch eine immense Liebe zum Detail. Die unterschiedlichen Maps strotzen nur so vor Anspielungen und versteckten Elementen. Kein Wunder, denn die Entwickler haben es geschafft neben der Lizenzierung der Marke an sich auch die Unterstützung von Serienveteranen Sean S. Cunningham, der den ersten Teil der Reihe gedreht hat, Spezialeffekt-Guru Tom Savini, der bei den Tötungssequenzen geholfen hat und den Kickstarter-exklusiven Jason designt hat auch Harry Manfredini, den Mann hinter dem ikonischen Soundtrack der Reihe für den Soundtrack des Spiels zu gewinnen. Und besonders der Einsatz des Soundtracks, der in seiner Intensität variiert und für jeden Spieler daran angepasst wird, je nachdem wie nah Jason sich gerade befindet, ist einfach nur bahnbrechend und erzeugt eine wahnsinnig angespannte Stimmung, wenn man so weiß, dass Jason irgendwo in der Nähe ist, aber nicht genau wo…

Jedem der die Reihe mag und der Multiplayer-Spielen nicht grundsätzlich abgeneigt ist, kann das Spiel wärmstens ans Herz gelegt werden. Es handelt sich wahrscheinlich um die originalgetreuste Umsetzung des Ursprungsmaterials mit sehr viel Liebe zum Detail. Meine Empfehlung lautet allerdings am besten erstmal offline zu starten, damit die Online-Erfahrung nicht zu frustrierend wird oder alternativ mit einer Gruppe in das Spiel einzusteigen.

NB@30.10.2018