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Das nun etwas über 1 Jahr alte „Uncharted 4: A Thief’s End“ war zweifelsfrei eines der besten Spiele in 2016. Entwickler Naughty Dog hat es in meinen Augen geschafft mit diesem Titel die Uncharted-Formel zu perfektionieren: Gut geschriebene Charaktere, witzige Dialoge, fordernde Shootouts, Rätzeleinlagen und ein insgesamt runder Abschluss der Geschichte um den Abenteurer Nathan Drake und seine Freunde. Doch auch wenn das Spiel der Abschluss der Geschichte um Nathan Drake sein sollte, wurde gleich nach Veröffentlichung ein Story-DLC angekündigt, der zwar nicht von Nathan Drake handeln, aber die Geschichte von Uncharted fortsetzen sollte, denn Uncharted bedeutet laut den Entwicklern nicht zwangsläufig Nathan Drake, auch wenn dieser bislang in allen Teile der Reihe die Hauptfigur gewesen ist.

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Doch ein Uncharted ohne Nathan Drake? Kann das gut gehen? – Nun ist es endlich soweit und der angekündigte Story-DLC ist verfügbar, auch wenn in der Zwischenzeit nicht mehr als DLC, sondern als eigenständiges Spiel. Die Entwickler begannen an ihrem Story-DLC zu arbeiten und mussten im Verlauf ihrer Arbeit feststellen, dass das erarbeitete umfangreich genug für eine Solo-Veröffentlichung und Story-technisch nicht stark genug mit Uncharted 4 verwurzelt ist, um es nur in Verbindung damit spielen zu können. Aus diesem Grund ist das Spiel nun losgelöst als eigenständiges Spiel, sowohl digital, wie auch als Disk veröffentlicht worden. Aber Achtung, auch wenn das Spiel mittlerweile losgelöst von Uncharted 4 veröffentlicht und spielbar ist, bekommt man das Spiel als Gratis-Download im PSN, wenn man seiner Zeit entweder die Uncharted 4 Deluxe Edition oder den Season Pass, das sogenannte Forscher-Paket, erworben hat. Diese Berechtigungen zum Download sind trotzdem erhalten geblieben und sollten bereits kurz vor dem Veröffentlichungsdatum zum Preload freigeschaltet werden. Ab dem offiziellen Release kann man das Spiel dann ohne Einschränkungen spielen.

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Als Sammler habe ich allerdings zur Retailversion gegriffen und habe das Spiel sogar schon am Montag erhalten. Und ich muss wirklich zugeben, dass ich den Controller seitdem kaum aus den Hand legen konnte. Auch wenn zu Beginn die Abwesenheit von Nathan Drake schon fast etwas Essenzielles vermissen lässt, ist dieses Gefühl nach eine kurzen Eingewöhnungszeit verflogen und die charmante, wie auch schlagfertige Protagonisten Chloe Frazer füllt diese Leere sehr gut, zumal sie den Kennern der Serie ja auch nicht unbekannt sein sollte. Aber ich greife damit schon etwas vorweg, denn um was geht es eigentlich in „The Lost Legacy“ und wie verhält es sich im Vergleich zu den Vorgängern?

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Ich werde versuchen bei der Schilderung der Story kurz halten, um so gut es geht Spoilerfrei zu berichten, denn wie man es von den Uncharted Spielen kennt, hält die Story einige Überraschungen und Wendungen bereit: Die Geschichte setzt etwa ein Jahr nach den Ereignissen der Hautgeschichte von Uncharted 4 (aber vor dem Epilog) ein und erzählt eine eigene Geschichte, die vollkommen losgelöst von den Vorgängern ist. Es  gibt zwar einige Anspielungen auf andere Teile der Geschichte, Nathan Drake, seinen Bruder Sam und weitere Elemente, aber es ist nicht zwingend notwendig auch nur ein anderes Uncharted-Spiel gespielt zu haben, obwohl einem damit einige großartige Spiele entgangen sind. – Wir steuern zwei wiederwillig zusammenarbeitende Charaktere, die man bereits aus anderen Teilen kennt: Dabei handelt es sich um die bereits erwähnte Chloe Frazer eine Abenteuerin, die bereits eine prominente Rolle in „Uncharted 2 – Among Thieves“ hatte und die Söldnerin Nadine Ross, die in „Uncharted 4 – A Thief’s End“ als Unterstützung des Antagonisten fungiert hatte. Diese beiden starken Charaktere verschlägt es nach Indien auf der Suche nach einem sagenumwobenen Artefakt in Form des „Stoßzahn von Ganesha“. Doch wie es für Uncharted, und auch eigentlich alle anderen Abenteuerfilme und –Spiele von Indiana Jones bis Tomb Raider typisch ist, sind unsere beiden Protagonistinnen nicht die einzigen, die auf der Suche nach dem Artefakt sind, denn auch der überaus böse Warlord Asav möchte das Artefakt sein Eigen nennen und seine mystische Kraft für sich beanspruchen…

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Wie man es aus Uncharted 4 kennt steuern wir dabei eine Person (Chloe Fraser), die zweite Person (Nadine Ross) begleitet uns, ist nicht spielbar und wird vom Spiel gesteuert. Dabei werden die Handlungen an die unseren angepasst. Wenn wir uns in ein Feuergefecht begeben, begibt sich Nadine ebenfalls in Deckung und eröffnet das Feuer auf die Gegenspieler, wenn wir beschließen doch das hohe Gras zu schleichen und die Gegner lautlos auszuschalten, macht Nadine das ebenso. Diese Mechanik, wie auch viele andere Elemente wurde 1:1 aus Uncharted 4 übernommen: So gibt es auch wieder automatisch-gestartete Unterhaltungen während wir von A nach B laufen oder Optionale, die auf Knopfdruck an bestimmten Stellen aktiviert werden können. Und genauso, wie Nathan im 4. Teil der Reihe ein Seil samt Enterhaken zum  Schwingen und Klettern bekommen hat, haben auch Chloe und Nadine diesen in ihrem Gepäck dabei. Doch Chloe hat sogar noch eine Fähigkeit mehr im Gepäck, denn sie kann im Gegensatz zu Nathan auch Schlösser knacken. Das geschieht dann in Form eines kleinen simplen Minispiels, wird aber meiner Meinung nach in der zweiten Spielhälfte etwas zu häufig eingesetzt und ich fühlte mich schon fast an das Schlösserknacken Minispiel in „Assassin’s Creed: Unity“ zurückerinnert, was zwar erst mal ganz nett war, aber am Ende einiges an Nerven gekostet hat. So schlimm ist es hier Gott sei Dank nicht, aber manchmal sollten die Entwickler eher der Maxime „Weniger ist Mehr“ folgen, anstatt den Spieler mit ihrer neuen Mechanik zu bombardieren.

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Abgesehen von dem Schlösserknacken gibt es nur noch eine nennenswerte Neuerung, denn es gibt neben den Hauptmissionen auch optionale Nebenmissionen, die zwar für die Geschichte nicht notwendig sind, aber einige Belohnungen bereithalten, wenn man sie angeht. Das nimmt in Ansätzen schon fast Züge von „The Witcher“ an, wo man auch bei einem Punkt eine Nebenmission erledigt, die dann eine neue an einem anderen Punkt der Karte freischaltet, usw. Diese Mechanik hat mir sehr gefallen, passt gut zur Reihe und für künftige Teile, die mit ziemlicher Sicherheit kommen werden, könnte das meine Meinung nach noch ausgebaut werden.

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Grafisch und technisch gibt es nichts am Spiel auszusetzen. Die Grafik ist teilweise wirklich atemberaubend und die Produktion von Animationen bis hin zur Synchronisation brauchen sich vor dem Vorgänger in keiner Weise zu verstecken. Der Name Uncharted steht für Höchstleistung und das bekommt man hier auch geboten. Einzig was „Lost Legacy“ von anderen Spielen der Reihe, wenn man von der Hauptfigur absieht, unterscheidet ist die Länge des Spiels. Man muss bedenken, dass das Spiel ursprünglich als DLC geplant war. Die anderen Spiele der Reihe halten immer eine sehr umfangreiche Story aufgeteilt in über 20 Kapitel an vielen verschiedenen Orten bereit. Das unterscheidet sich hier ungemein, denn wir agieren mehr oder minder nur an einem umfangreichen Ort in Form eine freien Karte mit vielen Punkten/Bereichen für einzelne Missionen. Insgesamt ist das Spiel in 10 Kapitel aufgeteilt und bietet so eine ungefähre Spielzeit von 7-8 Stunden. Man kann zwar bestimmt auch schneller durch, wenn man auf dem geringsten Schwierigkeitsgrad spielt und alle Neben- und Sammelaufgaben ignoriert, kann aber auch mehr als 10 Stunden mit dem Spiel verbringen, wenn man den Schwierigkeitsgrad entsprechend hoch ansetzt und auch die erwähnten Nebenquests und Sammelobjekte nicht ignoriert. Das hängt dann von den jeweiligen Präferenzen ab. Dafür dass es sich um ein Spiel im mittleren Preissegment ab Veröffentlichung handelt und je nach Händler für zwischen 30 und 45 Euro verkauft, gibt es hier eigentlich nichts auszusetzen.

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Man sollte nur in Relation zum Preis eben keine Wunder in Sachen Spielzeit erwarten, auch wenn man diese durch den integrierten Multiplayer noch verlängern kann. Denn „Lost Legacy“ bietet Zugang zum bereits etablierten Uncharted 4-Multiplayer und liefert sogar einen neuen Horde-Modus mit. Davon abgesehen ist der Multiplayer der gleiche und bietet in klassischen Spielmodi, wie Team-Deathmatch, Capture the Flag, etc. kurzweilige Unterhaltung.

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Fans der Reihe machen hier nichts falsch und auch wer Uncharted bisher nicht kennt kann mit diesem kürzeren Output, der losgelöst von den anderen Spielen der Reihe ist, einen Einstieg in diese großartige Reihe bekommen.

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NB@23.08.2017