„Star Wars Battlefront 2“ ist das Spiel, was bereits der erste Teil hätte sein können, da dieser zwar grafisch beeindruckend war und auch im Multiplayer wirklich von Zeiten sehr spaßig war, aber das war‘s dann leider auch. Denn mehr als den Multiplayer hat das Spiel nicht wirklich geboten. Es gab zwar einen Spielmodus, bei dem man auch Solo Herausforderungen absolvieren konnte, aber das hat eigentlich nur bedeutet, dass man alleine auf einer zu großen Karte umhergeirrt ist und uninspirierte Gegnerwellen abgeschossen hat. – Es gab keinen echten Singleplayer, die interessantesten Karten mussten zusätzlich als DLC erworben werden und um wirklich gute Ausrüstungsgegenstände für seinen Charakter zu bekommen musste man unendlich viel grinden.

Kein Wunder, dass das Spiel nach dem anfänglichen Hype, der innerhalb gefühlter Millisekunden wieder abgeklungen, in unendlichen vielen Sales verramscht wurde und EA zuletzt sogar den ursprünglich 40€ teuren Season Pass verschenkt hat und man auf diese Weise das Spiel mit allen Erweiterungen digital für unter 5€ erwerben konnte.

Publisher EA hat wohl aus der Vergangenheit gelernt, denn der zweite Teil bietet alles das, was man bereits vom ersten Teil erwartet hat. Neben dem umfangreichen Multiplayer mit zig unterschiedlichen Spielmodi gibt es dieses Mal auch eine hochkarätige Singleplayer-Kampagne und sogar einen Arcade-Modus, den man mit einem Kumpel im Split-Screen, entweder gegen oder miteinander spielen kann. Das ist in der heutigen Zeit eine wirkliche Seltenheit geworden und macht vielleicht gerade auf Grund der Seltenheit eines solchen Modus richtig viel Spaß.

Im Vorfeld wurde dem Spiel bereits ein Pay2win-Ansatz unterstellt, was aber nicht wahr ist. Erstens verzichtet man dieses Mal gleich von vornerein auf einen Season Pass und wird alle zukünftigen Updates und Downloadinhalte komplett kostenlos zur Verfügung stellen und kann innerhalb des Spieles, auch ohne zusätzliche Käufe von Lootboxen, etc. die es mittlerweile in vielen Spielen gibt (Assassin’s Creed: Origins, Mittelerde: Schatten des Krieges, um nur zwei aktuelle Veröffentlichungen zu nennen) alles freischalten. Vorbei sind die Zeiten, wo die besten Items nur gegen echtes Geld freischaltbar waren, was dann wirklich Pay2win wäre. Aber in der momentanen Form ist der Einsatz von Lootboxen eigentlich nur eine Zeitersparnis. Ebenso verhält es sich übrigens mit den Inhalten der „Elite Trooper Edition“, auch diese Inhalte sind alle auch mit der normalen Version des Spiels freischaltbar. Zugegeben hatte EA das im Vorfeld anders geplant, aber hat auf die herbe Kritik reagiert und das finale Modell ist meiner Meinung nach fair. Wer nicht so viel Zeit investieren will oder kann, kann gegen ein paar Euro extra dennoch die gleichen Gegenstände freischalten. Frei nach den eigenen Vorlieben, wobei man sich dabei meiner Meinung nach einiges an Spielerfahrung beraubt, denn ich kaufe mir ja immerhin ein Spiel um es zu spielen… und sporadisches Freischalten von neuen Items ist ja dann eine Art Belohnung für das Spielen.

Der Start des Spiels bietet schon die erst Überraschung: Es braucht eine gefühlte Ewigkeit für die Installation, die allerdings erst richtig startet, wenn man versucht das Spiel zu starten. Allerdings hat man sich dafür etwas zur Abwechslung einfallen lassen, denn währenddessen kann man schon nach Belieben eine Version des Arcade-Modus spielen. Zwar bietet dieser im Vergleich zum „echten“ Spiel nur eine sehr begrenzte Auswahl an Optimierungsmöglichkeiten, bietet nur eine Karte (Starkiller-Base) und auch sonst abseits der Auswahl der Klasse keine weiteren Einstellungsmöglichkeiten, hilft aber die Wartezeit zu überbrücken und bietet so auch einen Vorgeschmack auf das Spiel.

Nachdem die Installation abgeschlossen war habe ich mich dann direkt in den Singleplayer gestürzt, da das der Modus war, den ich beim ersten Teil am meisten vermisst hatte. Die Grafik des Games ist im Vergleich zum Erstling noch besser geworden und sieht mittlerweile fast Fotorealistisch aus. Besonders in den Zwischensequenzen fühlt man sich, als ob man einen aktuellen Star Wars-Film schaut und nicht „nur“ ein Spiel spielt. Interessanter Weise spielen wir diesmal keinen Jedi oder Rebellen, wie in den meisten anderen Star Wars-Spielen, sondern eine Kommandantin des Imperiums, Iden Versio, die bereits ins Imperium hereingeborgen wurde, da ihr Vater ein hochdekorierter Admiral des Imperiums ist. Iden leitet die Elite-Einheit des Imperiums, das Inferno Squad, die nur die schwierigsten Aufträge erledigen und von denen kaum jemand überhaupt weiß, dass sie existieren. Iden wird dabei (meistens) von zwei KI-Kollegen begleitet und hat als weitere Unterstützung einen auf ihrem Rücken befestigten Androiden dabei, den man in Steath-Passagen auch steuert und der sonst zur Unterstützung und den Einsatz von Perks (temporärer Schutzschild, etc.) eingesetzt werden kann. Die Geschichte beginnt Parallel zu den Geschehnissen in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, erstreckt sich über die Lücke bis zu „Das Erwachen der Macht“ und bietet auch spielerisch einiges an Abwechslung, denn neben klassischen Shooter-Passagen gibt es auch Stealth-Passagen und Flugmissionen im Weltraum. Die Inszenierung ist dabei bombastisch und ist vielleicht vergleichbar mit den Setpieces, die in Battlefield geboten werden.

Interessanter Weise spielen wir dabei nicht immer Iden selbst, sondern erleben die Geschehnisse auch teilweise aus anderen Perspektiven und steuern sogar einen aus der Reihe bekannten Charakter, was ich nun aber nicht spoilern werde.

Einziger Wehmutstropfen ist dann aber, dass der Zauber, auch ähnlich wie bei Battlefield und Co., nach wenigen Stunden auch wieder vorbei ist. Um die Story abzuschließen braucht man je nach Schwierigkeitsgrad und Spieltempo nur zwischen 6 und maximal 8 Stunden, was zugegeben zu kurz ist. Klar lag der Fokus wieder auf dem Multiplayer, aber besonders wenn man berücksichtigt, dass komplett unabhängige Studios den Multilplayer und den Singleplayer entwickelt haben, ist das eigentlich nicht verständlich. Hier hätte auf jeden Fall mehr drin sein müssen, denn auch wenn viele das Spiel nur wegen dem Multiplayer kaufen, gibt es auch Spieler, die sich das Spiel vorrangig auf Grund des Singleplayers gekauft haben. Es ist immerhin ein Star Wars-Spiel und nicht der X-te 08-15-Shooter.

Daher eine Warnung. Wer das Spiel nur auf Grund des Singeplayers kauft, wird auf Grund der Kürze wahrscheinlich sehr enttäuscht sein und sollte lieber auf einen Sale, der zwangsläufig irgendwann kommt, warten. Wer das Spiel auf Grund des Multiplayers kauft kommt voll und ganz auf seine Kosten. Hier wird viel geboten und das Versprechen von EA das Spiel zukünftig auch Gratis weiter mit neuen Karten und Erweiterungen zu füttern macht zusätzlich noch Lust auf mehr.

NB@16.11.2017