Man nehme eine Prise Uncharted, einen kräftigen Schuss Dark Souls und gieße das Ergebnis in eine Star Wars-Form. So, oder so ähnlich kann man das aktuellste Game mit Star Wars-Lizenz beginnen zu beschreiben, obwohl das dem Spiel an sich nur bedingt gerecht wird, denn das Ergebnis kann sich zum einen wirklich sehen lassen und bietet somit mehr, als nur einen Klau an Versatzstücken und zum anderen macht das Spiel von Publisher-Seite alles wieder gut, was bei dem letzten Star Wars-Spiel, „Star Wars Battlefront 2“ nicht so geglückt war, auch wenn ich damit eine Menge Spaß hatte. Handelte es sich bei dem eben erwähnten noch um ein Multiplayer-Spiel mit einer kurzen Singleplayer-Kampagne, gespickt mit Mikrotransaktionen, so geht „Star Wars: Jedi Fallen Order“ in eine komplett andere Richtung als reines Singleplayer-Erlebnis mit knapp 20-25 Stunden Spielzeit, mehreren offenen Spielwelten und dem kompletten Verzicht auf Mikrotransaktionen und DLCs in jeglicher Weise. Hier hat Publisher EA wirklich seine Hausaufgaben gemacht und ein dem ersten Anschein nach wirklich gelungenes Gesamtpaket geschnürt. Und auch von Entwicklerseite kann sich das Spiel sehen lassen, denn das Spiel wurde von Respawn Entertainment entwickelt, die unter anderem für die Titanfall-Reihe verantwortlich sind, wobei gerade der zweite Teile eine der der besten Singleplayer-Kampagnen der letzten Jahre bot. Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein, oder? Aus diesem Grund habe ich mir das Spiel für euch mal genauer angesehen, wofür ich dankenswerterweise eine kostenfreien Code des Spiels von EA zur Verfügung gestellt bekommen habe. Eine Einfluss hat dieser Umstand selbstverständlich nicht auf meinen Bericht.

Das Spiel ist nach dem Ende von „Star Wars Episode III: Die Rache der Syth“ angesiedelt und spielt somit in der Lücke zwischen der neuen und alten Trilogie, die bisher von Filmen, abseits der Spin-Offs „Solo: A Star Wars Story“ und „Rogue One: A Star Wars Story“, nicht behandelt wurde, wobei das Spiel auch vor den besagten Filmen angesiedelt ist. Aus diesem Grund wird man also auch nicht auf Luke Skywalker und Konsorten stoßen, da deren Geschichte noch begonnen hat, was allerdings auch eine große Chance für das Spiel ist sich, ohne notwendigen Fanservice und Altlasten, eine eigene Identität zu erarbeiten, wobei das ein oder Cameo natürlich dennoch nicht ausbleibt. Allerdings übertreibt es das Spiel nicht damit. Im Zentrum der Geschichte steht daher ein komplett neuer Held: Cal Kastis, ein junger Mann, der eins ein Jedi war. Er war als Jüngling im Jedi-Tempel, als Anakin Skywalker ein Massaker anrichtete, hat die Angriff allerdings überlebt und befindet sich seitdem auf der Flucht und schlägt sich als Leiharbeiter durch. Fünf Jahre sind seitdem vergangen und Cal arbeitet als Verwerter auf dem Schrottplaneten Bracca, wo die Überbleibsel aus den Klonkriegen ausgeschlachtet werden. Um nicht erkannt zu werden hält er seine Jedi-Kräfte im Verborgenen, was sich allerdings ändert, als er bei einem dramatischen Zwischenfall seinen Freund und Kollegen vor dem Tod gewahren muss, denn das ruft leider die Inquisition des Imperiums auf den Plan. Diese Spezialeinheit macht systematisch Jagd auf die verbleibenden Jedi und wird von der charismatischen,  wie skrupellosen Second Sister angeführt. Auf seiner Flucht, die von ihrer Inszenierung her 1:1 aus einem Uncharted stammen könnte, trifft er Cere Jungda und Greez Dritus, die in Cal den Schlüssel zu ihrem Vorhaben sehen den Jedi-Orden wieder aufleben zu lassen, was in einer Suche Überresten des Jedi-Ordens und einem unerbittlichem Kampf gegen die Inquisition mündet… – Insgesamt macht die Geschichte wirklich spaß und auch wenn es, wie bereits erwähnt das ein oder andere Cameo oder Anspielungen auf Ereignisse aus den Filmen gibt, so entwickelt sich das Spiel in eine eigene ausgereifte Geschichte, mit liebenswerten Figuren und interessanten Ideen. Besonders gespannt war ich allerdings in diesem Hinblick auf die Auflösung am Ende, denn immerhin muss die Handlung des Spiels ja auch in den Kontext der Filme passen, was bei solchen Mid-quels gar kein einfaches Unterfangen ist, da es auch im Kontext der Filme, die danach angesiedelt sind, wiederrum Sinn ergeben muss. Und in diesem Belang enttäuscht das Spiel auch nicht, auch wenn man sich darüber bewusst sein muss, dass die Ereignisse des Spieles nicht logischerweise auf den Kanon eher wenig bis keine Auswirkungen haben. Aber dennoch hat man auch nicht den harten Schlussstrich à la Rogue One gewählt, ohne dabei konkreter zu werden, um niemandem etwas zu spoilern. Und dennoch haben sich die Entwickler selbstverständlich auch die Möglichkeit für eine Fortsetzung offen gehalten haben, da es für gerade bei Games einfacher ist auf einer bestehenden Marke aufzubauen, anstatt eine Neue zu etablieren.

Das Spiel ist dabei ein 3rd-Person Action-Adventure und bieten ausschließlich Singleplayer-Unterhaltung mit dem Fokus auf eine intensive Geschichte und ausgereiftes Gameplay. Und um ein möglichst überzeugendes Singleplayer-Abenteuer umzusetzen bedient man sich der großen Marken der vergangen Jahre als Inspiration, wo quasi das Who is Who der Action-Adventures vertreten ist. Die Actionreiche Inszenierung auf Hollywood-Blockbuster-Niveau direkt aus Uncharted übernommen. So spiegelt bereits der Prolog eine ähnliche Szene, wie die Szenen in „Uncharted 2: Among Thieves“, wo wir uns durch einen fahrenden Zug durchkämpfen, der am Ende eine Klippe herunterhängt, während wir diesen hochklettern. Dabei ist Cal zwar nicht ganz so kletterbegabt, wie Nathan Drake, kann aber dennoch gut klettern und sogar an Wänden entlangrennen, was an „Sekiro – Schadows die Twice“ oder auch die Prince of Persia-Reihe erinnert. Beide Elemente haben die Entwickler sowohl in der Level-Architektur, wie auch in einigen Rätzeln eingebaut haben. Die Rätzel wiederrum erinnern weniger an Uncharted, sondern eher an die Tomb Raider-Reboot-Reihe, die erst jüngst durch „Shadow of the Tomb Raider“ ihren Abschluss gefunden hat. Denn die Rätzel bestehen dabei aus unterschiedlichen Element- und Physikrätzel, wo wir komplizierte Mechanismen lösen müssen, um ein Hindernis zu überwinden, was ziemlich stark an die (meist optionalen) Challenge Tombs erinnert, die man bei Lara Croft findet. Weitere Inspiration zieht das Spiel von dem 2018er „God of War“ und der Souls-Reihe, was zum einen bei der Spielwelt, aber besonders beim Kampfsystem und anderen Gameplay-Mechaniken deutlich wird. Zwar gibt es im Rahmen der Geschichte einige geskriptete Sequenzen, wie zum Beispiel die erwähnte Prolog-Szene, die an Uncharted angelehnt ist, doch abseits davon spielt sich das Spiel in einer semi-offenen Spielwelt ab, die in mehrere unterschiedliche Planeten aufgeteilt ist, die wir nach und nach durch den Fortschritt in der Geschichte freischalten und danach jederzeit bereisen und erkunden können. Innerhalb der Planeten erinnert das Spielprinzip dann eher an ein Metroidvania, da wir an viele Bereiche kommen, die eine bestimmte Fähigkeit erfordern, um weiter zu kommen.

Dankenswerterweise werden diese Punkte farblich auf der Karte markiert und so sehen wir immer, wo es noch Ecken gibt, die es zu besuchen gilt. Allerdings bringt das auch keinen Kritikunkt mit sich, denn auf den Planeten gibt es keine Schnellreise und so müssen wir mitunter ziemlich lange Laufwege in Kauf nehmen, um zu den Stellen zu gelangen, wo es bei einem früheren Besuch nicht weiterging. Aber die größte Inspiration zieht das Spiel eindeutig vom Kampfsystem aus der Souls-Reihe, denn hier hat man sich auch gegen ein herkömmliches Kampfsystem, das schnell in Button-Mashing ausartet für ein Kampfsystem mit dem Fokus auf Konterangriffe und das entsprechende Timing entschieden. Wir Blocken und Parieren durch Einsatz der Schultertaste, verfügen über einen leichten und einen schweren Angriff, können per Knopfdruck ausweichen und haben zusätzlich noch spezielle Jedi-Kräfte, die man im Spielverlauf freischaltet zur Verfügung. Die Kämpfe laufen dabei dynamisch ab und erfordern ein gewisses Maß an Hingabe, denn nicht nur stellt jeder Gegner eine ernsthafte Herausforderung dar, sondern jeder Gegnertyp muss auch anders angegangen werden, um ihn zu besiegen. Natürlich ist das auf Grund von vier unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die neben der Energie- und Schadenpunkten auch das Timing-Fenster beeinflussen, weniger frustrierend, als bei den Souls-Spielen, doch unterscheidet sich vom Anspruch her doch ungemein von anderen Action-Adventuren. Auch weitere Mechaniken stammen aus der Vorlage, denn so gibt es in den Levels feste Speicherpunkte, wo wir raten und auch unsere Fähigkeiten verbessern können. Wenn wir speichern füllt das Spiel unsere Energie und unsere Powerups wieder vollkommen auf, doch man sollte dennoch nicht zu leichtfertig damit umgehen, denn die Kehrseite der Medaille ist, dass alle Gegner in der Spielwelt auch wieder respawnen. Für jeden besiegten Gegner verdienen wir Erfahrungspunkte, doch werden wir besiegt sind werden wir zum letzten Speicherpunkt zurückgesetzt und unsere Erfahrungspunkte sind erst einmal Futsch, können aber wiedererlangt werden, wenn wir den Gegner besiegen, der uns vorher besiegt hat.

Was das Spiel von vielen der Vorlagen unterscheidet ist der komplette Verzicht auf alternative Waffen, abseits der Waffe aus „zivilisierteren Zeiten“, des ikonischen Laserschwertes. Zwar bekommt Cal im Spielverlauf weitere Jedi-Kräfte, wie Force-Push und –Pull oder auch den Freeze dazu, der auch in vielen Plattformer-Abschnitten Anwendung findet, doch Schusswaffen, oder alternative Waffen gibt es nicht. Allerdings bekommen wir die Möglichkeit unser Laserschwert durch Einsatz unterschiedlicher Materialien, Kristalle, etc. zu personalisieren, doch einen Einfluss auf das Gameplay haben die meisten Anpassungen nicht. Ebenso gibt es weitere kosmetische Anpassungsmöglichkeiten, wie Outfits für Cal, seinen Roboter BD-1, oder auch das Raumschiff, mit dem man unterwegs ist, was zweifelsfrei Elemente sind, die früher als Mikrotransaktionen vertrieben worden wären und hier in Schatztruhen in der Spielwelt auffindbar sind. Neue Angriffe und Fähigkeiten bekommt man ausschließlich durch den Spielfortschritt und durch den Einsatz von Erfahrungspunkten in einem Skill-Tree, wobei die Skills, obwohl alle komplett optional, uns im Kampf bei härteren Gegnern mehr als sinnvoll sind und uns als Spieler das Gefühl gibt, dass Cal immer mehr zum Jedi-Meister aufsteigt… Weiter wird der kleine Roboter BD-1 im Spielverlauf eine wichtige Ressource, der sowohl zum Lösen von Rätzeln, aber auch als Energiespender und Recherche-Werkezeug eingesetzt wird, denn in ihm verbirgt sich sowohl die Karte der Areale und aber auch ein Kodex, wo man Informationen zu den bereits getroffenen Gegnern auch Schwachstellen identifizieren kann. Er verfügt zwar nicht über einen separaten Skill-Tree, doch seine Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten werden im Spielverlauf ebenso ausgeweitet.

Technisch kann sich das Spiel zwar sehen lassen, doch gerade im Vergleich zum bereits erwähnten „Star Wars Battlefront 2“ zieht das Spiel in den Details den Kürzeren. Das soll nicht bedeuten, dass das Spiel nicht stellenweise überwältigend aussieht, doch die Muskeln lässt es nicht durchgehend spielen und wirklich herausragende Grafik ist eigentlich nur in den Zwischensequenzen und in geskripteten Sequenzen vorherrschend. Abseits davon findet man leider auch einige niedrig-texturierte Assets, Pop-Ins durch langsames Nachladen, was besonders auftritt, wenn man aus einer Zwischensequenz kommt und auch einfach nur merkwürdig aussende Dinge, wie das Fell der Wookies, was weniger nach Haar und mehr nach Spaghetti aussieht. Zusätzlich gibt es leider auch einige Hänger, die eigentlich nicht vorkommen sollten, wenn man auf der PS4 Pro spielt, doch leider dennoch vorherrschend sind. Dabei läuft das Spiel von Haus aus sogar nur auf 30fps, anstatt 60fps. Dazu gibt es, sofern man auf PS4 Pro oder Xbox One X spielt, eine extra Einstellungsmöglichkeit in den Einstellungen. Man kann darin zwischen „Resolution Mode“ und „Performance Mode“ wählen. Beim ersten bekommen wir höhere Grafikleistung bei gelockten 30fps und beim zweiten wird die Grafikleistung zu Gunsten von 60fps gedrosselt, was aber in meinem Augen von der Grafikseite nicht wirklich auffällt. Per Standard steht das Spiel dabei im Resolution Mode, der gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden auf Grund des reduzierten Zeitfensters zum Kontern zu Problemen führen kann, weswegen ich jedem empfehlen würde den Modus direkt zum Spielstart umzustellen. Nach dem Umstellen sind mir wenigstens die Ruckler nicht mehr negativ aufgefallen, auch wenn ich hoffe, dass hier noch ein Patch nachgereicht wird, damit das Spiel insgesamt etwas besser läuft, auch wenn man den Modus nicht umstellt. Positiv kann man allerdings vermerken, dass die Ladezeiten im Grunde nur beim Neustart oder Ableben auftreten und in den Levels keine erkennbare Ladepausen auftreten und man diese Punkte durch Übergänge, wenn sich Cal durch einen Festspalt vortastet oder eine kurze Zwischensequenz kaschiert. Und die Steuerung ist, trotz der vielfältigen Möglichkeiten im Kampf, eingängig, direkt und präzise, was bei dem Kampfsystem eine Pflicht ist. Lediglich muss man an dieser Stelle auch die Performance wieder im Auge behalten und sollte auch aus diesem Grund besser auf den Performance Mode umstellen.

Insgesamt hatte ich mit dem Spiel wirklich eine Menge Spaß und kann persönlich gar nicht nachvollziehen, warum es nicht mehr Publicity bekommt. EA hat seine Hausaufgaben gemacht und die Fehler der Vergangenheit konsequent aus dem Spiel herausgehalten, wie es auch schon beim aktuellen Need for Speed, „Need for Speed Heat“, der Fall war. Einzig an der Technik müsste meiner Meinung nach noch etwas nachgebessert werden, damit das Spiel auch ein rundes Spielerlebnis für Jedermann wird. Abseits davon wären ein paar zusätzliche Schnellreisepunkte in den Spielwelten, analog zum Vorgehen bei der Tomb Raider-Reihe, wo man sich jederzeit von Speicherpunkt zu Speicherpunkt transportieren kann, wünschenswert gewesen, damit der Cleanup nach Spielende, wenn man sich auf die Suche nach den vielen versteckten Geheimnissen und Sammelobjekten macht, nicht zu lästig ausfällt. Doch immerhin bleibt es durch die Möglichkeit die Gegner respawnen zu lassen auch wenigstens beim erneuten durchqueren der Levels spannender, als bei „Shadow of the Tomb Raider“, wo Spielwelt nach Spielende was Gegner angeht menschenleer war und keine Gegner respawnten. Auch von Seiten der Story, wenn man von dem allgemeinen Problem von Mid-quels absieht, keine Probleme. Die Story unterhält und fügt sich trotz eigener Identität gut in den Kanon ein, was eines meiner größten Bedenken war. Die einzige Hoffnung für die Zukunft ist noch, dass das Spiel von den Spielern gut angenommen wird, um deutlich zu machen, dass sich die Spieler auch heute noch Story-basierte Singleplayer-Abenteuer wünschen, anstatt immer das gleiche vorgesetzt zu bekommen, denn selbst ohne Star Wars-Fanbrille überzeugt der Titel!

NB@22.11.2019

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