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Nun ist es soweit, nach der Ankündigung samt Demo und App ist seit dem 14.08.2018 die erste Episode der 4-Teiligen finalen „The Walking Dead“ Staffel von Telltale für PC, PS4, Xbox One und sogar für die Switch erschienen. Ich habe mir diesmal die Xbox One-Fassung genauer angesehen, die aber inhaltsgleich mit den anderen Versionen ist.

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Vor Beginn des Spieles können wir wählen, ob wir ältere Daten (alter Speicherstand, Storybuilder, App) importieren möchten oder die Ausgangslage neu generieren wollen. Danach werden wir anhand der gleichen Slideshow, wie aus der Storybuilder App auf den Stand der Dinge gebracht, indem uns kurz und knapp die (relevante) Handlung der vorherigen Staffeln gezeigt wird. Auf die Frage, was zwischen der dritten und der vierten Staffel passiert ist, bzw. wie Clementine wieder mit A.J. vereint wurde, wird dabei leider nicht eingegangen, denn danach beginnt die Passage, die wir schon aus der Demo kennen.

In meinem Vorabreview, basierend auf der ebendieser Demo, die die ersten 15 Minuten der ersten Episode umfasst, hatten sich bereits einige Veränderungen an der Formel der anderen Teile abgezeichnet. Dieser Eindruck wurde nun mit der kompletten Episode nur noch mehr gefestigt, denn neben dem allgemeinen Grafikstil, der nun mehr Details bietet hat auch die allgemeine Spielmechanik, wie auch das Kampfgameplay an Interaktivität gewonnen.

Ich bin zwar ein langjähriger Fan der Telltale-Spiele, aber selbst ich muss zugeben, dass das Spielprinzip, das immer reduzierter wurde, langsam sehr angestaubt war. Zusätzlich war das Kampfsystem schon immer harkelig und ungenau, da die Engine nicht auf die actionreiche Interaktion ausgelegt war, was leider zu dem ein oder anderen unfreiwilligen Ableben geführt hat.

Das Kampfsystem wurde insoweit überarbeitet, dass wir Clementine im Kampf nun frei steuern können und so nicht die Engine, sondern unser Können über Leben und Tod entscheidet. Die Kämpfe laufen so ab: Sie begibt sich dazu in eine Kampfstellung und wir sehen das Geschehen durch die über ihrer Schulter positionierten Kamera. Wir können Clementine dann vollkommen frei bewegen und uns nach Lust und Laune positionieren, bzw. auch auf Gegner zugehen oder vor ihnen weglaufen. Natürlich ist Kampf erst vorbei, wenn wir die Zombies ausgeschaltet haben, aber das WIE liegt vollkommen an uns, denn neben unserer Positionen können wir nun auch zwischen zwei unterschiedlichen Angriffen wählen. Einer leichten Attacke, womit wir die Untoten zu Fall bringen und einer Starken Attacke, womit wir versuchen direkt den Todesstoss zu liefern. Letzteres ist natürlich riskanter und kann auch scheitern, was dazu führt, dass uns der Zombie unter Umständen näher kommt, als wir gerne wollen…

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Abseits davon haben wir auch viel mehr Kontrolle über Clem, denn wir sind jetzt mehr in Adventure-Manier am freien Erkunden von den Arealen und können so selbst entscheiden wo wir hingehen, mit wem wir reden und was wir als nächstes machen. Natürlich gibt es auch hier Grenzen der Freiheit und so können wir erst in eine neue Szene wechseln, wenn wir eine bestimmte Aktion/Gespräch/etc. durchgeführt haben, aber es macht dennoch viel Spaß, dass die Leine an der wir geführt werden um einiges länger geworden ist.

Auch in Hinsicht auf die Trophäen (bzw. Erfolge auf der Xbox) gibt es Veränderungen. Wurde man in der Vergangenheit fast alle 10 Minuten mit einer Storytrophäe belohnt und hatte am Ende einer Episode (und Staffel) durch das einfache Durchspielen alle Trophäen bekommen, so hat Telltale auch hier die Schere angesetzt: In der ersten Episode gibt es so nur noch 3 Stück für den Storyverlauf „geschenkt“ und den Rest muss man sich erarbeiten. Das geschieht entweder durch bestimmte Verläufe und Entscheidungen im Laufe der Geschichte, durch herausragende Leistungen (z.B. ohne Fehler in der Jagd agieren) oder durch das Finden aller Sammelobjekte. – Ja, es gibt nun Sammelobjekte. Dabei handelt es sich aber nicht um 100 Federn, die auf magische Weise in der Welt verstreut sind, sondern einfache Objekte in der Welt, wie zum Beispiel ein Katzenschädel oder ein Bouquet Plastikblumen. Eben Dinge mit denen Clem und A.J. dann sogar was anfangen können. Diese sind zwar nicht wirklich versteckt, erfordern aber dennoch das Erforschen der freien Areale, da man sie sonst leicht übersieht.

Diese Veränderungen im Gameplay tragen auch dazu bei, dass die Spielzeit der Episode deutlich im Vergleich zu anderen Telltale-Spielen zunimmt, denn von Anfang bis Ende habe ich knapp 4,5 Stunden gebraucht, wo es bei vielen anderen nur 2 Stunden waren.

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Was kann man über die Story sagen ohne zu viel zu spoilern? – Auch hier haben die Entwickler wahrscheinlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, denn die dritte Staffel war zwar nicht schlecht, aber die Degradierung von Clementine zu einem sekundären Charakter, die wir noch nicht mal spielen konnten hat vielen Spielern nicht gefallen. Daher konzentriert man sich mit der finalen Staffel wieder auf die Werte der Serie und lässt uns in diesem Zusammenhang auch wieder Clementine spielen, die allerdings mittlerweile als eine Art Mentor für A.J. agiert, ähnlich wie es Lee für Clementine in der ersten Staffel war.

Unsere Handlungen haben dabei in zweierlei Hinsicht Konsequenzen: Einmal die direkten Konsequenzen der Handlung an sich und dann auch noch die Vorbildfunktion gegenüber A.J., denn es kann bei jeder Aktion sein, dass er sich dieses Vorgehen später selbst zu Nutze macht und wir dann auch mit diesen indirekten Konsequenzen klarkommen müssen.

Zum Beginn der Geschichte sind Clementine und A.J. alleine, was sich aber durch einen Zombieangriff mit anschließender Flucht und Autounfall ändert, denn sie werden von einer Gruppe Jugendlicher aufgenommen. Die Gruppe besteht aus ehemaligen Schülern einer Privatakademie für schwererziehbare Jugendliche, die sich in dem Areal der Akademie, abgeschottet von der Außenwelt, verschanzt haben und autark leben.

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Diese neue Gruppe besteht aus interessanten Charakteren, die anders als in den anderen Staffeln mit Clem auf Augenhöhe agieren. Dabei haben sie auch eigene Wünsche und Probleme mit denen wir klarkommen müssen. Angeführt wird diese Gruppe vom charismatischen Marlon, der aus unerfindlichem Grund aussieht wie Kiefer Sutherland in „Lost Boys“ und „Stand by me“. Clementine und A.J. geben sich dabei auch alle Mühe aus wertvoller Teil der Gruppe aufgenommen zu werden, doch leider ist das manchmal leichter gesagt als getan, wenn anscheinend ein Saboteur die Verteidigungsanlagen der Schule manipuliert und die Vorräte knapp werden…

Wie es für die Serie, sei es Videospiel, Comic oder im TV, üblich ist, gibt es innerhalb der Story auch einige überraschende Wendungen und ein Cliffhanger am Ende der Episode, was ich natürlich nicht spoilern werde. Aber es so viel gesagt werden: Die Episode ist eine Achterbahnfahrt, die uns sehr viel Lust auf die nächste Episode macht, da wir natürlich wissen wollen wie es mit Clem und ihre Abenteuern weitergeht.

Normalerweise geht nach dem Ende einer Episode immer das ungewisse Warten los, doch in diesem Fall ist das etwas anders, denn Telltale hat bereits die Erscheinungstermine für die verbleibenden 3 Episoden bekanntgegeben, die ich euch im Zuge des Berichts natürlich nicht vorenthalten möchte:

  • Episode 2 „Suffer the Children” –> 25.09.2018
  • Episode 3 “Broken Toys” –> 06.11.2018
  • Episode 4 “Take us back” –> 18.12.2018

Wer noch unentschlossen ist und sich die Demo bisher noch nicht angesehen hat, kann das auch nach dem Release der ersten Episode noch machen. Die Demo ist weiterhin auf den virtuellen Marktplätzen für PC, PS4 und Xbox One verfügbar. Nur auf der Switch gibt es (bislang) keine Demo.

NB@17.08.2018