„Wolfenstein: Youngblood“, der aktuellste Ableger der beliebten Actionreihe, Entwickelt von Machine Games und herausgebracht von Bethesda ist eines der bedeutendsten Spiele der Reihe, ohne durch besondere spielerische Qualitäten zu überzeugen. Das liegt an der Tatsache, dass es das erste Spiel der Reihe, ist das auch in Deutschland komplett ungeschnitten inklusive der als verfassungsfeindlichen Symbole veröffentlicht wird. Denn hat man bisher noch nie in Deutschland mit dem Segen des Jugendschutzes gegen Nazis gekämpft, sondern hat die angepasste Version, in der man gegen „das Regime“ antritt, so hat sich das nun geändert. Wahlweise können deutsche Spieler zwar auch zur angepassten Version greifen, die ebenfalls erhältlich ist, doch nun muss man sich auch nicht mehr schlecht fühlen, wenn man die Originalversion spielt. Bethesda hat kurzerhand um alle zufrieden zu stellen einfach beide Versionen in den Handel gebracht, die beide von der USK mit einer Jugendfreigabe ab 18 Jahren versehen wurden. – Sowas gab es bisher noch nie, weswegen ich dem Thema an sich, wie auch dem Spiel jeweils einen separaten Bericht widmen werde. Den Anfang macht dabei die gesetzliche Veränderung, die für das ungeschnittene Release gesorgt hat. In einem zweiten Schritt berichte ich euch dann ausführlich über das Spiel.

Teil 2) Was bietet das erste in Deutschland unzensiert vertriebene Spiel?

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Viele, die meinen ersten Teil des Reviews „Teil 1) Die Hintergründe der Veröffentlichung in zwei unterschiedlichen Versionen“ gelesen haben werden sich wahrscheinlich fragen, ob das Spiel die ganze Aufregung überhaupt wert ist. Denn immerhin handelt es sich dabei auch um keinen nummerierten Hauptteil der Reihe, sondern ein kleineres Experiment, das selbst bei der initialen Veröffentlichung bereits zum Budgetpreis vertrieben wird. – Gerade diesbezüglich hatte ich bei der initialen Ankündigung wirklich etwas Bauchschmerzen, besonders als bekannt wurde, dass unser bisheriger Held, William B.J. Blazkowicz nur noch eine Nebenrolle übernehmen wird, was allerdings in Retrospektive wahrscheinlich die einzig lögische Konsequenz ist, denn immerhin hat er sogar Adolf Hitler persönlich in „Wolfenstein II: The New Colossus“ den Gar ausgemacht. Viel mehr Badass geht wahrscheinlich schon gar nicht mehr…

 

Ebenso wie die beiden direkten Vorgänger wurde das Spiel von Machine Games entwickelt und von Bethesda gepublished, wobei sich Machine Games dieses Mal mit den Machern der Dishonored-Reihe, Arcane Studios, Überstützung für das Design der Spielwelt ins Boot geholt hat. Denn gerade von der Ausrichtung des Spieles gibt es einige signifikante Änderungen zu den Vorgängern. Im Zentrum stehen stattdessen die Zwillingstöchter von B.J., die er zusammen mit seiner Frau Anya systematisch seit ihrer Geburt zu Kämpfern erzogen hat und das zeigt sich auch schon in den ersten Spielszenen, in denen sich Soph und Jess damit brüsten zum Töten von Nazis erzogen worden zu sein. Dabei haben beide keine wirkliche Kampferfahrung und kennen alles nur aus der Theorie, werden allerdings gezwungen ihre Theorie in die Praxis umzusetzen, als B.J. auf einer Mission im von Nazis besetzten Paris der 80er-Jahre verschwindet und es anscheinend niemanden gibt, der in der Lage ist sich auf die Suche nach ihm zu machen. In Paris angekommen treffen sie auf den Wiederstand, der sie bei ihrem Vorhaben den Vater zu retten unterstützt. Doch im Gegenzug müssen wir dem Wiederstand helfen die drei Bunkeranlagen, mit denen die Nazis die Stadt kontrollieren, genannt Bruder 1, 2 und 3, einzunehmen und nebenbei noch einige kleinere Missionen zu erledigen. Wir können uns dabei vor dem Spielstart für eine der beiden Blazkowicz-Schwestern entscheiden, die wir spielen, können ihre Ausrüstung, Loadout, Uniform, etc. festlegen und dann geht es ab ins Getümmel. Dabei sind wir entgegen anderer Teile der Reihe nicht alleine, sondern immer im Doppelpack unterwegs. Egal welche Schwerster wir auswählen, die andere Schwester ist ebenfalls dabei. Sie kann entweder vom CPU oder von einem anderen Mitspieler gesteuert werden. Dazu muss man erwähnen, dass das Spiel in einer Deluxeversion vertrieben wird, die einen Buddy-Pass beinhaltet, was bedeutet, dass wir mit der Vollversion des Spiels einen Freund in das Spiel einladen können, der das Spiel gar nicht besitzen muss, was echt ein tolles Feature ist.

 

Leider bringt aber diese Neuausrichtung etwas Schatten mit sich, denn die linearen Levels mit vielen Zwischensequenzen sind einer offeneren Spielwelt gewichen. So präsentiert sich das besetzte Paris als eine halboffene, in Abschnitte aufgeteilte Spielwelt, die wir frei erkunden können. Begrenzt werden wir dabei lediglich durch unser Charakterlevel, bzw. das der Gegner, die uns wenn sie zu stark sind in Windeseile töten können. Wir steigern es durch das Erledigen von Missionen in der Welt, die uns immer wieder in bereits besuchte Areale mit einem neuen Missionsziel führen und mit der Zeit etwas dröge werden können, da es nicht besonders viel Variation in den Missionen gibt. Wir müssen in der Regel immer jemanden oder etwas finden oder jemanden töten. Und spätestens wenn einen der Missionsmarker zum x-ten Mal in das gleiche Areal führt wünscht man sich doch die linearere Ausrichtung der Vorgänger zurück, zumal die Gegner bei jedem neuen Besuch eines Areals wieder respawnen, als ob nie etwas gewesen wäre… Anders sieht das Gott-sei-Dank in den größer angelegten Hauptmissionen aus, denn hier müssen wir zwar auch unseren Weg durch bereits besuchte Areale finden, doch sobald wir am Missionsstart angekommen sind ist die Ausrichtung klassischer, linearer und macht auch wieder mehr Spaß, zumal wir in diesen Abschnitten neben weiteren Häppchen der Story, die wir erfahren, auch den ein oder anderen Bossgegner vorgesetzt bekommen.

 

Leider sind diese Highlights, ebenso wie tiefergehende Cutscenes etwas zu rar für meinen Geschmack und auch geskriptete Szenen, wie das erste Aufeinandertreffen mit Frau Engel während einer Zugfahrt in „Wolfenstein: The New Order“ hätten durchaus präsenter sein können, was sich aber zugegebenermaßen mit der Ausrichtung als Co-Op-Spiel etwas gebissen hätte. Und da glänzt das Spiel wirklich, denn da wir sowohl unseren Charakter, wie auch seine Skills und einige echt schicke Waffen in bester RPG-Manier anpassen können wir uns im Duo mit jeder Menge Style durch Nazihorden kämpfen. Dazu sind beide Schwester mit einem Kampfanzug, den man bereits aus dem zweiten Teil kennt ausgestattet, können verschiedene Skills ausrüsten und erweitern. Die CPU-Steuerung ist dabei zwar nicht schlecht, doch wir können leider nur ein paar rudimentäre Befehle, wie „Warten“ und „Komm her!“ zusteuern und ein taktisches Vorgehen ist so nicht möglich, zumal ich mehrere Situationen hatte, wo ich mich wie ein Geist durch die Gegner geschlichen habe nur damit mein CPU-Buddy dann gesehen wurde und einen Großalarm auslöste. Deswegen sollte man durchaus in Erwägung ziehen das Spiel vielleicht mit einem Buddy zusammen zu spielen, zumal es keine zusätzlichen Kosten mit sich bringt, wenn man vom einmaligen Kauf des Spiels und einer PlayStation Plus-Mitgliedschaft mal absieht…

 

Technisch gibt es meiner Meinung nach nichts am Spiel auszusetzen, denn hier merkt man keinerlei Abstriche von einem „größeren“ Teil der Reihe. Besonders das neue Setting besticht durch seine Liebe zum Detail und man findet an jeder Ecke wirklich interessante Kombinationen von französischer Architektur kombiniert mit dem funktionalen Protz des NS-Regimes und ich habe mich selbst mehr als einmal dabei ertappt, wie ich nachdem ich den letzten Gegner in einem Areal aus dem Weg geräumt hatte, nicht zum nächsten Abschnitt weitergegangen bin, sondern stattdessen die Spielwelt erkundet habe. Hier findet man wieder je Menge an abstrusen und teilweise irrwitzigen Details und merkwürdigen Werbeanzeigen. Die Grafik ist dabei wirklich schick geworden und die offenere Ausrichtung der Spielwelt hat keine merkbaren Auswirkungen auf die allgemeine Performance, auch wenn man zwischen den Arealen die ein oder andere Ladepause hinnehmen muss, die bei den Vorgängern in der Regel immer in den Zwischensequenzen versteckt waren. Gleichfalls hochwertig ist die Soundkulisse angefangen von einer hochwertigen Vertonung, Unmengen Einspielern von deutsch-gesprochenen Radiosendungen oder Durchsagen bis hin zu einem brachialen Gewummer für die Knarren. Auch die Unterhaltungen zwischen Soph und Jess, die sich immer wieder zwischendurch necken, wie das Geschwister durchaus mal tun, oder das erlebte sarkastisch kommentieren machen wirklich Spaß. Hier hätte man meiner Meinung nach noch etwas mehr drauf aufbauen können, da es in Ansätzen bereits an die Unterhaltungen in den Uncharted-Spielen erinnert.

 

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der veränderten Ausrichtung des Spieles hatte ich dennoch im Verlauf der etwas über 20 Stunden langen Geschichte viel Spaß. Zwar wird die Geschichte gegen Ende zugegebenermaßen ziemlich abgedreht, das passt aber gut in den Kontext der Ausrichtung des Spiels, denn ernst nehmen sollte man hier sowieso nichts. Man sollte allerdings besser mit einem Freund zusammen in den Krieg ziehen, denn der CPU hat das ein oder andere Mal dafür gesorgt, dass ich eine Mission nochmal komplett neu beginnen musste, was nicht einmal meine Schuld war. Dem entgeht man wahrscheinlich mit einem menschlichen Mitspieler. Und wer nach dem Ende der Geschichte noch nicht genug hat kann danach auch noch weiter die Straßen von Paris vor den Nazis retten, Nebenmissionen erfüllen, Charakter- und Waffen aufleveln oder einfach auf die Suche nach den versteckten Sammelobjekten gehen, die es mal wieder zu Hauf gibt.

 

NB@26.08.2019

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