PS5 Review: „Deathloop“ #Deathloop

Dass nicht jeder First Person Shooter dumpfes „Geballer“ sein muss, ist wahrscheinlich kein Geheimnis. So hat sich das Genre in den letzten Jahren massiv gewandelt, sogar Platzhirsche wie Call of Duty packen mehr Abwechslung in ihre Spiele, Far Cry ist eine Open World-Sandbox mit Shooter-Einlagen, sofern man sich für diese Herangehensweise entscheidet und „echte“ Shooter im klassischen Sinn gibt es kaum noch, wenn man von Spielen, wie „Doom: Eternal“ absieht, die das Spiel bewusst auf schnelle Shootouts reduzieren. Doch wo es das eine Extrem gibt, gibt es eben auch genau das andere Extrem: Shooter, bei denen das Schießen eher der letzte Ausweg, anstatt einzigem Lebensinhalt ist. Ein Paradebeispiel dieses Genres sind zweifelsohne die Spiele von Arkane Studios, allem voran die herausragende Dishonored-Reihe. Doch auch ihr neuestes Spiel, „Deathloop“, das exklusiv auf der PS5 erschienen ist, schlägt genau in diese Kerbe, was im Vorfeld über Trailer und Marketing komplett anders wirkte, Grund genug sich das Spiel daher einmal ganz genau anzusehen, das mir freundlicherweise für mein Review von Publisher Bethesda kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Einen Einfluss hat das aber selbstverständlich nicht auf meine Bewertung.

In diversen Konferenzen und Events hatten wir in den letzten Jahren schon sehr viel von „Deathloop“ gesehen und gehört und der Eindruck, den ich davon bekommen hatte, war ein typischer Shooter mit etwas anderer Optik, für die Arkane zweifelsohne bekannt ist, und „irgendeiner“ Zeitschleifen-Mechanik, woher auch der Titel des Spiels kommt. Inhaltlich wirkte das Spiel dabei schnell und von seiner Dynamik schon fast wie ein Multiplayer-Titel, den man aber (zumindest größtenteils) alleine spielt. Und ich war mit dieser Auffassung auch nicht allein, denn die Verwunderung war groß, als die ersten Reviews und Lets Plays aufgetaucht sind und das Spiel sich doch ziemlich anders positioniert. Denn ähnlich wie bei Dishonored ist der direkte Angriff meist zum Scheitern verurteilt und ist lediglich die Eskalationsstufe, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Hingegen sollte man eher bedacht vorgehen, Beobachten, Schleichen und die Umgebung zu unserem Vorteil nutzen, bevor man dazu übergeht einen auf Rambo zu machen. Denn bevor man sich versieht ist man selbst weg vom Fenster und steht wieder komplett am Anfang. Es gibt keine Quicksave und Quickload, wie noch bei Dishonored und der Tod bedeutet mitunter auch, dass nahezu unser kompletter Fortschritt weg ist, was man definitiv etwas mehr ausführen muss, um es zu verstehen.

Wir beginnen an einem Strand ohne jegliche Erinnerung an das, was passiert ist. Teilweise direkte und teilweise kryptische Hinweise, die geisterhaft in der Spielwelt schweben sagen uns, dass wir Colt heißen, auch wenn unser Hauptcharakter fest davon überzeugt ist, dass er sich nicht wie jemand fühlt, der „Colt“ heißt und finden eine Waffe. Ohne genaues Ziel stolpern wir weiter, Funkspruch einer gewissen Julianna unterrichten uns, dass sie uns ans Leder will. Das wollen wir auf keinen Fall, soviel steht fest, wir erkunden unsere Umgebung weiter. Wenig später sehen wir uns gezwungen ein paar maskierte Freaks umzubringen, bevor sie uns umbringen und die Leichen lösen sich merkwürdigerweise in Luft auf. – Irgendwas stimmt hier gar nicht, doch wir haben keine Wahl, als weiter zu gehen, bis wir plötzlich uns selbst in die Augen blicken. Ein perfektes Abbild rettet uns aus einer misslichen Lage und sagt uns, dass wir unbedingt die Schleife durchbrechen müssen. Unser anderes ich stirbt und wir stützen in die Tiefe, alles wird schwarz, wir wachen wieder am Strand auf. – Was geht hier vor?

Wir finden heraus, dass wir in einer Zeitschleife gefangen sind, die genau einen Tag andauert. Endet der Tag, beginnt die Schleife von vorne, sterben wir, beginnt die Schleife von vorne und unser einziger Weg heraus ist die Schleife zu zerbrechen. Dafür müssen wir die acht Visionaries, Personen mit besonderen Fähigkeiten, finden, töten und uns ihre Fähigkeiten aneignen. Nur damit lässt sich die Schleife durchbrechen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn nicht nur ist die ist die Stadt in acht unterschiedliche Areale, eins pro Visionarie, aufgeteilt, die immens weitläufig sein können, sondern die Visionaries halten sich nur zu gewissen Zeiten an gewissen Orten auf. Der Tag ist in Morgen, Mittag, Nachmittag und Abend unterteilt und pro Tageszeit können wir nur einen Bereich besuchen und wenn zur falschen Zeit am falschen Ort sind, finden wir vielleicht gar keinen der Visionaries, bevor der Tag zur Neige geht.

Anfangs ist es daher definitiv nicht zu schaffen alle Visionaries an einem Tag zu erwischen, denn wenn wir sterben, oder der Tag endet ist unser Fortschritt auch wieder dahin. Hier ist die Information wirklich der Schlüssel herauszufinden, wann wer wo anzufinden ist und in welcher Reihenfolge wir am besten vorgehen, denn mitunter brauchen wir die spezielle Fähigkeit eines Visionaries, um einen anderen überhaupt erreichen zu können. Und vielleicht gibt es ja doch Tricks in den vier Tageszeiten die acht Areale aufzusuchen, um alle Visionaries auszuschalten… – Dabei ist noch wichtig, dass zwar Colt seine Erinnerungen behält, wenn der Tag zurückgesetzt wird, was bei den Visionaries nicht der Fall ist und weswegen sich ihr Verhalten auch replizieren und antizipieren lässt. Wir können also nach und nach einen Masterplan erstellen wie wir wann wo zuschlagen. – Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Mit dem Zurücksetzen des Tages verlieren wir auch unsere komplette Ausrüstung und unsere Fähigkeiten wieder und müssen uns alles mühsam wieder beschaffen, sofern wir nicht einen Weg finden auch Items von Mal zu Mal mitzunehmen (den es selbstverständlich auch gibt).

So ist Stealth zumindest in den ersten Bereichen auf jeden Fall die bessere Wahl, auch wenn uns das Spiel mit der Herangehensweise ziemlich freie Wahl lässt und selbst ein misslungener Versuch ist nicht komplett sinnlos, da wir so die Positionen der Gegner, das Layout des Gebietes und auch versteckte Items, Waffen, oder Abkürzungen finden. So endete mein abendlicher Besuch in Updaam schnell im Chaos, als ich entdeckt wurde, weglief und ist irgendwie doch noch schaffte einen Großteil der fiesen Schergen, einen nach dem anderen, auszuschalten. Dadurch hatte ich die Gelegenheit das Gebiet tiefer zu erkunden und mir einen Plan für meinen nächsten Besuch zurecht zu legen und am Ende sogar die „Shift“-Fähigkeit mein Eigen zu nennen, die es uns, ähnlich wie in Dishonored, erlaubt kurze Distanzen zu teleportieren, was das Spiel um einiges leichter macht.

Auch wenn das Spiel anfangs schleichend etwas einfacher ist, als mit gezogener Waffe rumzurennen, soll das aber in keiner Weise heißen, dass das Gunplay immer zu vermeiden ist. Nichts liegt ferner als das, denn es gibt zum einen Gebiete, wo es einfach nicht anders geht und zum einen fühlt sich das Gunplay dafür einfach zu gut an. Vom Feeling her hat mich das stark an die Wolfenstein-Reboot-Reihe erinnert, den nicht nur gibt es viele unterschiedliche Waffen, sondern sie fühlen sich alle etwas schwer an, sind laut, haben schön animierte Nachladeabläufe und sind vernichtend brachial gegenüber jedem, der sich uns in den Weg stellt. Colt macht keine Gefangenen, sondern er hält voll drauf und hört erst auf wenn das Blut spritzt. Man sollte nur aufpassen nicht überrannt zu werden, denn Colt ist im Vergleich zu B.J. Blazkowicz kein Supersoldat, sondern ein normaler Mensch und streicht nach ein paar Treffern die Segel. Doch glücklicherweise ist damit noch nicht alles verloren, denn als eine der ersten (und permanenten) Fähigkeiten für Colt gibt es einen Respawn. Wir können zwar mal innerhalb eines Levels sterben und können da fortsetzen, wo wir aufgehört haben. Witzigerweise findet man dann sogar das tote Selbst noch an der Stelle des Todes…

Neben Colt gibt es mit Julianna noch eine weitere Person, deren Erinnerung auch ein Reset des Tages überdauert. Entgegen Colt, der als Aufgabe hat die Schleife zu zerbrechen, ist ihre Aufgabe exakt gegensätzlich, sie beschützt die Schleife und hat zur Aufgabe Colt zu töten, was sie mit voller Hingabe angeht. Durch diesen Gegensatz bekommt das Spiel, neben der eigentlichen Aufgabe die Visionäre zu töten, eine interessante Katz und Maus-Dynamik, da Julianna gefühlt immer dann auftaucht, wenn es am wenigsten passt. Zweifelsohne verbindet die beiden eine gemeinsame Vergangenheit, an die Colt sich allerdings nicht erinnert, denn Colt hat lediglich die Erinnerungen an das, was wir mit ihm im Spiel erlebt haben und kommentiert das auch herrlich sarkastisch.

Julianna ist nicht nur unsere größte Gegenspielerin, sondern gleichzeitig auch die (optionale) Multiplayer-Komponente des Spiels, denn wir können auch als Julianna spielen und dringen dann in das Spiel eines anderen Spielers ein. Im Gegenzug kann auch ein anderer Spieler in unser Spiel eindringen und spielt dann Julianna. Wer das nicht möchte kann dieses Feature selbstverständlich auch ausschalten. Julianna hat es zwar initial etwas schwerer, da sie nicht respawnen kann, aber das wird mit besseren Waffen und Fähigkeiten ausgeglichen, die man für jedes gespielte Match über verdiente XP freischalten können. Und auch da wir nie wissen wann und wo Julianna auftauchen kann, müssen wir ständig auf der Hut sein, was jede noch so gut geplante Situation wieder über den Haufen werfen kann.

Insgesamt hatte ich wirklich eine Menge Spaß mit dem Spiel, das mich dabei auch wirklich überrascht hat, da es ziemlich anders ist, als es uns Demos uns Trailer glauben machen wollten. „Deathloop“ ist kein Spiel für jeden, der „nur“ einen Shooter sucht. Vielmehr ist es eher eine Mischung aus Hitman, in Bezug auf das wiederholte spielen gleicher Abschnitte und die Planung mit der man am besten an das Spiel herangeht und „Returnal„, das zwar keine zufallsgenerierten Areale bietet, aber durch die Zeitschleifen-Thematik und den Verlust von Waffen und Upgrades jeden Neustart zur einer Herausforderung macht. Zusätzlich hält das Spiel auch noch eine interessante und mitreißende Geschichte bereit, die ich in dieser Intensität keineswegs erwartet hatte. Arkane Studios hat bereits in der Vergangenheit mit der Dishonored-Reihe und „Prey“ die Messlatte schon ziemlich hoch gesetzt und hat es dennoch geschafft die Erwartungen mehr als zu erfüllen. Für Freunde der etwas anderen Spiele eine absolute Empfehlung und für mich persönlich das bisher überraschendste Spiel des Jahres.

Entwickler: Arkane Studios

Publisher: Bethesda

Erhältlich auf: PS5

NB@15.10.2021

—-Disclaimer —

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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