PS4 Review: „Code Vein“ #CodeVein #SoulsLike

Eine Kombination von Dark Souls und Japano-RPG klingt auf dem Papier erst mal sehr merkwürdig, denn beide Genres sind doch grundlegend unterschiedlich. Doch die Kombination kann durchaus auch aufgehen, wie man am Beispiel des leider etwas untergegangenen „Code Vein“ aus dem Hause Bandai Namco sehen kann. Warum es dennoch mehr als nur einen flüchtigen Blick für euch Wert sein kann, wenn ihr eine Alternative zu den AAA-Blockbustern der jüngsten Vergangenheit, wie „Resident Evil 3“ und „Final Fantasy VII Remake“ sucht.

Das von den God Eater-Machern bei Bandai Namco Studios entwickelte Spiel, „Code Vein“ spielt dabei zwar in der gleichen Spielwelt, wie die eben erwähnte Sci-Fi-Rollenspiel-Reihe, ist aber davon losgelöst und setzt auch keinerlei Vorwissen voraus. Einzig das Setting mit einer interessanten Kombination aus Science-Fiction und Endzeit wird dabei dem ein oder anderen Spieler bekannt vorkommen, obgleich es das auch schon mit den Gemeinsamkeiten war, da man sich sonst eher von Spielen wie Dark Souls oder „Bloodborne“ hat inspirieren lassen, was sowohl das allgemeine Spielprinzip, das Kampfsystem, aber auch die Ausrichtung angeht. Entgegen anderer Spiele ist der Schwierigkeitsgrad demnach höher angesiedelt, sodass man jeden Gegner ernstnehmen muss. Das Kampfsystem wartet mit unterschiedlichen Angriffen, Ausweichrollen und Kontern auf und einen Autosave sucht mach vergebens. Stattdessen gibt es Rastpunkte, die das Äquivalent der Lagerfeuer darstellen, wo unsere Ressourcen wieder aufgefüllt werden oder wir unsere Waffen sowie Charakter und Fähigkeiten aufwerten können. Zusätzlich respawnen wir nach dem Ableben auch wieder an dem letzten Punkt, wo wir geratet haben. Dennoch sollte man diese Rast nicht inflationär verwenden, da es auch einen großen Nachteil mit sich bringt, denn alle Gegner respawnen durch unsere Rast.

Doch worum geht es in „Code Vein“ eigentlich? – Die Welt in der nahen Zukunft ist nach einer mysteriösen Katastrophe in Trümmern. Nur die von Asche bedeckten Ruinen unserer einstigen Zivilisation lassen erahnen, wie es vorher ausgesehen hat. Die Oberfläche ist so gut wie unbewohnbar, da ein Giftnebel durch die Luft zieht, der nur mit Hilfe von Atemmasken kurzzeitig ertragen werden kann. Doch nicht alles ist verloren, denn eine kleine Gruppe von sogenannten Wiedergängern setzt sich daran die Hintergründe der Katastrophe zu erforschen und versucht eine Möglichkeit zu finden die Welt wieder lebenswert zu machen. Wiedergänger sind dabei gestorbene Personen, die von einer Geheimorganisation durch das Einsetzen eines Parasiten wieder zum Leben erweckt wurden. Das bringt übermenschliche Kräfte, aber auch den Verlust der Erinnerung, sowie einen unmenschlichen Durst nach Blut mit sich, das gleichzeitig auch das Objekt der Begierde unterschiedlicher Interessensgruppen darstellt. Denn zum einen gibt es nicht genug davon für alle Wiedergänger und zum anderen können die Konsequenzen durch gravierend sein, da man sich dann in einen der sogenannten „Verlorenen“ verwandet. Willenlose Schattengestalten, die nur noch Töten im Sinn haben und gleichzeitig die Standardgegner im Spiel darstellen.

Wir steuern einen neuen Wiedergänger, den wir in bester RPG-Manier mit einem ziemlich umfangreichen Editor selbst erstellen können, wo wir neben Geschlecht, Namen auch das Aussehen, die Kleidung und sogar die Stimme bestimmen können, wobei letzteres fast unnötig ist, da unser Charakter ein Vertreter des stillen Hauptcharakters ist und im gesamten Spiel kein einziges Wort spricht. Unser Charakter bringt dabei eine Besonderheit mit sich, die in der Welt von „Code Vein“ einzigartig ist, denn er kann seine Blutcodierung, die die Möglichkeiten im Kampf bestimmt, ändern. So gibt es neben dem Kämpfer, der auf Nahkampf spezialisiert ist, auch eine Art Magier, der zum Beispiel Feuerbälle schießen kann und noch viele weitere Möglichkeiten. Jeder Blutcode bringt dabei seine eigenen Vor- und Nachteile mit sich und können, sofern freigeschaltet, jederzeit über das Hauptmenü umgeschaltet werden. Hier empfiehlt es sich durchaus mal unterschiedliche Alternativen auszuprobieren, da der Blutcode das Spielprinzip ziemlich verändern kann und im Tutorial lediglich auf die Grundlagen eingegangen wird. Zusätzlich lassen sich innerhalb der Blutcodes auch weitere Fähigkeiten freischalten und verbessern, was durch im Spiel verdiente XP geschieht und an den Rastplätzen stattfindet. Sterben wir im Kampf so verlieren wir unsere XP, die wir am Ort unseres Ablebens wieder aufsammeln müssen, damit diese nicht komplett verloren gehen.  

Wie man es aus der Souls-Reihe oder jüngst auch von „Nioh 2“ kennt sind unsere Spezialfähigkeiten aber endlich und wir müssen damit haushalten. Jede Aktion, sei es ein Schlag, ein Spezialangriff, Rennen oder auch eine Ausweichrolle verbrauchen Ausdauer und wenn diese mitten im Kampf ausgeht lässt uns das weit offen für Angriffe. Diese lädt sich entweder über Zeit, oder durch besondere Aktionen, wie besonders gute Konter, Combos oder ähnliches auch während dem Kampf wieder auf, was mit etwas Eingewöhnung auch recht gut von der Hand geht und gerade im Vergleich zu Souls und Nioh einsteigerfreundlicher ist. Dabei sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass man immer einen Gegner ausgewählt hat, denn sonst kann man im Kampf schnell den Überblick verlieren, wenn die Kamera wegschwenkt. Beim „Target-Lock“ passiert das nicht, denn dann bleibt die Kamera auf dem Gegner. Zumindest beim eins gegen eins funktioniert das wirklich gut. Bei mehreren Gegnern muss man hingegen etwas aufpassen, dass man nicht den Überblick verliert oder „aus dem Nichts“ angegriffen wird, wenn Gegner beginnen einen einzukreisen. Unterschiedliche Gegnertypen, sowie Bosse erfordern dabei ein Herausfinden der Schwachstellen, was stellenweise leider etwas frustrieren kann, da besonders beim ersten Boss der letzte Speicherpunkt etwas zu weit vom Boss entfernt ist.


Technisch ist das Spiel zwar nett anzusehen, ist aber nicht wirklich auf der Höhe der Zeit und erinnert stellenweise eher an ein Spiel aus der letzten Konsolengeneration. Zu eintönig sind die Areale, zu verwaschen sind die Texturen und das Levellayout ist schon fast belanglos. Einzig die liebevoll designten Anime-Charaktere und die ausufernden Cutscenes stechen dabei wirklich positiv heraus, das man stellenweise das Gefühl hat einen Anime zu schauen. Anfänglich wollte ich auch die unterschiedlichen Kampfanimationen und Finisher wirklich loben, die an sich zwar toll gemacht sind, aber sich insgesamt viel zu oft wiederholen was dann langweilig wird. Und trotz der optischen Einschränkungen kommt es leider immer wieder zu Slowdowns, mit denen ich persönlich zwar leben kann, die aber andere Spieler immens stören. Vielleicht hätten die Entwickler in diesem Zusammenhang vielleicht etwas mehr auf die Performance, als auf die Physik der sekundären Geschlechtsmerkmale der weiblichen Figuren setzen sollen, die bei jeder Bewegung anfangen zu wackeln… – Das kennt man zwar aus vielen japanischen Spielen, aber gerade in einem sonst eher ernsteren Kontext wirkt es übertrieben Pubertär und ziemlich Fehl am Platz. Weiter habe ich eine Pausefunktion schmerzlich vermisst, denn da das Spiel auch online gespielt werden kann läuft die Zeit weiter, auch wenn man sich in den Menüs mit der Ausrüstung beschäftigt und unterschiedliche Blutcodes, Waffen und Ausrüstungsgegenstände auswählt, was leider zu dem ein oder anderen unfreiwilligen Ableben geführt hat. Mir ist zwar klar, dass das im Onlinemodus nicht anders lösbar ist, doch zumindest im Offline-Modus hätte man eine Pause einbauen können.

Auch wenn es beim Spiel einige Kritikpunkte gibt, so hatte ich dennoch eine Menge Spaß damit. Verglichen mit anderen Souls-Likes ist der Schwierigkeitsgrad zwar insgesamt etwas geringer, was ich persönlich dem Spiel aber nicht zum Nachteil auslegen möchte. Gerade, wenn man kürzlich „Nioh 2“ gespielt hat, das zu Beginn mit einer sehr steilen und bestimmt für den ein oder anderen Spieler frustrierenden Lernkurve aufwartet, ist „Code Vein“ auf jeden Fall einsteigerfreundlicher. Der umfangreiche Charaktereditor und die vielschichtigen Möglichkeiten mit unterschiedlichen Blutcodes, Fähigkeiten und Waffen zeigen eindeutig die Vorkenntnisse der Entwickler mit RPGs und passen gut zum gesamten Spiel. Lediglich ein stummer Charakter ist meiner Meinung nach nicht mehr zeigemäßig und wirkt in Zwischensequenzen stellenweise etwas lächerlich, wenn die anderen Charaktere mit ihm reden und er nur stumm dreinblickt. Wo das Spiel eindeutig punkten kann sind sowohl die Präsentation mit einem interessanten Anime-Endzeit-Setting und Japano-typischen Charakterzeichnungen und Storyverläufe, die sehr viel anders sind, als bei anderen Genre-Vertretern. Das muss man natürlich mögen, denn die Erzählstrukturen sind emotionaler, verspielter und die Ideen teilweise sehr abgedreht. Für mich hat es in diesem Fall gut funktioniert, aber wer sich da unsicher ist sollte sich vielleicht erst einmal die Demo zum Spiel, die es kostenfrei im PSN gibt, herunterladen und die ich euch hier verlinkt habe.

Entwickler: Bandai Namco

Publisher: Bandai Namco

Erhältlich auf: PS4, Xbox One

NB@30.04.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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