PS4 Review: „NEO: The World ends with You“ #TheWorldendswithYou #JRPG

Was kommt raus, wenn man das Spielprinzip eines Persona mit einem Rhythmus-Spiel paart? – So, oder so ähnlich könnte man „NEO: The World ends with you“ versuchen zu beschreiben, auch wenn man dem Spiel damit nur in Ansätzen gerecht wird. Aus diesem Grund habe ich mir das teilweise als „Persona-Killer“ bezeichnete Spiel von Square Enix ganz genau angesehen, um herauszufinden was es wirklich damit auf sich hat…

Shibuya ist nicht nur ein immer gern verwendeter Schauplatz von Film und Fernsehen, sondern auch Videospiele haben den Stadtteil von Tokyo mit seinem ironischen Meer an Fußgängerwegen mittlerweile für sich entdeckt, sei es „Persona 5 Strikers„, „Tokyo Jungle“, oder auch „428: Shibuya Scramble“. Und eben dort beginnt und spielt ein Großteil der Geschichte von „NEO: The World ends with you“, als unser Protagonist Rindo, der sich eigentlich nur mit seinem Freund Fret treffen will, plötzlich in das „Reaper-Game“ herein gezogen werden. Dieses „Spiel“, in dem unterschiedliche Gruppen von Spielern tägliche Aufgaben erfüllen müssen, wofür sie Punkte verdienen, findet unsichtbar für die meisten in einer Parallelen Ebene der Realität statt, wo die Spieler, ausgestattet mit übermenschlichen Kräften, gegen den Noise, monsterhafte Gestalten, antreten.

So ähnlich verhielt es sich schon mit dem ersten „The World ends with you“, das zwar nach dem ursprünglichen Release auf dem Nintendo DS auch auf Handy vor knapp drei Jahren auch um die Switch portiert wurde, jedoch immer noch recht unbekannt und ein Geheimtipp ist. Das neue Spiel fungiert sowohl als Sequel, wie aber auch als eine Art Soft Reboot, das die Grundprämisse, wie auch einzelne Ideen der unterschiedlichen Veröffentlichungen des ersten Spiels aufgreift und weiterentwickelt. So finden sich zwar eine Gruppe neuer Protagonisten im „Reaper Game“, dem makabren Spiel innerhalb des Spiels, das unsere Helden in einer Art Zwischenwelt gefangen hält, um sie diverse Aufgaben erledigen und Kämpfe zu bestreiten lassen. Der besondere Ansporn dabei ist, dass man mit den anderen Gruppen, die das Spiel spielen im direkten Vergleich steht und wer nach sieben Tagen, so lang geht nämlich eine Runde, es für die letzten im wahrsten Sinne des Wortes „Game Over“ heißt, wo hingegen die Gewinner die Wahl zwischen Freiheit, oder einem Rematch bekommen.

Gekämpft wir dabei mit einem besonderen Augenmerk auf Rhythmus und Beat, wobei das Kampfsystem ziemlich einzigartig ist. Wir steuern immer mehrere Kämpfer gleichzeitig, jeder Kämpfer bekommt eine Angriffstaste zugeordnet und seine Angriffe unterliegen einem Cooldown. Zusätzlich sollte man aufpassen, dass man keinen Button-Mashing betreibt, sondern im Beat angreift, um gegnerischen Angriffen auch ausweichen zu können und Spezialangriffe, die über eine separate Leiste aufgeladen werden, zu verwenden. Sonst schafft man vielleicht noch die ersten Gegner, aber kommt spätestens bei den ersten dickeren Brocken massiv ins Straucheln, denn unabhängig davon, wie viele Kämpfer unser Team zählt, alle teilen sich einen einzigen Lebensbalken…

Das mag nun alles ziemlich kompliziert klingen und gerade anfänglich nimmt uns das Spiel auch nicht besonders viel an die Hand, wenn man nicht genau aufpasst, welche Tipps uns das Spiel und die auftretenden Charaktere geben. Doch mit etwas Eingewöhnung hat man die Mechanikern und die Art des Denkens im Spiel mit seinem Wechsel über die verschiedenen Realitätsebenen durchaus verinnerlicht und kann sich mehr auf die interessante, obgleich ziemlich verschachtelte Geschichte konzentrieren. Denn sowohl das Spiel, aber auch seine sämtlichen Charaktere sind verdammt redselig und da wir zusätzlich auch ziemlich früh lernen die Gedanken von NPCs zu „hören“ kann es manchmal schwer fallen wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden, um die nächste Mission zu erledigen, da die groben Anweisungen im Menü auf einer ziemlich hohen Flughöhe sind.

Von der technischen Seite ist das Spiel ein echter Leckerbissen, was besonders auf die Optik und den Einsatz von Musik zurückzuführen ist. Das liegt vor allem an dem originellen Artstyle, der im Grunde wir kein anderes Spiel, wenn man mal vom ersten Teil absieht versteht sich. Der comichafte Cellshading-Look könnte als eine Kombination aus Persona und „Jet Set Radio“ bezeichnet werden und die Musik verwendet eingängige Eigenkompositionen, aus dem Rock-, (Pop-)Punk- und sogar Nu Metal-Genre, wobei ich lediglich etwas mehr Varianz vermisse, da sich die Stücke, so gut sie auch sein mögen, leider recht oft wiederholen. Weiter gibt es leider auch viele Gespräche, die leider nicht vollkommen vertont sind, was ich zwar nachvollziehen kann, aber dennoch etwas schade finde, da es in meinen Augen die Immersion doch ziemlich bricht.

In bester RPG-Tradition gibt uns das Spiel nicht nur einiges an Freiheit, wie wir weiter vorgehen wollen, da wir meistens aus unterschiedlichen Missionen auswählen können, die wir erledigen, oder wie wir sie erledigen, doch bietet auch die Möglichkeit zum Customizing unserer Charaktere. Und das betrifft in dieses Fall, dass wir alle Charaktere mit Unterschiedlichen Kampfstilen und Buffs ausstatten können. Das geschieht in NEO über Pins, die man im Kampf verdient, universal aufwerten, kombinieren, oder auch verkaufen kann, um im Shop neue zu kaufen. Interessant ist dabei, dass jeder Pin nicht nur Vor- und Nachteile mit sich bringt, sondern auch einen an Erfahrungspunkte gekoppelten Skill-Tree umfasst. Je mehr wir einen Pin benutzen, umso mehr Fähigkeiten schalten wir frei. Es versteht sich dabei von selbst, dass unterschiedliche Angriffe sich für unterschiedliche Gegner eignen, denn jeder Gegner hat ebenfalls Stärken und Schwächen, was eine regelmäßige Anpassung der Pins überaus sinnvoll, wenn nicht gar notwendig, macht.

Shibuya ist dabei ein in unterschiedliche Abschnitte aufgeteilter und je nachdem, wo wir uns gerade befinden, unterschiedlich belebter Schauplatz für das Spiel. Einzig ist die Welt dabei nicht so offen, wie sie anfangs anmutet. So ist unter Weg von einem zum anderen Abschnitt an die aktive Mission gebündelt, beinhaltet jedes Mal eine kurze Ladepause, sondern das aktive Spielfeld ist dabei auch recht restriktiv und hindert uns an vielen Stellen vom vorgegebenen Pfad abzuweichen. Jedoch kann man daraus aus den bereits erwähnten oftmals ungenauen Missionszielen durchaus auch eine Tugend machen, da man dadurch weniger Areal abzusuchen hat. Und seien wir mal ehrlich, nicht jedes Spiel braucht eine offene Spielwelt, besonders nicht wenn man sie nicht sinnvoll mit dem Gameplay kombiniert.

Insgesamt hatte ich wirklich eine Menge Spaß mit NEO, es ist zwar in meinen Augen nicht der proklamierte Persona-Killer, dazu hat Atlus in seiner Vorzeigereihe einfach zu viel Arbeit rein gesteckt und über die Jahre sämtliche Facetten kontinuierlich weiterentwickelt, doch für sich selbst gesehen überzeugt das Spiel allemal. Denn im Grunde steht es mit seinem frischen Kampfsystem, der einzigartigen Optik und dem. Fokus auf Musik fest genug auf eigenen Beinen. Die Geschichte geizt nicht mit interessanten Entwicklungen, schockierenden Twists und liebenswerten Charakteren, sondern hat mich bis zum Ende ziemlich stark in ihren Bann gezogen. Und ja, es gibt keine wirklich offene Spielwelt und die allgemeine Struktur kommt insgesamt linearer rüber, doch das ist auch kein wirklicher Nachteil, denn sonst würde durchaus ein Teil der Stimmung und Inszenierung verloren gehen. Fans moderner JRPGs, also eine Prise Persona, eine Prise Kingdom Hearts und irgendwo auch die ausufernden Gespräche von Visual Novels, kommen dabei auf jeden Fall auf ihre Kosten.

Entwickler: h.a.n.d.

Publisher: Square Enix

Erhältlich auf: PS4, Nintendo Switch

NB@09.08.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.