Xbox Review: „Tales of Arise“ #TalesOfArise #JRPG

Die Tales of-Reihe ist eine der langlebigsten RPG-Reihen aller Zeiten, die nun mit „Tales of Arise“ ihren mittlerweile 17. Teil, nur ausgehend von den Hauptteilen der Reihe, ins Rennen schickt. Neben den Hauptteilen gibt es nicht nur diverse Spin-Offs, sondern auch Mangas, Animes und sogar Hörbücher. Wer jedoch von dieser schiere Masse an Geschichte abgeschreckt ist, den kann ich gleich beruhigen, dass die Teile der Reihe jeweils für sich alleine zu sehen sind und, wenn man von lediglich einer direkten Fortsetzung in der Reihe absieht, mit eigenen Charakteren und komplett eigenständiger Handlung aufwartet. Verbunden werden die Teile durch parallelen im Gameplay, eine identischen Artstyle und letztendlich durch das High Fantasy-, oder auch epische Fantasy-Setting. Also selbst wenn man bisher keine Berührungspunkte mit der Reihe hatte, ist auch Arise ein guter Punkt zum Einstieg, da es keinerlei Vorkenntnisse braucht…

Ich habe zwar nicht alle, aber einige Teile der Reihe bisher gespielt, besonders Symphonia auf dem Gamecube, aber auch Vesperia auf der PS4 waren wirkliche Highlights, doch gerade der bis dato letzte Teil Berseria war eher unspektakulär, besonders in Sachen Gameplay und Technik, wo der Sprung auf die (damals) neue Konsolengeneration kaum erkennbar war, was auch daran liegen mag, dass das Spiel parallel auch noch auf der PS3 erschienen ist. Jedoch scheint man sich bei Entwickler und Publisher Bandai Namco durchaus dem Thema angenommen zu haben und hat das neue Spiel, das ursprünglich bereits im letzten Jahr erscheinen sollte, auf Grund von weiterem Polishing noch ein Jahr weitere Entwicklung spendiert, bis es nun letztendlich erschienen ist. Finden wir also heraus, ob diese etwas längere Zeit im Ofen der Serie hilft an alte Erfolge anzuknüpfen und ob das Spiel es schafft gegenüber der Konkurrenz hervorzustechen, denn gerade im RPG-Segment ist dieses Jahr schon eine ganze Menge an hochkarätigen Veröffentlichungen erschienen…

Bereits der Ersteindruck ist ziemlich positiv, denn nicht nur, dass es eine recht gelungene Demo zum Spiel gibt, die auf diversen Plattformen erhältlich ist, sondern schon auch der Einstieg in das Spiel überzeugt mit einer interessanten Prämisse, Charakteren und letztendlich auch einer zeitgemäßen Präsentation. Den Anfang machen die beiden Hauptcharaktere, denn dieses Mal können wir zwischen zwei Charakteren wählen, die sich ziemlich gut ergänzen und damit für eine gute Dynamik der Erzählweise sorgen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Zum einen gibt es mit Alphen einen ehemaligen Sklaven mit mysteriöser Vergangenheit, der keinerlei Schmerzen fühlt. Er ist zwar charmant und wortgewandt, jedoch nicht ohne Makel, indem er stellenweise zu impulsiv reagiert. Der Gegenpart dazu ist Shionne, eine Tochter aus gutem Hause, die von einem merkwürdigen Fluch geplagt wird, der Stacheln aus ihrem Körper sprießen lässt, wenn sie berührt wird. Sie sehnt sich nach körperlicher Nähe, die aber auf Grund des Fluches nie erfüllt werden kann, solang der Fluch besteht. Doch alles ändert sich als sie Alphen trifft und gerade diese Beziehung der beiden Charaktere, die verfeindeten Gruppen zu engen Verbündeten und Freunden werden. Auch wenn diese Beziehung in Ansätzen etwas an die Beziehung zwischen Wolverine und Rogue im ersten „X-Men“-Film erinnert hat, bot diese eine durchweg unterhaltsame Dynamik, die mich ziemlich gefesselt hat, auch wenn sie natürlich in bester JRPG-Manier mit viel Drama und Pathos daherkommt.

Das spiegelt sich auch im Rest der Geschichte wieder, die anfangs sehr undurchsichtig ist und viele Ereignisse und Charaktere einführt und die Motive erst mit voranschreitender Spielzeit erforscht. Dabei gibt es auch viele Wendungen, weswegen ich durchaus aufpassen muss keine Überraschungen zu spoilern. Aus diesem Grund bin ich gezwungen es etwas vage zu halten, was kein leichtes Unterfangen ist, da doch recht viel passiert. So befinden wir uns anfangs im Königreich Calaglia und wohnen dem ersten Treffen der beiden Hauptcharaktere bei, die zunächst eher unfreiwillig zusammenarbeiten müssen. Alphen wird zu diesem Zeitpunkt nur als „Iron Mask“ betitelt, da er eine eiserne Maske trägt und keinerlei Erinnerung an seine Vergangenheit, oder gar seinen Namen hat, was sich aber mit fortschreitendem Spiel selbstverständlich ändert, weswegen das auch noch kein wirklicher Spoiler ist. Das erste Ziel stellt zwar die Befreiung von Calaglia und der Kampf gegen Balseph als Herrscher dar, entwickelt sich aber schnell in eine sehr viel epischere Geschichte weiter, die sich auf unterschiedliche Reiche und eine Vielzahl unterschiedlicher Handlungsstände, die teilweise losgelöst, später zusammenlaufend sind und nicht nur Vergangenheit und Zukunft der Hauptcharaktere, sondern auch der ganzen Reiche besiegeln könnte…

(c) Bandai Namco

Gerade im Gegensatz zu früheren Spielen präsentiert sich die Geschichte insgesamt als sehr viel erwachsener und scheut auch nicht vor schwierigen Themen, wie den Grausamkeiten des Krieges, Sklaverei und insgesamt den Folgen, die derart dramatische Ereignisse auf einzelne Personen haben, zurück, ohne dabei auf eine romantisierte Version des Mittelalters zurückzugreifen. Wir lernen viele unterschiedliche Charaktere kennen, die alle auf die ein oder andere Art und Weise vom Leben gezeichnet sind. Das soll aber selbstverständlich auch nicht sagen, dass das Spiel eine ausschließlich düstere, oder gar deprimierende Erfahrung ist, wir reden immer noch über ein JRPG, das durchaus auch mit lockeren Momenten und stellenweise massiv überzeichneten Punkten aufwartet. Jedoch sollte man keinen Schönwetterflug mit Einhörnern und Regenbögen erwarten, was ich persönlich sehr begrüße.

(c) Bandai Namco

Entgegen Berseria, das sowohl auf PS3, wie auch auf PS4 lauffähig sein sollte und daher einige technische Einschränkungen in Kauf nehmen musste, ist Arise wirklich auf der Höhe der Zeit. Zwar erscheint es auch Parallel auf der Last-, aber auch Nextgen, steht aber anderen aktuellen Veröffentlichungen in nichts nach, was beim Vorgänger keineswegs der Fall war. Sowohl Charaktermodelle, wie auch die immens große Spielwelt sind Detailreich, geizt nicht mit Abwechslung und bietet selbst nach dreißig, oder vierzig Stunden immer noch etwas zu entdecken. Die einzige Ausnahme in den Details muss leider in Richtung Synchronisation gehen. Die ist zwar wirklich gelungen, glaubwürdig und in sich stimmig, doch die Gespräche laufen leider oftmals nicht wirklich lippensynchron ab, oder die Körpersprache passt nicht hundertprozentig zur Emotion, die die Synchro transportiert. Zugegebenermaßen ist das ein generelles Problem, besonders wenn japanische Spiele für den Westen lokalisiert werden, aber ist mir bei Arise besonders aufgefallen.

(c) Bandai Namco

Besonders auf der Nextgen lässt das Spiel seine Muskeln spielen und bietet die Auswahl zwischen Grafik und Performance, wobei man entweder 4K mit angepeilten 60fps, oder eine variable Auflösung bei soliden 60fps bekommt. Auch auf der Xbox Series S ist die Leistung noch durchaus eine Steigerung gegenüber der Lastgen, die bei unterschiedlichen Auflösungen, je nach Plattform überall auf 35fps gelockt ist und im Performance-Modus ebenfalls seine 60fps schafft, nur im Grafik-Modus mit 45fps begnügen, was immer noch besser performt, als auf der Xbox One X, oder PS4 Pro, die bis dato oft annähernd ähnliche Performances lieferten. Unabhängig der Plattform kann es in hektischen Szenen zwar dennoch zu Framedrops kommen, aber insgesamt läuft das Spiel wirklich flüssig und sieht dabei noch toll aus. Zusätzlich profitiert man auf der Nextgen selbstverständlich von den schnelleren Ladezeiten durch die SSDs.

Gerade im Gameplay merkt man eindeutig einen Vorteil einer besseren Performance, denn das Kampfsystem hat mittlerweile mehr von Bayonetta, oder Devil May Cry, anstatt klassischer Rollenspielkost. Traditionelle Angriffe wurden durch Dodgers, Paraden und jeder Menge Spezialangriffe erweitert und liefern ein wahres Effektfeuerwerk, gekonnt untermalt von einem treibenden Soundtrack, ab. Die Kämpfe waren bisher in der Reihe nie so dynamisch und machen echt Spaß, auch wenn es anfangs eine etwas steilere Lernkurve gibt, da es eine Vielzahl unterschiedlicher Kampfmöglichkeiten gibt und im Eifer des Gefechtes trotz recht komfortabler Dodge- und Counterattack-Zeitfenster, sowie taktischem Slowdown dazu neigt ins Button-Mashing zu verfallen, was die Kämpfe aber schnell eintönig werden lassen kann. Es empfiehlt sich daher genug Zeit zum Erlernen des Kampfsystems einzuplanen, zumal man ähnlich wie bei „Scarlet Nexus“ besondere Skills und Combo-Attacken auf das D-Pad legen kann, um es etwas leichter zu machen.

Insgesamt hat „Tales of Arise“ es wirklich geschafft der etwas angestaubten Reihe neues Leben einzuhauchen. So hat mich besonders das Actionreichere Kampfsystem und die vielschichtige und erwachsenere Geschichte überrascht, ohne dabei die Wurzeln der Reihe und die klassischen RPG-Mechaniken, samt Loot, Crafting und dem charakteristischen Koch-System, bei dem zubereitete Speisen für temporäre oder sogar permanente Charakterverbesserungen sorgen können. Trotz einigen an Streamlining, wie komfortabler Schnellreise, umfangreichen Spielhilfen und sogar einem Schwierigkeitsgrad, der uns unverwundbar macht, wenn man wirklich nur die Story erleben möchte, ohne dabei in irgendeiner Weise ins Schwitzen zu kommen, muss man sich aber auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass es sich dennoch um ein JRPG handelt. So ist der Einstieg langatmig und nimmt, je nachdem was man alles dazu zählt, mehrere Stunden in Anspruch, bevor sich das Spiel und die Spielwelt komplett öffnen. Im Gegenzug bietet die Welt aber auch nach vielen Spielstunden immer noch neue Aufgaben und Dinge zu entdecken, die uns bei Laune halten und sich in unterschiedlichen Welten abspielen, die wir nach und nach freischalten. Ich habe für die Main Quest und lediglich ein paar Nebenaufgaben schon etwa 35-40 Stunden Spielzeit auf der Uhr gehabt und man konnte diese Zeit locker verdoppeln, wenn nicht gar verdreifachen, wenn man alle Quests und Aufgaben angehen möchte. Entgegen einiger eher linear angelegten RPGs der letzten Zeit bekommt man hier einiges für sein Geld und gleichzeitig wird deutlich, dass die Tales of-Reihe, auch schlappe 26 Jahre nach dem ersten Teil, immer noch relevant ist.

Entwickler; Bandai Namco

Publisher: Bandai Namco

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@29.09.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.