PS4/PS5 Review: „Gynoug“ #Gynoug #WingsOfWor #Shmup

Schon in früher Jugend war „Gynoug“ eines dieser Mega Drive-Spiele, das gefühlt in jeder Krabbelkiste zu finden war und bei dem man auf Grund von Cover, Screenshots und Kurzbeschreibung unsicher war, ob sich die Investitionen des Taschengeldes lohnen würde, denn das Cover mit einem muskulösen geflügelten Engel bewegte sich auf einem schmalen Grat zwischen Cool und Cheesy und irgendwie würde man damit nicht einen knallharten Shooter assoziieren. So ist das Spiel heute neben anderen Shmups des Mega Drive immer noch so etwas wie ein Geheimtipp, auch wenn die Preisschraube in den letzten Jahren gestiegen ist und man mittlerweile auch zwischen 50 und 60 Euro für eine gut erhaltene Version des Spiels hinlegen muss. Doch das kann man nun auch günstiger haben, denn niemand geringeres als Masaya Games, in Zusammenarbeit mit Shinyuden und Ratalaika Games als Publisher, die uns bereits das herausragende „Gleylancer“ beschert haben, haben auch das vergessene Hardcore-Shmup auf moderne Konsolen gebracht.

In USA damals unter dem Alternativtitel „Wings of Wor“ erschienen kommt das moderne Remaster im gleichen Gewand wie „Gleylancer“ und verwendet das gleiche Interface, die gleichen Optionen und enthält lediglich „nur“ eine andere Rom unter der Haube, was allerdings gar nicht abwertend klingen soll, immerhin bietet das Interface alle moderne Annehmlichkeiten, die man heutzutage bei solchen Veröffentlichungen sucht. So können Puristen natürlich eine unveränderte Erfahrung des Originals, wobei es sich auch um den Default handelt, erleben, aber im Bedarfsfall kann man viele Bereiche des Spiels anpassen.

So bietet das Spiel neben einer Cheat-Funktion für unendliche Leben, Unverwundbarkeit, oder keinen Verlust von Powerups auch Save States und eine Rückspulfunktion, die sogar so spendabel ist, dass sie uns soweit wir wollen, sogar vom Ende bis zurück zum Anfang, zurückspulen lässt, auch wenn zugegebenermaßen meist weniger Frames ausreichen, um einem Projektile auszuweichen.

Neben diesen Erleichterungen haben es selbstverständlich auch diverse Auflösungsmöglichkeiten und Filter in die Neuauflage geschafft, von denen ich aber generell kein wirklicher Fan bin. Das liegt nicht an dem, was hier im Spiel geboten wird, sondern eine persönliche Präferenz, dass ich den Bildausschnitt gerne unverändert und die Pixel ohne Weichzeichner habe und die meisten CRT-Filter das Bild einfach zu dunkel machen. Erwähnenswert ist aber, dass man hier sogar die dicke der verwendeten Scanlines, Gamma-Parameter und eine Wölbung des Monitors punktgenau anpassen kann, was für Freunde dieser Funktionen wahrscheinlich sowas wie der heilige Gral sein muss. Ich hätte mir diese Liebe zum Detail nur auch in Sachen Bonusmaterial gewünscht, doch ebenso wie bei „Gleylancer“ gibt es leider rein gar nichts und auch wenn das für die meisten Spieler nicht kriegsentscheidend sein wird, ist es dennoch überaus schade.

Doch um was geht es im Spiel eigentlich und was bietet das Spiel? – Das Spiel ist ein klassisches Shmup, das horizontal scrollt. Das Himmelreich wird im Spiel von Dämonen und Führung des fiesen Iccus angegriffen und es ist an uns als Engel Wor, die Invasion zu stoppen und Iccus und sein Gefolge zu stoppen. Das führt uns durch insgesamt sechs abwechslungsreiche und fordernde States, die sich dabei stark voneinander unterscheiden und jeweils kreative, wie eklige Bosse bereithalten. Und eklig ist durchaus eines der Grundthemen, denn sowohl Stages, wie auch Gegner sind perfide Mischungen aus industrieller Technik und Fleisch, wie es Jahre später die Silent Hill-Reihe wieder aufgreifen und perfektionieren sollte.

Auch wenn das Spiel ohne den Einsatz von Cheats, Zurückspulen und Save Stages stellenweise brachial schwer ist, so bleibt das Spiel dennoch fair, es gibt also keine versteckten Fällen, in die man einmal hereintappen muss, um sie beim nächsten Versuch „gelernt“ zu haben. Zwar kommen die Gefahren durchaus überraschend, von allen Seiten und schließen auch die Beschaffenheit der Levels mit ein, doch bieten uns dennoch mit etwas Übung eine reelle Chance es zu schaffen. Besonders die limitierten Sonderattacken, von denen es acht unterschiedliche gibt und die sowohl für Angriff, oder Verteidigung sein können, können dabei brenzlige Situationen entschärfen. Gut ist dabei auch, dass wir mehrere Powerups mitführen können und sie im Bedarfsfall wechseln und einsetzen können. Es empfiehlt sich allerdings damit etwas zu experimentieren, denn wie für damalige Spiele üblich gibt es keine Erklärungen, oder Tutorials im Spiel. Das war leider in die Anleitung ausgelagert, die leider nicht ins Spiel implementiert wurde.

Insgesamt ist „Gynoug“, damals wie heute ein tolles, wenn auch ziemlich schweres Spiel, auch wenn es durch moderne Annehmlichkeiten selbstverständlich sehr viel zugänglicher geworden ist, was jedoch auch etwas von der Atmosphäre nimmt. Doch das ist natürlich jedem selbst überlassen und ich finde es einfach toll, dass das Spiel nach gut 30 Jahren endlich wieder einer breiten Masse zugänglich ist und man kein Vermögen für eine gut erhaltene Kopie hinlegen muss. Die neue Veröffentlichung überzeugt in fast allen Belangen und bietet sowohl von Darstellungs-, aber auch Gameplay-Seite tolle Anpassungsmöglichkeiten, lässt aber leider ebenfalls Bonusmaterial vermissen, eine Disziplin, wo fast alle neuen Veröffentlichungen älterer Spiele straucheln. Fans des Genres und alle, die neugierig geworden sind, können Bedenkenlos zugreifen.

Entwickler: Masaya Games / Shinyuden

Publisher: Ratalaika Games

Erhältlich auf: PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

 NB@08.12.2021

—Hinweise & Disclaimer—

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

3 Kommentare

  1. Wow!!! Mega, das hatte ich ja null auf dem Schirm. Vielen Dank für das Review!!! Das wäre mir sonst erst mal völlig entgangen.

    Scheint ja, dass sie mit Gleylancer und dem hier die etwas verstaubten shmups wiederbeleben. Sehr schön. Wenn jetzt die Darius Anthologie nicht so teuer wäre…

    Gefällt mir

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