Spiele aus Deutschland sind zwar nicht mehr so selten, wie es früher einmal war, doch immer noch nicht die Regel. Und wie wir an dem jüngsten Release-Debakel um „Gollum“ erkennen mussten, kann ein verpatzter Release bei kleinen und mittelständigen Spieleschmieden sogar zum Sargnagel werden. So wird Daedalic zwar weiterhin als Publisher tätig sein, aber hat in Folge des Release seine eigene Entwicklungsabteilung in Hamburg schließen müssen. – Und so kommen wir auch zu Deck 13, dem Entwickler aus dem nahegelegenen Frankfurt am Main, die gerade „Atlas Fallen“ zusammen mit Focus Entertainment herausgebracht haben. Denn Deck 13 ist kein Neuling, sondern hat bereits vor ein paar Jahren mit der The Surge-Reihe, oder dem 2014er „Lords of the Fallen“ überaus solide Spiele abgeliefert und bereits früher, zusammen mit eben erwähnten Daedalic, die Ankh-Reihe ins Leben gerufen.

„Atlas Fallen“ könnte man durchaus als die logische Weiterentwicklung ihrer Erfahrungen mit „Lords of the Fallen“ und zweifelsohne auch mit dem Nachfolger, an dem man bereits angefangen hatte zu arbeiten, bevor man bezeichnen, wobei die Souls-Einflüsse etwas zurückgefahren wurden und stattdessen die RPG-Komponente weiter ausgebaut wurde. Das Ergebnis kann sich wirklich mehr als sehen lassen und braucht sich keineswegs von der Konkurrenz zu verstecken, auch wenn man mit einem geschulten Auge kleinere Zugeständnisse erkennen kann, die offenbaren, dass es sich um kein AAA-Spiel handelt, sondern von einem vergleichsweise kleinen Studio mit in etwa 70 Mitarbeitern, auch wenn dabei gar nicht bekannt ist wie viele davon konkret an der Spieleentwicklung mitgearbeitet haben. Dankenswerterweise wurde mir bereits einige Zeit vor der Veröffentlichung vom Publisher eine finale Version des Spiels zur Verfügung gestellt und ich hatte das Spiel zum Release bereits einmalig abgeschlossen. 

 Deck 13 schickt ins mit „Atlas Fallen“ wortwörtlich in die Wüste, denn der Planet Atlas, auf dem das Spiel angesiedelt ist, ist vollkommen überzogen von Sand. Das war allerdings nicht immer so, denn früher war Atlas ein fruchtbarer und wunderschöner Ort. Doch die dunklen Mächte des Sonnengott Thelos haben den Planet über die Jahre immer mehr in eine Einöde verwandelt. Um den Gott weiterhin zufrieden zu stellen suchen die Menschen nach Essenz, einem übernatürlichen Element, das versteckte Kräfte wecken soll. Und hier kommen wir als Namenloser Held ins Spiel, wobei Namenlos hier wirklich stimmt, denn als Mitglied der untersten Kaste von Menschen, die Sklaven ähneln, sind wir sogar nicht berechtigt einen Namen zu tragen. Dafür werden wir und die anderen Mitglieder der Kaste lediglich nach unserer Arbeit bezeichnet. Doch alles ändert sich als wir für eine Mission außerhalb der schützenden Mauern unseres Camps gehen müssen und dort einen merkwürdigen Handschuh, der magische Kräfte verleiht, finden, was ähnlich wie Cuff in „Forspoken“ funktioniert, da der Handschuh ebenfalls mit uns spricht und damit nicht nur Waffe, sondern auch Begleiter ist. Mit ihm schaffen wir es unterschiedliche Waffen aus dem uns umgebenden Sand zu beschwören und uns damit gegen die dunklen Kreaturen, die längt die Welt bevölkern, zur Wehr zu setzen und vielleicht sogar einen tyrannischen Gott zu stürzen…

Neben der spannenden Geschichte, deren Gespräche mit Charakteren ähnlich funktionieren, wie beim Mass Effect, indem wir durch unsere Antworten die Beziehungen zu den Personen stärken, schwächen, oder komplett verändern können, ist das Fortschritt- und Kampfsystem ein Kernelement. Das bietet nämlich nicht nur nach kürzester Zeit die Möglichkeit zum Sandsurfen, was wahrscheinlich jeder schon aus den Trailern kennt und womit wir die große, wenn auch nicht riesige Spielwelt, die in vier Bereiche aufgeteilt ist, schnell erkunden können. Ebenso entwickelt sich unser Kampfsystem kontinuierlich weiter und bietet viele Möglichkeiten zur Anpassung, indem wir insgesamt 150 Essenz-Steine finden und in unseren Handschuh aufnehmen können, um unterschiedliche aktive und passive Fähigkeiten, die über sechs Kategorien verteilt sind, freizuschalten. Weiter gibt es unterschiedliche Ausrüstung, die nicht nur optisch, sondern auch in Sachen Charakterwerte einen Ausschlag gibt.

(c) Deck 13 / Focus Entertainment

Spielerisch wandelt „Atlas Fallen“ wieder auf klassischen Pfaden eines Action-Rollenspiels und tauscht gleichzeitig der behäbige und eher taktische Kampfsystem eines Souls-Like gegen ein stylisches und schnelles Hack’n Slay, ähnlich wie bei Devil May Cry, oder den neueren Final Fantasy-Teilen, ein. Und das steht dem Spiel wirklich gut, denn das Souls-Like-Genre ist in den letzten Jahren schon fast inflationär bedient worden und das mal wirkte nicht immer wirklich stimmig, sondern sollte eher als Kaufanreiz für eingefleischte Fans des Genres dienen. Interessant empfand ich dabei, dass man vorhandene Gameplay-Mechaniken, wie Questmarker, Heiltränke, Flow, oder auch die Momentum-Leiste werden konkret von unserem sprechenden Handschuh, der übrigens auf den Namen Nyaal hört, thematisiert und sind damit nicht losgelöst, sondern Teil der Spielwelt.

(c) Deck 13 / Focus Entertainment

Und das Kampfsystem macht wirklich Spaß, denn es bietet mit drei unterschiedlichen Waffen, Peitsche zum Heranziehen von Gegnern, Dashes zum Ausweichen und Sonderattacken, die an die dreistufige Momentum-Anzeige gekoppelt sind, eine ganze Menge Möglichkeiten. Das macht nicht nur mächtig Laune, sondern sieht auch echt beeindruckend aus, wenn wir uns beispielsweise bei einem der Bosse derart in den Flow gekämpft haben, dass wir zwischen diversen starken Attacken gar nicht mehr den Boden berühren müssen, sondern nahtlos in einer schier unendlichen Kombo-Kette versinken. Das mag für Außenstehende zwar kompliziert anmuten, geht dabei aber überraschend leicht von der Hand, da die unterschiedlichen Kombos gut aufeinander abgestimmt sind und sich auf wenige Tasteneingaben beschränken.

(c) Deck 13 / Focus Entertainment

Nachdem das Spiel vorgestellt wurde war die Empörung deutscher Spieler zunächst groß, da es keine deutsche Sprachfassung geben sollte. Doch in dieser Beziehung hat man sich der Kritik angenommen, den Release nochmal verschoben und eine komplette Lokalisierung samt professioneller Synchronisation anfertigen lassen. Und auch wenn ich normalerweise Spiele, analog zum Film, eher im Original Spiele, kann ich hier die deutsche Fassung absolut und uneingeschränkt empfehlen, oder gar davon abraten das Spiel auf Englisch zu spielen, da die deutsche Fassung um einiges mehr Charakter hat. Das liegt zum einen an den wirklich toll geschriebenen Dialogen, wo einfach alles passt und zum anderen an den grandiosen Sprechern. Hervorzuheben sind dabei Oliver Rohrbeck und Martin Keßler, ihres Zeichens deutsche Stimmen Ben Stiller und Nicolas Cage, die zu den Mitstreitern unseres Helden werden und einige der wahrscheinlich erinnerungswürdigen Dialoge haben. Doch auch die anderen Sprecher machen ihre Arbeit wirklich super, nur einzelne Rollen fallen etwas ab, wenn es sich nicht um Profis, sondern Leute aus der Spieleszene handelt, was aber nichts Neues ist.

(c) Deck 13 / Focus Entertainment

Mitstreiter ist allerdings ein gutes Stichwort, denn „Atlas Fallen“ lässt sich nicht nur Solo, sondern auch im Co-Op spielen. Das Charakterlevel des höheren Spielers ist dabei die Maßgabe und der mit dem niedrigeren Charakterlevel wird für die Session auf das gleiche Level seines Partners angehoben, was aber nach der Session wieder zurückgeschraubt wird. Das stellt sicher, dass man mit jedem zusammenspielen kann, auch wenn man nicht gleichzeitig angefangen, bzw. unterschiedlich viel Zeit in das Spiel investiert hat, aber auch auf diese Weise kein dauerhaftes Level cheaten kann. Man kann dabei entweder mit Freunden spielen, nach offenen Sessions suchen, um mit Fremden zu spielen, oder wenn man seine Ruhe haben möchte, das Spiel auch komplett zumachen. Das Spiel unterhält auf jegliche Spielweisen und ist auch Solo sehr gut spielbar, was man nicht über alle Spiele dieser Art sagen kann.

(c) Deck 13 / Focus Entertainment

Insgesamt hatte ich wirklich meinen Spaß mit auf dem Wüstenplaneten. Im Vergleich mit anderen RPGs könnte es für einige Spieler etwas kurz geraten sein. Ich habe für mein Durchspielen in etwa 15-20 Stunden gebraucht und habe zwar nicht alle Nebenausgaben gemacht und auch nicht alle Sammelobjekte gesucht, aber das wird schätzungsweise auch keine signifikante Verlängerung darstellen. Allerdings muss man sich hier den Umfang der Entwicklung ins Gedächtnis rufen und dass es eben kein AAA-Spiel ist. Ich habe persönlich aber kein Problem mit der Spielzeit, sonst würde ich wahrscheinlich auch kein Call of Duty-Spiel mehr anrühren, da ich dort hauptsächlich die Kampagne spiele. Ich ziehe eine runde Präsentation ohne erkennbare Längen und eine passenden Inszenierung immer einer unendlichen Geschichte mit 99% Füllmaterial vor. Man sollte dem Spiel daher auf jeden Fall mal eine Chance geben, denn es zeigt eindrucksvoll, dass Deutschland sich langsam in Sachen Spieleentwicklung mausert.

Entwickler: Deck 13

Publisher: Focus Entertainment

Erhältlich auf: PC, PS5, Xbox Series X/S

NB@15.08.2023

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2 Antworten zu „PS5 Review: „Atlas Fallen“ #AtlasFallen“

  1. […] Piraten dabei den Mond einzunehmen und wir landen im Kreuzfeuer. Ähnlich wie erst kürzlich bei „Atlas Fallen“ kommen wir bei einer unserer ersten Missionen in Kontakt mit einem mysteriösen Artefakt, das […]

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  2. […] Focus Entertainment zusammengearbeitet, die mit „A Plague Tale Innocence„, „Atlas Fallen“ und „Atomic Heart“ schon mehrfach ihr Händchen für hochkarätige […]

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