Ich erinnere mich noch lebhaft an das erste Mal „Silent Hill 2“, damals auf der für mich noch sehr frischen PS2. Die Grafik war überwältigend, ich habe noch nicht einmal das Ende der ersten Cutscene bemerkt und wunderte mich warum James Sunderland gefühlt eine Ewigkeit regungslos in den Spiegel einer heruntergekommenen Raststätte blickte, bis ich bemerkte, dass das bereits das Spiel ist. Es war die Zeit, in der normalerweise ein erkennbarer Unterschied zwischen Zwischensequenz und Spielgrafik bestand, doch irgendwie hat es Entwickler Konami geschafft, diese Hürde zu überwinden.

Ich hatte zuvor nur wenig Berührungspunkte mit der Reihe, hatte den ersten Teil zwar einmal aus der Videothek ausgeliehen, aber bis dato nicht durchgespielt. Dennoch war ich der Fortsetzung unmittelbar verfallen, die auch ohne Vorkenntnisse spielbar war. Die Erfahrung des Spiels sollte nicht nur meine Liebe zu Horror, sondern insbesondere psychologischem Horror weiter zementieren und das Spiel stellt bis heute eines meiner All-Time-Favorites dar, das ich bis heute unzählige Male durchgespielt habe. Entsprechend gespannt war ich auf das Remake. Würde der Blitz zweimal einschlagen, oder würde es wohlmöglich das Erbe des 23 Jahre (!!!) alten Spiels verraten? Kann es den hohen Erwartungen gerecht werden? – Die Meinungen im Netz sprachen im Vorfeld eine ziemlich deutliche Sprache, aber ich wollte mir auf jeden Fall eine eigene Meinung bilden. Es wäre bekanntlich nicht das erste Mal, dass ich zu einem anderen Schluss als die breite Masse käme…

Nachdem das erste „Silent Hill“ bereits 2009/2010 ein quasi-Remake mit dem Spiel „Silent Hill: Shattered Memories“ bekommen hat und Konami das ursprünglich für die Reihe verantwortliche „Team Silent“ aufgelöst hat, hat man die Entwicklung an das polnische Entwicklerstudio Bloober Team übergeben, die sich in Horrorkreisen mit „Observer„, „The Medium“ und das Layers of Fear-Reihe bereits einen Namen gemacht haben. Und auch wenn diese Entscheidung kontrovers diskutiert wurde, versprach bereits die erste Ankündigung der Remake, die düstere Atmosphäre und den psychologischen Horror des Originals in die moderne Ära zu bringen.

Auch wenn man wahrscheinlich nicht mehr viele Worte über die Geschichte des Spiels verlieren muss, hier dennoch eine kurze spoilerfreie Zusammenfassung: „Silent Hill 2“ erzählt die düstere Geschichte von James Sunderland, der nach dem Erhalt eines mysteriösen Briefes von seiner verstorbenen Frau Mary in die unheimliche Stadt Silent Hill zurückkehrt. Dort wird er mit seinen tiefsten Ängsten und Schuldgefühlen konfrontiert, während er verzweifelt nach Antworten sucht. Die Stadt selbst ist ein labyrinthischer Albtraum, der von grotesken Kreaturen und verstörenden Rätseln bevölkert wird. Es folgt ein tiefer Abstieg in die psychologischen Abgründe von James’ Seele zieht.

Die Ankündigung des Remakes stieß zunächst auf gemischte Reaktionen. Viele Fans waren skeptisch, ob Bloober Team den hohen Erwartungen gerecht werden könnte, insbesondere angesichts ihrer bisherigen Spiele, die nicht von allen positiv aufgenommen wurden. Kritiker bemängelten die frühen Trailer, die nicht die gleiche düstere Atmosphäre wie das Original einfingen. Doch mit der Veröffentlichung des Spiels haben sich viele dieser Bedenken als unbegründet erwiesen. Das Remake hat es geschafft, die Atmosphäre des Originals einzufangen und gleichzeitig neue Elemente hinzuzufügen, die das Spielerlebnis bereichern.

Was Kennern des Originals aber ziemlich schnell auffallen dürfte ist, dass es sich nicht um ein 1:1 Remake, wie beispielsweis „The Last of Us Part 1“ handelt, sondern sich der anspruchsvollen Aufgabe annimmt, den Klassiker neu zu interpretieren, wie es beispielsweise bei „Resident Evil 2„, dem Primus in Sachen Remake, der Fall war. Zweifelsohne werden einige Veränderungen nicht jedem gefallen, so sind die fixen Kameraperspektiven beispielsweise einer modernen Over the Shoulder-Perspektive gewichen, es gibt mehr Kämpfe und einige grundlegende Elemente des Ganeplays wurden verändert. So bot das Original lange Passagen mit Backtracking, man konnte in manchen Rätseln unnötig lang festhängen, wenn man die kryptischen Hinweise verpasst oder übersehen hat und die Steuerung war manchmal unser größter Feind.

Gerade die Steuerung wurde komplett überarbeitet und bietet nun eine flüssigere Perspektive, die das Erkunden der nebligen Straßen von Silent Hill noch immersiver macht. Die Kämpfe sind zwar actionreicher, aber auch intensiver und fordernder, wobei das überarbeitete Kampfsystem mehr taktische Tiefe bietet. Man muss aber auch keine Angst haben, dass Silent Hill damit zur stumpfen „Ballerorgie“ verkommen ist, denn Rätsel und Erkundung stehen weiterhin im Mittelpunkt, wobei neue Elemente hinzugefügt wurden, um auch Veteranen der Serie zu überraschen. Nahezu unangetastet blieb der tolle Soundtrack von Akira Yamaoka, der ihm lediglich ein zeitgemäßes Update verliehen hat. Die Grafik wurde komplett überarbeitet und nutzt die Leistung der modernen Konsolen, um eine noch immersivere Erfahrung zu bieten. Wer bereits eine PS5 Pro sein Eigen nennt kann obendrein von einem Pro-Update Gebrauch machen, auch wenn das Spiel sich auch auf der normalen PS5 keinesfalls verstecken muss, zumal sich die Konsolen hauptsächlich in der Framerate unterscheiden. Auch auf der normalen PS5 ist die Grafik auf Referenzniveau, auch wenn man dafür Einschränkungen in der Framerate in Kauf nehmen muss.

Insgesamt hatte ich wirklich viel Spaß mit dem Spiel. Das Remake von “Silent Hill 2” ist eine gelungene Neuinterpretation eines Klassikers. Bloober Team hat es geschafft, die Essenz des Originals zu bewahren und gleichzeitig moderne Gameplay-Mechaniken und Grafikstandards zu integrieren. Trotz anfänglicher Skepsis hat das Spiel die Erwartungen vieler Fans übertroffen und bietet sowohl Veteranen als auch Neulingen ein packendes Horrorerlebnis. Es gibt viele Remakes von klassischen Spielen, bei denen man sich wahrhaft über deren Daseinsberechtigung den Kopf zerbrechen kann, doch „Silent Hill 2“ gehört auf jeden Fall nicht dazu. Es bietet dem heutzutage zwar immer noch guten, aber mechanisch angestaubten Klassiker mehr als ein modernes Gewand, sondern bereits jetzt einen modernen Klassiker und einen starken Anwärter für eins der besten Spiele des Jahres. Fans von psychologischem Horror oder Silent Hill im Allgemeinen können Bedenkenlos zugreifen!
Entwickler: Bloober Team
Publisher: Konami
Erhältlich auf: PC, PS5
Getestet auf: PS5
NB@21.11.2024
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