Was kommt heraus, wenn man Kunio-kun mit chinesischer Literatur vermischt? So etwas wie „River City Saga: Journey to the West“, eine Kombination des Prototyp des klassischen Action-RPG mit Brawler-Elementen mit dem Literaturklassiker „Die Reise nach Westen“. Ursprünglich bereits 2016 auf dem 3DS erschienen, ist nun eine umfanreich überarbeitete Version für PC und Konsolen erschienen. Die ungewöhnliche Kombination aus fernöstlicher Mythologie und dem typischen Humor der Kunio-kun-Reihe wirft schnell die Frage auf, ob dieses vergleichsweise unbekannte Spin-off auch Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung noch überzeugen kann oder heute eher wie ein Relikt vergangener Handheld-Zeiten wirkt.

Die Geschichte versetzt den bekannten Serienhelden Kunio in eine fantasievolle Version des alten Chinas. Dort übernimmt er die Rolle von Sohn Goku und begleitet den Mönch Sanzo auf einer gefährlichen Pilgerreise. Schon früh wird klar, dass die Vorlage zwar als Fundament dient, das Spiel sie aber mit einer gehörigen Portion Selbstironie und typischem River City-Humor interpretiert. Bekannte Figuren erhalten völlig neue Rollen, Dialoge nehmen sich selten allzu ernst und immer wieder lockern kleine Gags die Handlung auf.

Trotz der humorvollen Inszenierung bleibt der Kern der Geschichte erhalten. Dämonen bedrohen das Land, zahlreiche Gegner stellen sich der Reise in den Weg und immer wieder gilt es, neue Verbündete zu finden oder Hindernisse zu überwinden. Die Handlung entwickelt sich angenehm geradlinig und verzichtet auf unnötige Komplexität. Wer den Roman kennt, entdeckt zahlreiche Anspielungen, Vorwissen ist jedoch nicht erforderlich. Statt eines epischen Rollenspiels erwartet Spieler vielmehr ein sympathisches Abenteuer, das klassische Motive mit dem unverwechselbaren Charme der Reihe verbindet.

Spielerisch präsentiert sich das Abenteuer als Mischung aus Side-Scrolling-Brawler und leichtgewichtigem Action-RPG. Städte dienen als Ausgangspunkte, während sich dazwischen lineare Gebiete mit Gegnergruppen, kleineren Labyrinthen und Bosskämpfen erstrecken. Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab und orientieren sich deutlich an den klassischen Prügelspielen der Serie.

Schläge, Tritte, Spezialtechniken und Wurfangriffe gehen flüssig von der Hand. Mit zunehmendem Spielfortschritt sammeln die Figuren Erfahrungspunkte, steigen im Level auf und schalten neue Fähigkeiten frei. Ergänzt wird das Kampfsystem durch Ausrüstung, Heilgegenstände und unterschiedliche Statuswerte, wodurch der Rollenspielanteil zwar überschaubar bleibt, dem Spiel aber dennoch zusätzliche Motivation verleiht.

Immer wieder tauchen kleinere Nebenaufgaben auf, Händler verkaufen neue Ausrüstung und in versteckten Bereichen warten optionale Belohnungen. Dadurch entsteht ein angenehmer Spielfluss, ohne den Spieler mit endlosen Aufgabenlisten zu überfordern. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich über weite Strecken im moderaten Bereich, verlangt in einigen Bosskämpfen jedoch durchaus Aufmerksamkeit. Gelegentlich macht sich das ursprüngliche Handheld-Design bemerkbar: Manche Laufwege wirken unnötig lang, Questziele könnten klarer kommuniziert werden und einige Spielsysteme erscheinen heute etwas altmodisch. Trotzdem bleibt das Gameplay dank seiner unkomplizierten Struktur erstaunlich motivierend und lädt immer wieder zu einer weiteren Etappe der Reise ein.

Besonders angenehm fällt auf, dass das Spiel kaum Leerlauf erzeugt. Neue Gegner, frische Fähigkeiten und abwechslungsreiche Schauplätze sorgen regelmäßig für kleine Erfolgserlebnisse. Wer klassische Beat-‚em-ups mit RPG-Elementen schätzt, findet hier einen angenehm entschleunigten Vertreter des Genres, der weder überfordert noch künstlich in die Länge gezogen wirkt.

Optisch setzt das Spiel konsequent auf detaillierte Pixelgrafik im Stil der klassischen Kunio-kun-Reihe. Charakteranimationen sind liebevoll gestaltet und transportieren den bekannten Slapstick-Humor hervorragend. Gleichzeitig sorgt das chinesisch inspirierte Setting für deutlich mehr Abwechslung als viele andere Ableger der Serie. Tempel, Berglandschaften, Wälder und Dörfer vermitteln eine angenehm märchenhafte Atmosphäre, ohne den nostalgischen Charme der Pixeloptik zu verlieren.

Die Neuveröffentlichung erhöht vor allem die technische Qualität. Das Bild wirkt auf modernen Displays deutlich schärfer, Ladezeiten fallen kurz aus und auf der getesteten PlayStation 5 läuft das Abenteuer durchgehend flüssig. Inhaltlich bleibt die Umsetzung jedoch eng am Original, weshalb sich die Präsentation stellenweise ihrem Alter nicht vollständig entziehen kann. Einige Benutzeroberflächen und Menüs erinnern unverkennbar an ihre Herkunft vom Handheld.

Der Soundtrack verbindet traditionelle asiatische Klänge mit den bekannten eingängigen Melodien der Reihe und begleitet das Geschehen stimmungsvoll. Soundeffekte verleihen den Kämpfen das nötige Gewicht, während die Musik stets angenehm im Hintergrund bleibt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Eine vollständige Sprachausgabe gibt es nicht, was angesichts der Retro-Ausrichtung jedoch kaum negativ ins Gewicht fällt.

Da es sich um eine Neuauflage des ursprünglich für den Nintendo 3DS erschienenen Spiels handelt, stehen vor allem technische Anpassungen im Mittelpunkt. Die höhere Auflösung, moderne Plattformunterstützung und die flüssigere Performance sorgen dafür, dass sich das Abenteuer heute deutlich angenehmer spielen lässt. Größere spielerische Erweiterungen oder inhaltliche Veränderungen bleiben hingegen aus. Wer das Original bereits kennt, erhält daher vor allem eine komfortablere Version für aktuelle Systeme, während Neueinsteiger erstmals unkompliziert Zugang zu diesem eher unbekannten Ableger der Reihe erhalten.

Entwickelt wurde das Spiel von Arc System Works, einem Studio, das vor allem durch hochwertige Prügelspielserien wie Guilty Gear, BlazBlue oder Dragon Ball FighterZ internationale Bekanntheit erlangte. Gleichzeitig pflegt das Unternehmen seit Jahren die traditionsreiche Kunio-kun-Marke und hat zahlreiche ältere Ableger modernisiert oder erstmals außerhalb Japans veröffentlicht. Publisher der Neuauflage ist ebenfalls Arc System Works, wodurch Entwicklung und Veröffentlichung vollständig in einer Hand liegen. „River City Saga: Journey to the West“ reiht sich damit in die Bemühungen des Studios ein, auch weniger bekannte Kapitel der Seriengeschichte einem internationalen Publikum zugänglich zu machen.

Insgesamt ist „River City Saga: Journey to the West“ zwar kein spektakuläres Rollenspiel und auch keine Revolution innerhalb der Reihe, aber es unterhält dennoch ungemein. Den Spieler erwartet ein charmantes, humorvolles Abenteuer, das klassische Brawler-Mechaniken mit einer ungewöhnlichen Interpretation der chinesischen Mythologie verbindet. Einige Designentscheidungen verraten zwar deutlich die ursprüngliche Handheld-Herkunft, doch genau darin liegt auch ein Teil seines nostalgischen Reizes. Wer Freude an Retro-Action, Pixelgrafik und unkompliziertem Gameplay hat oder die River City-Reihe abseits ihrer bekanntesten Ableger kennenlernen möchte, findet hier ein sympathisches Abenteuer, das auch Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch seinen ganz eigenen Charme entfaltet. Gerade Fans klassischer Beat-‚em-ups sollten diesem etwas ungewöhnlichen Serienausflug eine Chance geben.

Entwickler: Arc System Works
Publisher: Arc System Works
Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Nintendo Switch
Getestet auf: PS5

NB@16.07.2026

——— Hinweise & Disclaimer: ———


Zur Erstellung dieses Reviews wurde uns vom Publisher ein unentgeltlicher Key für das Spiel zur Verfügung gestellt. Wir danken vielmals für die Unterstützung, weisen aber darauf hin, dass dieser Umstand keine Auswirkung auf unsere Bewertung hat!


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