Ich bin ein wirklicher Fan der Castlevania-Reihe, sowohl der klassischen Jump n Run-Varianten, aber auch der seit „Symphony of the Night“ zum Synonym gewordenen Metroidvanias. Zu zwei der besten Vertreter der jeweiligen Ausrichtung gehören sowohl „Rondo of Blood“, wie auch der direkte Nachfolger „Symfony of the Night“, die beide allerdings heute sehr schwer zu bekommen sind und bei Sammlern horrende Preise hervorrufen. Doch nun gibt es mit „Castlevania Requiem“ eine Neuauflage exklusiv für PS4, die beide Spiele portiert und remastered anbietet. Ich habe mir aus eben dieser Sammlung das erste Spiel der Reihe, „Rondo of Blood“ mal genauer angesehen und berichte nun für euch davon.

Das Spiel ist ursprünglich nur auf der PCEngine, bzw. dem TurboGrafx16 im Westen, auf CD veröffentlicht worden. Hierzulande ist das Spiel aus diesem Grund eher unbekannt (gewesen), was es umso erfreulicher macht, dass es nun endlich eine Neuauflage gibt. Bevor sich jetzt jemand beschwert, ja mir ist bekannt, dass es auch eine Version auf das SNES und der PSP gab, aber beide Versionen unterscheiden sich vom Original. Auf dem SNES ist unter dem Titel „Castlevania – Vampire’s Kiss“ zwar ein auf den ersten Blick sehr ähnliches Spiel veröffentlicht worden, doch das Spiel weist einige inhaltliche Änderungen auf und ist daher im Grunde nicht mehr als Port zu sehen. Und auf der PSP gab es innerhalb der „Dracula X Chronicles“ zwar ein Remake in 2,5D mit Polygonen, doch die Originalversion war nur als verstecktes Extra enthalten. Und so kommen wir wieder zurück zu „Rondo of Blood“, dass nun das erste Mal offiziell in seiner Urform veröffentlicht wurde. Zwar gibt es im Vergleich zur TurboGrfx16-Version eine neue Synchronisation, die von der PSP-Version übernommen wurde, aber davon abgesehen ist das Spiel 1:1 wie das Original von damals mit klassischen Grafiken und Musik.

Von vielen wird das Spiel von Konami immer als das Bindeglied zwischen  dem klassischen Castlevania und dem Castlevania mit RPG-Einflüssen bezeichnet, was auch treffender nicht sein könnte, da „Rondo of Blood“ Elemente aus beiden Welten beinhaltet. Zwar handelt es sich bei dem Spiel noch um ein klassisches Jump n Run, bzw. hier eher Jump n Peitsch-Spiel, doch es wartet bereits mit einigen Elementen der Nachfolger, in Form von alternativen Routen oder der Möglichkeit den Charakter zu wechseln, der dann andere Fähigkeiten mitbringt. Da die Areale somit mehr zum Erkunden einluden hat man sich auch vom Timer, der vorherigen Teile verabschiedet, um dem Spieler die Zeit zum Erkunden zu geben. Diese Alternativen Routen sorgen dafür, dass man teilweise in komplett andere Areale kommt und mitunter sogar dafür, dass man einige Areale, Gegnertypen oder Bosse gar nicht zu Gesicht, bzw. dafür andere sieht. Das ist zwar nicht mit der spielerischen Freiheit des Nachfolgers gleichzusetzen, aber entfernte sich doch signifikant von der strikt linearen Formel, die „Castlevania“ auf dem NES etabliert hatte.


Wir spielen auch in diesem Teil der Reihe einen Belmont, Richter Belmont, der mit der Peitsche, dem Vampire Killer, gegen Dracula und sein Gefolge aus allerlei Monstern, wie einen riesigen Minotaurus, Zombies, Skelette, Werwölfe, Frankenstein-Monster und sogar den Gevatter Tod höchstpersönlich, in dem Kampf zieht. Dieses Mal ist der Belmont sogar persönlich getrieben, denn Dracula hat seine Freundin Annette entführt, die Richter unbedingt zurückhaben möchte…

Da es sich beim CD-Add-On der PCEngine um eine sehr viel leistungsfähigere Konsole handelte, als es davor gab, konnte neben aufwendigeren Hintergründen und Animationen auch ein CD-Soundtrack und vollanimierte und vertonte Cutscenes in das Spiel implementiert werden. Die Cutscenes sind dabei ein besonderes Highlight, da diese in liebevoller Anime-Grafik umgesetzt wurden, die bis dato im Westen noch nicht so verbreitet waren. Natürlich sind die Charaktere dabei überzeichnet und die Dialoge teilweise etwas hölzern, aber dennoch hat diese Form des Storytellings einen besonderen Charme, der das Spiel gleich in einem anderen Licht erscheinen lässt, da er mit den (westlichen) Konventionen der Action bricht. So ist Richter kein Muskelprotz à la Arnold Schwarzenegger, was damals als Prototyp des Actionhelden galt, sondern eine (heute gängigere) Form des Actionhelden, der eher durch sein Können, anstatt bloßer Muskelkraft versucht zu überzeugen. So hat Richter nämlich einige interessante Moves im Repertoire, die es ihm erlauben akrobatische Sprünge, wie zum Beispiel einen Backflip oder auch einen Slidemove durchzuführen, während er sich den Monstern entgegenstellt. Zusätzlich kann er auch auf Treppen hinauf und herunterspringen ohne dabei wie mit Pattex festgeklebt allen angriffen ausgeliefert zu sein, ein Zusatz den es vorher in der Reihe leider immer gab.

Auch in Punkto Umgebung, Abwechslung merkt man die zusätzliche Rechenleistung: Die Handlung beschränkt sich auch nicht ausschließlich auf das Schloss von Dracula, sondern wir befinden uns in einem Prolog sogar direkt in einem Kampf mit dem Tod persönlich, den wir bekämpfen müssen während wir auf einer rasenden Kutsche durch die stürmische und verregnete Nacht reiten. Auch danach wird es nicht wirklich angenehmer, denn die erste Stage führt uns dann durch das Umland des Schlosses, mit brennenden Ortschaften und dunklen Waldwegen, bevor wir den Eingang des Schlosses finden und der Kampf damit erst richtig los geht. Nicht nur des Auge bekommt durch die CD-Technik einiges geboten, sondern auch die Ohren: Der Soundtrack ist ebenfalls wirklich gut geworden und auch kann schon fast als eine Art von Best of aus der Reihe gesehen werden, denn viele ikonische Themen aus den Vorgängern wurde hier in überarbeiteter und massiv verbesserter Form untergebracht.

Optional kann man auch insgesamt vier unterschiedliche Damen auf dem Weg zu Dracula finden und retten. Das ist zwar im Grunde komplett optional, erweist sich aber gerade im Fall der ersten Dame, namens Maria Renard, als ein massiver Vorteil, wenn man sie findet und befreit: Denn danach können wir sie als spielbaren Charakter auswählen und mit ihr weiterspielen. Sie hat zwar keine Peitsche, aber dafür einige interessante Zauberkräfte mit größerer Reichweite im Gepäck und kann einen Doppelsprung ausführen, der das Spielprinzip um einiges leichter macht, als mit Richter. Dieser Wechsel kann natürlich auch wieder rückgängig gemacht werden, denn machen wir uns mal nichts vor, man kämpft lieber als ein Belmont gegen Dracula, anstatt mit einem kleinen Zaubermädchen. Aber das Spiel gibt uns immerhin die Option…

Doch auch abseits des Spiels als Maria ist das Spiel im Vergleich zu anderen Spielen der Reihe um einiges leichter geworden, was nicht bedeuten soll, dass wir komplett ohne Aufwand bis zu Dracula kommen. Ganz im Gegenteil, die Gegner agieren sogar “schlauer”, als für gewöhnlich und reagieren auf uns als Spieler. Doch die unfairen Elemente, die auf unzureichendes Stagedesign zurückzuführen sind, sind kaum noch vorhanden. So fallen wir wenn wir in einen Abgrund fallen nicht zwangsläufig in den Tod, sondern landen unter Umständen in neuen Arealen, aus denen wir dann weiter gehen können. Das in Kombination mit der Möglichkeit auch als Maria quasi einen leichteren Modus im Spiel zu haben sorgt dafür, dass hier mehr Spieler das Ende erreichen können, als beispielsweise bei „Castlevania 3: Dracula’s Curse“, was als eins der schwersten Spiele der Reihe angesehen wird…

Wer das Spiel bisher noch nicht kennt, oder es gerne zu seiner Sammlung hinzufügen möchte, ohne hunderte Euro für eine PCEngine und das Spiel auszugeben, dem kann ich das „Castlevania Requiem“ nur wärmstens ans Herz legen, denn in diesem Paket bekommt nicht nur eins, sondern gleich zwei der besten Teile der Reihe.

Castlevania Requiem: Symphony Of The Night & Rondo Of Blood_20181117225951

NB@19.11.2018