Eigentlich sollte ich seit dem 22.11. schon die Remastered-Version von „Toki“, das gerade in einer tollen Neuauflage für die Nintendo Switch erschienen ist, in den Händen halten. Aber es gibt wohl seitens des Herstellers ein paar Lieferprobleme, weswegen ich zur Überbrückung nochmal auf eine alte Auflage in meiner Sammlung ausgewichen bin: „Toki: Going Ape Spit“ für den Sega Mega Drive. Das Spiel ist eine Umsetzung des gleichnamigen Arcade-Automaten und bietet für Sega’s 16-Bit-Konsole eine ordentliche Umsetzung mit schicker Grafik und einigen netten Details.

Viele kennen als Heimumsetzung lediglich die Umsetzung für das NES, die aber im direkten Vergleich mit der Arcade um einiges leichter, abgewandelt und kürzer ausgefallen ist. Die NES-Version kann man ohne größere Probleme in einer halben Stunde beenden, was bei der Mega Drive-Version nicht so einfach möglich ist. Das Spiel orientiert sich sehr eng an der Arcade, ist um ein vielfaches länger und auch schwerer, als die NES-Version. Gegensatz zur NES-Version, die gerade mal aus 6 Leveln bestand, gibt es hier 9 Welten à jeweils 3 Level (= 27 Level), die es zu bewältigen gibt. Dabei unterscheiden sich die Levels pro Welt stark voneinander und warten am Ende jeweils mit einem Bosskampf auf, die dem Spieler einiges abverlangen und nur die härtesten werden es wahrscheinlich schaffen das Ende zu sehen. Der Port wurde entgegen anderer Portierungen von Tad Corporation, die auch als Studio und Publisher hinter dem Arcade-Original stehen, in Zusammenarbeit mit Sega umgesetzt, um ein möglichst authentisches Arcade-Gefühl zu erzeugen und erschien im Jahr 1991, knapp 2 Jahre nach der Veröffentlichung der Version aus der Spielhalle..

Aber warum geht es eigentlich? – Wir spielen den namensgebenden Toki, der zwar auf dem Cover ein Affe ist, aber vorher ein Höhlenmensch. Er hatte ähnlich, wie Arthur bei „Ghosts n Goblins“ oder Master Higgins in „Adventure Island“ gerade ein nettes Date mit seiner Freundin Wanda, das von einem Bösewicht jäh unterbrochen wird, indem dieser Bösewicht, namens Stark einfach die Freundin von Toki entführt und ihn zu allem Überfluss auch noch in einen Affen verwandelt. Doch Toki denkt sich nur „da laust mich doch der Affe“ und eilt sofort hinterher, um Wanda zu retten und den Zauber umzukehren…

Da Toki kein gewöhnlicher Affe ist, hat er eine besondere Kraft zur Verteidigung in petto: Seine Spucke. Damit verschießt er in rasender Geschwindigkeit kreisrunde Projektile, die er in bester Sidescroller Run-and-Gun-Manier auf alles loslässt, was sich ihm in den Weg stellt. Denn auch wenn das Spiel auf den ersten Blick wie ein typischer Sidescroller aussieht, ist es im Grunde ein waschechter Shooter mit Sprungpassagen. Das Geschehen scrollt (größtenteils) von links nach rechts und wir steuern unsere Spielfigur durch Dschungel- und Tempelareale mit Abgründen, unterschiedlichen Verzweigungen und einer schier endlosen Menge an Gegnern. Hier müssen wir uns besonders in Acht nehmen, denn jede falsche Bewegung kann zum sofortigen Ableben führen, denn das Spiel hat keine Gnade für uns als Spieler, indem es für Toki keine Lebensanzeige gibt und er bei einem Treffer stirbt. Alles was wir haben sind unsere Fähigkeiten ans Ausweichen und unsere Spucke, die über Leben und Tod entscheiden. Dabei lässt sich die Spuck-Kraft ähnlich wie bei anderen Shoot-em-ups auch upgraden und erweitern, was das Spiel zwar stellenweise etwas leichter, aber nie wirklich leicht macht. Leider fehlt in dieser Version ein kleiner optischer Zusatz in Form eines Football-Helms, der dem Spieler kurzzeitige Unverwundbarkeit bescherte. Den Effekt gibt es zwar immer noch durch das Einsammeln von gelben Sternen, aber die es sah in der Arcade-Version schon lustig aus, wenn unser Avatar einen Helm aufhatte.

Sieht man von diesem kleinen Kritikpunkt und der wirklich brachialen Schwierigkeit ab, gibt es im Grunde nichts wirklich an dem Port auszusetzen. Besonders von der technischen Seite macht das Spiel eine besonders gute Figur und beeindruckt mit Grafiken, die nahezu an die Arcade herankommen, was in der damaligen Zeit im Vergleich zwischen Arcade- und Heimversionen eher die Seltenheit war. Die Levels sind detailreich und sehr unterschiedlich, überzeugen durch leuchtende Farben, sind Abwechslungsreich und laufen durchweg flüssig, auch wenn mal viel los auf dem Bildschirm ist. Die Musik ist gut, wenn sich die Tracks leider immer wieder wiederholen. Das ist wahrscheinlich den Limitierungen an Speicherplatz geschuldet und man hat einen etwas umfassenderen Soundtrack zu Gunsten eines größeren Umfangs an Leveln (und somit auch Bossgegnern) geopfert. Die letzteren sind zweifelsfrei die Highlights einer jeden Stage und bieten einige Abgedrehte Ideen, von einem Kristall-Mammut über einen riesiges U-Boot im Unterwasserlevel bis hin phantastischen Kreaturen, die man kaum in Worten beschreiben kann.

Wer eine wirkliche Herausforderung in einem spaßigen Shooter mit abgedrehten Ideen sucht, sollte „Toki: Going Ape Spit“ durchaus mal eine Chance geben, denn das Spiel ist auch 17 Jahre nach seinem Release wirklich noch sehr unterhaltsam, wenn man sich von dem brachialen Schwierigkeitsgrad nicht abschrecken lässt. Und ich bin persönlich sehr gespannt, wie viel von dieser Version sich in dem Remaster für die Switch wiederfinden wird…

NB@27.11.2018