Eins muss man Nintendo ja wirklich lassen, sie stecken viel in ihre Smash Bros.-Serie und liefern den Fans mit dem aktuellen Teil „Super Smash Bros. Ultimate“, das gerade für die Nintendo Switch erschienen ist, ein echt schickes Gesamtpaket ab, das sowohl langjährige, wie auch neue Fans mehr als zufrieden stellen sollte. Allein wenn man die nackten Zahlen auflistet wird deutlich, dass hier richtig viel drin ist und der Zusatz „Ultimate“ nicht nur Augenwäscherei ist:

  • Über 70 Kämpfer aus den Unterschiedlichsten Videospielen, seien sie von Nintendo selbst („Super Mario Bros.“, „The Legend of Zelda“, „Kirby“, etc.) oder auch aus anderen („Street Fighter 2“, „Pokémon“, „Metal Gear Solid“, „Final Fantasy“, etc.), zzgl. teilweise auch in farblich Variationen
  • 108 Stages aus den Spielen, die Vorlage für die Charaktere standen
  • 1300 Geistercharaktere, die zusätzlich als Unterstützung herbeigerufen, bzw. ausgerüstet werden können
  • Ein Singleplayer-Abenteuer-Modus mit einer Spielzeit von > 20 Stunden
  • Online- und Offline-Kämpfe für bis zu 8 Spieler

Muss ich noch mehr erzählen oder spricht diese sehr reduzierte Aufzählung nicht schon genug Bände? – Allein wenn man das liest klingt es an sich schon außergewöhnlich, was Nintendo da zusammengeschnürt hat, aber wenn man es selbst erlebt ist es dann sogar noch einen Tick besser, was sogar schon bei den erhältlichen Editionen anfängt. Denn neben der mittlerweile gängigen normalen Retail- und Downloadversion, gibt es auch eine wirklich tolle Limited Edition, den ausnahmsweise mal wirklich tolle Add-Ons enthält. Sie kommt in einer großen Kartonverpackung im schicken Design. Öffnet man die Packung sieht man zuerst das Spiel in einer Halterung und auf der Innenseite der Packung ein beeindruckendes Bild mit allen verfügbaren Kämpfern. Entfernt man die Halterung mit dem Spiel offenbart sich in der unteren Etage der Box noch ein limitierter Gamecube-Controller, sowie ein Adapter für den Anschluss an die Switch, der es erlaubt insgesamt 4 Gamecube Controller an die Switch anzuschließen, da der Gamecube-Controller für viele immer noch als die beste Art ein Spiel der Smash Bros.-Reihe zu spielen gilt. Ich bin da zwar nicht so penibel, konnte aber dennoch bei diesem Gesamtpaket nicht wiederstehen, zumal es nur wenig teurer war, als die normale Edition und im Gegensatz einiges mehr her macht. Auf den Inhalt des Spiels hat das aber selbstverständlich keiner Einfluss.

Wer bisher noch keine Berührungspunkte mit der Serie hatte, den hole ich mal kurz ab. Die Serie gibt es im Grunde seit dem Gamecube und sie ist ein Prügelspiel mit Fokus auf die unterschiedlichsten Charaktere aus der Videospielgeschichte, ähnlich wie die Marvel vs Capcom-Serie von Capcom, die sowohl Charaktere aus den eigenen Videospielen mit Comiccharakteren aus dem Marvel-Universum vermischt oder wie es Sony mit „PlayStation All-Stars“ umgesetzt hat, obwohl dort das Grundgerüst des Spiels leider nicht so gut war. Nintendo vermischt ihre eigenen Charaktere, wie zum Beispiel Mario, Link, Kirby, Samus oder Fox mit anderen Charakteren, die man dafür gewinnen konnte, wie zum Beispiel Sonic aus der Sonic the Hedgehog-Reihe, Simon Belmont aus Castlevania, Snake aus Metal Gear Solid und viele weitere. Diese Charaktere bekämpfen sich dann entgegen anderer Prügelspiele in einer eher Vertikal ausgerichteten Arena und das Ziel ist es den Gegner aus der Arena zu befördern. Denn es gibt keine klassische Lebensleiste, sondern eine %-Anzeige, die steigt, je nachdem wie viele Treffer man eingesteckt hat. Je höher der Wert ist, desto weiter wird man bei Treffern geschleudert, was dann eben auch der Todesstoß aus der Arena heraus sein kann. – So simpel das Spielprinzip dabei klingt, schafft das Spiel damit dennoch zwei Extreme des Spektrums anzusprechen: Die Gelegenheitsspieler, die nur ein schnelles Match spielen wollen, ohne vorher etliche Tutorials zu durchlaufen und Tastenkombinationen zu lernen und die Kehrseite der Medaille, die die daraus eine Wissenschaft mit Hingabe, Planung und Präzision machen wollen. – Und komischerweise scheint es für beide gleichermaßen zu funktionieren.

Denn auch wenn es überaus einfach ist einfach loszuspielen, da man für die Steuerung im Grunde nur wenige Knöpfe braucht und ohne Probleme mit dem Stick zur Steuerung, einem Sprungknopf (was auch wahlweise über den Stick geht), sowie einen leichten und eine schweren Schlag zurechtkommt. Wer tiefer einsteigen möchte kann auch Spezialattacken oder Kombinationen mit Blocken und Würfen erlernen, die einem über das Menü aufgelistet werden, was je nach Präferenz gemacht werden kann. Und die meisten wird man dabei wahrscheinlich sogar zufällig ausführen, da keiner der Specialmoves annähernd so schwer durchzuführen ist, wie bei „Street Fighter 2“ oder einem Ableger der Mortal Kombat-Reihe. Dazu kommt noch der Fakt, dass die Kämpfe ohne den klassischen Lebensbalken ablaufen und am Ende der gewinnt, der den Gegner aus dem Ring katapultiert. Zusätzlich kann man seinen eigenen Kämpfer auch durch das Hinzufügen von Geistern (die teilweise als Unterstützung und teilweise als besondere Fähigkeiten, wie zum Beispiel Verstärkung des Schlages, Immunität gegen Feuer, etc. angewandt werden) oder zufallsgenerierte Helfer und Items (wie zum Beispiel Schwerter, Laserpistolen, etc.), die in der Arena sind aufwerten und so den Kampf zu den eigenen Gunsten beeinflussen. Hier ist der Frust im Vergleich zu normalen Prüglern auch gegen erfahrene Spieler nicht so groß, da mehr über Gewinn oder Verlust entscheidet, als das blose Spammen von Specialmoves…

Insgesamt stehen für die spaßigen Prügeleien eine Vielzahl unterschiedlicher Einstellungsmöglichkeiten, die von simplen Zeitlimits über Anzahl von Spielern und CPU-Gegnern, über hinterlegte Leben und weitere Bedingungen des Kampfes (wie zum Beispiel verlangsamte Sprünge, etc.) reichen. Besonders interessant fand ich dabei die Möglichkeit des Arena-Morphens, denn so kann man nicht nur eine Kampfarena auswählen, sondern zwei und mitten im Kampf wechselt die Arena dann plötzlich in eine andere, auf die man dann noch gar nicht eingestellt ist. Und da insgesamt 108 unterschiedliche Arenen zur Verfügung stehen wird einem dabei nicht wirklich schnell langweilig. Einzig was manchmal wirklich nerven kann ist, wenn man eine bestimmte Stage sucht und sie in der überwältigenden Auswahl nicht findet, denn eine Möglichkeit zur Sortierung nach Spiel der Herkunft oder ähnliches gibt es leider nicht. Aber da es sich dabei wirklich um ein erste-Welt-Problem handelt, darf sowas eigentlich gar nicht ins Gewicht fallen.

Ähnlich verhält es sich mit den Charakteren, von denen es diesmal stattliche 74 an der Zahl gibt (bzw. +/- eine Handvoll, je nachdem ob man Variationen, wie Echos,  dunkle Versionen mitzählt oder nicht) und somit auch alle verfügbaren Charaktere aus den vorherigen Spielen vereinen. Im Vorfeld der Veröffentlichung ist diesbezüglich schon Kritik aufgekommen, denn beim initialen Start des Spiels stehen lediglich 8 davon direkt zur Verfügung und den Rest müssen wir erst freispielen. Da es aber gleich mehrere Wege gibt diese Charaktere freizuspielen und das auch kein Hexenwerk ist, sondern eher so nebenbei während man das Spiel spielt passiert, verstehe ich nicht so genau wo das Problem ist. Man schaltet Charaktere entweder über 1:1 Matches gegen den CPU frei, im Classic-Mode, der eine quasi eine Form der Singleplayer-Arcade-Ladder ist oder über den neuen Adventure-Modus, die World of Light, die eine ausgefleischte Kampagne bietet. – Allein, wenn man sich ein wenig mit dem Spiel beschäftigt und verschiedene Modi ausprobiert hat man in Windeseile einen Großteil der Charaktere freigeschaltet. Wem das noch nicht genug ist der kann auch weitere Charaktere und Stages als DLC-Pakete über den eShop nachkaufen, Dabei ist bisher zwar nicht bekannt, um welche es sich dabei genau handeln soll, aber Nintendo wird weitere Infos dazu bekanntgeben, bevor im neuen Jahr mit dem Verkauf begonnen werden soll.

Zusätzlich zur Auswahl des Charakters, die zwangsläufig, passend zum Charakter auch mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet sind (z.B. hat Simon Belmont aus Castlevania seine Peitsche und Samus aus Metroid ihren Blaster) können wir auch durch das Ausrüsten von Geistern, die entweder unterstützende Charaktere, aber auch Items aus anderen Spielen sein können unsere Fähigkeiten massiv beeinflussen, was schon fast RPG-Züge mit sich bringt. Vor jedem Match sollte man daher ganu überdenken, wie wir unseren Charakter ausstatten. Immerhin gibt uns das Spiel dabei im Adventure Modus auch Hinweise, wenn unsere Auswahl gegen den Feind gar nicht effektiv ist und wir die Selektion besser überdenken sollten. Diese Geister und Items bekommen wir zwar auch über das normale Spielen, aber am effektivsten ist dafür der komplett neue Abenteuer-Modus, die World of Light, die für sogar mit einer ausgefleischten Story daherkommt. Und die beginnt für Nintendo-Verhältnisse auch ungewohnt düster, denn eine düstere Bedrohung hat das Land befallen und alle Kämpfer ausgeschaltet und gefangengenommen, was in einer wunderschönen und aufwendigen Introsequenz sehr imposant inszeniert wird. Niemand scheint mehr in der Lage sein die Welt zu retten, hätte es nicht einen kleinen Fehler im Programm gegeben, einen kleinen rosafarbenen, kugeligen Fehler in Form des knuddeligen Kirby, der den Überfall als einziger unbeschadet überstanden hat und sich allein in einer feindlichen Welt wiederfindet.

Kirtby findet sich in einer Oberwelt wieder, die von unterschiedlichen linearen Wegen durchsäht ist und von uns nach und nach freigeschaltet wird. Dabei sehen wir am Anfang nur einen winzig-kleinen Teil der Karte und schalten mit unserem Fortschritt immer mehr Bereiche frei. Auf unserem Weg kommen wir immer wieder an Knotenpunkte, an denen wir uns einem Kämpfer stellen müssen. Dabei handelt es sich um Klone unserer Freunde, die von bösen Geistern gesteuert werden. Besiegen wir den Gegner schalten wir weitere Wege in der Welt, Geister und auch Kämpfer frei, die wir dann in den anderen Modi verwenden können. Damit die Kämpfe nicht zu eintönig werden haben sich die Entwickler hier einiges einfallen lassen und liefern uns auch jede Menge fiese Tweaks in den Kämpfen. So kann es sein, dass der Boden der Arena aus Eis besteht, an dem wir fest-eisen, wenn wir stillstehen oder dass wir verlangsamt springen oder unser Gegner doppelt so groß ist, wie wir. Weiter gibt es auch kleinere Dungeon-ähnliche Untermaps und auch einige Rätzel, die man meistern muss, um weiterzukommen, um weitere Charaktere Geister oder sonstige Boni freizuschalten. Dieser Modus macht unwahrscheinlich viel Spaß, da er über die normalen Kämpfe hinweggeht, durch das Ausrüsten von Geistern auch eine taktische und schon fast RPG-mäßige Komponente mit sich bringt und auch unterschiedliche Wege bereit hält, wie man es unter anderem von „Super Mario Bros. 3“ kennt. Auch in Sachen Umfang kann man sich hier nicht beschweren, denn dieser Modus allein hat eine Spielzeit von über 20 Stunden.

Neben diesem Modus finden auch Einzelspielerfreunde noch sehr viel an weiterem Futter, denn auch der Classic-Mode feiert ein Comeback, wo wir uns einen Kämpfer auswählen und mit ihm eine Arcade-Ladder samt Endboss durchlaufen, wobei der Schwierigkeitsgrad kontinuierlich ansteigt und die Gegnerauswahl entsprechend unseres Kämpfers thematisch anpasst. Dieser Modus eignet sich für eine kürzere Spieleinheit, denn die insgesamt 6 Matches sollte man im Grunde in weniger als 20 Minuten durchlaufen sein, was schon recht großzügig gerechnet ist.

Auch abseits der Kämpfe kann sich das Spiel wirklich sehen lassen, denn wir schalten kontinuierlich auch neue Musik frei, die wir über eine riesige und sehr umfangreiche Musikbibliothek aus allen Franchises von denen Charaktere entliehen sind, frei anhören und in Mixtapes packen können. Es wäre zwar noch schöner, wenn wir diese auch exportieren könnten, aber das wäre wahrscheinlich etwas zu viel verlangt. Immerhin gibt es aber einen Modus in dem wir die erstellten Mixtapes über die Switch anhören können und gleichzeitig der Bildschirm abgeschaltet wird. So benutzen wir die Konsole quasi als MP3-Player. Von der technsichen Seite gibt es am Spiel, sowohl im Dock- als im Handheld-Modus nichts auszusetzen. Das Spiel sieht einfach toll aus und strotzt neben dem unfassbar-großen Inhalt auch vor Easter Eggs und versteckten Details. Auch wenn die Story wahrscheinlich keinen Oscar gewinnt, so ist diese dennoch wirklich schick inszeniert und schafft den Spagat zwischen kitschig und cool. Insgesamt kann man also festhalten: Nintendo hat wirklich nichts geringeres als ein Meisterwerk damit abgeliefert, den nicht nur sind alle Charaktere, die jemals in einem Spiel der Reihe der letzten 19 (!!!) Jahre enthalten, sondern auch wurde sowohl das grundlegende Spielprinzip optimiert und gerade in Sachen Singleplayer massiv erweitert. Der Zusatz zum Namen mit “Ultimate” ist daher nicht nur ein leeres Versprechen des Marketings, sondern beschreibt das Endergebnis wirklich super. Wer allerdings Online spielen möchte sollte dran denken, dass dafür seit kurzem eine kostenpflichtige Online-Mitgliedschaft nötig ist, die aber im Vergleich zu anderen seiner Art recht erschwinglich daherkommt. Genaueres lest ihr dazu auf meinem Überblick zu dem Thema. Wer eine Switch hat wird an diesem Spiel wahrscheinlich nicht vorbeikommen, denn sowohl Solo in seinen diversen Modi, wie auch im lokalen oder Online-Multiplayer macht das Spiel richtig viel Spaß und auch wenn das Gewusel mit bis zu 8 Spielern manchmal echt enorm ist, läuft das Spiel unwahrscheinlich flott und flüssig und dennoch fand ich es im Vergleich zu anderen Spielen der Reihe einfacher den Überblick zu behalten.

NB@04.01.2019

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