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Ich war bereits seit dem E3 Trailer von 2016 ziemlich gehyped auf „Days gone“, denn das gebotene sah einfach toll aus. Zusätzlich kommt das Sony-exklusive Game von SIE Bend Studio, die neben der erfolgreichen Syphon Filter-Reihe auf der PS1 auf für den Vita-Ableger von Uncharted, „Uncharted: Golden Abyss“ verantwortlich waren. Die Messlatte lag also schon ziemlich hoch und nach einigen Verschiebungen ist nun das fertige Spiel für Sony’s PS4 endlich erhältlich…

Ich habe mir zum Spiel die Special Edition gesichert, die neben dem normalen Game mit Schuber, Artbook, Soundtrack und diversen herunterladbaren Inhalten daherkommt. Inhaltlich ist die Version aber identisch zur normalen Edition des Spiels. Es sei allerdings noch zu erwähnen, dass man hierbei wirklich mitgedacht hat, denn um mögliche Spoiler im Artbook zu vermeiden hat man sogar eine zusätzlich Flyer zur Warnung beigelegt, der darauf hinweist, dass man sich das Artbook erst nach dem Ende der Story ansehen sollte, damit man nicht gespoilert wird, was meiner Meinung auch durchaus angebracht ist, denn gerade die Story hält einige überraschende Wendungen bereit, die man sich auf keinen Fall vorwegnehmen sollte…

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Wir spielen dabei den Biker Deacon St. John, der vom Schauspieler Sam Witwer gespielt und Motion-gecaptchured wird, der bereits die Hauptrolle des Starkiller in „Star Wars: The Force Unleashed“ hatte. Deacon ist einer der letzten Überlebenden einer weltweiten Pandemie, die ähnlich wie bei „The Last of Us“ die Ausgangslage für die Geschichte liefert. Ein Großteil der Menschen wurde beim Ausbruch in Zombie-ähnliche „Freakers“ verwandelt, die neben einigen wenigen überlebenden Menschen die Welt bevölkern. Entgegen Zombies sind die Freakers noch nicht tot, sondern sind zu intelligenzlosen, willenlosen Kreaturen mutiert, die Mensch Tier als Mensch sind, einem Herdentrieb folgen und selbst in kleiner Anzahl eine nicht zu unterschätzende Bedrohung darstellen. Deacon hat beim dem Ausbruch, der mittlerweile 2 Jahre zurückliegt seine Frau verloren und schlägt sich seither mit seinem besten Freund und Biker-Bruder Boozer.

Beide schlagen sich als unabhängige Kopfgeldjäger für unterschiedliche Camps von Überlebenden und planen ihre ehemalige Heimat in Kürze zu verlassen, da die natürliche Ressourcen zu Neige gehen und es immer schwieriger wird etwas zum Essen zu finden. Doch beide ihren Plan in die Tat umsetzen können wird Boozer bei einem Angriff verletzt, was ihn für einige Zeit ans Bett fesselt und Deacon findet durch Zufall heraus, dass die Forschungsorganisation N.E.R.O. (National Emergency Response Organization) nicht nur irgendwelche merkwürdigen Experimente mit den Freakers durchführt, sondern darüber hinaus auch noch die Möglichkeit besteht, dass Deacon’s Frau Sarah noch lebt, wobei ein Zusammenhang zu bestehen scheint…

Mehr kann man schlecht von der Story preisgeben,  ohne zu viel zu spoilern, aber auch wenn es am Anfang recht simpel klingt wartet die Story innerhalb der ungefähren Spielzeit von knapp 30-40 Stunden, was sich durch diverse Nebenmissionen, Sammelobjekte und optionale Ziele um ein vielfaches verlängern lässt. Dabei ist das Spiel, ähnlich wie „Far Cry 5“ im ländlichen Gebiet der Vereinigten Staaten, in diesem Fall Oregon, mit malerischen Wäldern und Landschaften angesiedelt, die als Kulisse für das Spiel bereitstehen. Die offene Spielwelt ist dabei in mehrere Regionen aufgeteilt, die wir nach und nach im Spielverlauf freischalten. Hier muss man allerdings erwähnen, dass man schon einige Stunden dafür in das Spiel investieren muss, bevor man alle Gebiete bereisen kann und sich gerade zu Beginn nicht entmutigen lassen darf, denn das erste Gebiet ist leider etwas langweilig. Hier wird im Vergleich weniger Abwechslung geboten und auch bis man auf die erste ikonische Horde von Freakers, die aus geschätzten 50-100 Einzelcharakteren bestehen, dauert es etwas. Ich dachte am Anfang, dass man auf diese großen Gruppen rein in geskripteten Sequenzen trifft, bis ich meine erste in offener Wildbahn traf und es mir fast den Atem geraubt hat. Und davon gibt es einige, doch es dauert etwas bis man auf die erste trifft. Da Deacon im Auftrag unterschiedlicher Interessengruppen agiert besteht das Spiel aus vielen Reisen durch die riesige Spielwelt. Dafür steht Deacon sein Motorrad zur Verfügung, was einen ähnlich wichtiges Spielelement darstellt, wie das Auto bei „Mad Max“: Wir müssen uns um das Bike kümmern, es regelmäßig upgraden, reparieren und mit Benzin versorgen, damit wir nicht auf der Flucht vor einer Horde plötzlich irgendwo liegenbleiben. Es gibt zwar auch eine Schnellreise, bei denen wir befreite Camps auf Knopfdruck besuchen können, was allerdings ebenfalls Benzin und Zeit kostet, analog dazu was es „kosten“ würde, wenn wir auf eigene Faust dahinfahren. Hier empfiehlt es sich die Strecke selbst zurückzulegen, da man auf dem Weg durchaus noch über die ein oder andere Nebenaufgabe stoßen kann, oder per Funk neue Aufträge von den befreundeten Camps erhält. Hier endet allerdings auch die Survival-Ausrichtung des Spiels, denn abseits vom Benzin für das Bike müssen wir nicht darauf achten, dass Deacon genug schläft oder isst, was zwar realistischer ist, aber meiner Meinung etwas nervig sein kann.

Mittlerweile fast obligatorisch gibt es im Spiel einen Skill-Tree auf dem wir mit verdienten Erfahrungspunkten, die es für getötete Gegner, gefundene Geheimnisse und abgeschlossene Missionen gibt, Deacon’s Fähigkeiten aufwerden und erweitern können. Ähnlich wie „The Last of Us“ sehen wir das Spiel ebenfalls aus der 3rd-Person-Ansicht, Deacon kann notwendige Items on the Fly craften, wofür er alle möglichen Items in der Spielwelt, von leeren Bierflaschen über Lumpen, bis hin zu diversen Pflanzen einsammeln kann. Zu seiner Verteidigung kann er mehrere Waffen mit sich führen, wobei Schlagwaffen sich mit der Zeit verbrauchen und brechen.

Das angesprochene Element Zeit bezieht sich wiederrum auf den dynamischen Tag- und Nachtwechsel, der neben einem dynamischen Wettersystem für viele Aufgaben berücksichtigt werden sollte, denn auch wenn nachts weniger Banditen unterwegs sind, man schlechter gesehen wird und das sich besonders dafür eignet feindliche Camps einzunehmen, so sind allerdings nachts mehr Freaker unterwegs, die tagsüber für gewöhnlich schlafen. Mein einziger Kritikpunkt an dieser Stelle ist, dass bei einigen Haupt- und Nebenmissionen dieser dynamische Wechsel ausgeschaltet und das Wetter zum Beginn einer Mission angepasst wird, was immer etwas die Immersion kaputt macht. Ich würde das dem Spiel zwar nie zum Nachteil auslegen, zumal das auch in anderen Hochkarätigen Spielen, wie auch „Marvel’s Spider-Man“ der Fall ist, doch das hätte man noch etwas optimieren können, denn ein Ladescreen vor einer Mission, der den Wetterwechsel zeigt, ist alles andere als schön. Doch das ist schon jammern auf ganz hohem Niveau, denn abseits davon macht das Spiel im Grunde alles richtig und sieht dabei noch überragend aus. Die gebotenen Grafikdetails sind einfach wunderschön anzusehen, verfügen über schöne Weitsicht und sind sehr detailverliebt. Gerade auf der PS4 Pro gibt es hier eigentlich nichts meckern, wenn das Spiel zum Launch nicht mit ziemlich vielen Bugs aufgewartet hat. Seit ich das Spiel zum ersten Mal reingeschoben habe sind zwar schon einige Patches nachgereicht worden, die die Bugs zwar reduzieren, aber immer noch vorhanden sind. Besonders nervig war dabei ein paar Mal, dass Interaktionspunkte, die für den Abschluss einer Mission notwendig waren, nicht geladen wurden, was sich erst nach einem Neustart beheben ließ. Hier habe ich allerdings vollstes Vertrauen, dass Bend das Thema durch weitere Patches immer weiter reduzieren wird.

Über alles erhaben ist allerdings der Soundtrack. Er ist stimmungsvoll und erinnert dabei sehr an die ruhigen Töne des Soundtracks von „The Last of Us“, was für mich schon den Mehrpreis der Special Edition gerechtfertigt hat, der der Soundtrack auf CD beiliegt. Auch abseits der Musik überzeugt die Soundkulisse, wie auch die Synchro. Hier hat Sony, bzw. Bend bestimmt einiges an Arbeit reingesteckt und wirklich ein stimmiges Gesamtwerk abgeliefert, was im Übrigen auch auf die deutsche Synchro zutrifft. Ich persönlich finde zwar die Originalfassung noch etwas besser, aber auch auf Deutsch macht das Spiel eine wirklich gute Figur.

Selten hat mich ein Spiel so in seinen Bann gezogen, wie „Days Gone“, denn im Grunde war ich den Open-World-Spielen momentan etwas überdrüssig. Davon gab es einfach zu viel im letzten halben Jahr und ich habe ich eigentlich erst mal wieder zu komprimierteren Erfahrungen gesehnt, doch das Spiel hat einfach zu viel Spaß gemacht. Die Steuerung ist super, die Charaktere interessant, die Spielwelt lebendig und die Geschichte mitreißend. Wer eine PS4 sein eigen nennt kommt an diesem Spiel nicht vorbei. Wer etwas sucht, um die Wartezeit auf „The Last of Us 2“, was leider immer noch ohne konkreten Release-Termin auskommt, verkürzen möchte, hat hier den perfekten Zeitvertreib gefunden.

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NB@13.05.2019

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