PS4 Review: „Borderlands 3“ #borderlands3

Die Mutter aller Loot-Shooter ist zurück! Das erste „Borderlands“, obwohl in Deutschland aus unerfindlichem Grund ziemlich stark zensiert, brachte jede Menge frischen Wind in das Shooter-Genre, indem es die Elemente eines klassischen Shooters mit eine offenen Spielwelt und jeder Menge RPG-Elemente kombiniert. Die Formel wurde mit der Fortsetzung „Borderlands 2“ und einem der charismatischsten Bösewichte in Form von Handsome Jack perfektioniert. Auch wenn der das dritte Spiel des Franchise, „Borderlands – The Pre-Sequel“, der nicht vom Entwicklerstudio der ersten beiden Teile, Gearbox, sondern stattdessen von 2K Australia entwickelt wurde etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist und seitdem auch einiges an Zeit ins Land gegangen ist, so meldet man sich mit „Borderlands 3“ zurück. Auch wenn seit dem Release schon ein wenig Zeit vergangen ist, so braucht man bei einem derart umfangreichen Spiel einfach genug Zeit, um sich sein Urteil zu bilden, zumal gerade innerhalb des Genres in den letzten Jahren eine ganze Menge passiert ist und mir daher nicht klar war, ob die Marke Borderlands im Jahr 2019 noch relevant genug ist.

Denn während Entwickler Gearbox und Publisher 2K Games sich 5 Jahre Zeit gelassen haben waren andere Entwickler in der Zwischenzeit nicht so untriebig und haben einige Spiele herausgebracht, die Borderlands sowohl was den Humor angeht, aber auch das Setting und das allgemeine Spielprinzip versucht haben das Wasser abzugraben. Der jüngste Vertreter für diese Hypothese ist zweifelsfrei „Rage 2“ oder „Far Cry – New Dawn“, doch auch das Genre des damals relativ neue Genre des Loot-Shooters bekam in der Zwischenzeit mit der The Division– , sowie der Destiny-Reihe, aber auch „Anthem“ den mal besseren und mal schlechteren Vertreter. Ganz zu schweigen von Open World-RPGs, wie den neueren Teilen der Fallout-Reihe, wobei man über „Fallout 76“ mittlerweile eher den Mantel des Schweigens legt. – Doch der Platzhirsch bleibt von all dem anscheinend unbeeindruckt und macht genau da weiter, wo er vor einigen Jahren aufgehört hat, konzentriert sich zwar auf eher wenige neue Elemente, perfektioniert aber die Bekannten, um zu beweisen, dass gut Ding eben manchmal Weile haben will. So besinnt sich die Serie zum Beispiel auf einer ausgereiften Story, mit einer Menge Witz und abgedrehten Charakteren und treibt sogar die Auswahl an Waffen, die bei den Vorgängern bereits groß war, ad absurdum und liefert ein echt abgedrehtes Gesamtpaket ab.

Das Spiel startet, wie die Vorgänger auch schon mit unsere Ankunft auf Pandora, einem Planeten der Gesetzlosen, der sowohl unermessliche Reichtümer, aber auch einen schnellen Tod für uns bereithalten kann. Wir haben die Wahl aus einem von vier neuen Vault-Huntern zu wählen, die auf Pandora Ruhm und Reichtum suchen: FL4K, einen Roboter, der Tiere im Kampf als Hilfe befehligen kann, Moze, die ihr mechanisches Skelett als separate Einheit verwenden kann, Zane, einen Technik-Freak, der einige Gadgets im Arsenal ha und Amara, die Sirenenkräfte hat. Die neuen Charaktere werden mit ihren Fähigkeiten im cinematischen Intro vorgestellt und wir können danach wählen, mit dem wir in den Kampf gehen wollen. Wie für die Reihe üblich ist unsere Auswahl dabei bindend, wir können uns also nach dem Start nicht mehr um-entscheiden, sofern wir kein neues Spiel starten möchten. Neben den offenkundigen Skills, die jeder Charakter mit sich bringt gibt es pro Charakter auch einen ziemlich umfangreichen Skill-Tree, in welchem man sowohl die normalen Skills, wie auch die Speziellen aufleveln und personalisieren kann. Zusätzlich kehrt auch das Feature zurück, dass wir den Charakter selbst überarbeiten können, wofür wir im Laufe des Spiels auch immer mehr Optionen freischalten. Und von diesen werden wir auch einige brauchen, denn die Bedrohung ist größer denn je… – Die Calypso-Zwillinge haben einen Weg gefunden andere ihre Kräfte zu berauben, was sie zu Gott-ähnlichen Wesen hat werden lassen, die von ihrem Gefolge, den Children of the Vault, vergöttert werden. Es versteht sich von selbst, dass dieser Hunger nach Macht eine Menge Tode mit sich bringt, was wir nicht weiter hinnehmen können. Unter der Leitung von Lilith, die wir bereits aus dem ersten „Borderlands“ als spielbaren Charakter kennen, leiten die Crimson Raiders erbittlichen Widerstand in der Vorherrschaft um Pandora und die letzten (und größten) Vaults. Das klingt zwar am Anfang eher geradlinig und unspektakulär, doch wer die Vorgänger bereits kennt wird wissen, dass selten etwas so abläuft, wie es zuerst geplant ist und die Geschichte auf diese Weise einige halsbrecherische, wenn nicht gar schockierende Wendungen mit sich bringt. Dennoch wird auch viel gelacht, denn so ist auch Serienveteran Claptrap natürlich wieder vertreten, der uns gleich zum Spielbeginn in den Crimson Raiders willkommen heißt und sich als unser Vorgesetzter vorstellt und ohne Scham unsere Heldentaten beim Wiederaufbau von einem neuen Sanctuary, was bereits im kürzlich erschienen Gratis-DLC für „Borderlands 2“, „Commander Lilith and the Fight for Sanctuary“, eingeleitet wurde. Dabei fungiert Sanctuary als Hauptbasis auf Pandora, wo wir einen Großteil der Missionen erhalten, unsere Items managen oder uns auch mit dem Basenbau beschäftigen können. Zwar sind die Vorgänger, wie auch der DLC keine Pflicht, man bekommt aber mehr der Anspielungen und Jokes mit, wenn man sie kennt.

Serienveteranen werden erfreut sein, dass man neben der offenen Spielwelt Pandora, die man wieder mittels unterschiedlicher Fahrzeuge, die es im Catch-A-Ride gibt, frei erkunden kann, auch wieder andere Planeten zum Erkunden gibt. So verschlägt es uns im Laufe der Story neben Pandora auch auf Promethea und Eden-6, die sich optisch von Pandora abheben. Ist Pandora eher wie die futuristische Form des wilden Westens, ist Promethea, eher modern und industriell, wie eine moderne Großstadt, da sich dort unter anderem der Hauptsitz von Atlas befindet. Auf Eden-6 hingegen ist fast der gesamte Planet von Dschungel, Wasser und vor allem der dominierenden Farbe „Grün“ überzogen, was einen starken Kontrast zu den anderen Planeten bietet. Auf jedem Planet gibt es dabei neben den Hauptmissionen, die die Story weiter treiben auch etliche Nebenmissionen und Herausforderungen, bei denen meist besonders lukrative Beute lockt. Denn wie bei den Vorgängern handelt es sich bei „Borderlands 3“ auch nicht um einen normalen Shooter, sondern um ein RPG mit Shooter-Elementen. Unsere Fähigkeiten sind zum einen an ein Charakterlevel und zum anderen auf Ausrüstung, Skills und Progression gekoppelt. Auch Waffen verfügen über Level und wenn wir unter-levelt sind werden wir im Kampf wahrscheinlich nicht besonders weit kommen, auch wenn das Spiel auf jeden Fall mehr vergibt, als zum Beispiel „Assassin’s Creed: Odyssey“, wo eine oder zwei Level-Unterschiede ein Todesurteil mit One-Hit-Kills sein können. Dennoch sollte man vor jeder Mission genau überlegen, was man mit in den Kampf gibt, denn wir können nur eine begrenzte Anzahl an Waffen und Ausrüstungsgegenständen mit uns herumtragen und unterschiedliche Gegner erfordern auch unterschiedliche Herangehensweisen. Und hier hat sich Gearbox wirklich ausgetobt, denn es gibt unfassbar viele Kombinationsmöglichkeiten aus Waffen und Add-Ons. Ich bin zwar nicht sicher, ob es sich dabei, wie von Gearbox angepriesen, wirklich um mehrere Milliarden handelt, doch man sollte auf jeden Fall etwas Zeit aufwenden die unterschiedlichen Waffen zu vergleichen. Zusätzlich gibt es im neuen Teil die Möglichkeit die Waffen mit unterstützenden Effekten, wie Shock, Feuer oder Explosionen auszustatten, oder auch endlich unterschiedlichen Munitionstypen auszustatten, was man auch on-the-fly welchseln kann und was dem ohnehin schon ziemlich tollen Gunplay noch etwas mehr Bums verleiht.

Technisch kann sich das Spiel wirklich sehen lassen und was mich dabei fast am meisten freut ist die Implementierung eines Co-Op, der seines gleichen sucht: Die gesamte Story, wie auch selbstverständlich die freie Erkundung, lässt sich übrigens auch mit einem Freund im Online, wie auch Offline-Co-Op spielen. Besonders schön finde ich, dass der Couch-Co-Op im Spiel vorhanden ist, wo hingegen er bei immer mehr Spielen dem Rotstift zum Opfer fällt. Das funktioniert denkbar einfach per drop-in, drop-out und macht gerade bei einem so abgedrehten Spiel nochmal mehr Spaß. Zusätzlich ist das trotz eventuell Levelunterschiede und Ausrüstungen überraschend gut ausbalanciert und wird weder zu leicht, noch zu schwer und auch das Loot ist passend zum jeweiligen Charakterlevel. Das lässt sich allerdings auch ausschalten, wodurch sich Loot und Gegner nach dem Host richten, was aber für einen Spielpartner eine etwas unschöne Spielerfahrung werden kann. Schön sind die dargebotene Detailtiefe der wunderschönen Cellshading-Optik, die konsequent von den Vorgängern weiterentwickelt wurde. Das Spiel sieht dabei gerade auf PS4 Pro und Xbox One X in 4K mit HDR einfach nur toll aus. PC-Spieler beeindruckt das wahrscheinlich eher wenig, aber als Konsolenspieler muss man sich ja auch mit einigen nicht so schönen Spielen herum ärgern, egal wie sie inhaltlich versuchen zu überzeugen, wie erst kürzlich in „Terminator: Resistnance“, das eher wie ein PS3-Spiel aussah. Sowas sucht man bei „Boderlands 3“ vergebens, denn so Detaill-verliebt und überzeichnet ist wahrscheinlich keine andere Spielereihe. Zusätzlich lässt sich bei den stärkeren Konsolen auch auswählen, ob man mehr Fokus auf die Framerate oder auf die Grafik legen möchte, wobei ich aber keine großen Unterschiede feststellen konnte. Das Spiel läuft durchweg flüssig, es gibt auch keine Probleme mit nachladenden Texturen oder ähnliches und auch Bugs sind mir nicht wirklich aufgefallen.

Auch wenn ich ja zugeben muss, dass ich „Borderlands 3“ nicht so sehnlich erwartet habe, wie manch ein anderer, da einfach soooo viele Spiele herauskommen, so muss ich aber gleichermaßen eingestehen, dass das Spiel wirklich Spaß macht. Wo andere Reihen, wie Fallout, die in die gleiche Kerbe schlagen in letzter Zeit enttäuscht haben, setzt der neue Borderlands-Teil sogar in Sachen Aktion und Humor noch eine Schippe drauf und unterhält von Anfang bis Ende bestens. Da es sich ja um ein Rollenspiel handelt ist der Begriff Ende übrigens dehnbar, denn wie lange man in der Spielwelt mit Haupt- und Nebenmissionen, Herausforderungen oder einfach der freien Erkundung verbringt hängt sehr von den persönlichen Vorlieben ab. So kann man die Spielzeit, auch abseits der DLCs, von denen mit „Moxxi’s Heist of the Handsome Jackpot“ bereits in den Startlöchern steht, immens verlängern. Gearbox hat den bisher besten Teil der Reihe abgeliefert, der konsequent auf den Stärken der Vorgänger aufbaut und gleichermaßen nicht so gute Punkte ausmerzt. Gerade im Couch-Co-Op gibt es wahrscheinlich kein besseres Spiel und da das Spiel mittlerweile für Preise um die 30 Euro zu haben ist, gibt es im Grunde keine Ausrede nicht die Reise nach Pandora anzutreten…

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NB@10.12.2019

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