Hardware Review: "True Blue Mini Ultradrive" für Sega Mega Drive/Genesis

Die Add-Ons für die PlayStation Classic, die True Blue Minis mit ihren teilweise recht irreführenden Namen sind mittlerweile schon fast legendär und haben die einst verachtete Mini-Konsole in den Augen vieler immens aufgewertet. Ich bin selbst auch ein Fan der kleinen Erweiterungen, da ich dann meine Original PS1 nicht mehr anschließen muss, um ein paar der Klassiker zu spielen, die ich auf der Mini-Konsole fehlten. Und da die Spiele dabei auf 720p hoch-skaliert werden und mit einem komfortablen Speichersystem daherkommen, ist noch ein nettes Bonbon obendrauf. Nahezu das komplette Lineup hat in dieser Form auf unterschiedlichen Sticks den Weg auf die Mini-Konsole gefunden und was macht man danach? – Genau, man nimmt sich die nächste Konsole vor: Den Sega Mega Drive Mini.

Dabei verhält es sich mit der Neuauflage von Sega’s einstigem Flaggschiff ziemlich anders, als mit der PlayStation Classic, denn hierbei wird die Mini-Variante flächendeckend gelobt, was das Aussehen, das Spiele-Lineup und die Performance angeht. Dennoch muss man sich eingestehen, dass wahrscheinlich jeder Fan des kleinen schwarzen Kastens das ein oder andere Spiel im Lineup vermisst und stattdessen auf ein anderes hätte verzichten können. Das ändert das neueste Add-On von True Blue aber grundlegend und liefert einen Stick mit insgesamt über 800 Spielen (813 um genau zu sein) aus, die im Grunde alles abdecken, was es auf der Konsole in ihren unterschiedlichen Länderversionen jemals gab. Die Ausnahmen bilden dabei lediglich Fan-Games, wie „Sonic Megamix“, die man nicht im Lineup findet. Doch abseits davon ist alles vertreten, was Rang und Namen hat, was sich auch in der überaus großen Liste wiederspiegelt:

Ganz so einfach, wie bei der PlayStation Classic funktioniert das Ganze aber nicht, was sich schon beim Blick auf den Lieferumfang abzeichnet, denn neben dem Stick und dem USB-Hub, der identisch zu denen ist, die mit den anderen Paketen inkludiert ist, findet man in der Packung noch ein recht kurzes Micro USB auf USB-Kabel und eine gedruckte Kurzanleitung. Denn dieses Mal ist der Stick nicht Plug&Play, sondern wir müssen die Konsole zuerst Flashen, damit sie den Stick und in Folge dessen auch die Roms verarbeiten kann. Das ist aber denkbar einfach und wir können die Konsole auch jederzeit wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzen, wenn wir den Stick nicht mehr verwenden wollen. Dafür hat True Blue ein kleines Tool zur Verfügung gestellt, das man sich über deren Homepage herunterladen kann. Der Einfachheit halber verlinke ich euch hier den Download in der Windows-Version direkt. Alternativ wird auf der Seite auch eine MacOS-, sowie Linux-Version des Tools angeboten. Damit haben wir neben der Konsole alles, was wir zum Flashen brauchen. Dabei funktionieren sowohl Stick, wie auch Software auf allen weltweit erhältlichen Versionen der Konsole. Auch wenn der Prozess im Grunde sehr sicher ist muss ich allerdings darauf hinweisen, dass jeder das Flashen der Konsole auf eigene Gefahr vornimmt und damit auch eine Garantie erlischt.

Danach geht man wie folgt vor:

  • Entpacken der heruntergeladenen TrueBlueFlasher_GENESIS-win1_1.zip
  • Darin befindet sich lediglich eine Datei: TrueBlueFlasher_GENESIS.exe
  • Ausführen der Datei TrueBlueFlasher_GENESIS.exe

Im Tool führt man folgende Schritte aus:

  • Treiberinstallation, damit der PC die Konsole erkennt,  was über den Button „Install Driver to Computer“ geschieht
  • Anschluss der Konsole an den PC (via des mitgelieferten USB-Kabels)
    • Festhalten des Reset-Knopfes + gleichzeitiges Betätigen des Power-Schalters
    • Reset-Knopf nach 10 Sekunden loslassen
  • Jetzt sollten PC und Konsole verbunden sein „Console is ready for Install/Uninstall
    • Klick auf „Install Hacks to Console
    • Das dauert knapp 2 Minuten und die Konsole schaltet sich danach automatisch ab
    • Die Verbindung zum PC kann dann wieder getrennt werden
    • Der Konsole ist nun geflasht

Wenn man das wieder Rückgängig machen möchte geht man identisch vor, doch wählt nachdem die Konsole erfolgreich verbunden wurde die Auswahl „Uninstall Hacks from Console“, was wieder den Werkszustand herstellt.

Wir schauen uns aber natürlich erst einmal an, was man mit dem Stick überhaupt geboten bekommt. Dazu steckt man den Stick in die linken Port und verwendet den Controller entweder alleine oder mittels des mitgelieferten Hubs über den zweiten Port und schließt die Konsole ganz normal an den Fernseher oder Monitor an und schaltet sie ein. Nach dem Start wird die erste Veränderung auffällig, denn die Konsole startet in ein neues Boot-Menü, in dem wir die Auswahl zwischen den unterschiedlichen Länderlayouts und den Spielelisten haben. Da 813 Spiele eine ganze Menge ist und das selbst für das interne Menü der Konsole etwas zu viel, hat man sich entschlossen die Spiele alphabetisch in unterschiedliche Spielepakete à jeweils 102 Spiele aufzuteilen, die man über das Menü auswählen kann. Übrigens, analog zu dieser Aufteilung habe ich auch die Spielelisten in die gleichen Pakete aufgeteilt.  

Jedes Spielepaket, absehen vom letzten natürlich, beinhaltet also 102 Spiele und verfügt abseits davon über das gleiche Layout, wie man es von der Konsole ab Werk kennt. Wir können sogar pro Spielepaket einen anderen Hintergrund und unterschiedliche Grafikoptionen wählen, die dann nur diesem Layout vorenthalten sind. In sich sind die Pakete also abgeschlossene Systeme auf der gleichen Konsole. Die Spiele sind standardmäßig alphabetisch sortiert und klassifiziert in Ein- und Mehrspieler. Zusätzlich kann man sich zu jedem Spiel einen kleinen Klappentext, wie man es vom Original kennt. Auch die Speicherslots funktionieren pro Spiel arbeiten identisch zu Original und so können wir pro Spiel insgesamt 4 Speicherpunkte anlegen und nach Lust und Laune wieder laden.

Auch die Kompatibilität macht einen guten Eindruck, zwar weist der Hersteller per Disclaimer darauf hin, dass er nicht garantieren kann, dass alle Spiele funktionieren und es mitunter auch irgendwelche Beeinträchtigungen innerhalb einzelner Spiele geben kann, aber mir ist persönlich nichts davon aufgefallen. Ich muss zwar eingestehen, dass ich nicht alle 813 Spiele ausprobiert habe, aber in meiner Stichprobe konnte ich keine Probleme feststellen. Die Spiele sind ebenso gut emuliert, wie die Spiele, die ab Werk auf der Konsole enthalten waren und spielen sich auch gleich. Eine Änderung gab es nur in Sachen Bedienung, die dem neuen Hauptmenü geschuldet sind, denn über den C-Knopf kehrt man dann zurück zum Hauptmenü und über den B-Knopf kann man zwischen den unterschiedlichen Länderlayouts der Konsole wechseln, was ab Werk natürlich nicht der Fall war. Allerdings darf ich euch auch einen kleinen Wehmutstropfen nicht vorenthalten, denn die unterschiedlichen Covers für die Spiele, beruhend auf den unterschiedlichen Länderversionen sind leider durchs Raster gefallen. Es gibt also nur ein Cover pro Spiel. Gleiches gilt auch für die unterschiedlichen Länderversionen von Spielen, denn es scheint nur ein Rom pro Spiel hinterlegt zu sein, was man aber in Anbetracht des Spielekatalogs verschmerzen kann.

Insgesamt ist das Add-on eine wirklich gelungene Erweiterung für den Sega Mega Drive Mini. Dabei handelte es sich zwar schon von Haus aus um eine wirklich solide Neuauflage der Konsole und auch das Lineup konnte sich, entgegen dem PlayStation Classic durchaus sehen lassen, aber etwas mehr ist natürlich nie verkehrt. Die Ersteinrichtung dauert zwar ein paar Minuten ist aber dennoch schön leichtgängig und lässt sich sogar im Bedarfsfall auch wieder rückgängig machen, was ich immer begrüße. Aber man muss sich darüber bewusst sein, dass das Ding, ebenso wie die Pakete für die PlayStation Classic, nicht gerade als legal zu bezeichnen ist, auch wenn Sega (bislang) noch nichts dagegen zu tun scheint. Aber im Grunde werden damit schlichtweg Roms verkauft. Was es damit auf sich hat kann man auch in meinem Special „ROMs sind böse!“ nachlesen. Auch wenn es sich dabei um Spiele handelt, die locker 25+ Jahre auf dem Buckel haben ist das Abspielen von Backups dennoch nur geduldet, wenn man das Original besitzt.

NB@11.02.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

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