PS4 Review: „Saints Row: The Third Remastered“ #SaintsRow #SaintsRowTheThird

Ich bin ein langjähriger Fan der Saints Row-Reihe, die zwar einige Zeit brauchte, bis sie ihre eigene Identität gefunden hatte, aber sich über die Jahre zu einer meiner liebsten Reihen avancierte. Fing die Geschichte mit dem ersten Teil noch recht unspektakulär als GTA-Klon an, öffnete sich mit dem zweiten Teil die Serie zu ihrem selbst-referenziellen Humor und abgedrehten Ideen, die von dort an der Punkt sein sollte, der das Spiel von der Masse abhob. in welchem Spiel kann man sonst mit einem Riesendildo auf Gegner einprügeln, ein Kutschen-rennen veranstalten, wo die Kutschen aber von Menschen im SM-Outfit gezogen werden, oder die eigene Kasse aufbessern, indem man sich vor fahrende Autos wirft, um die Versicherungen abzuzocken? – All das und mehr ist in Saints Row möglich und wird dabei in ein Konstrukt aus überzogener Gangster-Geschichte und eigener Parodie eingebettet.

Dabei war die Entstehung der Reihe an sich mehr als turbulent, denn wenige Zeit nach dem Release von „Saints Row: The Third“, das Spiel das die Formel des Spiels perfektioniert hatte und innerhalb der Entwicklung eines DLCs, der später unter dem Titel „Saints Row IV“ als eigenes Spiel das Licht der Welt erblicken sollte, ging THQ, Publisher und Muttergesellschaft des Entwicklerstudios Volition, die die Marke ins Leben gerufen hatten, Bankrott. Sowohl das Studio, wie auch die Marke an sich wechselnden die Hände zu Deep Silver, bzw. Koch Media, die das Studio heute als Deep Silver Volition, LLC, betreiben. Auch wenn alle Spiele der Reihe ursprünglich noch auf der letzten Generation erschienen sind, so hatten bislang nur „Saints Row IV“ und dessen vom Umfang her kleinerer Nachfolger „Gat out of Hell“ das Treatment als „Remaster“ erfahren und ihren Weg auf die aktuelle Konsolengeneration gefunden und der Fan-Favorite der Reihe „Saints Row: The Third“ was bislang noch nicht remastered. Doch das hat sich nun geändert und nach einem etwas durchwachsenen Port auf die Nintendo Switch ist das Spiel nun offiziell als „Saints Row: The Third Remastered“ für PS4 und Xbox One erhältlich. Dankenswerterweise wurde mir für das Review ein Pressemuster zur Verfügung gestellt, das ich nun auf Herz und Nieren geprüft habe, um euch mitzuteilen, was das Remaster bietet.

Zugegebenermaßen war die Reihe von der technischen Seite noch nie auf der Höhe der Zeit und da das Spiel nun bereits fast 10 Jahre auf dem Buckel hat, waren meine Erwartungen nicht besonders hoch. Für mich persönlich war das nie ein Problem, doch man sollte sich dessen auf jeden Fall bewusst sein, wenn man sich mit der Reihe befassen möchte, da der Fokus auf einer verrückten Sandbox und weniger technischen Glanzleistungen liegt. – Doch dann startet man das Remaster und muss erkennen, dass es sich nicht um eine hoch-skalierte Version des gleichen Spiels von 2011 handelt, sondern Entwickler Sperasoft das Spiel von der Pike auf bis hin zu den Assets und Charaktermodellen intensiv überarbeitet hat, was eine wirkliche Überraschung darstellt, dem wir uns ausführlicher widmen müssen. Weiter ist das Spiel nun endlich auch in Deutschland unzensiert und es sind über 30 Zusatzinhalte, die damals als DLC angeboten wurden, von Haus aus Bestandteil des Spiels. Diese stehen direkt nach der Introsequenz, wenn sich die Spielwelt öffnet, zur Verfügung. Das reicht von optischen Items, über Waffen bis hin zu kompletten Missionsketten, wie dem ikonischen „Gangstas in Space“. Lediglich zwei DLCs, das sogenannte „Bloodsucker Pack“ und das „Unlockable Pack“, konnten auf Grund von Balancing-Problemen nicht implementiert ist, was aber auch kein großer Verlust ist, wenn sonst nahezu alles passt. Auch neue Inhalte sucht man leider vergebens, was aber auch verständlich ist, da nicht der eigentliche Entwickler am Remaster gearbeitet hat, der momentan selbst am fünften Teil der Reihe schraubt und wahrscheinlich dort seine abgedrehten Ideen einbaut…

Doch um was geht es eigentlich? – Die „3rd Street Saints“ haben sich von der kleinen Verbrecherbande zum riesigen Verbrechersyndikat gemausert und haben es dennoch geschafft hohes Ansehen von Seiten der Bevölkerung zu genießen zu medialen Superstars aufzusteigen. So gibt es nun sogar Kinofilme, eine eigene Modekette und sogar Energiedrinks von den Saints. Zum Beginn befinden wir uns mitten in einem Banküberfall, der eigentlich nur Promo für den kommenden Kinofilm durchgeführt wird und dann aber komplett in eine andere Richtung verläuft, was zur Festnahme der Saints führt. Als wäre das aber nicht genug werden sie von korrupten Polizisten an das so genannte „Syndicate“ übergeben, eine Verbrecherorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die Saints und deren Imperium zu zerstören… – Doch das lassen die Saints nicht so einfach auf sich sitzen und so ist es an uns, als der Boss der Saints, dem Syndicate das Handwerk zu legen und auch allen weiteren Möchtegern-Gangstern in Steelport zu zeigen, wer hier der Boss ist… Dabei können wir „unseren“ Boss mit einem ziemlich umfangreichen Editor komplett frei erstellen. Dabei stehen Standards, wie Geschlecht, Hautfarbe, Statur und Frisur, aber auch speziellere Anpassungen, wie Alter der Haut, Narben, Tattoos, bis hin zu unterschiedlichen Stimmen zur Verfügung. Und entgegen anderer Spiele können wir diese Settings innerhalb des Spiels bei Bedarf auch durch plastische Chirurgie wieder anpassen lassen, wenn wir mit irgendwas nicht zufrieden sind. Weiter können wir aus vielen unterschiedlichen Kleidungsstücken wählen, im Spiel in diversen Kleidungsgeschäften den eigenen Kleiderschrank pimpen, oder auch komplett nackt los ziehen, die Wahl liegt an uns. Von dort an ziehen wir in den Kampf und machen es uns zur Aufgabe alle Bereiche der Stadt einzunehmen, in denen sich das Syndicate breit gemacht hat und decken in diesem Zusammenhang einen perfiden Plan auf, der die gesamte Stadt zerstören könnte…

Da es sich beim Spiel um ein Open Word-, bzw. Sandbox-Spiel handelt, in dem die Stadt als unser virtueller Spielplatz fungiert, gibt es auch abseits der eigentlichen Geschichte eine ganze Menge zu tun. So bietet das Spiel nicht nur die Möglichkeit sich mit Nebenmissionen Geld und Respekt, die Form der XP im Spiel, zu verdienen, sondern es gibt auch aberwitzige Challenges in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, in denen wir uns zum Beispiel vor fahrende Autos werfen müssen, um möglichst viel Geld von der Versicherung zu bekommen, das Geld von Prostituierten eintreiben, oder einfach mit einem Panzer durch die Stadt fahren, um in einer vorgegebenen Zeit so viel Chaos, wie möglich anzurichten. Und da gibt es da noch die verrückte Spielshow um die Terrorkatze Genki, in denen wir uns durch Hindernisparcours kämpfen müssen und Punkte verdienen, indem wir so viele Gegner wie möglich töten… – Ja, es gibt viel zu tun, das Missionsdesign ist dabei insgesamt sehr abwechslungsreich und hält meist einen abgefahrenen Twist bereit, der das Spiel von anderen Spielen mit ähnlicher Ausrichtung. Und auch wenn das alles nichts für uns ist können wir auch einfach so durch die Stadt ziehen, per Fenstersprung aus „Ein Duke kommt selten allein“ Fahrzeuge stehlen, diese à la „Pimp my Ride“ komplett optimieren und einfach mit einem Hubschrauber samt Raketenwerfer alles in die Luft jagen, was uns vor die Flinte kommt. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt und machen wirklich überaus viel Spaß.

Technisch meint man zu keiner Zeit, dass man es mit einem fast Zehn Jahre alten Spiel zu tun hätte, denn hier hat Entwickler Sperasoft wirklich ganze Arbeit geleistet. So verwendet das Spiel nicht nur komplett neu gestaltete Charakter-, Waffen-, sowie Fahrzeugmodelle, sowohl im Spiel, wie auch den Cutscenes, sondern verfügt nun über komplett überarbeitete hochauflösende Texturen, ein schickes neues Beleuchtungssystem, das den dynamischen Tag- und Nachtwechsel im wahrsten Sinn des Wortes „in ganz neuem Licht“ erscheinen lässt. Und selbstverständlich wurde in diesem Zusammenhang auch an der allgemeinen Auflösung und den Fps geschraubt und HDR-Support implementiert, wobei hier selbstverständlich die stärkeren Konsolen massiv die Nase vorn haben. In den Spieloptionen haben wir dazu die Möglichkeit die Sättigung der HDR-Effekte anzupassen und zwischen einer konstanten Framerate von 30fps oder einer Variablen zu wählen. Da es zur variablen Framerate keine genaueren Infos gibt, haben die Kollegen von Digital Foundry diesbezüglich ganz genau hingeschaut und kommen zum folgenden Ergebnis: Sowohl PS4 Pro und Xbox One X liefern eine Auflösung von 1440p, entgegen der 1080p der Standard-Konsolen und die der Framerate hat die Xbox One X mit Werten zwischen 50 und 60fps knapp die Nase vorn, da die PS4 Pro nur Werte zwischen 40 und 50fps schafft. Insgesamt läuft das Spiel dabei aber wirklich flüssig und nur in hektischen und schnellen Szenen kann es mal zu Framedrops kommen, was aber nur in Ausnahmefällen wirklich aufgefallen ist. Besonders schön fand ich hingegen, dass man den umfangreichen Musikkatalog aus unterschiedlichen Genres aus dem Original 1:1 übernommen hat und alle Lieder dafür nochmal neu lizenziert wurden. So können wir immer noch durch die Stadt rasen während Bonnie Tyler’s „I need a Hero“ aus den Boxen dröhnt und auch in einer der ikonischen Missionen zum Beginn des Spiels spielt immer noch Kanye West’s „Power“ während wir aus einem Helikopter springen, um mittels Fallschirm auf der Terrasse eines feindlichen Penthouses zu landen und alle Gegner auszuschalten, bevor wir den Ort als unsere neue Basis requirieren.

Insgesamt macht das Spiel immer noch genauso viel Spaß, wie bei seinem eigentlichen Release und in Sachen Remaster setzt es meiner Meinung nach eine neue Benchmark. Es ist nicht immer genug nur die Grafik hoch zu skalieren, wenn das Ausgangsmaterial einfach schon nicht so Bombe war. Aber hier hat man sich derart ins Zeug gelegt. Bei den meisten Remasters macht es (kaum) einen Unterschied, ob man stattdessen das Original spielt, was bei „Saints Row: The Third Remastered“ aber eindeutig anders ist. Klar kann das Spiel dennoch nicht mit Referenzen in Sachen Open World, wie „Red Dead Redemption 2“ mithalten, aber das ist auch gar nicht der Anspruch, sondern vielmehr hat man mit der Überarbeitung die angestaubte Grafik auf ein zeitgemäßes Niveau gehoben, um sowohl alte und neuen Fans damit glücklich zu machen und wahrscheinlich die Marke vor der offiziellen Ankündigung von Teil 5 wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die Inkludierung fast aller DLCs rundet das tolle Gesamtpaket ab und macht diese Version zur definitiven Veröffentlichung des Spiels.

Entwickler: Volition / Sperasoft

Publisher: Deep Silver / Koch Media

Erhätlich auf: PS4, Xbox One

NB@05.06.2020

——— Hinweise & Disclaimer: ———

Wenn euch der Beitrag gefallen hat würde ich mich natürlich über eure Likes, Retweets, Abos oder auch Feedback freuen. Gleiches trifft aber auch zu, wenn ich eurer Meinung nach etwas hätte besser machen können. Konstruktive Kritik hilft bekanntlich nur, wenn man sie auch bekommt, also lasst es mich einfach wissen.

Die verwendeten  Bilder und/oder Screenshots wurden, wenn nicht anders angegeben, vom Autor selbst erstellt und dienen zur Unterstützung des Berichtes. Das Copyright an der dargestellten Sache, bzw. dem Spiel bleibt davon selbstverständlich unberührt und verbleibt beim ursprünglichen Rechteinhaber.

2 Gedanken zu “PS4 Review: „Saints Row: The Third Remastered“ #SaintsRow #SaintsRowTheThird

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.