PS5 Review: „Saints Row“ #SaintsRow2022 #SaintsRow

Gefühlt erst gestern wurde das Reboot der Saints Row-Reihe von Plaion, ehemals Koch Media, noch auf der diesjährigen Gamescom beworben und gleichzeitig wurde es auch schon veröffentlicht. Ich bin ein absoluter Fan der Reihe und konnte mir dankenswerterweise bereits vor Release und Gamescom einen ausführlichen Eindruck vom Spiel in einer Pressekopie des Spiels verschaffen und gebe euch hiermit mein persönliches Resümee:

Die Reihe hatte es zugegebenermaßen nicht immer ganz leicht. Versuchte man sich mit den ersten beiden Teilen, die entweder gar nicht, oder nur stark zensiert in Deutschland veröffentlicht wurden, als Alternative GTA zu positionieren, entfaltete man erst mit „Saints Row: The Third“ das komplette Potential, indem man nicht mehr versuchte GTA zu kopieren, sondern eher das absolut politisch unkorrekte „GTA auf Crack“ zu sein. Der vierte Teil setzte dem Ganzen dann noch die Krone auf, indem man sich plötzlich als Präsident der Vereinigten Staaten in mitten einer Alien-Invasion wiederfand, um wenig später in einer Art Matrix zu leben, Superkräfte zu entwickeln und um nichts geringeres als das Schicksal der Menschheit zu kämpfen…

Der vierte Teil, der ursprünglich auf der PS3 erschien wurde nach der Insolvenz von THQ im Jahr 2013 und der Übernahme der Marke und Entwickler Volition durch Plaion, auf der PS4 wiederveröffentlicht und bekam sogar noch mit „Saints Row: Gat out of Hell“ einen Stand Alone DLC, der aber hinter seinen Erwartungen zurückblieb. Für mich sind sowohl „Saints Row IV“, wie auch „Saints Row: Gat out of Hell“ absolute Meisterwerke, aber da die Spiele nicht profitabel genug waren, schien das Schicksal der Marke, spätestens nach dem Versuch mit dem Spin Off „Agents of Mayhem“ auf Hype der Squad-basierten Multiplayertitel, wie „Overwatch“ und „Battleborn“, aufzuspringen, nur um einen der größten Flops der letzten Jahre zu produzieren, ein für alle mal besiegelt.

Doch totgesagte Leben anscheinend länger, denn 2019 zum ersten Mal angekündigt und 2021 auf der Gamescom mit einem ersten Teaser als offizielles Reboot angekündigt ist das Spiel nunmehr erschienen. Entwickelt vom Originalentwickler Volition, auch wenn dessen Belegschaft nach den letzten Flops massiv heruntergefahren wurde und mir persönlich nicht bekannt ist, ob überhaupt noch jemand beteiligt war, der bereits an anderen Teilen mitgearbeitet hat. Das Spiel wirft den überdrehten Humor der letzten Teile komplett über Bord und besinnt sich nach eigener Aussage wieder auf die den anfänglichen mix aus ernsthafter Action mit pointiertem Humor. Bis auf den Namen „Saints“ und das Lilien-Logo der Verbrecherorganisation gibt es keinerlei Verbindungen zu den Vorgängern. Also keine Stadt Steelport, keinen Johnny Gat, keine Riesendildos, keine Dubstep-Gun, usw.

Insgesamt ist das Spiel damit gleich auf den ersten Blick etwas zahmer und auch weniger abgedreht: wir spielen einen möchte gern Gangster, der in der fiktiven Stadt Santo Ileso, eine Wüstenstadt, die mit ihren fünfzehn Bezirken immens groß und abwechslungsreich ist. Unseren Gangster können wir dabei mit einem überraschend vielschichtigen Editor selbst erstellen und der Phantasie sind dabei fast keine Grenzen gesetzt, da von realistisch, bis hin zu abgedrehten Mutanten fast alles möglich ist, auch wenn es im Spiel selbst natürlich mit der Immersion bricht, wenn wir beispielsweise einen deformierten Piraten-Clown spielen (kann ja mal passieren) und man dennoch genauso auf uns reagiert, als wenn wir ein frommer Bibelverkäufer sind. Für unsere Figur stehen selbstverständlich auch wieder unterschiedliche Stimmen zur Verfügung, doch leider findet man dieses Mal weder Troy Baker, Nolan North, oder Laura Bailey im Raster, die in den vorherigen Teilen zu hören waren.

Unser namensloser Protagonist versucht sich zunächst als Anwärter einer ortsansässigen Sicherheitsfirma, bzw. Privatarmee, fällt dort allerdings schnell durch unkonventionelle Vorgehensweisen auf, sodass man den Job schnell wieder los ist. Von dort an beschließt man, zusammen mit den ehemaligen Mitbewohnern, die passenderweise auch aus ihren unterschiedlichen Gangs heraus geflogen sind, ein eigenes Verbrechersyndikat ins Leben zu rufen, sie „Saints“ sind geboren. Von dort an geht es darum nach und nach die komplette Stadt, Bezirk für Bezirk, unter seine Kontrolle zu bringen und die anderen Gangs einzudämmen:

Das geschieht über eine Vielzahl von Haupt- und Nebenmissionen, sowie unzähligen Nebenaktivitäten, wie Wettrennen, Versicherungsbetrug, Einnahme von gegnerischen Basen, Diebstahl von Luxusautos, Dumpster Diving, oder das Manipulieren von Sternebewertungen für Restaurants, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Diese Aktivitäten werden alle in den ersten Missionen nach und nach eingeführt und in Windeseile ist unsere Weltkarte fast komplett mit den unterschiedlichsten Symbole zugepflastert. Das mag zwar Abwechslung suggerieren, doch das ist leider nur bedingtbedingt der Fall, denn in den meisten Fällen beschränkt sich jede Mission auf einen Wechsel aus Schnitzeljagd von Missionsmarker zu Missionsmarker und Shootouts mit unzähligen Gegnerhorden.

Das spielt sich leider recht eintönig, was zum einen daran liegt, dass die Gegnerhorden einfach zu groß sind und zum anderen wenig bis keine Elemente vorhanden sind, die das Spielprinzip dabei weiterentwickeln, oder auflockern. Wer sich beispielsweise an Professor Genki, den Kampf durch ein abstürzendes Flugzeug, das Wagenrennen mit menschlichen „Pferden“ im Gimp-Anzügen, oder den herrlichen Subplot „How the Saints saved Christmas“ erinnert, wird wissen was ich meine und eben das fehlt hier leider. Gleiches kann man über die Waffenauswahl sagen, denn es gibt lediglich eine Handvoll Waffen und etwas Besonderes, wie den Riesendildo, oder die Dubstep-Gun sucht man leider vergebens. Ähnlich sieht es leider auch bei den Nebenmissionen aus, denn dabei handelt es sich auch lediglich um Standardkost, wenn man mal von kleinen Licht blicken absieht.

Das wäre an sich alles nicht so schlimm, wenn es sich um ein Spiel von vor fünfzehn Jahren handeln würde, als die Sandbox noch in ihren Kinderschuhen steckte und die Spieler inflationären Nebenmissionen noch nicht überdrüssig geworden wären (Danke Ubisoft…), doch es handelt sich eben um ein Spiel aus dem Jahr 2022. Besonders in den letzten Jahren haben die Spiele einen massiven Sprung nach vorne in Sachen Inhalt und Story gemacht und besonders Platzhirsch Rockstar hat mit „GTA V“ und „Red Dead Redemption 2“ gezeigt, dass eine offene Spielwelt mitreißender sein kann, als das bloße Abarbeiten von Missionsmarkern. Selbst das eben erwähnte „GTA V“ hat nunmehr bereits 9 Jahre auf dem Buckel, ist im gleichen Jahr wie „Saints Row IV“ herausgekommen und spielt sich heute in der zweiten Wiederveröffentlichung auf einer neuen Konsolengeneration, seit dem ursprünglichen Launch, immer noch keineswegs altbacken und sieht dank viel Hingabe der Entwickler immer noch fast genauso toll aus, wie aktuelle Spiele.

Anders allerdings das neue Saints Row, denn wo Cutscenes und Trailer, wie zum Beispiel auch der Trailer auf der letztjährigen Gamescom, schnell ziemlich cool wirken können, überträgt sich das nicht immer auf das finale Spiel. Und so kämpft das Spiel auch nach dem Day One-Patch mit Slowdowns, Popins und anderen Fehlern, wie nicht erscheinenden Punkten für Interaktion, oder gar Gegnern, die irgendwie nicht den Weg zur Mission finden und damit einen Abschluss der Mission unmöglich machen. Zwar ließen sich derartige Probleme mit einem Neustart der Mission beheben, doch so etwas sollte bei einem Spiel von einem Publisher dieser Größe keinesfalls vorkommen.

Insgesamt mag es einige vielleicht überraschen, dass ich trotz der vielen Unzulänglichkeiten dennoch meinen Spaß mit dem Spiel hatte. Die Geschichte an sich ist unterhaltsam und die Action ist solide. Jedoch bleibt das Spiel meilenweit hinter seinem Potential zurück und revidiert nahezu alle Designentscheidungen, die die Reihe von der Masse abgehoben haben, was es absolut verwunderlich macht, dass das Spiel immer noch vom Originalentwickler stammt. Ich habe persönlich eine recht hohe Schmerzgrenze, was repetitives Missionsdesign und tonnen von Sammelobjekten angeht, aber habe mich beim Spielen immer wieder gefragt, wann denn eigentlich die Geschichte mal weitergeht, da der Füller zu sehr Überhang genommen hat. Ähnlich sieht es mit der Spielwelt aus, die ist zwar riesengroß und bietet damit jede Menge Abwechslung und Easter Eggs, aber wenn jede Mission von gefühlt ewigen Laufwegen in die Länge gezogen wird, bleibt der Spielspaß auf der Strecke und ich habe innerlich drei Kreuze gemacht, als ich einen Helikopter freigeschaltet hatte, um die Wege damit auf ein Minimum zu reduzieren, während ich irgendwann auch dazu übergegangen bin alles abseits der Hauptmissionen konsequent zu ignorieren. Ich hoffe, dass das Spiel technisch durch Patches und inhaltlich durch die angekündigten DLCs vielleicht nochmal die Kurve kriegt, immerhin gehörten die DLCs im letzten Hauptteil der Reihe eindeutig zu den Highlights mit abgefahrenen Ideen und es wäre schade, wenn eine derart einzigartige Reihe in der bleiten Masse untergeht…

Entwickler: Volition

Publisher: Deep Silver, Plaion

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@05.09.2022

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