PS4 Review: „Wonder Boy: Asha in Monster World“ #WonderBoy #MWIV

Wonder Boy ist einer dieser vergessenen Spielehelden, an den die meisten sich kaum noch erinnern werden. Immerhin war er nie so markant, wie Kirby, Mario und Link, die man alle irgendwie als seine Konkurrenz ansehen könnte. Nichts desto trotz hat er auch heute noch viele Fans, weswegen es alle paar Jahre eine Neuauflage („Wonder Boy Returns“) , ein Remake (Wonder Boy: The Dragon’s Trap“), oder eine Hommage („Monster Boy and the cursed Kingdom“) gibt. Die bisher aktuellste Veröffentlichung, „Wonder Boy: Asha in Monster World“, ist ein interessanter Hybrid zwischen alt und neu, das ich mir als Fan nicht entgehen lassen wollte, wofür mir dankenswerterweise ein Code für die PS4 zur Verfügung gestellt wurde. Dieser Umstand hat aber selbstverständlich keinen Einfluss auf meine Bewertung.

Die Reihe war schon immer etwas Spezielles, da im Grunde jeder Teil eine komplett andere Identität hatte. Angefangen hat alles als Action-Plattformer, der überraschend viele Parallelen zur Adventure Island-Reihe bot, was klar daran lag, dass Hudson sich das Spielprinzip und die Engine für ihren Master Higgins lizensierten, aber die Charaktere aus Sparten, wobei aber nicht 100% klar ist, ob das eine bewusste Entscheidung seitens Hudson war, oder ob Sega die Rechte für den Charakter nicht lizensieren wollte. Im weiteren Verlauf wandelte sich die Reihe immer mehr zum Action-Adventure und bot teilweise auch Metroidvania-Ansätze, auch wenn es noch Jahre dauern sollte, bis der Begriff überhaupt etabliert werden sollte.

Besonders der vierte Teil der Reihe setzte in dieser Beziehung Maßstäbe, bot sogar schon eine offene Spielwelt und etablierte lange vor Shantae, eine starke weibliche Protagonistin. – Zu schade nur, dass wir im Westen davon gar nichts mitbekommen haben, denn aus unerfindlichem Grund entschloss sich Sega, das Spiel ausschließlich in Asien zu vertreiben. Das hat sich zwar seitdem etwas gewandelt, denn nicht nur ist das Spiel einer der 42 Titel auf dem Sega Mega Drive Mini, sondern hat in den letzten Jahren mehrere Veröffentlichungen auf diversen Plattformen erfahren, wo sich das Spiel schnell zum Fan-Favorite gemausert hat. Und jetzt, schlappe 27 Jahre nach der ersten Veröffentlichung, erscheint das Spiel noch einmal neu, in modernisierter Form, auch wenn es im Vergleich zu „Wonder Boy: The Dragon’s Trap“ kein 1:1-Remake geworden ist, aber dazu später mehr…

Das Geschichte ist zwar alles andere als Oscar-verdächtig, doch erfüllt ihren Zweck, ist kurzweilig und wartet mit Witz und Liebe zu kleinen Details auf. Wir spielen dieses Mal nicht den Titelgebenden Wonder Boy, sondern ein junges Mädchen namens Asha. Eines Tages vernimmt sie plötzlich fremde Stimmen in ihrem Kopf, die um ihre Hilfe bitten, worauf sie sich auf eine gefährliche Reise begibt, dieser Bitte nachzukommen. Auf ihrem Weg trifft sie viele wundersame Gestalten, besiegt fiese Monster, findet einen waschechten Flaschengeist und adoptiert ein kleines Monster namens Pepelogoo, das ihr aktiv mit diversen Fähigkeiten zur Seite steht.

So springen und schlagen wir uns durch unterschiedliche Städte und Dungeons, die zwar linear angeordnet sind, aber uns dennoch eine gewisse Freiheit beim Erkunden geben. Ähnlich wie bei Shantae gibt es immer wieder Zugänge zu den Dungeons und wenn wir darin alles erkundet, oder einen Boss besiegt haben, wird dieser Zugang verschlossen. Immer wieder gibt es auch klassische Plattformer-Abschnitte, die sich an den Ursprüngen der Reihe orientieren und stellenweise recht fordernd, aber ohne zu viel Frust auskommen.

Aber kommen wir mal zu den Unterschieden: Gleich zu Beginn fällt Veteranen wahrscheinlich auf, dass sich in Sachen Grafik einiges getan hat. So ist sie klassische 2D-Pixeloptik einer charmanten 2,5D-Ansicht mit schönen Comichaften Charakteren und Hintergründen gewichen. Dabei wurden auch ein paar neue Layouts der Areale implementiert, um die Navigation zu erleichtern. Aus diesem Grund kann man auch nicht zwischen der alten und neuen Version hin- und her schalten, dazu sind die Versionen einfach zu unterschiedlich. Dafür hat sich ININ, die die physische Version vertreiben, aber etwas einfallen lassen: Man legt einfach einen Code der übersetzten und auf die PS4 portierten Originalversion bei, die exklusiv in dieser Version erhältlich ist. Doch auch den Witz des Originals hat man für das Remake an einigen Stellen weiterentwickelt, so kommt es, dass der weise Mann, bei dem man im Original bereits sein Spiel speichern konnte, im Remake große Angst hat arbeitslos zu werden, da moderne Spiele ja überall speichern.

Technisch ist das Spiel das Spiel ein zweischneidiges Schwert, denn zweifelsohne werden sich einige Fans der Originals von der optischen Frischzellenkur abschrecken lassen. Denn entgegen aufwendigen Pixeln hat man es mit moderner Cell Shading-Animation zu tun. Ich finde die neue Grafik ganz schick, denn auch wenn sie sich doch sehr von der Originalgrafik entfernt, bietet sie die gleichen kleinen Details, wie dass auch die Cell Shading-Asha dezent mit ihrem Hintern wackelt, wenn sie etwas aufhebt. Selbstverständlich haben Gesichter jetzt erkennbare Details, die Emotionen erkennen lassen und auch die relativ begrenzten Animationszyklen bei Asha’s Animationen wurden massiv erweitert. Beibehalten wurde allerdings das überaus farbenfrohe Design, das man leider viel zu selten in Spielen findet, die nicht ausschließlich an kleine Kinder gerichtet sind. – Manchmal muss man sich wirklich wundern, ob sich aus irgendeinem Grund das Vorteil bei vielen Entwicklern festgesetzt hat, dass Gamer ab einem gewissen Alter keine Farben mehr mögen…

Was den Soundtrack angeht war das Original immer etwas uninspiriert. Es war keineswegs schlecht, aber es gab im Grunde keine Melodie, die im Ohr geblieben ist. Anders aber beim Remake, denn der man hat die Kompositionen des Originals mit unterschiedlichen Einflüssen weiterentwickelt und auch wenn ich mir den Soundtrack dennoch nicht auf Vinyl kaufen würde, kann man ihn wirklich gut anhören. Ähnlich verhält es sich mit dem Rest der Vertonung, denn nun nicht nur sind die Soundeffekte ausgefeilter, sondern es gibt auch mehr Voice Acting, als im Original, auch wenn das nur in Japanisch mit Untertiteln und nicht komplett über alle Gespräche vorliegt.

Insgesamt hatte ich mit dem Remake eine ganze Menge Spaß, denn die Entwickler haben wirklich ein gutes Händchen dabei bewiesen dem Original zu huldigen, ohne es ausschließlich mit neuer Technik auszustatten. Stattdessen hat man die Elemente, die beim Original gut waren beibehalten und darauf aufgebaut. So ist zum Beispiel die Navigation durch eine eingängigere Anordnung von Eingängen und übergangen zu anderen Bildschirmen einfacher geworden. Sowohl Veteranen, wie auch neue Spieler werden mit Sicherheit mit dem Remake einer, zumindest hierzulande, vergessenen Perle ihren Spaß haben, und das ist doch die Hauptsache! Wer allerdings den Vergleich zwischen beiden Versionen haben möchte, sollte unbedingt zur Retail-Version greifen, denn dort liegt das Orginal als DLC bei.

Entwickler: G-Choice / Monkey Craft

Publisher: Studio Artdink (digital) / ININ (retail)

Erhältlich auf: PC, PS4, Nintendo Switch

NB@11.06.2021

——— Hinweise & Disclaimer: ———

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