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Traditionsentwickler “Hudson Soft” hat einige eigene IPs in ihrem Repertoire, aber eine des besten ist wahrscheinlich die “Adventure Island”-Reihe um den trotteligen Lendenschurz-Enthusiast Mister Higgins, der besonders die 8- und 16-bit Ära auf Nintendo-Konsolen geprägt hat. Obwohl ich persönlich eher ein Fan des NES bin, muss ich zugeben, dass der erste Teil der Reihe auf dem Super Nintendo, die NES-Teile in den Schatten stellt. Haben Teil 2 und 3 auf dem NES versucht durch neue Mechaniken das Spiel zu erweitern, was allerdings eher dazu betrug, dass die Spiele überfrachtet daher kamen, so beschränkt sich der erste Super Nintendo-Teil unter dem Titel „Super Adventure Island“ als quasi-Remake des ersten Teils wieder auf das Wesentliche.

Master Higgins hat das Pech einfach gepachtet. Da ist er gerade noch dabei einen romantischen Abend in einem Bauwipfel mit seiner Freundin Tina verbringen, da kommt der böse Zauberer Dark Cloak vorbei und verwandelt Tina einfach in Stein, bevor er sich wieder in sein Schloss zurückzieht. Natürlich kann Master Higgins das nicht einfach hinnehmen und macht sich umgehend auf den Weg Dark Cloak hinterherzujagen, um ihm den Gar auszumachen und Tina wieder in einen Menschen zurück zu verwandeln… Soviel zur Story, die in einer netten Cutscene zum Spielbeginn vorgestellt wird.

Insgesamt muss Master Higgins durch 5 umfangreiche Welten, die sich nochmal in unterschiedliche Bereiche (à jeweils 3 Levels) unterteilen und neben Standards der Reihe, wie Dschungel und Höhlen, aber auch Wüsten, Unterwasserlevel und sogar das Innere eines Wales umfassen, bevor man endlich in Dark Cloak’s Schloss ankommt. Auf seinem Weg stellen sich ihm unzählige Gegner in den Weg, doch sein größter Gegner ist dabei sein ständiger Begleiter: Er selbst. Denn Master Higgins muss ständig in Bewegung sein, was kontinuierlich Lebensenergie verbraucht, die er nur durch Essen wieder auffüllen kann. So rast er wie ein Eichhörnchen auf Crack durch die Welten und man muss darauf achten, dass er immer wieder Essen einsammelt, damit er nicht auf Grund von Ermüdung stirbt. Wem die Art der Fortbewegung noch zu langsam ist, der kann auch auf seinem Weg diverse Skateboards finden, die Master Higgins gekonnt wie ein 90er-Jahre-Teen durch die Levels skaten lässt, wo die Geschwindigkeit allerdings nochmal angehoben wird und man sehr aufpassen muss, dass man in keine Gegner oder Hindernisse reinfährt.

Da uns die Gegner und dabei besonders die abwechslungsreichen und kreativen Bossgegner, aber natürlich auch gefährlich werden können, gibt es auch Verteidigungsgegenstände in der Welt. Es gibt dabei eine Axt und einen Boomerang, die sich jeweils durch wiederholtes Aufsammeln des gleichen Gegenstandes aufleveln lassen.

Die Steuerung ist dabei sehr flüssig und man merkt, dass man es bei „Hudson Soft“ mit sehr erfahrenen Entwicklern zu tun hat. Hat sich Mister Higgins auf dem NES teilweise noch sehr ungelenk steuern lassen, so ist er hier so agil, wie nie, obwohl man ihm das auf Grund seiner äußeren Erscheinung gar nicht ansieht.

Die Grafik präsentiert sich kunterbunt in liebevoller Comic-Optik und passt sehr gut zum allgemein abstrusen Gesamtbild des Spiels, denn erst zu nehmen ist hier rein gar nichts und alles wird gefühlt mit einem gewissen Augenzwinkern präsentiert. Herausragend muss man noch die Musik erwähnen, denn hier war niemand geringeres als Yuzo Kashiro am Werk, der seines Zeichens auch für den herausragenden Soundtrack von Sega’s „Streets of Rage“-Serie verantwortlich ist. Hier schlägt er zwar weniger technoide Töne an, die in die schon fast an Hip-Hop erinnern, aber ungemein begeistern.


Insgesamt kann man jedem Freund von Plattformern, der noch ein SNES zu Hause stehen hat das Spiel mehr als ans Herz legen, denn das Spiel ist immer noch ein spaßiger Zeitvertreib. Und entgegen einiger andere Spiele aus längst vergangenen Zeiten ist es in der Regel auch noch immer recht leicht und zu vertretbaren Preisen zwischen auf eBay und Co. zu bekommen.

NB@02.10.2019