PS4/PS5 Review: „Quest for Infamy“ #QuestForInfamy #QuestForGlory

Über die 80er und 90er Jahre hat mich wahrscheinlich kein Genre so geprägt, wie die klassischen Adventures, seien es die frühen Spiele mit Textparser, oder dann auch die späteren mit Maussteuerung. Die Platzhirsche dieser Genres waren Lucasfilm Games, bzw. später Lucas Arts und Sierra, die für mich immer mein heimlicher Favorit waren. Zu den bekanntesten Spielen von Sierra gehören neben Leisure Suit Larry selbstverständlich auch die Quest-Reihen, vorrangig King’s Quest, Space Quest und auch Police Quest. Jedoch eine Reihe die viele oft außer Acht lassen ist die Quest for Glory-Reihe, die ursprünglich als Hero’s Quest gestartet wurde, aber auf Grund von rechtlichen Problemen ihren Namen ändern musste.

Quest for Glory setzte zwar auf den Grundsteinen der anderen Reihen auf, erweiterte sie aber durch RPG-Elemente, die dem Spiel sowohl eine actionreichere Ausrichtung und unterschiedliche Lösungswege gaben. Denn bereits der erste Spiel setzte auf ein Klassen-System für den Hauptcharakter und unterschiedliche Charakterwerte, die alternative Wege boten. Zusätzlich gab Runden basierte Kämpfe, wie man sie beispielsweise aus Final Fantasy und Co. kennt und bot sogar schon einen vollumfänglichen Tag- und Nachtwechsel, der auch Einfluss auf das Geschehen in der Spielwelt hatte. Aus diesem Grund hat die Reihe auch bis heute eine große Fangemeinde und es gibt einige Fan-Remakes der klassischen Teile und inoffizielle Fortsetzungen und Spin-Offs, wie das heute thematisierte „Quest for Infamy“, das gerade erschienen ist und mir dankenswerterweise vorab vom Publisher zur Verfügung gestellt wurde. Einen Einfluss hat dieser Umstand aber selbstverständlich nicht auf meine Bewertung.

„Quest for Infamy“, entwickelt von Infamous Quests und auf Konsolen portiert von Ratalaika Games ist eine absolute Liebeserklärung an die Reihe von  Sierra durch und durch. Das fängt schon bei Namen an, wo man „Glory“ einfach durch „Infamy“ getauscht hat, was sowohl zur Identifikation mit der Vorlage, aber auch Anhebung dienen soll, denn wo sich die Quest for Glory-Spiele stellenweise zu ernst nahmen, mischt Infamy das Feld mit selbstreferenziellem Humor und vielen Anspielungen an die Vorlage auf, ohne dabei nur ein Klon zu sein. So entschied man sich für einen Artstyle der nah an der Sierra-VGA-Ära angelehnt ist und erzählt die Geschichte von Roahm, in sich selbst auch ein Wortspiel von denen es viele im Spiel gibt, der im Grunde nichts Gutes vorhat. Entgegen der Vorlage will er keinesfalls ein Held werden und strebt auch nicht nach Ruhm, sondern er ist sich selbst der nächste. So verschlägt es ihn auf der Flucht vor einem Baron mit dessen Tochter er etwas angefangen hatte in die Stadt Volksville, im Königreich Lonaria. Durch eine ungünstige Verkettung von Ereignissen hat Roahm keine andere Wahl, als sich auf die Suche nach einem mächtigen Juwel zu machen. Er wird allerdings nicht ausgewählt, da er besonders heldenhaft ist, sondern weil er einfach keine Skrupel hat und eher als Dreckskerl angesehen wird, dem jedes Mittel recht ist…

Dazu kann Roahm früh im Spiel sogar drei unterschiedliche Pfade einschlagen: Den eines Kriegers, den eines Magiers, oder den eines Diebs. Doch wo andere Spiele uns einfach einen Charakter wählen lassen bestimmt der Weg, wie wir das erste größere Rätsel im Spiel lösen, unsere Entscheidung. Danach lässt sich unsere Entscheidung nicht mehr rückgängig machen und auch wenn die Handlung dabei ähnlich verläuft und es keine grundlegenden Abweichungen gibt, handelt es sich dennoch um drei unterschiedliche Wege, die das Spiel bietet.

Wer mit den Spielen der VGA-Ära von Sierra vertraut ist, der Zeit von „Space Quest IV: Roger Wilco and the Time Rippers“ und „King’s Quest V: Absence makes the Heart go Yonder!“, der wird sich gleich wie zu Hause fühlen. Der Textparser ist übersichtlichen Icons gewichen, die sich über den Curser, oder eine Leiste am oberen Bildschirmrand selektieren lassen. Die Standards sind dabei Laufen, Reden, Nehmen, oder Benutzen und Kämpfen, wobei das Spiel noch unterschiedliche Geschwindigkeiten der Fortbewegung bereithält, was uns wahlweise auch Rennen, oder Schleichen lässt und ebenfalls für Rätsel benutzt werden muss. Zusätzlich hält die Leiste noch unser Inventar bereit, das sich in Windeseile prall füllt, denn alle Adventure-Helden sind notorische Kleptomanen, die alles mitnehmen, was nicht Niet- und Nagelfest ist. Und zu guter Letzt findet man in der Leiste noch Einblick in unsere Charakterwerte, die an unsere Klasse gekoppelt sind und sich im Spielverlauf punktuell steigern lassen. Ebenso wie die erwähnten Sierra-Spiele ist „Quest for Infamy“ komplett vertont, obwohl man es in dieser Beziehung etwas zu genau mit der Hommage genommen hat, denn die Sprecher und die Art der Aufnahme schwanken immens, obwohl man entgegen der Vorlagen, die sich der „Talente“ von Sierra-Angestellten bedient hat, hier eigentlich Profis genommen haben sollte.

Insgesamt ist das Spiel wirklich eine kleine Offenbarung für Fans der Vorlage, auch wenn das notgedrungen etwas Kritik mit sich bringt. Denn für meinen Geschmack hätten die Rätsel durchaus etwas knackiger sein können, bewegen sich aber alle auf Einsteiger-Niveau. Ähnlich sieht es leider mit den Kämpfen im Spiel aus, die im Grunde keine wirkliche Strategie brauchen, sondern eher in einem simplen Klickfest münden, indem man die verfügbaren Angriffe durchführt, bis das Monster das zeitliche segnet. Zugegebenermaßen war das auch bei der Vorlage nicht anders, aber hier wäre eindeutig Potential zur Verbesserung gewesen, um die Kämpfe nicht nur ein Herunterzählen der Stamina sein zu lassen. Doch abseits davon macht das Spiel wirklich Spaß und könnte durchaus ein authentisches Spiel der Reihe sein, auch der Erzähler damals wahrscheinlich nie so eine merkwürdige Obsession mit Sexwitzen gehabt hätte, wie es in Infamy der Fall ist.

Entwickler: Infamous Quests

Publisher: Ratalaika Games

Erhältlich auf: PS4, PS5, Xbox One, Nintendo Switch

NB@23.03.2022

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