Man kann es nicht anders sagen, aber Capcom hat mit ihren aktuellen Remakes wirklich viel richtig gemacht. So blieb das Remake von „Resident Evil 3“ zwar etwas hinter der Qualität von „Resident Evil 2“ zurück, da Inhalte weggelassen wurden, aber es waren beides nicht nur überaus gelungene Remakes, sondern auch für sich gesehen tolle Spiele. Ähnlich verhielt es sich dann zum Release des Remake von Fan-Favorite „Resident Evil 4„, das nicht nur in Sachen Atmosphäre, sondern auch mit inhaltlichen Verbesserungen der Vorlage das Wasser abgrub. Es gab nur einen Wermutstropfen und das sind Inhalte des Originals, die nicht den Sprung in das Remake geschafft haben, allem voran die Mini-Kampagne „Separate Ways“ in der man Ada Wong spielt und die parallel zur Hauptgeschichte abläuft.

So war „Separate Ways“ zwar in der ursprünglichen Veröffentlichung auf dem GameCube, für all diejenigen, die sich noch an die Konsole erinnern und ebenso dass „Resident Evil 4“ ursprünglich exklusiv darauf erscheinen sollte, noch nicht Bestandteil des Spiels, aber seitdem in allen späteren Veröffentlichungen. Entsprechend war der Frust, dass diese Erweiterung nicht enthalten war und dann auch noch als DLC nachgereicht werden sollte, wo immer die Befürchtung mitschwingt, dass Inhalte bewusst raus gelassen werden, um die Kunden erneut zur Kasse bitten zu können…

Und auch wenn wir in dieser Beziehung selbstverständlich nur mutmaßen können, so ist es umso erfreulicher, dass der DLC zumindest nur 9,99€ kostet und keine 20, oder 30 Euro, was immer wieder für ähnliche Erweiterungen veranschlagt wird, wie jüngst beispielsweise bei „Phantom Liberty“ dem Add-On für „Cyberpunk 2077„, auch wenn das Geld in Relation zum Umfang an sich gut investiert ist. Doch was bekommt man für sein Geld, lohnt sich diese Investition und bietet das neue „Separate Ways“ das gleiche Erlebnis?

Um das direkt zu beantworten, die Antwort lautet eindeutig <<Nein!>>, denn es handelt sich bei „Separate Ways“ nicht um ein Remake des ursprünglichen Add-On, sondern um eine umfangreiche Neuinszenierung, die dem Anspruch an das Remake mehr als gerecht wird. Zweifelsohne wäre ein 1:1 Remake diesem Anspruch keineswegs gerecht geworden, da man lediglich eine Handvoll Areale aus dem Hauptspiel erneut besucht hat, um an bestimmten Knotenpunkten auf Leon in „seiner“ Kampagne zu treffen. Das alles hat nicht länger als 1-2 Stunden in Anspruch genommen und bot keinerlei Neuerungen, oder Veränderung im Gameplay. – Ganz im Gegensatz der neue DLC, der eigene Wege beschreitet, einiges an Neuerungen einführt und bietet 6-8 Stunden neues Gameplay mit eigener Identität, interessanten Wendungen und sogar einigen neuen und bekannten Bossen.

Die Grundlage ist selbstverständlich die gleiche: Wir sind als Spionin Ada Wong im Auftrag von Albert Wesker unterwegs und sollen eine Probe des Las Plagas-Parasiten beschaffen, die Leon das Leben so schwer machen. Allerdings hat Ada immer noch Gefühle für Leon, weswegen sie ihm mehr als einmal unter die Arme greift und damit im Grunde für mehrere Seiten arbeitet. Dieses Mal gibt es allerdings mehr Überschneidungen mit anderen Charakteren und Handlungen der Hauptgeschichte und Ada ist persönlicher eingebunden, da sie selbst mit dem Parasiten infiziert wird.

Ada hat als waschechte Spionin ein paar neue Gadgets im Gepäck, wobei am prominentesten von einem Enterhaken Gebrauch gemacht wird, den Ada schon im Original hatte, den man als Spieler aber nicht aktiv benutzen konnte. Das hat sich jetzt geändert. Der Enterhaken wird nicht nur verwendet um Hindernisse zu überwinden, sondern lässt sich auch in den Kampf einbauen, wenn man sich beispielsweise an Gegner heranzieht, um sie dann im Nahkampf auszuschalten, was an Just Cause erinnert und genauso viel Spaß macht. Weiter verfügt sie über spezielle Kontaktlinsen, die es ihr erlauben einen Detective Mode, ähnlich „Arkham Knight„, oder Eagle Vision, ähnlich Assassin’s Creed zu aktivieren, um versteckte Spuren sichtbar zu machen und damit kleinere Rätsel zu lösen. Das sorgt dafür, dass der Fokus im DLC eher an einen Spionage-Thriller, als an einen Actionfilm erinnert. Doch dieser Wechsel der Ausrichtung passt gut zur Geschichte, immerhin ist Ada eine Spionin, die versucht so viel wie möglich im Verborgenen zu agieren.

Ohne zu viel vorweg zu nehmen wird es die Spieler durchaus freuen, dass einige Sequenzen aus der Hauptkampagne, die der Schere zum Opfer gefallen sind, im DLC wieder eingefügt wurden und sogar thematisch besser in die Abfolge passen, als im ursprünglichen „Resident Evil 4“. So findet man hier zum Beispiel nicht nur die Gang mit der Laserfalle wieder, sondern trifft auch auf den Kampf gegen U-3, einen Bosskampf den Leon seinerzeit noch in mehreren Etappen bestreiten musste und der nun Teil des DLC geworden ist.

Insgesamt hatte ich wirklich hohe Erwartungen an das neue „Separate Ways“ und selbst diese wurden in nahezu allen Belangen erfüllt, wenn nicht sogar bei weitem übertroffen. Der DLC fühlt sich weniger wie eine Erweiterung, sondern eher wie ein legitimer Teil des Spiels an, den man jetzt nachgereicht bekommt. Und gerade in Anbetracht des Umfangs, der einige Kampagnen aus der Call of Duty-Reihe in den Schatten stellt, jedoch auch ohne Längen auskommt und zu einem recht geringen Preis vertrieben wird, steht es eigentlich außer Frage, ob man in den DLC investiert. Wer das Hauptspiel besitzt und damit Spaß hatte sollte auf jeden Fall zugreifen, denn er rundet das Spiel ab. Die neuen Mechaniken, neue Gebiete und neuen Bosse stellen eine großartige Ergänzung zum Hauptspiel dar.

Entwickler: Capcom

Publisher: Capcom

Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S

NB@10.10.2023

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2 Antworten zu „PS5 Review: „Resident Evil 4 Remake [Separate Ways]“ #RE4 #ResidentEvil“

  1. […] zu modernisieren, sondern hat sie intensiv ausgeweitet, sondern rundet das Erlebnis mit dem „Separate Ways„-DLC gekonnt ab, der sogar kleinere Lücken im Hauptspiel schließt. Und spätestens der […]

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  2. […] Capcom selbst blickt auf eine lange Tradition zurück und ist bekannt für Marken wie Resident Evil, Street Fighter und Devil May Cry. Wilds wurde unter großem finanziellen Aufwand entwickelt und […]

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