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Kaum zu glauben, aber es ist mittlerweile über 2 Jahre her, dass wir ein neues Far Cry in den Händen halten konnten, sogar fast 4, wenn man sich auf die Haupteile der Reihe beschränkt, denn Far Cry 4 erschien bereits 2014 und der Trip in die Steinzeit mit dem Untertitel „Primal“ erschien 2016.

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Und ich muss zugeben, dass ich als langjähriger Fan der Reihe dennoch keine Entzugserscheinungen hatte. Kann es sein, dass die Luft aus der Marke „Far Cry“ raus war? – Auch wenn besonders der dritte Teil der Reihe ein grandioses Spiel war und von Spielern, wie auch Kritikern über den grünen Klee belobt wird, so wurde die Luft danach doch sehr dünn, denn der vierte Teil wirkte nicht, wie ein neues Spiel, sondern versuche das, was den dritten Teil so gut gemacht hat, auf Teufel komm raus zu kopieren und scheiterte damit leider. Zu belanglos war die Geschichte, zu wenig Impact hatte der überstylte Bösewicht Pagan Min und die Spielwelt lieferte schon fast einen Overkill an, eigentlich unnützen Sammelaufgaben. „Primal“ hat da schon einiges besser gemacht, in dem man Schusswaffen gegen Pfeil, Bogen und Nahkampfwaffen tauschte das Feature integrierte Tiere zu zähmen, die man dann als Verstärkung oder helfende Hände für Observierung und taktisches Vorgehen nutzen konnte.


Mit „Primal“ hatte ich um einiges mehr Spaß, als mit dem vierten Teil, auch wenn man leider gestehen muss, dass es abgesehen von den Neuerungen mal wieder „more of the same“ war und eher wie ein Experiment wie „Blood Dragon“, als ein eigenständiges Spiel wirkte, zumal es sich vieler Versatzstücke (wie zum Beispiel die Karte) vom vierten Teil bediente.

Doch nun ist es soweit und der 5. Teil der Reihe wurde veröffentlicht. Ich habe das Spiel direkt über Ubisoft bezogen und habe es so sogar ein paar Tage früher erhalten, sodass ich meine Erfahrungen nach knapp 22 Stunden Spielzeit an alle unentschlossenen weitergeben kann.

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Diesmal verschlägt es uns mit dem Spiel nicht mehr auf karibische Inseln oder abgelegene Bergwelten, sondern ganz bodenständig in den Nordwesten der vereinigten Staaten von Amerika in das fiktive Hope County im Bundesstaat Montana. Die bergige Landschaft besticht dabei durch seine großen Seen und flächendeckenden Nadelwälder. Moderne Architektur sucht man im Spiel vergebens, denn hier dominiert die Farmkultur und das Kleinstadtleben. Und in dieser zugegeben sehr beschaulichen Kulisse verschlägt es unsere Spielfigur, der als unerfahrener Hilfssheriff Teil eines Sondereinsatzes ist um den Anführer einer militarisierten Sekte in Gewahrsam zu nehmen. Wir können dabei unsere Figur frei gestalten und neben jeder Menge an optischen Personalisierungen, wie Kleidung und Accessoires auch das Geschlecht und das Aussehen bestimmen. Das hat zwar alles keinen wirklichen Einfluss auf das Spiel, hilft aber sich zumindest am Anfang mehr mit der Figur zu identifizieren.

Natürlich kommt es, wie es kommen muss, und der eigentlich so einfache Plan schlägt fehl und wir finden uns kurze Zeit später allein in einem feindlichen Gebiet im Kampf ums nackte Überleben wieder. Auch wenn am Grundgerüst der Serie dabei nicht viel geändert wurde und wir immer noch in der First-Persion-Ansicht in bester Shooter-Manier den Kampf gegen den Kult aufnehmen, Missionen erfüllen, die Welt erkunden und Außenposten einnehmen, so gibt es doch einige signifikante Änderungen an der bestehenden Formel.


So wird diesmal gänzlich auf Funktürme und Sammelobjekte im traditionellen Sinn verzichtet. Es gibt zwar am Anfang einen Funkturm den wir einnehmen müssen, was aber im Rahmen des Tutorials als Witz fungiert und auch entsprechend abfällig kommentiert wird. Und klassische Sammelobjekt gibt es diesmal auch nicht, sondern das Spielprinzip ist diesmal Quest-getrieben, wie man es aus Rollenspielen kennt. Man kann also diesmal nicht alles in einem Gebiet durch das Erklimmen eines Turms aufdecken und muss danach aus unerfindlichem Grund 100 Federn sammeln, wie es zum Beispiel in Assassin’s Creed der Fall ist. Hier lernen wir nur durch Erkundung und Quests die Karte kennen und Sammelobjekte treten auch nur im Zusammenhang mit Quests auf und werden, zumindest größtenteils, auf diese Weise in einen Kontext gepackt. Die Quests gliedern sich dabei in Haupt- und Nebenquests, wovon letztere vollkommen optional sind und man diese auch im Bedarfsfall auslassen kann, solang man in den verbleibenden Quests und durch die Erkundung genug Erfahrungspunkte in der jeweiligen Region sammelt, um weiter zu kommen. Ein Sachverhalt, den man aber etwas genauer erklären muss:


Die überaus umfangreiche Karte des Spiels ist in unterschiedliche Regionen eingeteilt und jede Region ist einem hochrangigen Kultanhänger (Geschwister des Anführers der Sekte) unterstellt. Innerhalb dieses Gebietes fungieren diese als eine Art Boss, wie es auch schon bei „Tom Clancy’s Ghost Recon: Wildlands“ der Fall war. Es gibt pro Region unterschiedlich-viele Quests, Außenposten zum Einnehmen, zufällige Ereignisse (Geiselnahmen, Straßensperren, etc.) oder Nebenbeschäftigungen, wie Jagd, Angeln oder Stuntfahrten mit denen wir Erfahrungspunkte verdienen. Wenn wir genug Erfahrungspunkte gesammelt haben, können wir in dieser Region weiter und am Ende gegen den Boss kämpfen.


Dabei sind die Aufgaben, wie auch die Quests abwechslungsreich gestaltet, machen Spaß und halten auch die ein oder andere überraschende Wendung bereit. In gewohnter Weise stehen uns immer unterschiedliche Herangehensweisen offen und wir können so wahlweise komplett unerkannt durch die Gegend schleichen oder mit der Waffe im Anschlag direkt drauf zu rennen. Zur Fortbewegung stehen uns dabei neben den bekannten Fahrzeugen und Booten nun auch Flugzeuge zur Verfügung, die dem Spiel eine komplett neue Dynamik verleihen. So können wir einen Außenposten zuerst vom Flugzeug aus angreifen, dann abspringen und danach vom Boden aus weiterkämpfen.

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Noch spaßiger wird es, wenn wir dabei nicht alleine unterwegs sind, denn das Spiel lässt sich diesmal komplett im Co-op erleben und gemeinsam erkämpfen. Dabei ist allerdings zu vermerken, dass dabei auf dem Spiel des Hosts gespielt wird und nur dort der komplette Fortschritt gespeichert wird. Es kann also sein, wenn man nach einiger Zeit im Co-op dann doch mal alleine spielen möchte, dass man dann wieder vom Anfang beginnen muss. Das hätte Ubisoft wirklich etwas besser machen können.


Aber auch wenn man alleine spielt, ist man nicht zwangsläufig allein. Wir schalten im Spielverlauf Unterstützungscharaktere, wie den bereits aus dem Vorgänger bekannten Hurk frei, den wir herbeirufen können. Diese agiert dann selbstständig, passt sich unserem Spielprinzip an und kann auf Knopfdruck befehligt werden. Wer also lieber alleine spielt, aber dennoch Unterstützung an der Seite haben möchte, kann das auch haben.


Zur genauen Länge des Spiels kann ich noch kein finales Feedback abgeben, denn mit meinen 22 Stunden Spielzeit bin ich noch (lange) nicht durch, auch wenn es, ähnlich wie beim Vorgänger auch wieder ein geheimes Ende innerhalb von 10 Minuten gibt. Das komplette Spiel bietet über 150 Missionen (Haupt- und Nebenmissionen) und selbst mit denen hat man noch lange nicht alles gesehen. Also in Zeiten, wo Vollpreisspiele gerne mal eine Kampagne von 6 Stunden haben ist hier zu vermerken, dass das Spiel wirklich sehr umfangreich ist und somit sehr viel Unterhaltung für den Preis bietet.


Aber selbst nach dem Ende des Spiels kann man sich über das Gesamtpaket wohl nicht beschweren, denn neben dem „normalen“ Spiel gibt es auch den Arcade Mode, der neben klassischen PvP-Modi auch einen Editor bietet, der die Möglichkeit bietet eigene Levels aus Versatzstücken nicht nur aus Far Cry-Spielen, sondern auch aus anderen Ubisoft-Spielen (z.B. Assassin’s Creed, Watch_Dogs), zu designen und online zur Verfügung zu stellen. Bislang gibt es da zwar nur eine Handvoll an Inhalten, die von Ubisoft designed wurden, aber mit dem Release des Spiels sollte immer mehr dazu kommen…

Ich habe schon lange nicht mehr so einen Spaß mit einem Spiel gehabt und kann sagen, dass Far Cry endlich wieder zu alter Stärke zurückgekehrt ist. Ich habe den Kauf in keiner Weise bereut!

NB@29.03.2018

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