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Erinnert ihr euch noch an den Film “Die Mumie”? – Wahrscheinlich geht es euch dabei, wie mir und ihr habt den Film von 1999 mit Brendan Fraser vor Augen. Ein spaßiger Abenteuerfilm à la „Indiana Jones”, der damals ein riesiger Hit an den Kinokassen war, sodass in den nächsten Jahren gleich zwei Fortsetzungen entstanden sind. War die erste Fortsetzung noch ein wirklich guter Film, der mit der „Scorpion-King“-Reihe sogar seine eigene Reihe an Spin-Offs spendiert bekam, so war die zweite Fortsetzung leider ein Totalausfall, der die Reihe letztendlich auch zu Grabe getragen hat. Aber nein, diesen “Die Mumie” meine ich gar nicht, den Rechteinhaber Universal hat den Film im letzten Jahr nochmal als Reboot der Serie mit Tom Cruise in der Hauptrolle, auf die Menschheit losgelassen. Der Film an sich war ok, wenn auch irgendwie unnötig, denn er hat nichts wirklich neues mitgebracht und wirkte im Grunde wie jeder andere x-beliebige Tom Cruise-Film eher wie eine zelebrierte Selbstinszenierung des Schauspielers, und das obwohl ich ihn an sich ganz gern sehe.

Aus unerfindlichem Grund hat sich Universal dazu entschlossen, dass man dem Film auch ein Spiel spendieren sollte, was von „WayForward“ entwickelt wurde und auf allen gängigen Plattformen als Download veröffentlicht wurde. Ähnlich wie der Film, ist das Spiel auch unter dem Radar verschwunden, was in diesem Fall aber ein großer Fehler ist, denn das Spiel an sich ist wirklich gut geworden! – Ein Grund dafür mag natürlich sein, dass das Spiel im Grunde alles aus dem Film, bis auf die Grundprämisse auf oberster Ebene, konsequent ignoriert und gleichzeitig ein Spiel, in momentan angesagter Retro-Optik in Form eines reinrassigen Metroidvania, abliefert.

Wir spielen einen Agenten in Kampfrüstung, dessen Hauptaufgabe es ist, die titelgebende Mumie zu bekämpfen. Dafür wird er zu Beginn ziemlich schwach in ein großes Gebiet entlassen, dass von unzähligen Feinden in Form von Zombies oder anderem bevölkert wird, denen wir auf unserem Weg zur Mumie namens „Ahmanet“ den Gar ausmachen müssen. Mit unserem Fortschreiten schalten wir sowohl neue Fähigkeiten und in Folge dessen auch immer weitere Bereiche der Karte frei, zu denen uns vorher auf Grund von fehlendem Equipment, der Weg versperrt war. Unser Soldat ist dabei zu Beginn nur mit einem Maschinengewehr mit unbegrenzter Munition ausgestattet mit dem er in 8 Richtungen schießen kann, weitere Waffen haben dann zwar mehr Durchschlagskraft, aber auch Schussbegrenzungen. Wir müssen also taktisch vorgehen und genau abwägen, wann wir unsere Waffen und Fähigkeiten in welcher Form einsetzen. Leider ist die Bewegungsfreiheit der Waffen in 8 Richtungen gleichzeitig ein Segen und ein Fluch, denn es kommt während dem Spielen leider öfters vor, dass man nur in eine bestimmte Richtung zielen möchte, um einen Feind auszuschalten, aber stattdessen in diese Richtung läuft, was im schlimmsten Fall leider zum Ableben unseres Agenten führt.

Wohl dem, der rechtzeitig gespeichert hat, denn wie für alte Spiele üblich, gibt es hier kein Autosave, sondern in bestimmten Räumen auffindbare Speicherpunkte. Doch der Tod hat noch einen weitere unschönen Nebeneffekt, denn wir können unseren Spielstand nach dem Tod nicht einfach wieder laden, denn unser Agent verwandelt sich dann in einen Untoten treibt sich weiter auf der Map herum. Wir werden als neuer Agent auf die Map losgelassen und müssen unsere Gesamten Items erst von unserem Untoten Vorgänger zurückholen, indem wir diesen Platt machen, bevor wir da weiter machen können, wo wir aufgehört haben. An sich ist diese Mechanik schon ganz nett, kann aber mit der Zeit ziemlich nerven, wenn man mehrfach vom gleichen Boss fertiggemacht wurde und dann eine gefühlte Ewigkeit braucht, um mit den selben Items einen neuen Versuch gegen den Boss starten zu können…  – Hier stellt sich dann die Frage, warum man Speicherstände anlegen kann, wenn das Spiel an sich nicht möchte, dass man diese verwendet, außer wenn man das Spiel beendet und an einem anderen Tag weitermacht.

Aber im Grunde kann man froh sein, dass es zumindest Speicherstände gibt, denn in einem Aufwasch ließe sich das Spiel wahrscheinlich nicht ohne größere Probleme beenden. Das Areal an sich ist ziemlich groß und wir decken die zu Beginn verdeckte Karte mit der Zeit immer mehr auf. Zur Orientierung gibt es zwar grobe Wegpunkte, doch in der Regel müssen wir selbst überlegen, wie wir am besten vorgehen und das Spiel fordert so vom Spieler das eigene Erkunden, denn nur so findet man unter Umständen fehlendes Equipment oder einen Weg zu einem versperrten Bereich. Wer „Metroid“ gespielt hat, wird mit dieser Mechanik gut vertraut sein, denn durch unser Erkunden finden wir neben notwenigen Story-Items auch weitere Gegenstände, wie Gesundheitsupgrades oder die Möglichkeit unseren Agenten insoweit zu optimieren, dass er höher springen kann.

Die Grafik besticht dabei als liebevolle Pixelgrafik, die durchaus aus einem Spiel von den 16-bi-Konsolen stammen könnte. Erst ein Blick auf die Details offenbart mehr Varianz, als Spiele aus der damaligen Zeit, was aber ein meiner Meinung nach durchaus akzeptabler Kompromiss zwischen Alt und Neu darstellt. Retro-Frans werden mit dem Spiel bestimmt ihren Spaß haben, denn obwohl es ein neues Spiel ist, fühlt es sich sehr bekannt an, was in diesem Zusammenhang eindeutig als gut zu werten ist. Wer allerdings mit Retro-Games nichts anfangen kann, wird hiermit nicht warm werden, denn zu viel an Old-School steckt in dieser Mumie. Ich hatte meinen Spaß mit dem Spiel und will auf jeden Fall auch noch einen Run ohne zu sterben versuchen, denn dafür gibt es natürlich eine Trophäe, die mir leider bisher noch fehlt.

Mit 19,99€ ist das Spiel zwar nicht ganz billig, gerade was rein digitale Veröffentlichungen angeht, aber im Gegensatz zu anderen Spielen, bekommt man genug Unterhaltung für das Geld geboten. Ich hatte das Glück das Spiel mal im Sale für weniger als die Hälfte zu bekommen, was bestimmt auch wieder mal der Fall ist, wenn man etwas abwartet.

NB@21.09.2018