Das Spiel „Tom Clancy’s The Division“ von Ubisoft war definitiv mein Spiel des Jahres 2016. Ich habe alle Missionen mehrfach auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, Solo-, wie auch im Team durchgespielt, alle Sammelobjekte gesucht und war immer auf der Suche nach noch besserem Loot, um mein Loadout noch weiter zu optimieren und meinen Charakter auf diese Weise noch „besser“ zu machen. Auch wenn das Endgame meiner Meinung nach einiges zu wünschen übrig ließ und ich nach vielen frustrierenden Sitzungen eine wirkliche Abneigung gegen die PvP-Komponente, die Darkzone entwickelt habe, so habe ich das Spiel dennoch regelmäßig nochmal gestartet und habe nachgeschaut, was es in der Spielwelt mittlerweile so neues gibt, denn bis zuletzt wurden immer noch neue Inhalte nachgereicht.

 

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Nachfolger in den Startlöchern steht, was uns nun in knapp einem Monat ins Haus steht. Bislang musste man sich mit Gameplayvideos und Trailern zum kommenden Blockbuster „Tom Clancy’s The Division 2“ begnügen, was sich für Vorbesteller aber am vergangenen Wochenende mit der „Private Beta“ geändert hat, denn endlich konnten wir selbst Hand anlegen und uns einen Überblick über den Loot-Shooter verschaffen. Das Spiel wird ebenso wie der erste Teil der Reihe von Massive Entertainment entwickelt und von Ubisoft herausgebracht.

 

Die Beta lief vom Donnerstag dem 07.02. bis einschließlich Montag dem 11.02. und erlaubte es den registrierten Teilnehmern sowohl Einblicke in die PVE-Bereiche mit offener Spielwelt, Story-Abschnitte und Missionen, wie aber auch in den PVP-Bereich, der Darkzone. In wieweit das gebotene sich am Ende mit dem finalen Spiel deckt ist natürlich noch nicht bekannt, aber da der Release des Spieles bereits am 15.03., bzw. für Käufer einiger Editionen sogar ab dem 12.03. ist, liegt nahe, das sich nicht mehr viel am Spiel ändern wird und die Zeit eher in Optimierung und Bugfixes gesteckt wird, was das Spiel meiner Meinung nach, basierend auf insgesamt 6 Stunden Spielzeit der Beta, durchaus nötig hat, auch wenn ich der Handhabung der Beta dennoch ein Lob aussprechen muss, denn im Gegensatz zur Beta von „Fallout 76“ war diese nicht nur Stundenweise, sondern, wenn man von kürzeren Wartungsintervallen absieht, fast durchgängig verfügbar.

 

Die Beta beginnt nach einigen Ladebildschirmen mit einer abgespeckten Version des Charaktereditors, ähnlich wie wir ihn bereits aus dem ersten Teil kennen. Allerdings haben wir lediglich die Auswahl aus einer Handvoll unterschiedlicher (und vordefinierter) Charaktermodelle und keine Möglichkeit etwas zu personalisieren. Da die Optionen allerdings angezeigt, jedoch momentan ausgegraut, sind, wird sich das wohl mit der Vollversion ändern. Informationen, ob wir unseren Charakter aus dem Vorgänger in irgendeiner Weise importieren können, findet man allerdings nicht. Haben wir diese Einstellungen abgeschlossen beginnt das Spiel mit einem schick-animierten und überraschend Konsum- und Amerika-kritischen Introfilm, der die rudimentäre Geschichte erzählt, obgleich er komischerweise den Auslöser weglässt. Es wird lediglich erklärt, dass die Gesellschaft zusammengebrochen ist, sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen herausgebildet haben und es die Division-Agenten gibt, die die letzte Speerspitze für Ordnung sind, aber wer den Vorgänger nicht gespielt hat, wird sich bestimmt fragen, was eigentlich passiert ist. Hier daher ein kurzer Abriss der Vorgeschichte: In New York ist am Black Friday als terroristischer Akt ein Virus über Geldscheine freigesetzt worden, der sich in kürzester Zeit verbreitet und einen Großteil der Bevölkerung befallen hat. Unzählige sind gestorben und alle Bemühungen den Virus einzudämmen sind bisher gescheitert, was in wenigen Tagen dafür gesorgt hat, dass das komplette Leben und die Infrastruktur zum Erliegen gekommen ist und die Reste der Gesellschaft ins Chaos stürzte. Hier kommen die Agenten der Strategic Homeland Division ins Spiel, die Jahre im Verborgenen als Schläfer-Agenten einem normalen Leben nachgegangen sind, bis sie nun aktiviert wurden, um die Gesellschaft vor dem endgültigen Zerfall zu bewahren und die Hintergründe der Pandemie aufzudecken. Wohin sich die Geschichte des zweiten Teils entwickelt ist bisher nicht ganz klar, aber zumindest spielt die Handlung kurz nach den Geschehnissen und New York, da das in mehreren Gesprächen innerhalb der Beta referenziert wurde.

 

Das sich der Virus auch über die Standgrenzen von New York weiter ausgebreitet hat lag nahe, auch wenn das im ersten Teil nicht thematisiert wurde, was nun aber nachgeholt wird. Denn das Setting wird vom winterlichen, verschneiten New York nach Washington D.C. im Frühling verlagert. Das Grau der verschneiten Straßenschluchten von New York ist daher einem farbenfroheren Design gewichen und offenbart eine schon fast dramatische Schönheit der Spielwelt, wo die Natur angefangen hat die Welt zurückzuerobern, was teilweise an „The Last of Us“ erinnert, wo es zugegebenermaßen eine Ähnliche Prämisse gab, die hier allerdings in ein realistisches Setting eingerückt wird. Wir bewegen uns durch die Ruinen unserer Zivilisation, überall liegt Unrat herum, Autowracks, notdürftige Absperrungen und Leichen pflastern die Straßen und das Gesetz des Stärkeren regiert. Wir sind die Speerspitze im Kampf gegen das Unrecht und kämpfen uns gleich in den ersten Spielminuten unseren Weg zum Weißen Haus frei, was für das Spiel als unsere Hauptbasis umfunktioniert wurde. Uns stellen sich dabei zu Beginn nur eine Gang, die sogenannten Hyänen, in den Weg, doch dazu sollen sich im Laufe des Spiels noch weitere Gangs gesellen. Die Stadt ist in unterschiedliche Zonen aufgeteilt und jede Zone wird von anderen Gangs beherbergt. Und gab es im Vorgänger noch einen großen PVP-Bereich, so gibt es nun über die Karte verteilt drei kleinere Bereiche. Jedes Areal auf der Karte ist in eine Stufe eingeteilt, die auch Rückschlüsse auf den Schwierigkeitsgrad der Gegner gibt. Sowohl die Gegner, wie aber auch unser Charakter hat ein Charakterlevel und wenn wir unterlevelt und einen Bereich mit hohem Level gehen, werden wir wahrscheinlich nicht weit kommen, da die Gegner darin zu stark für uns sind.

 

Zusätzlich zum Charakterlevel gibt es auch noch RPG-typisch eine Vielzahl an Ausrüstungsgegenständen, Skills, Perks und Waffen, die unter anderem für mehr Panzerung, höhere Schadenspunkte, Sekundärwaffen, wie eine Drohne, verkürzten Cooldown sorgen. Das System ist größtenteils deckungsgleich mit dem ersten Teil und wurde lediglich um ein paar weitere Skills und Perks erweitert. Da es sich um einen Loot-Shooter mit umfangreichen RPG-Einflüssen handelt finden wir an jeder Ecke neues Loot, dass wir dann mit dem, was wir bereits haben, vergleichen müssen, um am Ende das beste Loadout zu haben. Zusätzlich verdienen wir Erfahrungspunkte und können auch abseits der Ausrüstungsgegenstände, die teilweise Zufallsabhängig sind, auch über das Aufleveln der Fähigkeiten zur Verbesserung unseres Charakters beitragen. Interessant wird hierbei auch, ob wir neben unserem Charakter eventuell auch unsere Items (Waffen, Ausrüstung, etc.) aus dem Vorgänger übernehmen können, oder nicht.

 

Über die vergangen Tage der Beta konnte man das ein oder andere negative zur Performance lesen, aber ich konnte zumindest keine ganz groben Schnitzer feststellen. Ich konnte mich ohne Probleme auf den Servern anmelden und die Ladezeiten an sich gegen, gerade im Vergleich zum Vorgänger, auch in Ordnung, besonders wenn man berücksichtig, dass die offene Spielwelt an sich ohne Ladepausen und Unterbrechungen auskommt. Die Verbindung lief auch stabil und ich hatte auch keinen Disconnect innerhalb meiner Spielzeit. Woran allerdings noch dringend gearbeitet werden sollte ist die Framerate, denn hier gab es etliche Slowdown, was sich komischerweise auch nicht nur auf hektische Szenen beschränkt hatte. Zusätzlich gab es wirkliche Probleme mit nicht geladenen Texturen, wie das folgende Beispiel zeigt:

Tom Clancy's The Division® 2 Beta_20190210001633

Erst einige Zeit später wurde die matschige Textur nachgeladen und präsentierte das richtige Bild. Leider habe ich vom Nachher keinen Screenshot, da die Screenshot-Funktion innerhalb der Beta anscheinend nur bei jeder dritten Aufnahme funktioniert hat, was natürlich echt doof ist. Aus unerfindlichem Grund war die Konsole dermaßen ausgelastet, dass selbst wenn es funktioniert hat die Bestätigung mittels Aufnahme-Icon erst zeitverzögert innerhalb von bis zu 30 Sekunden später oder in manchen Fällen gar nicht kam. Ebenso funktioniert das Drücken auf den PS-Button, was die Anwendung normalerweise pausiert und uns zum Menü der Konsole zurückbringt, innerhalb des Spiels nicht, sondern verlangte von uns das komplette Ausloggen, bis wir ins Menü der Konsole wechseln konnten. Aber das sind Dinge, die ich, zumindest für den momentanen Zeitpunkt, mal unter dem Stichwort „Beta“, die gleichzeitig auch ein Belastungstest ist, verbuche. Allerdings sollte die Entwicklung gerade diese groben Schnitzer bis zum Release noch ausbauen. Sieht man aber davon ab ist das Spiel wirklich schick geworden. Und auch wenn die verwendete Snowdrop Engine, die bereits im Vorgänger zum Einsatz kam, nun auch schon ein paar Tage auf dem Buckel hat, so liefert sie einige wirklich tolle Bilder, besonders in Form von Licht- und Schatteneffekten, Reflektionen in Pfützen und auf den Spieler reagierende Flora und Fauna und den Straßen von Washington. Da wir uns nun im Frühling befinden gibt es zwar keinen Schnee mehr, aber dafür bekommen wir unterschiedliche Wettereinstellungen und dynamische Tag- und Nachtwechsel, die insgesamt mehr Variation bieten, als im ersten Teil. Natürlich gibt es hier auch den ein oder anderen Clippingfehler, wenn wir die Waffe eines Gegners bereits durch eine Tür sehen, aber da habe ich schon weitaus schlimmeres erlebt. Solche Kleinigkeiten werden bestimmt noch bis zum Release ausgebaut.

 

Vom Gameplay her bekommt man gewohnte Kost, den abseits von ein paar Anpassungen innerhalb der Customisation ist alles beim alten geblieben und steuert sich genauso wie der Vorgänger. Wer den Vorgänger gespielt hat wird daher keinerlei Umstellungsprobleme haben, denn hier ist alles beim Alten. Gleiches trifft größtenteils auch auf das Gegner- und Trefferfeedback zu. Die Gegner halten nach wie vor einiges mehr aus, als in x-beliebigen Shootern, da es sich hier eher um ein RPG handelt. Hier kommt recht simple Mathematik zum Einsatz: Ein Gegner hat X-Energie, unsere Waffe macht Y-Schaden und der Gegner geht erst zu Boden, wenn seine Energie aufgebraucht ist. Das können wir zwar noch insofern beeinflussen, je nachdem wo am Körper wir ihn treffen, aber One-Shot-Kills sucht man hier vergebens. Aber insgesamt hatte ich dennoch das Gefühl, dass an der Skalierung etwas geschraubt wurde und die Standard-Gegner generell nicht mehr „soooo sehr“ wie ein Schwamm auf Kugel wirken, wie im Vorgänger, wozu ich allerdings auch schon konträre Kommentare gelesen habe, die ich aber nicht ganz nachvollziehen kann.

 

Allerdings ist das meiner Meinung nach größte Problem des ersten Teils auch in der Fortsetzung immer noch vorhanden und das ist das unfaire und wirklich unausgewogene Verhalten in der Dakrzone. Zwar gibt es nun auch Modi, wie Deathmatch und Team-Deathmatch, wo das Spielprinzip quasi vorgegeben ist, aber ich spreche von der „allgemeinen“ Darkzone. Wer Solo in die Darkzone geht ist eigentlich schon dem Tode geweiht, denn sobald man auf eine Gruppe trifft kann man seinem Loot schon Goodbye sagen. Ubisoft hat im Vorfeld zwar angekündigt, dass es in diesem Zusammenhang ein Matchmaking geben soll, das Solo-Spieler mit anderen Solo-Spielern zusammenpackt, damit diese wenigstens eine kleine Chance haben, aber in der Realität konnte ich davon nichts feststellen. Ich war allein unterwegs und mir sind zwar auch Leute über den Weg gelaufen, die ebenfalls alleine waren und man hat sich dann auch nicht umgehend angegriffen, aber Zusammenhalt sieht dennoch anders aus, denn spätestens wenn eine Gruppe Rogues angerannt kommt, nimmt jeder die Füße in Hand, kämpft für sich allein und versucht am Ende nur irgendwie am Leben zu bleiben, was meist ein aussichtsloser Kampf ist. Ich bin gespannt, ob die Entwickler dazu noch ein Ass im Ärmel haben, was sie erst zum Release auspacken, aber bisher ist und war alles in der PVP-Zone leider nichts, was man nicht vom Vorgänger kennt und so werde ich mich wieder vorrangig auf PVE, hier gerne im Multiplayer mit einer zufallsgenerierten Crew, konzentrieren und erst mal abwarten, wie es sich mit der Darkzone weiterentwickelt, bevor ich mich nochmal hinein wage.

 

Auch wenn gerade das Ende etwas negativ klingt, so freue ich mich dennoch sehr auf das Release des zweiten Teils, denn bereits die Beta hat mir wieder gezeigt, dass das Prinzip von der Jagd nach dem besseren Loot, sprich Looten und Leveln immer noch begeistert. Besonders da wir mehr Abwechslung, sowohl im Setting, wie auch in Skills und Customisation präsentiert bekommen, es mehr Endgame-Inhalt in Form einer zweiten Kampagne mit neuen Gegnergruppen und zusätzlichen Raids geben soll. Denn auch hier bot die Vanilla-Version des Erstlings etwas wenig. Erst Zusatzinhalte des Season Passes haben dann einiges nachgereicht. Zwar wird es auch beim zweiten Teil wieder einen Season Pass geben, aber Erweiterungen sollten kostenfrei für alle Spieler angeboten werden und auch wenn man bisher von der Story innerhalb der Beta noch nicht viel mitbekommen hat, so hat Ubisoft bereits angekündigt, dass diese um einiges ausgeklügelter und mehr im Fokus stehen soll, als beim ersten Teil. Wir können also gespannt sein, was wir mit dem Release so alles präsentiert bekommen. Ich werde selbstverständlich umgehend nach dem Release der Vollversion einen ausführlichen Bericht mit allen Neuerungen nachreichen.

 

NB@12.02.2019

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