Jordan Mechner ist ein Pionier der Spieleindustrie. Er hat mit seiner Arbeit am ersten Prince of Persia, lange bevor Ubisoft in eine komplett andere Richtung geführt hat, spielerisch und technisch Maßstäbe gesetzt. Besonders die ausgefeilten Charakteranimationen, die ähnlich wie bei „Another World“ und „Flashback“ unter Einsatz von Rotoskopie entstanden sind, sind bis zum heutigen Tag beeindruckend. Was viele allerdings nicht wissen ist, dass „Prince of Persia“ bereits das zweite Spiel dieser Art von Mechner war, denn bereits fünf Jahre zuvor wandelte er mit „Karateka“ auf ähnlichen Pfaden. Und da das Spiel nun auf modernen Konsolen wieder veröffentlicht wurde, werfen wir einen Blick auf das Spiel an sich, sein Vermächtnis und selbstverständlich auch die neue Veröffentlichung.

1984, Jordan studiert gerade an der renommierten Yale Universität und programmiert in seiner Freizeit sein erstes Spiel, „Karateka“. Das Spiel soll dabei seine Liebe zu Abenteuer und Kampfsport thematisieren. Dabei ist es eines der ersten Spiele, das Martial Arts in einem Videospiel darstellt, da Mechner unter anderem ein großer Fan der Filme von Akira Kurosawa ist, die bis heute noch Spieleentwicklung beeinflussen, wie „Ghost of Tsushima„, oder „Trek to Yomi“. Die Geschichte ist zwar simpel gestrickt, unterhält aber dennoch: Wir spielen einen namenlosen Karatekämpfer, der seine große Liebe, die wunderschöne Prinzessin Mariko aus den Fängen des bösen Akuma befreien muss. Dazu kämpfen wir uns immer tiefer in die Festung des Bösen vor und müssen allerlei Gegner aus dem Weg räumen, sie sich uns an unserer Mission hindern wollen…

Mit jedem Gegner kämpfen wir 1 gegen 1, während es immer wieder kurzes Cutscenes und Gegenschnitte gibt, die uns die Handlung an anderen Orten des Spiels, wie was beispielsweise zeitgleich bei Mariko passiert, zeigt. Auch wenn die Möglichkeiten im Kampf mit Schlagen, Treten und ausweichen zunächst sehr überschaubar wirken, so gibt es doch mehr Möglichkeiten. So können wir dem Gegner mit einer Verbeugung Respekt zollen, unsere Angriffe auf hoch, Mitte und tief verteilen und mit richtigem Timing sogar Kombos durchführen.

Über die Jahre ist das Spiel, nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung auf dem Apple II auf nahezu jeder zeitgenössischen Plattform erschienen. C64, Atari 7800, ZX Spectrum, NES, oder MS DOS, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Überall gab es eine Version von „Karateka“, auch wenn die Versionen untereinander teilweise starke Unterschiede aufwiesen. 2012 wurde auf Xbox360 und PS3 ein Remake veröffentlicht, das allerdings die Optik und das Gameplay des Originals größtenteils hinter sich ließ, auch wenn das Spiel strukturell identisch ist. Diese Version ist nicht Teil der Wiederveröffentlichung, hingegen rückt man das Original und die unterschiedlichen klassischen Versionen in den Vordergrund und rundet alles durch eine originalgetreue und inhaltlich erweiterte Remastered-Version ab.

Doch der Titel dieser Veröffentlichung ist nicht nur „Karateka“, sondern „The Making of Karateka“, denn die faszinierende Entstehungsgeschichte ist ebenfalls im Fokus. So gibt es neben den enthaltenen Spielen, die sich über das Hauptmenü separat auswählen lassen, auch einen interaktiven Zeitstrahl mit der Entstehung, Interviews, Konzeptart, Fotos und letztendlich auch den unterschiedlichen Iterationen des Spiels, neben anderer Spiele von Mechner. Insgesamt sind diese Spiele und Titel in der Sammlung enthalten:
- Karatega (Apple II)
- Karatega (C64)
- Karatega (Atari 8-Bit)
- Karatega Remastered (Reimagined 2023)
- Deathbounce: Rebounded (Reimagined 2023)
- Deathbounce (First Prototype, Apple II)
- Deathbounce (Colored Balls Prototype, Apple II)
- Deathbounce (Little Man Prototype, Apple II)
- Deathbounce (Space Train Prototype, Apple II)
- Karatega (Jordan’s Prototype, Apple II)
- Karatega (Brøderbund Prototype 1, Apple II)
- Karatega (Brøderbund Prototype 2, Apple II)
- Asteroid Blaster (Apple II)
- Star Blaster (Apple II)
Die klassischen Versionen der Spiele stehen jeweils mit modernen Annehmlichkeiten, wie Save States und Zurückspulen zur Verfügung. Weiter kann man die Spiele im „Anschauen“-Modus auch vorgespielt bekommen und per Knopfdruck jederzeit übernehmen, wie es schon bei „Disney Classic Games: Aladdin and The Lion King„, oder „TMNT: The Cowabunga Collection“ der Fall war, hinter deren Entwicklung ebenfalls Digital Eclipse steckt. Lediglich die neues Remastered-Versionen verzichten auf diese Vorzüge. Mit etwas Übung sollte man es aber dennoch schaffen das Spiel komplett zu sehen und diese Version ist zweifelsfrei das Sahnehäubchen, denn es wurden sämtliche Szenen und Mechaniken aus den unterschiedlichen Versionen und sogar Elemente, die ursprünglich der Schere zum Opfer gefallen sind, im Spiel vereint. Zusätzlich gibt es eine ganze Liste von Herausforderungen, an die einige der Trophäen gekoppelt sind und die uns ermutigen sollen das Spiel mehrfach zu spielen.

Insgesamt handelt es sich bei „The Making of Karatega“ nicht nur um eine liebevolle Hommage, sondern gleichzeitig um eine mitreißende Dokumentation mit jeder Menge Hintergrundinformationen. Die Verbindung der Elemente ist nicht nur innovativ, sondern auch überraschend spannend erzählt. Wen das allerdings nicht interessiert, der bekommt eine umfangreiche Liste von unterschiedlichen Spielen und Versionen, die teilweise aus den tiefsten Archiven stammen und bislang noch keine kommerzielle Veröffentlichung erfahren haben. Der Vollständigkeit halber muss man aber erwähnen, dass das „Karatega“ an sich, unabhängig von der Version, nur noch bedingt unterhält. Dafür sind die Mechaniken zu limitiert und das Gameplay etwas zu eintönig, denn eine wirkliche Herausforderung in Form von ausgefeilten Plattformer Passagen kam erst mit dem indirekten Nachfolger, „Prince of Persia“ dazu, das seine Entwicklung zunächst als „Karatega II“ begonnen hatte…
Entwickler: Jordan Mechner, Digital Eclipse
Publisher: Brøderbund, Ariolasoft, Digital Eclipse
Erhältlich auf: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch
NB@05.09.2023
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