Capcom hat sich ganz schön gemausert. Noch vor ein paar Jahren waren alle Franchises eher auf dem absteigenden Ast, so sind diese nun mit Karacho zurück. Bereits die Neuauflage von „Resident Evil 2“ ist ein großer Anwärter auf das Spiel des Jahres und nun gibt es auch noch ein neues Devil May Cry, das sich nach, meiner Meinung nach, eher missglückten Experimenten à la dem Reboot „DMC“, wieder auf die Stärken der Reihe besinnt und durch eine Mischung aus Alt und Neu sowohl hartgesottene Fans, wie auch Neulinge zufrieden stellen sollte. Dabei war „DMC“ per se kein schlechtes Spiel, doch hat sich zu sehr vom Ursprung der Reihe entfernt und hätte wahrscheinlich als komplett neues Spiel mit eigenem Charakter, wie zum Beispiel auch „Bayonetta“, um einiges besser funktioniert, zumal es ohnehin nicht in House von Capcom, sondern von Ninja Theory entwickelt wurde.

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„Devil May Cry 5“ wurde wieder von Capcom selbst entwickelt und knüpft direkt an den vierten Teil der Reihe an, was im Grunde aber bis auf die auftretenden Charaktere keine weitere Auswirkung hat, da der aktuelle Teil inhaltlich abgeschlossen ist. Die beiden Hauptcharaktere Nero und Dante aus dem direkten Vorgänger werden durch einen weiteren Charakter, den mysteriösen V unterstützt und das Trio sieht sich mit einer übergroßen Menge an Dämonen, die ihre Heimat, Red Grave City, was quasi eine fiktive Version von London ist, heimsuchen, konfrontiert. Angeführt werden diese Dämonen von Urizen, der es in seiner Festung, die als überdimensionaler Baum mitten in der Stadt wächst und sich von menschlichem Blut ernährt. Ja, die Story ist überaus übertrieben und dabei dennoch recht schnell erzählt, da sie im Grunde auch eher belanglos ist und mehr als Rechtfertigung dafür zählt, dass wir uns durch Gegnerhorden en Masse metzeln dürfen. Doch auch wenn sie recht wenig Impact hat, unterhält sie dennoch ungemein. Man könnte sie vielleicht als spielerisches Äquivalent mit den Transformers-Filmen von Michael Bay ansehen, denn auch da gibt es eine Geschichte eher aus dem Selbstzweck heraus, was aber manchmal auch gar nicht notwendig ist, wenn man im Grunde nur Dämonen-Schnätzeln will und sich von optischen Schauwerten und Setpieces beeindrucken lassen möchte. Leider ist Urizen dermaßen stark, dass das Trio im Prolog des Spiels keinerlei Chance gegen ihn hat und einzig der Rückzug bleibt. Doch wahrscheinlich war das Vorgehen einfach das falsche, direkt den Oberboss zu konfrontieren, bevor man ihn weit genug durch das systematische Ausschalten seiner Festungen und Gefolgschaft geschwächt hat, war wahrscheinlich ein Fehler. So vergeht einige Zeit und wir begeben uns mit neuen Waffen und Fähigkeiten ausgestattet in den Kampf…

 

Im Spiel lassen sich alle drei Charaktere spielen, doch für jeden Abschnitt des Spiels ist in der Regel ein fixer Charakter vorgegeben. Lediglich eine Handvoll Level bieten uns die Wahl des Charakters und eröffnen und so unterschiedliche Wege im Level. Dabei hat jeder Charakter seine Vor- und Nachteile und steuert sich unterschiedlich zu den anderen, was das Spiel überraschend abwechslungsreich gestaltet.

 

Unser Hauptcharakter ist dabei Nero, den wir auch im vierten Teil spielen durften. Dieser ist quasi eine jüngere und abwechslungsreichere von Serienveteran Dante und kommt mit einigen neuen Fähigkeiten im Gepäck. Da Nero im Vergleich zum Vorgänger seinen Dämonenarm verloren hat ist es in diesem Teil auf eine Prothese angewiesen, die aber eine wirksame neue Waffe, den sogenannten „Devil Breaker“, darstellt. Diese sind keine herkömmliche Prothesen, denn sie wurden von der Waffenspezialistin Nico gefertigt, bei der man im Spiel auch Updgrades erwerben kann und sind austauschbar. So gibt es Devil Breaker, die sich zum Beispiel auf Knopfdruck in ein Schwert verwandeln, die Elektroschocks verschießen, oder die kurzzeitig die Zeit anhalten, was bei der Auswahl des Armes eine gewisse Taktische Komponente mit sich bringt. Mein persönlicher Favorit ist allerdings der „Mega Blaster“, der 1:1 aus Megaman übernommen wurde und Laserschüsse in verschiedenen Intensitäten abschießen kann. Abseits von seiner Prothese verfügt Nero noch über ein Schwert für den Nah, sowie eine Pistole für den Fernkampf, die sich alle unabhängig voneinander anwählen und miteinander in abgedrehten Combos kombinieren lassen. Wo Waffe und Schwert unbegrenzt sind, sind die Devil Breakers allerdings endlich. Wir können immer nur einen Vorrat an unterschiedlichen Aufsätzen gleichzeitig mit uns führen und diese können im Kampf auch schnell mal kaputtgehen. Nachschub gibt es entweder bei Nico im Shop oder versteckt in den Levels. Ich hatte in meinem Durchspielen keinerlei Probleme der Knappheit und empfehle euch eure Orbs, die In-Game-Währung, lieber für neue Fähigkeiten auszugeben, anstatt sie für die Devil Breakers rauszuwerfen, denn in den Levels findet man in der Regel genug davon.

 

In krassem Gegensatz zu der Abwechslungsmöglichkeit in seinen Attacken steht dann der nächste Charakter, den wir im Rahmen der Story spielen dürfen: Der mysteriöse Neuzugang V. – Denn V sieht nicht nur aus, wie eine untrainierte Version von Adam Driver, sondern ist auch neben dem rein optischen ziemlich schwach und gebrechlich. – So stark sogar, dass er auf einen Gehstock angewiesen ist und kann sich den Dämonen im Grund nicht durch seine eigene Kraft bewehren, was allerdings nicht bedeutet, dass er pazifistisch den Kämpfen aus dem Weg geht. Denn er ist ein Zauberer und lässt drei unterschiedliche Zauberkreaturen für sich kämpfen, die wir als Spieler befehligen. Er wird standardgemäß von eine Greif für Fernangriffe und eine Panther für den Nahkampf begleitet und kann, wenn seine Fähigkeiten-Anzeige durch besiegte Gegner und Combos, genug angestiegen noch den Hausgroßen Golem Nightmare herbeirufen, den er sogar reiten kann. Und da wir parallel zu den Angriffen mit V ausweichen und Gegner mittels unseren Gehstocks den finalen Schlag verpassen müssen, damit sie sich nicht wieder aufrappeln können, spielt es sich mit diesem Charakter grundlegend anders, als mit Nero oder Dante. Das ist zwar interessant gemacht, aber artet leider oft in ein unübersichtliches Gewusel aus, zumal es teilweise recht willkürlich wirkt, wann die magischen Begleiter genau welchen Gegner angreifen, was besonders am Anfang zu unüberlegtem „buttonmashing“ führt, bis man sich mehr auf diese komplett-andere Art des Kampfes eingestellt hat. – Und wer sich nun fragt, wer V eigentlich ist? – Ja, man kennt ihn bislang aus keinem der Teile und sein Charakter spielt auch eine nicht unerhebliche Rolle im Rahmen der Geschichte, das ich natürlich hier nicht spoilern möchte, weswegen ich mich letztendlich doch einem alten Bekannten der Reihe widme: Dante!

 

Dante ist das Urgestein der Reihe und ist bereits seit dem ersten Teil Protagonist, auch wenn er seit dem vierten Teil nicht mehr der Hauptcharakter ist. Natürlich spielen wir den Sohn des Sparda auch wieder in diesem Teil und hier ist im Grunde alles beim Alten, was besonders Serienveteranen freuen wird. Er ist mit seinen Breitschwert und den zwei Pistolen (Ebony & Ivory) ausgestattet und zieht mit einem lockeren Spruch auf den Lippen gegen jeden Dämon in den Kampf. Zusätzlich zu den Standardangriffen gibt es für Dante sogar noch unterschiedliche Angriffsschemata, die in vier Kategorien („Swordmaster“, „Gunslinger“, „Royal Guard“ und „Trickster“) kategorisiert sind. Und ja, die Möglichkeiten im Kampf sind vielfältig und die möglichen Combos werden bestimmt den ein oder anderen Spieler an seine Grenzen bringen, denn die Steuerung, die bei Nero und V bereits etwas überladen und in Sachen Combos einem reinrassigen Prügelspiel ebenbürtig war, schaltet hier nochmal ein paar Gänge hoch und das selbst wenn man unberücksichtigt lässt, dass er im Verlauf der Geschichte sogar noch weitere Fähigkeiten dazubekommt…

 

Und das bringt uns auch zu einem Punkt, der wahrscheinlich einige Spieler abschrecken wird: Der Schwierigkeitsgrad, denn dieser ist bereits auf dem leichtesten Modus „Human“ nicht von der Hand zu weisen. Und auch wenn man am Anfang noch mit blindem „Knöpfchendrücken“ einigermaßen durchkommt, so recht sich das spätestens, wenn man anfängt mit Dante zu spielen, denn mit unserem Spielfortschritt werden nicht nur auch die Gegner stärker, sondern auch das Fenster fürs Ausprobieren und Erlernen wird immer kleiner. Im Gegenzug wird das Spiel aber umso besser, je mehr man die Steuerung verinnerlicht hat und man es schafft mit geschickten Moves eine ganze Horde Gegner mit Style auszuschalten. Jedoch ist der Weg dahin steinig und die Herausforderung der weiteren Schwierigkeitsgrade wird auch nicht gerade weniger… – Insofern verhält sich das Spiel recht ähnlich zu „Dakrsiders 3“, auch wenn man hier beim Ableben sein gesammeltes Loot behalten darf.

 

Von der technischen Seite gibt es nichts zu meckern. Hier hat Capcom wieder ganze Arbeit geleistet und ein wirklich schickes Produkt abgeliefert. Ebenso, wie bei „Resident Evil 7“ und  der neuen Version von „Resident Evil 2“ fand hier die RE Engine Einsatz, die aber auf Grund des recht unterschiedlichen Gameplays kaum wiederzuerkennen ist. Die Areale sind, wenn auch teilweise etwas schlauchig, sehr detailliert bieten gerade in den ersten Levels einiges an Abwechslung. Aber der Spielmitte werden die Areale leider weniger abwechslungsreich, was aber im Rahmen der Story kaum anders möglich war. Das Spieltempo ist gewohnt hoch und verlangt vom Spieler einiges ab, umso schöner, ist dass es keine nennenswerten Slowdowns gibt, die den Spielfluss stören. Aber das wurde wahrscheinlich durch in Zwischensequenzen verstecktes Nachladen und durch inhaltlich und spielerisch abgeschlossene Kapitel erreicht, denn wir haben es zur Abwechslung mal nicht mit einem ausufernden Open World Blockbuster zu tun, sondern einem in 20 Kapitel aufgeteilten Spiel. Am Anfang eines jeden Kapitels, die man auch beliebig oft wiederholen kann, kann man den Shop besuchen und sich mit neuen Skills und Ausrüstungen für das Level eindecken, denn am Ende eines jeden Kapitels bekommt man ein Ranking verpasst, das sowohl die Zeit, aber auch Style, Anzahl der Ableben, etc. berücksichtigt. Natürlich ist dieses Ranking komplett optional und dient mehr als Motivation für wiederholtes Durchspielen und die Trophäenjagd. Wen das nicht interessiert, der kann die Levels natürlich auch einmalig abschließen und hat danach einen Großteil des Spiels gesehen, was irgendwo zwischen 15 und 20 Stunden in Anspruch nimmt. Zusätzlich gibt es in manchen Levels noch Alternativroutern mit anderen Charakteren und versteckte Nebenmissionen, die aber auch vollkommen optional sind.

 

Insgesamt hatte ich eine Menge Spaß, wenn zugegebenermaßen stellenweise etwas Frust, mit dem Spiel. Das Spielprinzip ist sehr old-school, sowohl vom Anspruch, wie auch vom Leveldesign und bietet durch unzählige freischaltbare Combos und Zusätze für alle Charaktere einiges an Wiederspielwert. Ich persönlich habe den Kauf nicht bereut und nach einer etwas steileren Lernkurve zum Beginn hat das Spiel wieder genauso viel Spaß gemacht, wie schon der Erstling auf der PS2. Jüngere Spieler, die diese Vorerfahrung allerdingst nicht haben, könnten sich durch den Schwierigkeitsgrad und das recht lineare Spielprinzip, bei dem wir im Grunde (nur) von Arena zu Arena laufen, bis wir am Ende eines Levels bei einem Boss angelangt sind, etwas abschrecken lassen. Hier empfiehlt es sich unter Umständen vor dem Kauf einmal die Demo anzuschauen, die es im PSN gratis für PlayStation Plus-Mitglieder gibt und die ich hier für euch verlinkt habe.

NB@22.03.2019

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