Unfassbar, aber es sind mittlerweile 13 Jahre seit der Veröffentlichung des ersten God of War, das damals noch auf der PS2 erschien, vergangen. Viele Spieler werden sich wahrscheinlich gar nicht mehr an die PS2 erinnern und so macht es auch durchaus Sinn, dass der Serie mit der aktuellen Veröffentlichung, die verwirrenderweise auch nur „God of War“, ohne jegliche Zusätze, betitelt ist, nicht um eine reinrassige Fortsetzung handelt.

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Ich muss auch zugeben, dass auch wenn ich persönlich ein Fan der Reihe war die Formel sich über die Jahre etwas abgenutzt hat, was nach insgesamt 4 vollwertigen und 2 Teilen für Handhelds, die sich mehr oder minder gleich spielten, auch nicht besonders merkwürdig ist. Im Nachhinein betrachtet muss ich sogar zugeben, dass ich den letzten Teil „God of War: Ascension“ sogar nie durchgespielt habe. Es ist immer etwas anderes dazwischen gekommen und zu marginal waren die Unterschiede von Teil zu Teil. Was am Anfang im ersten Teil noch beeindruckend wirkte hatte sich nach ähnlicher Darbietung in weiteren Teilen oder anderen Spielen einfach zu sehr abgenutzt. Allerdings scheine ich mit dieser Meinung nicht grundlegend alleine zu sein, denn auch die Entwickler der Serie waren es Leid immer das Gleiche zu machen und habe sich stattdessen dafür entschieden die Reihe komplett zu überarbeiten und mit einer anderen Ausrichtung zu versehen. Man könnte es im Grunde als ein „light“ Reboot bezeichnen, denn das Spiel setzt zwar die anderen Teile chronologisch gesehen fort, bietet aber genug alleinstellungsmerkmale, dass man von diesen keinerlei Vorwissen benötigt und auch mit diesem Teil erst einsteigen kann. Wir haben zwar den gleichen Hauptcharakter, aber ein komplett neues Setting, neue Gameplay-Mechanik, neue Waffen und letztendlich Atreus, den Sohn von Kratos.

Hat sich Kriegsgott Kratos in den vergangenen Teilen noch auf einem unerbittlichen Rachefeldzug durch Griechenland gekämpft, so hat es ihn im aktuellen Teil, einige Zeit später, ins Reich der nordischen Mythologie verschlagen. Eigentlich wollte Kratos in Skandinavien ein ruhiges Leben mit Frau und Sohn leben, doch leider wird die Idylle durch den Tod von Faye, der Frau von Kratos, jäh beendet. Ihr letzter Wunsch war, dass Kratos und Atreus ihre Asche auf dem höchsten Gipfel verstreuen. Doch es wäre kein God of War, wenn das so einfach funktionieren würde und ehe man sich versieht wird das beschauliche Setting in Midgard, dem Hauptsetting des Spiels, von übernatürlichen Wesen und Monstern gestört, die sich Kratos und seinem Sohn auf ihrer Reise in den Weg stellen…

Auf der Reise verschlägt es uns insgesamt in die unterschiedlichen Welten, der nordischen Mythologie. Midgard fungiert dabei als unser Hub von der wir in die anderen Welten aufbrechen. Die Wege schalten wir im Verlauf der Geschichte und durch das Erlernen neuer Fähigkeiten frei, wie man es zum Beispiel aus dem Reboot von Tomb Raider oder den Arkham-Spielen kennt. Das Spiel lässt uns also mehr spielerische Freiheit, als die sehr lineralen Vorgänger.

Auch in Sachen Kamera, Charakterfähigkeiten und Kampfsystem hat sich einiges getan, denn  die fixen Kameraperspektiven der Vorgänger sind einer dynamischen over-the-shoulder-Ansicht gewischen. Wir sind daher viel enger im Geschehen dabei, was allerdings auch bedeutet, dass man im Kampf auch schnell mal vom eigenen Charakter die Sicht verbaut bekommen kann.  Vom Kampfsystem hat Kratos sich mitlerweile auch neu umgeschaut und hat nun immer seine treue Axt dabei, die er sowohl für Nah-, wie aber auch den Fernkampf einsetzt. Besonders cool ist dabei, dass er die geworfene Axt auf Kommando, ähnich wie Thor’s Hammer, wieder zurückrufen kann. Und sollte doch mal ein Geschoss zu nahe kommen hat Kratos zusätzlich auch noch einen ausklappbaren Schild und eine Rüstung zum Schutz. Sowohl Fähigkeiten, wie auch Rüstung und Schild lassen sich durch Geld- und Ressourcen, die Gegner fallen lassen, wie auch verdiente Erfahrungspunkte aufleveln, wie schon fast an ein ausgereiftes Rollenspiel erinnert. Das scheint momentan schwer in Mode zu sein, da auch das aktuellste „Assassin’s Creed“ diese Neuerung ins Repertoire aufgenommen hat, macht sich aber insgesamt wirklich gut und wirkt gar nicht aufgesetzt.

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Eine weitere Neuerung im Kampf (wie auch abseits des Kampfes) ist, dass wir nicht alleine durch die malerische Kulisse wandeln, sondern Kratos‘ Sohn Atreus immer an unserer Seite ist. Wenn man in Verbindung mit Videospielen die Schlagworte „Begleiter“ und „Kind“ fallen lässt gehen bei mir immer erst mal die Alarmglocken an, denn so etwas kann schnell zu einer nicht enden wollenden Beschützermission ausarten. Fehlt eigentlich nur noch ein Zeitlimit und eine Unterwassermission und der Horror wäre perfekt! – So ist es in diesem Fall Gott-sei-Dank nicht geworden, denn Atreus agiert mit Sinn und Verstand an unserer Seite und unterstützt uns tatkräftig im Kampf oder beim Lösen von Rätzeln.

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Passend zur offeneren Welt gibt es nun auch komplett optionale Nebenaufgaben und jede Menge lustiger NPCs, die uns zur Abwechslung mal nicht ans Leder wollen. Diese lockern das Spiel nochmal etwas auf und schaffen eine lebendigere Welt. Gleiches gilt auch für die Hauptfiguren, denn Kratos, wie auch Atreus machen im Laufe der Geschichte authentisch-wirkende Wandlungen durch und die Beziehung der Beiden erinnert teilweise sogar an das überaus charakterbasierte Writing in Naughty Dog’s „The Last of Us“, nur dass es sich hier bei einer Hauptfigur eben um Kratos handelt, von dem man vorher nicht sicher sein konnte, ob er überhaupt zu anderen Emotionen als Wut fähig ist…

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Insgesamt hat mir das neue God of War wirklich gut gefallen. Die Neuerungen sind wirklich gut in das Spiel implementiert und wirken aus einem Guss. Hier haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet und das weiß sogar so zu begeistern, dass ich gerne noch, obwohl das Spiel schon beendet ist, weiter in der Welt Nebenaufgaben erledige und bereits besuchte Bereiche mit neuen Fähigkeiten nochmal besuche, um alle versteckten Schätze zu finden, was man über die wenigsten Spiele sagen kann und ich hätte persönlich auch niemals gedacht, dass sowas bei einem „God of War“ der Fall sein kann. Wer sich rein auf die Hauptgeschichte konzentriert dürfte mit dem Spiel gute 20 Stunden beschäftigt sein, wer allerdings auch links und rechts davon erkundet wird um einiges länger mit Kratos und Atreus unterwegs sein…

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NB@20.04.2018